Nr. 246

Samstag, 20. Oktober 1934

Seile 3

Erste Wäscheregel:

HYGIENISCH EINWANDFREI

Aus allen Schlupfwinkeln wird der Schmutz entfernt alle gesundheits­schädlichen Keime werden vernichtet durch RAD1ONI Sie können auch bei größter Mühe durch Reiben und Rumpeln nur die Außenseite der Ge­webe reinigen, aber beim Kochen in Radionlösung treiben Millionen feinster Sauerstoffbläschen die reini­gende Radionlösung durch die Ge­webe. RADION wäscht in kaum mehr als 15 Minuten gründlicher, als Ihre fleißigen Hände es bei größter An­strengung könnten. Solche Wäsche ist: HYGIENISCH EINWANDFREI! RADION

s IMü e i n!

Will Fey wieder putschen? Auffällige Verhaftungen in Wien und in der Provinz InWien wurden in den letzten Tagen wieder verschiedene Funktionäre der aufgelösten Parteien und Organisationen verhaftet. In B r« ck a. M. wurden 72, im weiteren Ober­steiermark ebenfalls 70 Personen, fast durchwegs Kommunisten und Sozialisten, verhaf­tet. Der Grund ist unbekannt. * Nach den Erfahrungen vom Juli würden diese Brrhaftungen und dir Putschgerüchte der letzten Tage dafür sprechen, das? der Generalstaatskommissar für Sicherheitswrsen und There- sienritter MajorFeywieder eine kleineAktionvor hat. Genau so wurde es näm­lich im Juli eingeleitet! Die Naziblätter meldeten, daß die Marxisten putschen wollen. Fey verhaftete daraufhin 3000 Marxisten und erzählte der Regierung, daß jede Putschgefahr beho­ben sei. Am 25. Juli aber putschten die Nazi mit passiver und wahrscheinlich auch aktiver Hilfe des Fey! Es hieß in dieser Woche, daß die H e i m w e h r e n g e g e n die widerspenstigen CH r i st- lichsozialen vorgehen würden. Die rätselhaften Verhaftungen fügen sich in dieses Bild ein. Wenn Fey Marxisten verhaftet, plant er so war es im Feber und im Juli selber etwas. Die Herren Schuschnigg und Kunschak mögen jedenfalls auf der Hut fein! Sie haben einen Generalstaatskommissar, mit dem nicht zu spaffen ist....

keinerlei bindende Verpflichtungen für die unserer Internationale angrschlossenen Parteien überneh­men können. Aber andererseits vetrachen wir es als unsere Pflicht, unserer Exekutive, über die Anträge und Vorschläge, die Sie uns unterbreiten, zu berichten. Rach dem, was m den letzten 12 Jahren ge­schehen ist, bedarf eine gemeinsame Aktion ans internationaler Basis in jedem Falle einer gründlichen Vorbereitung und kann nicht auf Improvisationen gestützt werden. Wir haben deshalb in einem Aufruf, den wir Ihnen zur Kenntnis gebracht haben, unsere Parteien aufgefordert, für die Unterstützung der Arbeiter Spaniens zu wirken, ohne unsere Ver­handlungen avzuwarten. Sie haben Ihrerseits eine analoge Haltung eingenommen. In Frankreich hat es viele Wochen erfordert. Um zum Abschluß des Paktes für die gemeinsame Aktion zu kommen. Sie werden sich klar sein, daß auf inter­nationalem Gebiet unvermeidlich ist, daß die Verhandlungen nicht schneller vor sich gehen Knnm. Wir bedauern, daß diese Verhandlungen nicht schonz« einer Zeit ausgenommen wur­den» wo unsere Internatio­nale deren Einleitung ver­sucht hat, das heißt unmittel­bar bei der Machtergreifung des Hitler-Fascismus. Wenn das damals geschehen wäre, so hätte unsere gemein­same Aktion bei Gelegenheit der Ereignisse in Spanien wirksam werden können. Aber jetzt ist der Streik in Spanien an seinem Ende, Ca­ballero, das Mitglied unserer Exekutive verhaftet. Wir bedauern, daß wir nicht unmittelbar zu­sammen für Spanien in Aktion treten können, aber wir glauben, daß für die Zukunst unsere Unterredung wichtige Folgen haben kann. Das, was sich jetzt ereignet, beweist, daß nur durch eine planmäßige Vor­bereitung einer gemeinsamen Aktion etwas wirklich Wirksames erreicht wer­den kann. Die Frage, die Gegenstand unserer heutigen Besprechung ist, steht seit langem auf der Tagesordnung unserer Exeku­tive, die Mitte November in Paris Zusammentritt. Der Punkt wurde auf die Tages­ordnung infolge der Ereignisse in Frankreich ge­setzt und natürlich werden die Informationen, die Sie«ns geben, ein sehr wichtiger Beitrag zu den Diskussionen, die wir führen werden, sein." Auf Grund dieser Erklärung erfolgte ein Meinungsaustausch, von zwei Stunden, der in einem Stenogramm festgehalte» wurde, das den kompetenten Organen der beiden Internationalen vorgelegt werden wird.

Tolles Treiben der Landbündler Von unseren Landbündlern ist die politische Oeffentlichkeit weit über die Kreise der sozial­demokratischen Parteien hinaus in der letzten Zeit daran gewöhnt worden, daß diese Partei auf der ganzen politischen Tonleiter von dem Bünd­nis mit der deutschböhmischen Spielart der Haken- kreuzlerei bis zum tschechoslowakischen Patriotis­mus alle Melodien spielen kann. Diese Viel­seitigkeit des Bundes der Landwirte ist auch in deren Parteipresse zu bemerken, zu deren Eigen­arten es gehört, von Zeit zu Zeit die tollsten Bock­sprünge aufzuführen. So findet sich in der »Deutschen Landpost" von Freitag ein Artikel, in dem sehr radikal getan und dargelegt wird, daß die wirkliche politische Stellung einer Partei daran zu erkennen ist, welche Stellung sie zum Finanzkapital einnimmt. Kaum hat man diese radikal soziale Einstellung gelesen und sich darüber gewundert, so erfährt man gleich, warum die»Landpost" so radikal tut. Sie benützt näm­lich diese ihre neueste Erkenntnis, um zu behaup­ten, daß die Sozialdemokratie im Bunde mit dem Finanzkapital ist, und zwar deswegen, weil sie das Finanzkapital beerben will. So einen Unsinn zusammenreden kann wirklich nur ein Redakteur der»Deutschen Landpost". Weiß denn der Herr nicht, daß in allen sozialdemokratischen Programmen gerade die Großbanken als derjenige Zweig der Wirtschaft bezeichnet werden, der reif für die Vergesellschaftung ist? Seit dem Kom­munistischen Manifest, das im Jahre 1848 er­schienen ist, geht durch alle Programme der sozial­demokratischen Parteien diese Forderung und ge­nau 86 Jahre nach dem Erscheinen des Kommu­nistischen Manifestes kommt so ein Redakteur der »Deutschen Landpost" darauf, daß die Sozial­demokraten das Finanzkapital erhalten wollen. Das Argument ist wahrhaftig zu dumm, als daß man sich eingehend damit befassen müßte. Im übrigen leistet sich die»Landpost" noch eine be­sondere Frechheit, indem sie einzelne Funktionäre der beiden sozialdemokratischen Parteien einander gegenüberstellt. Sie hätte es sich viel leichter machen und hätte ihren Antisemitismus offen betonen können. Wenn die Herren vomBund der Land­wirte" bis zu ihrer obersten Führung hinauf uns gegenüber wieder einmal von Loyalität reden wer­den, so wird man ihnen ihr unverschämtes Zen- tralorgan unter die Nase heckten.

Die erste Parlamentssitzung Prag . Das Parlamentspräsidium traf Frei­tag die Dispositionen für die erste Sitzung der Herbstsession, die vom Präsidenten der Republik verfassungsmäßig, für Donnerstag, den 25. Okto­ber, nach Prag einberufen wurde. Die Sihuirg wurde für 11 Uhr vormittags anberaumt. Sie wird aber nur formalen Charakter tragen und nach den Nachrufen des Kammervorsitzenden für König Alexander, Barthou und Poincare zum Zei­chen der Trauer geschlossen werden. Die erste eigentliche Arbeitssitzung findet dann am selben Tag um 3 Uhr nachmittags statt. In dieser Sitzung soll das Budget für 1935 aufge­legt werden, das det Finanzminister Dr. Trapl wie üblich mit einem Exposee einbegleiten wird. Die nächste Sitzung soll dann erst wieder am 30. Oktober stattfinden. Für die nächste Zeit ist auch ein außenpoli­tisches Exposee des Ministers Dr. Benes im Plenum der beiden Häuser in Aussicht genommen; der genaue Zeitpunkt wird jedoch erst nach der Rückkehr des Außenministers aus Belgrad fest­gesetzt werden. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung steht lediglich ein belangloser Vertrag mit Oester- r e i ch über die Zollfreiheit von Bäder- und touristi­schen Prospekten und drei Jmmunitätsangelegen- heiten.

Die Arbeitslosigkeit In Mähren -Schlesien Geringe Abnahme der Arbeitslosenziffer im September Während die Zahl der Arbeitslosen im gan­zen Staat im Monat Septeniber ein wenig gestie­gen ist, ist sie im Lande Mähren-Schle­sien etwas gesunken. Gegenüber dem Monat August gibt es in Mähren -Schlesien um 1123 Arbeitslose weniger. In den letzten vier Jahren ist dies das erstemal, daß die Arbeitslosigkeit im Sep- t em ber abgenommen hat. Die Arbeitslosenzahl im September ist um 18.719 Personen geringer als im Vorjahr und um 71.866 Personen geringer als im Feber des heu­rigen Jahres, in welchem Monat die größte Arbeitslosenziffer zu verzeichnen war. Im September meldeten sich bei 61 Arbeits­ämtern des Landes Mähren-Schlesien insgesamt 210.683 Arbeitslose gegen 211.786 im August. Hievon waren 166.612 Männer, 43.695 Frauen und 376 Lehrlinge und Lehrmädchen. Unterge­bracht wurden 12.919 Personen, im August 14.165. Ausgegeben wurden 84.028 Ausweis­karten zur Geltendmachung der Ansprüche auf die

staatliche Nrhyits,lqs«nunterstützung»-hiepön,^,8>41? für teilweise beschäftigte Personen. Die größten Arbeitslosenziffeln gab es in folgenden Bezirken: Brünn -Stadt 11.422(im August 11.176), Schönberg 8897(8854), Sternberg 8785(9019), Friedel 8284(8874), Mähr.-Ostrau 8246(8087), Brünn-Land 7682 (7551), Boskowitz 7565(7498), Troppau - Land 7510(7861), Neufttschein 7189(7474), Jägerndorf 6890(6936),. Freistadt 6861 (6782), Freudenthal 6139(6017), Mähr.-Trü- bau 5457(5516), Ung.-Brod 5171(5243) Freiwaldau 4620(4357), Wsetin 3898(4211), Mistel 3879(3858), Hohenstadt 3860(3649), Trebitsch 3770(3841), Ung.-Hradisch 3673 (3974), Wall.-Meseritsch 3635.

Schutz den Kindern I .Das KapitelSoziale Fürsorge" im Bud­get des Landes Böhmen schafft von Jahr zu Jahr größere Schwierigkeiten, obwohl die Landesvcrtre- tung tatsächlich bemüht ist, keine Abstriche bei die­sem Kapitel zu machen. Den ständig wachsenden Bedürfnissen konnte aber nicht Rechnung getragen werden. Auf eine Aufgabe des Landes wies beson­ders Genossin Deutsch hin. Die Subventionen für die beiden Landeskommissionen für Kinder­schutz und Jugendfürsorge genügen angesichts der gesteigerten Anforderungen nicht mehr. Es wäre daher dringend nötig, diese Unterstützungen, wenn es irgendwie möglich wäre, zu erhöhen, damit die Tätigkeit der Landeskommissionen der Zeit ange­paßt werden kann. Genossin Deutsch erinnerte auch an den Antrag, welcher von den Sozialdemo­kraten im Vorjahr eingebracht wurde und eine Er­weiterung der Fürsorge für die unehelichen Kinder durch die Landesfindelpflege fordert. Danach sollten jene Mütter, welche ihre Kinder selbst oder bei Verwandten in Pflege haben, den­selben Pflegschaftsbeitrag erhalten wie die frem­den Pflegeeltern. Die Durchführung dieses An­trages hätte sicher manche Tragödie einer un­ehelichen Mutter oder eines unehelichen Kindes verhindert. Es war nicht möglich, diese Forderung durchzusetzcn, da ihr finanzielle Schwierigkeiten entgegengehaltcn wurden. Wir lassen unsere For­derungen jedoch nicht aus dem Auge und werden keine Möglichkeit übersehen, sie in die Wirklich­keit umzusetzen.

Die Landesvertretung Böhmens beendete Freitag ihre Büdgctsession, nachdem der Voran­schlag unverändert angenommen worden war. Die von den deutschen Sozialdemokraten im Laufe der Verhandlungen eingcbrachten Anträge wurden sämtlich angenommen bziv. dem Landesansschuß oder der zuständigen Kommission zur Bericht­erstattung zugewiesen.

Luzug fernhalten I Neber die Firma Rücket Ho hlglas- f a b r i k in S t e i n s ch ö n a u, ist infolge ern­ster Differenzen bei den Schleifern die Sperre verhängt worden. Arbeitsangebote sind abzu­weisen.

Sozialdemokraten für die arbeitslose Jugend I Wichtige Anträge in der mährisch­schlesischen Landesvertretung In der freitägigen Sitzung der mährisch­schlesischen Landesvertretung brachte Genosse Kammler u. a. den Antrag ein, daß bei den vom Land unterstützten öffenckichrn Arbeiten min­destens 15 Prozent Jugendliche im Alter von 18 bis 24 Jahren eingestellt werden müssen und daß das Land Arbeitsgemeinschaften jugendlicher Arbeiter errichten möge. Es ist damit zu rech­nen, daß die Landesvertretung diesen Antrag an­nehmen wird, der für die arbeitslose Jugend des Landes Mähren-Schlesien von größter Wichtigkeit ist. * Das Land Böhmen und die arbeitslose Ju­gend. Der gemeinsame Antrag der beiden sozialde­mokratischen Klubs in der böhmischen.Landesver­tretung, durch welchen Arbeitsmöglichkeiten für die Jugend gesichert werden sollen, wurde der Geschäftsordnung entsprechend in der Frei­tagsitzung dem Landesausschuß und der sozialen Kommission zur Berichterstattung zugewiesen.

Oer Selbstmord des Stevo Dult Prag . Amtlich wird zu dem Selbstmord des Stewo D u i c in Karlbad gemeldet, daß während der polizeilichen Untersuchung keine Umstände zu­tage getreten seien, die die Behauptung begründen würden, daß Duic irgendwie in Verbindung mit dem Marseiller Attentat gestanden sei. Aus den Aussagen der behandelnden Aerzte und Zeugen gehe hervor, daß sich Duic das Leben wegen einer schmerzhaften Krankheit nahm und daß er sich auf den Selbstmord schon längere Zeit vor­bereitete.

MauruS Bloch gestorben. Am Freitag starb in Prag der Vorstand des Preffedepartements des Ministerratspräsidiums M. Bloch im Alter von 73 Jahren. Bloch war zunächst beimBudweiser Boten" und später bei der Prager Politik" tätig, zwei deutsch geschriebenen Blättern, die jedoch ausschließ­lich tschechische Interessen zu wahren bestimmt waren. Er war einer der Hauptmitarbeiter Dr. Riegers. Erst mit 47 Jahren trat er in die Dienste des Presse­departements des Wiener Ministerratspräsidiums als Referent für die böhmischen Angelegenheiten. Von ihm soll die Stilisierung der wichtigsten Regierungs­kundgebungen und der Manifeste des Kaisers stam­men, ebenso die für die Kabinettskanzlei bestimmten Denkschriften der Regierungen über die politischen Verhältnisse in den böhmischen Ländern. Nach dem Umsturz ging er nach Prag , wo er im Pressedepar­tement des Ministerratspräsidiums Stellvertreter des Vorstandes und schließlich seit 1932 Vorstand selbst wurde. Er gab auch die Tschechoslowakische Korre­spondenz heraus, die in unserem Blatt wiederholt zu .Krfster Krittk Anlaß gab. In seinem Privatleben war Bloch ein anspruchsloser, bescheidener Jung­geselle, von dessen wohltätiger Hand viele zu berich­ten wissen.-

Hehr Ordnung Im Lügen I Die dauernden Falschmeldungen der amtli­chen österreichischen Propaganda Aus Oesterreich werden fast jeden Tag Ent­lassungen von politischen Gefangenen gemeldet, di- dann am nächsten Tag privat dementiert werden, bis am dritten die Regierung selbst zugibt, daß sie falsch waren und zum Ersatz neue Falschmel­dungen ausgibt. Freitag wird gemeldet, daß Seih noch im­mer unter Polizeiaufsicht stehe, G l ö ck e l im Jn- quisitenspital, General Körner in der Unter­suchungshaft des Landesgerichts und S e v e r in der psychiatrischen Klinik, ohne Polizeiaufsicht wahrscheinlich, weil die frühere Polizeibehandlunz ausgereicht hat, den schwergeprüften alten Mann so zuzurichten, daß keine Fluchtgefahr besteht. Der Landesrat Helmer soll aus der Untersuchungshaft entlassen sein. Das wird ver­mutlich übermorgen dementiert werden. Der Herr Propagandakommissär Adam sollte sich an sei­nem Kollegen Goebbels ein Beispiel nehmen: wenn schon lügen, dann mit System,' die ewige Schlam­perei bringt die herrlichsten Lügengewebe durch­einander!

Vie letzten Ausländer- Privilegien fallen Tokio . Wie in maßgebenden Kreisen erklär.t wird, wird die japanische Regierung voraussicht­lich anordnen, daß die Ausländer vom 1. Jänner 1935 ab keinerlei Vorrecht gegenüber den Japa­nern mehr genießen sollen, vor allem nicht in steuerlicher Hinsicht. Damit würden Privilegien für ungültig erklärt, die Japan vor etwa 70 Jah­ren den Engländern und Franzosen einge­räumt hat.