Nr. 255 Mittwoch, 31. Oktober 1934 «eite 3 Begeisterung und Solidarität Die Vorbereitung unserer antifascistischen Kundgebungen Ein Besuch bei den Ausslger Vertrauensmännern arbeitet habe. Darum braucht« Henlein in Leipa sich nur gan» verschwommen als den Vertreter einerJdee" hinstellen, dieim Zuge der ge­schichtlichen Entwicklung lebendig geworden" sei. DiePrager Presse" schließt ihre Betrachtung: Um welche Idee es sich hiebei handelt, ist aus den Zitaten jener Zeitschriften, an denen Henlein und die Seinen seit jeher mitgearbeitet haben, im Vorstehenden deutlich gezeigt worden. Henlein hat gesprochen. Im Ausland hat man verstanden. Die Keimatfrontler haben verstanden. Alle müs- ',en ihn verstehen, die Entwicklung und Zusam­menhänge kennen. Konstituierung des Konsumentendeirates Im Fürsorgeministerium fand am Montag im Beisein des Fürsorgeministers Genossen Dok­tor Meißner die Konstituierung des Beirates für Konsumgenossenschaften statt, dessen Grün­dung schon seinerzeit unter Genossen Dr. Czech in Angriff genommen worden war. Damit haben auch die Verbrauchergenossenschaften eine offi­zielle Vertretung erlangt, wie sie die Landwirte, die Gewerbetreibenden und die Industrie in den Landeskulturräten, bzw. in den Gewerberäten und den Handelskammern schon längst besitzen. Vertreten waren alle Zentralen der Kon« sumentengenoffenschaften. Gen. Dr. Meißner hielt eine einleitende Rede, in der er den Auf­gabenkreis des Beirates als eines Hilfsorganes des Ministeriums für Fragen des Konsumenten­schutzes umriß; der Beirat soll auch der offizielle Repräsentant der Konsumgenossenschaften sein und die ständige Fühlungnahme mit der staatlichen Wirtschastsadministrative vermitteln. Er ist der erste Schritt dazu, daß die Verbraucher in orga­nisierter Form ihre Wünsche und Beschwerden vorbringen können. Zum Schluß wurde das P r ä s i d i u m ge­wählt, dem für den Wirtschaftsverband der deut­schen Konsumgenossenschaften Genosse Kreisky angehört. Weitere Mitglieder sind: Gen. Lustig, Soudskh, N e p r a s und H o u d e k. Erhöhte Bestellungen der Staatsbahnen. Am Montag sprach eine Deputation der Arbeiterschaft der Waggonfabriken unter Führung des Genossen Hampl im Eisenbahnministerium vor. Eisen­bahnminister Genosse B e ch y n i erklärte, daß die Staatsbahnen diesmal für 222 Millionen Be­stellungen an die Metallindustrie vergeben wer­den, das ist gegenüber dem Vorjahre um 100 Mil­lionen mchr. Es werden 12 Lokomotiven(im Vorjahr 6), 54 Motorwagen(40), 140 An ­hängewagen(90), 218 normale Waggons(im Vorjahr nur 81) und weiters eine beträchtliche Anzahl. von Straßenautobussen bestellt werden. Auch die Walzwerke werden erhöhte Bestellungen erhalten, da Heuer für Schienen eto. 91 Millionen gegenüber 68 im Vorjahre budgetiert sind. Auch der Bedarf an Brückenkonstruktionen wird etwas höher sein. Di« Lieferungen sollen so schnell wie möglich ausgeschrieben und vergeben werden, da­mit die Mehrzahl der Arbeiten schon in den in Puncto Arbeitslosigkeit besonders kritischen Win­termonaten zur Ausführung gelangen kann. Die Ausschreibung soll im November, die Vergabe noch vor dem Neuen Jahr erfolgen. Es böllert schon wieder Wie«. In Baden bei Wien ist Dienstag abends im Kurpark ein Papierböller explodiert. Es wurde kein Schade angerichtet. Die Polizei untersucht, ob es sich um einen alten oder einen neuen Böller handelt. Aussig . Herr Henlein und die Presse, die sich ihm gleichgeschaltet hat, wollen glauben machen, daß die Sozialdemokratie als ernsthafter politi­scher Faktor nicht mehr in Betracht komme. Böh- misch-Leipa habe bewiesen, daß das ganze sude­tendeutsche Volk hinter Henlein steht. Damit sei eine völlig neue Etappe der sudetendeutschen Poli­tik angebrochen. Fünfzehn Jahre der übelsten Bonzenwirtschaft" seien erledigt. Aber im freiheitsliebenden Volk hat gerade die Parade von Böhmisch-Leipa das Bewußtsein verstärkt, daß die Henleinbewegung fascistisch ist. Der Aufmarsch der Henleintruppen hat in den Arbeitermassen Energien geweckt, di« eben jetzt, bei der Vorbereitung der sozialdemokra­tischen Kundgebungen, in der herrlichsten Weise Gestalt gewinnen. In den einzelnen Orten, in denen die Borbereitungsarbeiten in vollem Gange sind, hat der Aufruf, gegen den FasciSmus zum Angriff überzugehen, helle Begeisterung geweckt. Die Arbeiter warteten mit Ungeduld auf die Kampflosung das ist der Eindruck, den man aus allen Unterredungen mit unseren Ver­trauensmännern gewinnt. In Aussig -Stadt und-Land sind alle Orga- sationen fieberhaft tätig, um mitzuhelfen, daß die Bodenbacher Kundgebung ein voller Erfolg werd«. Fast ein Drittel aller Organisierten ist arbeits­los. Aber das ist niemandem ein Hindernis. Eine große Solidaritätsaktion ist im Gange: für die Arbeitslose», die sich an der Kundge­bung beteiligen wollen und es find sehr, sehr viele!, wird der Fahrpreis aufgebracht. So wird z. B. aus B.- K a m«i tz, einem der ärgsten Notstandsbezirke» berichtet, daß die Opferbereitschaft der noch in Arbeit stehenden Ge­nossen die Teilnahme von 250 Arbeitslo­sen an der Kundgebung in Bodenbach sichrrge- stellt hat. Wie wir erfahren, haben sich zwei große Aus. siger Organisationen bereit erklärt, die Koste » je eines Sonderzuges nach Lodenbach z« überneh­men. Dadurch wird es möglich sein, mindestens tausend arbeitslos« Mitkämpfer an dem nordböh­mischen Aufmarsch teilnehmen zu lassen. Die Organisationen wetteifern dabei miteinander. Die Mitglieder der Partei, der Gewerkschaften, der Kulturorganisationen: sie find in diesen Ta­gen mehr denn je eine feste Gemeinschaft, die auf ein unmittelbares Ziel ausgerichtet ist.(Die Ar­beitslosen werden nach der Bodenbacher Kuudge-! bung auch einen kleinen Imbiß erhalten.)' Die besser bezahlten Genosse» kaufen einigen Arbeitslosen die Fahrkarte. Bis jetzt sind zwei Sonderzüge in Aus­sicht genommen. Man rechnet aber damit, daß ein dritter zustande kommen wird. Die Solidarität aller Organisationen er­kennt man z. B. in der Tätigkeit unserer TUr­ne r b u n d e S, der in Aussig seinen Sitz hat. Er hat seine normale Arbeit völlig eingestellt: alles ist auf die Vorbereitung der antifascistischen Kundgebungen eingerichtet. Der Bundesvorstand hat an seine Organisationen die Weisung erlassen, daß alle Mitglieder am Sonntag bei den Kund­gebungen sein müssen. Im Sekretariat der Tur- nerbundeS wird aufgearbeitet, was das Partei­sekretariat nicht bewältigen kann. Im Kreissekre­tariat der Turner ist man gerade mit dem Versen­den ausführlicher und eindringlicher Weisungen beschäftigt, in denen sich das Verbundensein un­serer Turngenoffen mit der Partei manifestiert. Eine Sitzung des Bundesvorstandes, die schon monatelang vorbereitet war, wurde um der Kund­gebungen willen abgesagt, ebenso viele andere Veranstaltungen. Wie es bei den Turnern ist, ist es auch an­derswo. Heute abends ist«ine Vertrauensmän­nerversammlung, an der sich die Vertrauensmän­ner aller Organisationen von Aussig -Stadt und -Land beteiligen. Hier werden die letzten Weisun­gen auSgegeben werden. DaS übrige besorgt die Begeisterung der antifascistischen Kämpfer und ihre herrliche Solidarität. Der kommende Sonntag wird bewessen, wie schlagfertig, wie kampfbereit die Sozialdemokratie in allen ihren Teilen ist. Wir greifen an! Dieser Angriff wird die Henleinfasciften zurückwerfen. DaS sudetendeutsche Voll läßt sich nicht gleichschal, ten weder in offener, noch in getarnter Form. Es liebt seine Freiheit und ist bereit, sie mit dem Einsatz seiner ganzen Kraft zu verteidigen. K. K. Flottenkonferenz hoffnungslos? London . Die amerikanischen Delegierten ans der Londoner Flottenkonferenz teilten in der Montagsitznng den japanischen Delegierte» mit, daß die Bereinigten Staate» gezwungen sein würden, ihre Positionen im Stil­len Ozeanzu festigen, falls Japan den Washingtoner Vertrag kündigen sollte. Der Stand der Verhandlungen zwischen den japani­schen und amerikanischen Delegierten wird alS hoffnungslos bezeichnet. In ihrem Wider- stand gegen die japanischen Forderungen sind sich die amerllanischen Delegierten mit der britischen Abordnung einig, wie dirS auch in der letzten Sit­zung der beiden Delegationen nachdrücklich her- vorgehoben wurde. Berlin . Hitler hat am Dienstag in Ge­genwart des ReichsmimsterS des Innern die der Kirchenopposttion angehörenden LandeSbischöfr Marahren s-Hannover, M e i s s e r-Mün- chen und W u r m-Württrmverg zu einer Aus­sprache über kirchenpolitische Fragen empfangen. Neber den Verlaus der Unterredung wird amtlich nichts gemeldet. Der Reuterberichterstatter hatte die Tatsache dieser Unterredung erst Dienstag erfahren und macht darauf aufmerksam, daß der deutschen Presse hierüber nichts bekannt ist. Er ist der An­sicht, daß der Empfang der oppositionellen Bi­schöfe durch Hitler eine sensationelle Wendung im Konflikt der evangelischen Kirche bedeutet. Es sei noch nicht klar, ob der Empfang eine versöhnliche Geste bedeute, oder den letzten Versuch, in den schleppenden Verlauf des Kon­fliktes einzugreifen. Der Stein deS Anstoßes, Ministettalrat Dr. Jäger, der bekanntlich fein Amt als RrchtSver- walter der deutschen evangelischen Kirche nieder- Auslleferunssbesehren Oberreicht Rom.(Havas.) Der stanzöstsch« Charge d'aftairrs, Dampirrre, hat der italienischen Regierung daS Ersuche« um Auslieferung des Terroristen P a v e l i L überreicht. Oer Kampf um die Todesurteile Madrid . Die spanische Regierung hat beschlossen, vier Prozesse, in denen ein Todesur­teil gefällt wurde, dem OberstenGerichtS- hofvorzu legen.(Offensichtlich soll auf diese Weise der Widerstand des Präsidenten Za­ mora gegen die von der llerikalrn Reaktion ge­forderte Vollstreckung der Todesurteile gebrochen werden.) Ministerpräsident Lerroux teilte amtlich mit, daß die Zahl der Toten unter den Angehörigen der Armee und der Zivilgarde bei den letzten Er­eignissen 220 beträgt. Gegen 743 Personen wur­den verwundet, 46 werden noch vermißt. 100.000 Reklamationen gegen die Saar -Wählerlisten Saarbrücken . Nach amtlichen Meldungen des PlebiszitauSschuffes wurden gegen die Wählerlisten zur Saarabstimmung an 100.000 Rellamationen eingebracht, von denen viele unbegründet sind. ES werden allerdings sämtliche Rellamationen ge­prüft werden, damit es möglich ist, ein einwand« freieS Wählerverzeichnis herzustellen. Die Revi­sion deS Wähle«crzeichniffeS wird auch nach dem 9. November durchgeführt werden. Arbeitslosengelds in Frankreich Paris . Arbeitenminister Marquet teilte im Finanzausschuß der Deputiettenkammer mit, daß die Regierung in der Herbsttagung der Dcpu- tiertenkammer eine Gesetzesvorlage zur Schaffung eines Staatsfonds für Arbeitslose unterbreiten werde. gelegt hat, bisher aber Mitglied der Reichs- kirchenregierung war, hat jetzt auch auf diese seine Funktion sowie auf alle übrigen kirchlichen Wür­den«nd auch auf sein Amt alS preußischer Mini- stettaldirektor verzichtet. Die Bande muß verschwinden... London . Der Berliner Berichterstatter des Reuteröüros meldet, daß sich Dienstag nach­mittags im NeichskanzlerpalaiS eine dramatische Szene ereignet hat. Ungefähr 30 bayrische Bauern, Mitglieder der nationalsozialistischen Pattei, sprachen beim Reichskanzler vor, um im Namen von Hunderttausenden bayrischen Bauern Protest zu erheben«ndHitler zu sagen, was in Wirklichkeit in der evangelischen Kirche vorsich- gehe". Es verlantet, die Delegation der bayrischen Bauern habe Reichskanzler Hitler erllirt, daß der ReichSbischof Müller, der Rechtsverwalter der evangelischen Kirche, Dr. Jäger unddiese ganze Bande" verschwinden müssen, weil sie die Kirche LutherS vernichten. DerFührer" muß verhandeln Drei oppositionelle Bischöfe bei Hitler Ein guter Freund Ein Jahrzehnt löscht viele Namen aus, es blaßt Erinnerungen, wandelt die Bedeutung der Ereignisse vor dem rückschauenden Blick, verändett auch daS Urtefl über Menschen, die, wir gekannt. An der Wertung unseres toten Führers Karl Üermak aber haben die zehn Jahre, die seit seinem Scheiden vergangen, nichts geändett, noch haben sie seinen Namen aus dem Gedächtnis der Freunde getilgt. Wohl ist die Zahl derer, die seine Mitarbeiter gewesen, gettnger geworden, die vielen aber, die ihn gekannt, denken seiner in un­vergänglicher Liebe. Und doch hat Karl Eermak. der Wiener , nichts getan, um sich den deutschböhmischen Arbei­tern ins Herz zu schmeicheln. Seine Güte und Hilfsbereitschaft, seine Geradheit, seine auf­opfernde Arbeit für die Partei, aber freilich auch seine aus fast kindlicher Seele quellende Heiter­keit haben ihm die sudetendeutschcn Arbeiter rasch und für immer gewonnen. Kein idealisierende- und also Eermak ver­zerrendes Bild des Freundes soll gezeichnet wer­den. Nach Eermaks Tod habe ich in diesem Blatte geschrieben, daß er mancherlei auch den Freunden sichtbare Fehler hatte, daß er sich nicht auf straffe Lebensführung verstand, oft zu schwach war gegen sich selber, aber diese Mängel gehörten mit zu seinem Wesen, zur Art dieses echt wienettschen Menschen, dem auch schwerste Arbeit und quä­lendste politische Sorgen nie ganz den Humor zu rauben vermochten. Weil er ein so liebenswürdi­ger, scherzbereiter, guter Mensch war, ein so lebensfroher Mensch, gibt es nur freundliche Er­innerungen an ihn. I Als OrganifattonSkünftler ist Eermak oft ge­rühmt worden. Aber er war alle- andere als ein OrganifationSbureaukratl Denn er war nicht nur um die Erhaltung und den Ausbau der Partei­organisation bemüht, sondern darum, den prole­tarischen Organisationen immer neue Impulse zu geben, ihnen immer wieder neue Aufgaben zuzu­weisen. Er hat, im Teplitzer Kreise zunächst und dann im ganzen Patteigebiete, eifrig für gute, solide BildungSarbett gesorgt, sich um die Ber« edelung der Arbeiterfeste gekümmert, der Jugend­organisation ebenso wie den Kinderfreunden, den Sängern und den Turnern seine liebevolle Auf­merksamkeit gewidmet. Daß in allen Organisatio« nen der Arbefler daS BereinSmäßige, das Bureau- kratische nie überwiege, daß frisches geistiges Leben sie durchflute, daS war des großen Organisators nie erlöschende Sorge! Ein Mensch seiner Att konnte nicht zum trok« lenen Bureaukraten werden! Er vergaß über aller Organisationsattbeit und Redaktionsarbeit und er hat ganz unwahttcheinlich viel Arbeit geleistet doch nie das Leben. Und diese sein« warme Menschlichkeit läßt die Herzen seiner Freunde warm werden, wenn sie seiner gedenken... Wie schön ist es, an die Jahre freundschaft« licher Zusammenarbeit mit Eermak zurückzuden» kn. an die Redaktion der TeplitzerFreiheit" in dec Vorkriegszeit, an den Freundeskreis um der­mal! Neben dem nicht so leicht Ruhe und Verfas­sung Verlierenden, immer Besonnenen, stets über ein die Spannungen überbrückendes Scherzwott Verfügenden der nervöse, jähzornige, oft gewit- ternde Seliger, der doch auch so rasch wieder ab- kühlte, und der kluge stille Rückl, der Biel­belesene, der Dichter, und Ernst Hirsch, der so oft Gast in der kleinen Redaktion war. Erhitzte Diskussionen, aber auch Stunde» leichter Gesel­ligkeit. Denn Eermak vermochte, wenn die Arbeit getan war, alle Gedanken an sie wie mit einem Ruck Wegzuschieben, konnte sich dann ganz unbe­fangen heiterem Geplauder hingeben. Wie oft hat er in solchen Stunden gesungen! Am liebsten alte Wiener-Lieder; auch ein paar Steirer- und Kärntner -Lieder gehörten zu seinem Repertoir. Er hatte sie auS Klagenfurt mitgebracht, wo er als junger Angestellter einige Monate tätig war. Eermak sang wienerisch, aber sprach selten wienerisch. Seine Reden zeichneten sich sogar durch besonders schönes Deutsch aus. Er liebte die deutsche Sprache, liebte vor allem leidenschaftlich das Theater. Dieser Mann, der so sehr an der deutschen Sprache hing, der nur wenige tschechische Worte verstand, war tschechischer Abstammung, und er verleugnete es nie. Sein Vater war in ganz jungen Jahren aus Böhmen nach Wien ein« gewandert, er hat nie ttchtig deutsch gesprochen, der Sohn aber hatte nie das Tschechische erlernt. An ihm wurde so sinnenfällig llar, wie wenig die Abstammung von dem einen oder anderen Bolle bedeutet. Seinen alten Bater habe ich noch gekannt. Er war in der alten Wiener Pattei, damals, als sie noch llein war, aber sich schon anschickte, groß zu werden, wohl allen Genossen bekannt. ES gab keine große Versammlung ohne den alten Eermak, der einer der eifrigsten, beharrlichsten Kölpotteure war. Bei jedem Parteifeste, bei jeder Kundgebung tauchte der alte vollbärtige Mann mit den leb­haften Augen auf und bot Broschüren und Zei­tungen an. Gemeinsame Wiener Erinnerungen, zu denen auch die an den alten Eermak. an dem Karl mit großer Liebe hing, gehörte, schufen günstigen Boden für eine überaus herzliche Freundschaft. Sie war auf, meiner Seite verbunden mit dem l Gefühl der Dankbarkeit für den kameradschaft­lichen Lehrer. Lehrer aber und Helfer ist Eermak vielen gewesen. Nicht zu zählen sind die Arbeiter, denen er durch seinen Rat, denen er oft genug durch die Tat geholfen hat. Ja, das schuf eine so wohltuende Atmosphäre der Sicherheit und Gebor­genheit um ihn, daß jeder seiner Mitarbeiter wußte,' daß er auch mit den persönlichsten Sorgen zu ihm kommen konnte und daß der Freund zu­mindest Trost zu geben hatte, wenn er nicht Hilfe bttngen konnte. Eermak haben viele für seine Hilfe zu dan­ken. Richt wenige für mehr: für seine tatkräftige Förderung. Manche Genosse, der heute an weit­hin sichtbarer Stelle in der Arbeiterbewegung wirkt, ist von ihmentdeckt" worden. Eermak ver­lor keinen Arbeiter, der ihm etwa in einer Ver­sammlung oder auf einer Konferenz ausgefallen war, auS dem Gedächtnis. Er beobachtete seine Entwicklung, half nach, gab Rat, zog ihn mehr und mehr zu verantwortungsvollerer Arbeit her­an. Auch dafür hat ihm die Partei zu danken! Biele Arbeiter werden sich in diesen Tagen an Karl Eermak erinnern, viele, denen der son­nige Mensch Freude und Begeisterung geschenkt. In vielen wird die Erinnerung an eine versunkene Zeit lebendig werden, an eine Zett, die groß und schön war für sie, weil sie eine Zeit großer und erfolgreicher Kämpfe war. Mit dem Namen Eer­mak wird auch der Name Seliger in der Erinne­rung auftauchen. Vorbei, vorbei! Andere Kämpfe harren unser, andere Aufgaben, andere Pflichten. Aber es ist kein Verzögern, es ist Trost und Er­hebung, dabei deS Freundes zu gedenken, der uns arbeiten und kämpfen lehrte und der unS mehr gab als das, der unS seine Freundschaft geschenkt und damit einen unvergänglichen Schatz. I. Hofbarer,