Str. 16 Samstag. 19. Jänner 1935 Seite 3 Die neue Politik der USA gegenüber Latein-Amerika Washington.(Tsch. P. B.) Im Auftrage von Staatssekretär Hüll hielt der dem Präsidenten Roosevelt sehr nahestehende Leiter der Latein« Amerika -Abteilung des Staatsdepartements Sunner Wells am Donnerstag abend eine grost angelegte Rede über die neue Politik der Vereinigten Staaten gegenüber den lateinameri­kanischen Republiken seit Roosevelts Amtsantritt. Roosevelt habe gegenüber diesen Staaten eine Politik freundnachbarlicher Beziehungen einge­leitet, die die Politik der.Dollar-Diplomatie" und des.grasten Stocks" abgelöst habe. Die Ver­ einigten Staaten unterhielten in lateinamerikani­schen Ländern keine Soldaten mehr und landeten bei Unruhen keine Truppen, sondern sie schickten höchstens Kriegsschiffe, um die amerikanischen Staatsangehörigen, falls nötig, an Bord nehmen zu können. Das im Ausland angelegte amerika­ nische Kapital könne nicht mehr die zwangsweise Eintreibung von Außenständen durch die ameri­ kanische Bundesregierung verlangen, sondern müsse sich den Gesetzen des Gastlandes unter» ordnen. Ein Redeverbot gegen Ernst Toller hat die Regierung des Freistaates Irland erlassen. Toller sollte vergangenen Samstag in einer Ver­sammlung zu Dublin sprechen. Einem Verlangen des deutschen Generalkonsuls gehorchend, hat die republikanisch-demokratische Regierung daS Auf­treten Tollers verboten. Winterwäsche bedarf doppelter Vorsicht Denn gerade die Wlnterwfiiche, dichter und dicker im Gewebe, kann leicht zu einem Träger böser Krankheitskeime wer­den, wenn sie nicht ganz besonders sauber gewaschen wird. Ihr fehlt Ja auch die hygienische Wirkung der Sonnenstrahlen, die im Sommer Körper und Wäsche ge­sundheitlich so vorteilhaft beeinflussen. RADION wfischt hygienisch. Denn in der ko­chenden RADION-Lösung bilden rieh Mil­lionen feinster Sauerstoffbifischen, die das Gewebe durchströmen. So wird die Wäsche HYGIENISCH EINWANDFREI! fudetendeutsefier Zeitspie^et Die Geistigkeit der Christlichsozialen : kpitgelt sich in ihrer Presse wider. Eine Sprache, die vor Gemeinheit und Dummheit strotzt ist in allen Spalten der christlichen Organe zu finden. Wir geben heute eine Probe aus einem im»Volk", dem Blatt der schlesischen Christlichsozialen erschie­nenen Aufsatz über Trotzki wieder. Da heisst es: »Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder. Dieses geflügelte Wort erweist sich jetzt wieder ein­mal an den Vätern des bolschewistischen Umsturzes in Russland . Lenin ist dahin, er starb lebenden Leibes, wurde zum hilflosen Trottel, der auf allen liieren herumkrappelte und die Möbel seines Zim­mers in. iamNMvollM Tönen um Gnade an­sichte."- Und weiter:»Wovon lebt Trotzki ? Bor allem lässt sich annehmen, dass der Generalissimus der Roten Armee den Kommunismus nicht in klöster­lichem Sinn aufgefasst hat und sich das Nötige auf die Seite, d. h. ins Ausland brachte. Nebenbei aber schreibt er für ausländische Zeitungen, nicht etwa kommunistische diese honorieren wahrscheinlich nicht besonders sondern an amerikanische, kapi­talistische, Bourgeois-Blätter. Es wird behauptet, dass er davon seinen Lebensunterhalt bestreitet, ' wir geben aber bereits der Meinung Ausdruck, dass Trotzki so vorsichtig war, sein Gerstl ins Ausland » abzuschieben. Ja! Trotzki , der grausame Verfolger der satten Bourgeoisie, der Vernichter Hundert- tausender von Existenzen, nicht nur grosser, sondern vieler bescheidener, ehrenhafter Existenzen, er 'spielt heute den Grandseigneur. Er schwärmt für Äagd und Fischerei. Ganze Tage streift er, wie es heisst, durch die Wälder, auf Pirschgäflgen und am Anstand. Auch das Fischen behagt ihm derart und n soll es darin bereits zu solcher Meisterschaft ge­bracht haben, dass ihn verschiedene Angler-Vereine Frankreichs zum Ehrenmitglied gemacht haben. Einer in Savoyen soll ihn sogar zum Präsidenten gewählt haben. Auf seiner Sportjoppe trägt er gelegentlich den, ihm für hervorragend« Angler« leistungen überreichten Orden der grünen Forelle am Band." Man kann zu Trotzki als Politiker stehm wie man will, die Anerkennung als mutigen, für seine Idee kämpfenden und ehrlichen Menschen kann ihm kein anständiger Zeitgenosse versagen. Dass er persönlich sehr ost und weit mehr Opfer für seine politische Ueberzeugung brachte, als 100 christlichsoziale Durchschnittspolitiker zusammen, darüber gibt es wohl auch kaum eine Meinungs­verschiedenheit. DasVolk" richtet sich, insoweit es mit Hilfe der Gemeinheit und Verleumdung gegen Trotzki zu Felde zieht mit seiner Schreibweise selbst, hingegen ist zu den etwas faulen Witzen über Trotzki, die sich dasVolk" leistet, weniger einzuwenden, denn damit wird nicht der heimatlose Emigrant, sondern der Redakteur, der diese Witze zuliess, getroffen und und wenn nicht früher, dann müsste man ihn am Faschingsdienstag für seine Leistungen als humoristischen Schriftsteller ein entsprechendes Diplom überreichen. Für Arbeitsbeschaffung Im sudetendeutschen Gebiet! Aus der Kundgebung des Ministerpräsiden- ten, die dieser am 11. Jänner an die Journalisten gerichtet hat, geht hervor, dass sich die Regierung gegenwärttg mit einem grossen JnvestitionSplan befasst. Dabei steht ein Projekt des Generaldirek­tors der Wttkowitzer Eisenwerke, Oskar Fede­ rer , im Vordergründe, wonach eine Gesellschaft gegründet werden soll« an der jene Unternehmun ­gen teilnehmest sollen, die Interesse an Jnvesti- tionsarbeiten haben. Diese Gesellschaft würde Jnduftrieobligatioueu ausgeben. Sie mühten in Gebieten untergebracht werden, in denen die Jn- vestittonsarbeiten durchzuführen sind. An dieser Gesellschaft könnten sich auch öffentliche Körper­schaften beteiligen. Jene Schichten der deutschen Bevölkerung, welche imstande wären, solch« Obligationen zu kaufen, hätten also Gelegenhett, etwas zur Mil­derung der Krise in den deutschen Gebieten bei­zutragen, wobei sie ihr Kapital ganz schön verzin­sen könnten und eine sichere Kapitalanlag« hätten, da der Staat für diese Obligationen vermutlich garantteren würde. Gerade in den deutschen Ge­bieten unseres Staates, wo die Arbeitslosigkeit am grössten ist, wären Investitionen am not­wendigsten. Man wird also einen Anschauungsunterricht darüber empfangen, wie die kapitalistischen Schich­ten des Deutschtums ihren arbeitslosen Volks­genossen helfen wollen. eine Gemeinde Im Kampf gegen den Hunger Massenversammlung in WUdstein DerVolkswille" schreibt: Die Hiobsbotschaft, die vor einigen Tagen in Wildstein eintraf und in ungezählten Familien grosse Sorge hervorrief, hatte Beratungen darüber zur Folge, was zu geschehen habe, um den Schlag gegen die Existenz Hunderter Arbeiter abzuwehren. Mittwoch nachmittag fand am Marttplatz in Wildstem eine Versammlung statt, die von 1600 Personen besucht war und in der Bürgermeister Baumgarten über die wirtschaftliche Bedeutung der Tonindustrie sprach» die zum völligen Nieder­bruch verurteilt wäre, wenn die beabsichtigte Ein­schränkung der TonauSfuhr nach Deutschland nicht hintangehalten werden könnte. Wenn die deutschen Abnehmer des Wildsteiner Tones sich umstellen müssten, wäre dieses Absatzgebiet wohl für immer verloren. Das wird auch in der von der Versamm­lung angenommenen Entschliessung ausgesprochen, in der. es dann weiter heisst: Die hier vollzählig erschienene Arbetterschast, die 1800 Familien zu ernähren hat, ist sich ganz bewusst, dass sie durch diese Massnahme dem Hun­ger, der Kälte und allem Elend preisgegeben wäre. Durch die Stillegung der in unserer Gegend früher blühenden Industrie sieht die Arbeiterschaft täglich an Hunderten krassen Beispielen die furchtbare Auswirkung der Arbeitslosigkeit. Die Arbeiter­schaft und alle Schichten der Bevölkerung, die auf die Löhne der Arbeiter angewiesen sind, wie Ge­werbetreibende und Kaufleute, stehen daher dieser Exportdroffelung ausserordentlich bestürzt gegen­über und sind masslos erbittert darüber,, dass man ihnen die letzte Möglichkeit, für sich" und ihre Familie das karge Brot zu verdienen, förmlich mit einem Federstrich nimmt. Die Versammlung fordert daher mit aller Leidenschaftlichkeit und mit grösstem Nachdruck aus vorerwähnten Gründen, die für das Sein und Nichtsein von 1500 Familien entscheidend sind, die restlose Rückgängigmachung dieser einschneidenden und die Bevölkerung unseres Bezirkes vernichten­den Massnahmen. Die Versammlung erwartet und erbittet von den zuständigen Behörden verständ­nisvolle Unterstützung." Die Versammlung wählte dann eine Depu­tation, die in den nächsten Tagen bei den mass­gebenden Regierungsstellen in Prag vorzusprechen haben wird» Das Budget des Landes Mähren-Schlesien von der Regierung genehmigt Die Regierung empfiehlt Sparmaßnahmen Brünn . Der mährisch-schlesische Landesaus- schuß nahm in seiner Freitag-Sitzung zur Kennt­nis, dass die Regierung das Budget des Landes Mähren-Schlesien für 1835 geneh­migt hat. Gleichzeitig bewilligt die Regierung, daß für die Bedeckung des Budgetabganges der ordentlichen Wirtschaftsgebarung in der Höhe von 108,193.000 KädieLandeszus chläge zur HauSzinssteuer in der Höhe von 92 Prozent und zu den übrigen direkten Steuern in der Höhe, von 1.60 Prozent eiugehoben ' werden. Schließlich machte die Regierung darauf aufmerksam, daß die Landeszuschläge im Jahre 1835 wahrscheinlich nicht jene hohen Erträgnisse bringen werden, mit welchen das Bud­get rechnet, so daß es notwendig sein wird, Sparmaßnahmen durchzuführen. Der LandeSausschuh genehmigte die Budgets einiger Bezirke und bewilligte mehrere Gemeindeanleihen. Schließlich erledigte der Landesausschuß eine Reihe laufender Ange- legenheiten. Unverfrorene Blödmacherei betreibt die »Deutsche Landpost", indem sie unsere Nachricht über die Betrauung HanS Stiess mit der Reform der landbündlerifchen Presse als eine Faschings­nachricht bezeichnet und»witzelnd" feststellt, daß sie aus der gleichen Quelle, die uns informiert habe, mitteilen könne, auch die Verhandlungen mit Stief hätten sich zerschlagen, so dassjetzt nur noch allein Herr Dr. Emil Strauss vom Sozialdemo­krat als Reformator der Landbundpreffe in Be­tracht kommt". Fakten kann man nicht mit dummen Witzen aus der Welt schaffen. Mit Herrn Stief wurde verhandelt. Möge doch die Deutsche Landpost" den Mut haben, ein klares Dementi auszugeben. Uns dünkt, daß es dazu aus begreiflichen Gründen nicht kommen wird. Im Kampf mit dem Erdölkapital Mexikanische Petroleumgruben bestreikt Mexiko . Aus Sympathie für die bereits fest Beginn des Jahres streikende Arbeiterschaft der mexikanischen PetroleumgesellschaftAquila" sind nunmehr auch die Belegschaften der Huasteca-Petrtzleumgesellschaft" und derPier­ce Oil Company" in den Ausstand getreten. In ganz Mexiko herrscht bereits empfindlicher Mangel a n.B e n z i n, so dass Hunderte von Kraftwagen stundenlang vor den Tankstellen der einzigen Oelgesellschaft, die sich noch nicht im Streik befindet, warten müssen, um im günstigsten Falle 10 Liter Benzin zu bekommen. Man fürch­tet, daß Mexiko in den nächsten Tagen sogar völlig ohne Brennstoff sein wirb, da es bereits zu Streikunruhen gekommen ist. Die Verhand­lungen sind bisher ergebnislos geblieben, da die zur Shell-Gruppe gehörende Gesellschaft unnach­giebig ist. Auch die mexikanischen Straßenbahner drohen jetzt mit einem Sympathiestreik, wenn die Forderungen der Petroleumarbeiter unerfüllt bleiben. Amtliche Untersuchung in Kladno Entlassunsen vorläufig verboten K l a d n v. Am Freitag wurden allen Gru­benverwaltungen des Kladnoer Kohlenreviers di« Bescheide des Brrgrevieramtrs zugestcllt, durch welche Entlassungen von Bergarbeitern bis z» dem Zeitpuntte untersagt werden, in welchem auf allen Gruben die örtlichen Berhältniffe unter­sucht sein werden. Die Ergebnisse der lokalen Erhebungen, die voraussichtlich in der nächsten Woche vorgrnommen werden, werden den Leitungen der Unternehmun­gen wiederum mittels besondere» Bescheides br- kanntgegrben werden. * Samstag findet in Kladno eine Beratung der Gewerkschaftsorganisationen statt, die die Stellungnahme zu den sonn­tägigen Versammlungen vorbe- retten wird. Am Vormittag findet im Kladnoer Rathaus ekne Versammlung der Bürgermeister aller Bergarbeitergemeinden des Gebietes von Kladno und Schlau ohne Unterschied der poli­tischen Zugehörigkeit statt, in der über die even­tuellen Folgen einer Restriktion der beschäftigten Bergarbeiter für die Verhältnisse in der Selbst­verwaltung im Kladnoer Gebiet verhandelt wer­den wird. Am Nachmittag findet im Volkshaus zu Kladno eine Konferenz der kommunalen Funk­tionäre der sozialdemokratischen und national­sozialistischen Partei und der parlamentarischen Vertreter dieser Parteien statt, die sich mit der finanziellen Lage der Bergarbettergemeinden'be­fassen wird. Litauen verstärkt Memel -Garnisonen Berlin .(Tsch. P. B.) Bon litauischer Seite werden die durch die Presse gegangenen Meldun­gen von einer Verstärkung der litauischen Gar­nisonen im Memelgebiet nicht bestritten. Zur Begründung wird gesagt, daß zunächst die'Ein­berufung der Rekruten an und für sich schon eine Vermehrung der Garnison mit sich bringe, ferner daß auch analoge Verstärkungen und Bewegun­gen der Reichswehrbesatzung en an der lflauischen Grenze festgestellt werden konnten. »*» Aus dem derzeit noch in Gang befindlichen Prozeß gegen Memeler Nationalsozialisten geht bekanntlich hervor, daß die Nazis dort eine Jrredenta. inszeniert hatten, die mit dem Gedanken einer gewaltsamen Rückgliederung des Memelgebietes an Deutschland ..spielte und das»ganze. Land mit einem Netz von Ge- heimorganifattonen überzog. Gamelln Oberstkommandierender der französischen Armee Paris . Der am Freitag vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik tagende Mi­nisterrat hat eine Verordnung angenommen, die die wiederholt angekündigte N e u o r g a n i- sation des Obersten Kriegsrate s und des Generalstabes zum Inhalt hat. Auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1927, das die Altersgrenze des Vorsitzenden des Ober­sten Kriegsrates auf 68 Jahre festsetzt, wurde an­stelle des bisherigen Vorsitzenden General W e y- g a n d, der am 21. Jänner 1867 geboren ist, der im 63. Lebensjahre stehende derzeitige General­stabschef General Gamelin zu seinen Nachfolger und damit zum Oberkommandanten der Armer ernannt. General Gamelin bleibt gleichzeitig Chef des Generalstabes. Ole Sieger... Saarbrücken . DNB teilt mit, daß die Räum­lichkeiten derV o l k s st i m m e" am Freitag polizeilich versiegelt wurden. Weiters hat das Amtsgericht Saarbrücken eine einstweilige Verfügung erlassen, durch die dem bisherigen Geschäftsführer des christlichen Metall­arbeiterverbandes, Otto P i ck, die Geschäftsfüh­rung, entzogen wird. Diese wurde dem Treuhänder Dr. B e st übertragen. Saarbrücken . Das französische Konsulat in Saarbrücken ist mit Gesuchen saarländischer Ein­wohner, die nach Frankreich auszuwandern ge­denken, überhäuft. Das Konsulat mußte gtrte Filial-Amtsstelle errichten, um dem Ansturm zu genügen. I' In Toulouse sind 29 Flüchtlinge aus dem Saargebiete eingetroffen, die in einer Schule untergebracht wurden. Jugoslawische FlnanzmaBnahmen Belgrad . Finanzminister Stojad i n o- viä hat auf Grund einer diesbezüglichen Verord­nung die Nationalbank zur Tilgung ihrer Revol- Ving-Kredite im Betrage von 314 Millionen fran­zösischer Franken unter der Bedingung der Auf-, rechterhaltung einer 25prozentigen Bedeckung aller ü-vista-Bankverpflichtungen, bzw. einer 2 0 p r a- zentigen Goldbedeckung ermächtigt. Bisher betrug die Bankdeckung nominell 35, die Golddeckung 25 Prozent; an den tatsächlich beretts bestehenden Deckungsverhältnissen ändert sich jedoch nichts.