«r 18 Dienstag, 22. Jänner 1938 Seite 5 Kaktusse mit n 3«*tetb*nt* begossen werden zauberhaft schön. Senden Sie uns KC 5.60 in Brief» marken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, de» besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen werden. Verwaltung. Frauenwelt". Prag XII, Facha»» tt. 62, und durch alle Lalpar» teure erhLltlich. Ein au-gezeichneter Flieger. Die Direktion der Gesellschaft Air France meldet, daß ihr Pilot Jan Slädek soeben zum Ritter der Ehrenlegion und mit dem Kreuz der Ehrenlegion für seine Verdienste um das Flug­wesen dekoriert wurde. Slädek hat während seiner zehnjährigen Tätigkeit bei der Air France 1.400.000 Kilometer in 8000 Effcktiv- Flugstunden zurückgelegt. Durch seine Probeslüge trug er erheblich zur Vervollkommnung de- Flugwesens und zur Sicherest de- Lufttrans­portes bei. Flug Frankreich Madagaskar Die franzö­ sischen Flieger Gönin, Robert und Lau­reat haben den gewagten Versuch unternommen, eine Flugverbindung zwischen Frankreich und sei­ner Kolonie Madagaskar in drei Tagen herzustellen. Sie starteten Sonntag abends auf dem Pariser Flugplatz, landeten nachts in Mar­ seille und gestern vormfttags in Gabes , von wo sie nach einstündiger Unterbrechung den Weiter­flug fortsetzten. Das Flugzeug besitzt keinen Radio- apparat. so daß es nicht möglich ist, ihren Flug genau zu verfolgen. Vroßfener im SiecheahanS. Im linken Seiten» stügel eines Krankenhauses für alte Leute in Ost» London brach am Sonntag abends ein Groß­feuer aus, durch das 250 bettlägerige Kranke in große Gefahr kamen. Dank der schnellen und sach­gemäßen Hilfeleistung der Krankenschwestern und Pfleger wurden aber die hilflosen alten Leute bin­nen kurzer Zeit geborgen. Als eine halbe Stunde nach Ausbruch des Brandes der Dachstuhl eiustürzte, befand sich niemand mehr in dem Gebäude. Der wie Widerschein der Flammen am nächtlichen Him­mel war weithin sichtbar. Rach zweistündiger Ar­beit gelang eS der mit 20 Motorspritzen angerückten Feuerwehr, das Feuer zu löschen. Tot»ater Trümmer». In Harburg -Wil » her«, z b u r g(Hannover ) vernichtete eine durch einen Selbstmordversuch' verursachte schwere Gas­explosion eine ganze Wohnung. Di« Wohnung S- besitzeri» selbst sowie ihre fünf Jahre alte Tochter wurden besinnungslos aus den Trüm­mern geborgen und starben bald darauf. Eine andere Nachbarin der Getöteten wurde durch die Explosion schwer verwundet. Schmuggler-Tod. In der Sonntag-Nacht hielt ein« italienische Finanzer-Patrouille in Hinterpas» feier in der Nähe der LandeSgrenze zwei Tabak- andSaccharinschmuggleran, worauf die Schmuggler mit Revolverschüssen ant- tvorteten und über die Grenze zu flüchten versuchten. Die Finanzer schossen den Flüchtende» nach, wobei einer der Schmuggler, ein gewisser Pichler, 28 Jahre alt, am Kopst getroffen wurde und bald dar­auf verschied. Der zwefte Schmuggler, der 33jährige Georg Pöhn, wurde verhaftet. Traurige» Fest. In einer Erdgeschoßwohnung in Blumenkamp , bei Essen, die zu einer Festlich­keit überreich mit Papierdekorationrn geschmückt war. geriet beim Abbrennen eine- Blitzlichtes ein leichter Vorhang in Brand, im selben Augenblick stand die ganze Siaumdekoration in hellsten Flam- Fieberwahn Meine Schwester Annuschka war ein selt­sames Wesen. Schon ihr AeußereS war unge» tvöhnlich. Sie hatte ein stilles, blasses Dulderin­gesicht, voll slawischer Melancholie und was sie am meisten auszeichnete war ihr tie­fe», geheimnisvolles Schweigen. Sie schwieg im­mer. Blickte mit ihren wunderschönen, glanzvollen schwarzen Augen stets verträumt und still irgend­wo in die weite Ferne... Sie beunruhigte mich. Ich hatte Grund dazu. Ihr ewiges Schweigen war unergründlich und tief wie das Meer, und mir schien es daß ihrer unbedingt ein tragisches Schicksal harre. Sie fühfte sich fremd und verlassen inmitten ihrer eigenen Geschwister. Obwohl ich die Jüngste war, empfand ich stets das Bedürfnis, dieses schwache, hilflose und schwermüttge Wesen zu schützen, zu verteidigen, über sie mütterlich zu Wachen. Irgend­wo tief verborgen in meiner Seele schlummerte der Gedanke, daß Annuschka einmal Selbstmord begehen wird, und ich lebte in ständiger Angst um sie. Ich war damals erst achtzehn Jahre alt. 8m Osten geboren, war ich wild und temperament­voll wie der Osten selbst. Als romantisches Ding wie ich war las ich unendlich viel. Russische Belohnung" für Verrat. Wie die AP. er­fährt, hat der Uebertritt Hildebrands von der Schwarzen Front zu den Nationalsozialr« sten ein für ihn unerwartetes Ende gehabt. Er wurde kurz nach dem Grenzübertritt von Gestapo verhaftet, ohne daß ihm die schriftlichen Zusiche- Thomas Mann » der berühmte deutsche Schriftsteller, der heute in der Prager»Urania" über Richard Wagner spricht, begrüßte gestern Prag in einem Rundfunkvortrag, dem wir folgendes entnehmen: Thomas Mann gab vor allem seiner Freude Ausdruck,wieder in Prag zu sein, dieser herrlichen und ttef charaktervollen Stadt, die ich nie ohne den stärksten Eindruck be­sucht habe und ich bekenne a»rn, daß mir an dem Kontaft auch mtt den tschechischen Publikum Prag­herzlich gelegen ist, und daß ich den Sinn und Zweck dieses Aufenthaltes nicht als ganz erfüllt ansehen könnte, wenn eine solche Berührung nicht zustande käme. In einer Zeü, wie dieser, wo sich die Abson­derung der Völker mehr und mehr in einer, wie ich gerade au» meinem deutschen Kulturgefühl heraus meine, unglücklichen Weise versteift, ist es die Aufgabe derer, die an die Notwendigkeit eines ein- trächttg zusammenwirkenden Europas glauben, diesen Gedanken hoch zu halten und für ihn ein­zustehen. Und eine VortragSreise, wie die, welch« ich gerade absolvieren sek fteauch eines rein geifkh- gen, künstlerischen, literarischen EharakterS, hat immer doch zugleich den tieferen Sinn" und die höhere Funftion, eine BerührungderKul- tursphärcn herbeizuführen und damit aus eine zwar leise und indirekte, aber keineswegs unwirksame Weise die Annäherung der Völker und BolkSgeister zu fördern. Sie wissen vielleicht, daß ich seit einiger Zett in der S ch w e i z lebe, aus Sympathie für die friedliebend-freien Charakter diese- Landes, den es sich hoffent­lich unter dem Druck und Ansturm einer verwor­renen Zeit wird bewahren können. Ein Böllerstaat aber wie die Schweiz , in dem verschiedene Bolkstelle friedlich unter demselben staattiche» Dach zusammenwohnen und rin Pfei. ler der demokratisch-europäischen Staat-- und Weltgesinnung ist auch die Tschechoslowakei unter ihrem ehrwürdigen Präsidenten, dessen Gestalt in der Tat das Ideal eines moder« nenStaatS-Oberhauptes erfüllt und nicht nur eine- modernen, denn daS Ideal, das sie verkörpert» kann man ja zurückführen . auf die platonische Forderung, dass Weise und Philosoph« die Staaten regieren sollen. Literatur verschlang ich mit Leidenschaft, denn nur sie allein konnte meinen Durst nach höherer Ro- mantik und Heroismus stillen. Es war an einem Hellen Sommertag. Meine Schwester Annuschka saß wie immer still und ver­träumt auf dem Balkon, der auf die Straße ging und blickte irgendwohin in die weite Ferne... Ich verließ sie trotzdem ruhigen Herzens ging auf mein Zimmer, streckte mich auf den Diwan und ging daran, das ftisch entliehene Buch von Leonid Andrejew zu lesen. Es war ein Lesen wie im Fieber, denn es handelte sich wie immer bei Leonid Andrejew um etwas grauenhaft Düsteres. Dieser dekatente Schriftsteller wirkte überhaupt verheerend auf meiner jungen Phantasie. Ich kann mich an die Einzelheiten der Erzählung nicht mehr genau er­innern, nur entsinne ich mich dumpf, daß dort von einem Manne die Rede war, der im Rausche einer Liebesnacht seine Geliebte ersttckt... Der Leich­nam fällt am Morgen dumpf zu Boden... Der Eindruck dieser düsteren Erzählung wirkte so gewaltig auf mein junges Gemüt, daß meine schon ohnedies überspannte Phantasie wie im Traume fieberte. Ich blieb regungslos ohne Gedanken, ohne Gefühle liegen. Ich weiß nicht wie lange ich so erhitzt und fiebernd dalag. rungen auf Straffreiheit und fteies Gelett, auf die er sich zunächst entrüstet berief, etwas nützten. Er wurde schwer mißhandelt und befindet sich zur Zett im Keller in der Prinz Albrecht Straße in Berlin . Das ist derStrom deutschen Geschehens", von dem er in seinem Aufruf pathetisch schrieb. rischen Publikum dieses Landes Dank für eine An­teilnahme an meiner Arbeit, wie sie mir so freund- lich, ernst und intelligent nicht leicht aus einem anderen Lande rntgegengekommen ist..." Thomas Mann sprach dann von den»Ideen­verbindungen, die sich an den Namen dieser Stadt knüpfen, einem Namen, der dem lesenden Deut­ sch « von früh auf, schon durch seine klassische Dich­tung, durch Schillers Wallenstein, enigrgentritt; ich meine in der Szene zwischen Wallenstein und Wrangel, wo der schwedische Oberst die Verpfän­dung von Prag und Eger von dem Generalissimus verlangt und dieser ihn abweist:»Diel gefordert. Sei's um Eger , aber Prag geht nicht." Das ist eine frühe Einprägung, die schon dem Knaben einen eigentümlichen Eindruck von der Wichtigkett dieser Stadt vermittelle. Und später ist es dann Adal­ bert Stifter , der ihm durch seinen herrlichen Roman»Witiko" das mittelalterliche Bild dieser Stadt durch das berühmte Belagerungskapitel heraufzaubert und unvergeßlich macht... Meine Unkenntnis der schönen, aber schwierigen tschechi­schen Sprache ist daran schuld, daß meine Ver- ttautheit mit der tschechischen National-Literatur leider beschränkt ist. Dafür mußte vor allem die tschechische Musik eintreten, di« mir von jung auf durch Smetana und D v o k ä k, diese so charak­teristisch-nationalen und dabei mit ihrer hin­reißenden Melancholie zu aller Welt sprechende Temperamente, entgegentrat, dann aber auch durch die neueren Janäkek und Weinberger. In deutscher Uebersetzung aber konnte ich doch auch einige- von der modernen literarischen Produttion des Landes auf mich wirken lassen... Aber namentlich waren es natürlich die deutsch -böhmischen Dichter, denen ich meinen Begriff von der Seele des Landes und von dieser Stadt verdanke, von der eigentümlichen, aus Modernität und fast spukhafter Romantik seltsam gemischten Atmo­sphäre Prags , die auf irgendeine Weise alle Dich­tung, die von hier kommt, verspüren läßt und die im Dichterisch-Seelischen so unverwechselbare und kostbare Werte gezeugt hat. Da kommt mir natür­lich vor allem der Name Gustav Meyrinks auf die Lippen, dessen ganzes Lebenswerk das Ge« prggr ,Prggs soomverlmubar trägt und da? Wesen dieser.Stadt auf so suggestive unh^. meisterliche MAse'fühlbar" macht.' TE» muß ettoas dickst«risch Anrieizendes und Produktives in der Luft sein, in dem alten Boden der Stadt liegen, daß sie so vieles an literarischer Merkwürdigkeit, Besonder­heit und ptttoresker Phantastik hervorgebracht hat und an dem modernen deutschen Schrifttum euren Anteil hat, wie sie in diesem Umfang und in dieser besonderen Ausprägung selten ist. Hier zeigt sich übrigens wieder, daß Echtheit und charaktervolle Bodenständigkett keineswegs im notwendigen Ge­gensatz stehen zur internationalen, zur europäischen Wirkung. Denn von der spezifisch pragerischen deutschen Dichtung ist ein außerordentlich. intensiver internationaler Reiz ausgegangen, und schon heute wird FranzKaf- kas Gottsucher-Werk in seiner peniblen Traum- hafttgkeit in Paris mit ebenso viel Bewunderung gelesen wie in Deutschland . Den Lyriker deutscher Zunge, der vielen als der größte der letzten Jahr­zehnte gilt, Rainer Maria Rilke , Hai Prag hervorgebracht... Noch einmal zum Schluß:»Ich bin glücklich, wieder hier zu sein, in dieser Stadt, deren archi- tettonischer Zauber unter den Städten der Wett fast einzig ist, glücklich, wieder einmal von Freun­des Hand durch ihre offenen und verschwiegenen Schönhetten geleitet zu werden, und glücklich, wenn auch mit gewiß unzulänglichen Worten, auf die­sem Wege danken zu können für die herzliche und gastliche Aufnahme, die mir auch diesmal wieder hier widerfährt." Plötzlich... höre ich einen grellen Schrei einen herabstürzenden Körper. Ich erstarre vor Grauen. Annuschka I blitzt es mir durch den Kopf. Höre deutlich, wie sich die Leute bei unserem Hause ansammeln, wie sie schreien, rufen nach dem her­beieilenden Wachmann dann ein dumpfes Ge­murmel, Geschrei, Weinen. Mein Herz steht still vor Entsetzen. Ich fühle mit allen Fasern meines Wesens, daß ich mich dem Unglück entgegenstürzen muß bin aber nicht imstande, mich vom Fleck zu rühren bleibe wie angenagelt liegen, wie von einer unsichtbaren Macht zurückgehalten. Und ... als ich höre, wie man den leblosen Körper meiner Schwester auf die Stiege bringt stürze ich mich in wilder Verzweiflung in's Zimmer mei­ner kranken Mutter, verberge mich vor unsagbarer Angst in einem Winkel und schluchze wild auf. Mutter erschrocken fragt mich warum ich denn so verstört auSsrhe. Ich öffne den Mund will ihr daS namenlose Unglück mitteilen daß Annuschka sich vom Ballon herabgestürzt hat, bring's nicht über mich und da... öffnet sich leise die Tür und Annuschka tritt still herein und ftagt seelenruhig ob sie schon daS Nachtmahl zu­bereiten solle... Ich aber schleiche mich wie ein Verbrecher durch die Tür hinaus. Raja. Vorn Prater RundiunK Soweit das abgelaufene Wochenprogramm ver­folgt werden konnte, bot«S wenig bedeutsame Halte» punkte. Da sei zunächst erinnert an den dritten Vor­trag Maria Hellers in der Reihe»Die bedeu­tendsten Komponisten der Cembalozeit". Er führte zu den Werken WeckmannS, Bendas, Händels und Tele­manns. Sie erstanden in voller Schörcheit aus der virtuosen Meisterschaft Maria Hellers. Auf zwei junge Begabungen wurde man besonders aufmerksam: Heinz Politzer und Hans Walter S ü ß k i n d. Der erste las aus seinem Gedichtband»Fenster vorm Firmament", Proben einer ganz seltsam berührenden, jedenfalls aus stark persönlichem Empfinden dringen­den Dichtkunst. Vom zweiten hörte man ernste und heitere Gesänge mit Texten von Morgenstern, Ringel- natz, Klabund und Kästner . Zweifellos wächst in dem jungen Komponisten eine vielversprechende Eigenart. Etwa» ganz Schöne» brachte der Dienstag mit S i m- brigers»Sieben Liedern" nach altjapanischen Texten für Sopran und Streichquartett. In dieser Musik atmet eine Melancholie wie der Duft fremder Blumen in einer seltsamen Umwelt voll tiefen Schwei» genS. Jäh aufbrechende Leidenschaft stürzt ab in ver­klingende Trauer und weit in die Ferne reichende Sehnsucht schwebt hin über versunkene Rätsel. Luis« Eckstein(Aussig ) folgte mit innigem'Singen die» sen einsamen Wegen einer ganz außergewöhnliche» musikalischen Erfindungskraft. Die verschiedenen must» kalischen Darbietungen sanden ihre monumentale Umrahmung in den^beiden Orchesterkonzerten am Be­ginn und am Ende der Berichtswoche. Die Einleitung gab das Orchester des Prager Deutschen Theaters unter der Leitung des Dirigenten Dr. I a l o w e tz. MozartsPrager Symphonie " und Webers Ouver­türe zu»Euryanthe " umschlossen den Liederzhflus .Tragikomödien" von Jiräk(Solist Zd. Knittl). De» Abschluß bildete eine Uebertragung aus der Musik­schule in Petschau , wo das Schülerorchester unter Leitung des Direktors Josef Nürnberger mtt Wagners.Tannhäuser"-Ouvertüre und Tschai» kowskvr.1812" den altbewährten Ruf der Anstalt in alle Wett hinaustrug und Rud. Matouschek als Solist in Gräfe» Posaunenkonzert den Start einer hoffnungsvollen Laufbahn verließ. Aus D. Mollers dienstägigem Wirtschaft?» relief sei festgehalten, daß es wieder einmal die Fest­stellung verzeichnete, der Tiefpunkt der Krise se» überschritten und di« Arbeitslosenziffer daher gesun­ken. Zu unterstreichen sind die beiden Forderungen der 40-Stundenwoche und der Beseittgung der Autarkien. In der Mittwoch-Arbeitersendung zeichnete Dr. Brügel einen Querschnitt durch die soziale Struk­tur der Gegenwart, betonte die Fortschritte auf sozial» Volitischem Gebiete(Heimstätten für jugendsich« A"< beitslose, Krankenversicherung, Bergarbeiterschutz, Meterschutz usw.), verschwieg auch nicht, was unter dem Druck der Verhältnisse nicht aufrecht erhalten werden konnte, konnte aber doch nachweisen, daß wett entfernt von dem brutalen Abbau in Ländern mtt anderer Staatsform, die Demokratie noch immer mehr Fürsorge, mehr Lohn, mehr ,Brot, mehr Licht, Lust und Freiheit zu geben bat. Ratschläge zur Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit in den Gemeinden er« teilte in den Sozialinformationen Genosse Krejöi. Nicht zu übersehen ist auch, daß Senator. R. S t ö h r unter den'»Zeitgemäßen- Wirtschaftsfragen" des landwirtschaftlichen Funks am Donnerstag dringend eine völlig« Umstellung der Wirtschaft verlangte' wenn man ein« ernsthafte und wirflichen Erfolg ver­sprechende Bekämpfung der Krise durchführen will. Die einzige Stellungnahme des Rundfunks zur Saarabstimmung nahm Dr. Emil Franzel in der Arbeitersendung am Frettag. Sie brachte zum Aus­druck. daß die Entscheidung durch die zwei Drittel der Katholiken und den bolttischen und sozialen Druck erfolgte. Sie nahm teil an dem Schicksal der Besieg­ten und begleitete die Emigranten auf dem Leidens­wege aus der ftemden Heimat in die heimatlich« Fremde. Gerade an dem Beispiel der.Saarabstnnmung" kann man mit ganzer Deutlichkeit erkennen, daß unser Rundfunk noch weit davon entfernt ist, seine Hörer in weltpolitischen Fragen auf demokrattsche Art zu beraten und seine Aufgabe in der Erziehung zum ge» schichtlichen Urteil zu erfüllen. Er läßt sie im Stich und überläßt sie den polittschen Wahrsagern der Stammtische und Parteipropaganda. E. T h ö n e r. GcrlcNssaal Todesopfer einer Lichtleitung Monteur unter Anklage. Prag . Gerade vor einem Jahr fand der Schlosser Samuel Lehovsky auf sonderbare Weise den Tod. Er arbeitete auf einem Neubau in der Französischen Sttatze auf den Weinbergen und war in einem Raum beschäftigt, in welchem gleichzeitig die Monteure der JnstallationSfirma Kraus u. Slädek die elek­trische Lichtleitung einrichteten. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist Lehovsky durch Berührung der nicht isolietten Enden der Leitungsdrähte umS Leben gekommen, welche ohne genügende Sicherung aus der Wand ragten und einen Strom von 220 Voll Spannung führten. Da im Augenblick des Unfalles der Verunglückte allein in dem Raum war und sonstige Zeugen nicht vorhanden sind, mußte die Todesursache auS den objettiven Anzeichen erschlossen werden. An Zeigefinger und Daumen der rechten Hand des Toten fand man oberflächliche Verletzungen, die von Einwirkungen des elektrischen Stromes her» rühren können. Die Obduktion der Leiche ergab ferner ganz Keine Blutergüsse in der Lunge, die als typische Merkmale deS Todes durch elektrischen Strom anzu» sehen wird. So wurde der 26jährige Eleftrotechniker Klime-, der al» Beauftragter der Installations­firma die Montagearbciten geleitet hatte, wegen des VergehenS der fahrlässigen Tötung unter Auflage gestellt und hatte sich vor dem Senat Perndt am Montag zu verantworten. Die Sach­verständigen aus dem elektrotechnischen Fach erklärten als schwere Fahrlässigkeit des Angeklagten einerseits die Tatsache, daß die nicht isolierten Enden der Lei­tung nicht entsprechend verwahrt worden waren, son­dern ungesichert aus der Wand ragten, wodurch die tödliche Berührung ermöglicht wurde. Ferner müsse es al» weitere grobe Fahrlässigkeit angesehen werden, daß der Angellagte in der kritischen Zeit den Strom nicht ausschaltete. Da der Angeklagte sein Verschulden in Abrede stellte und die Ladung neuer Zeugen not­wendig wurde, mußt« die Verhandlung vertagt werde». rb- Aber eS sind nicht nur so weitläufige, sondern auch intimere und persönlichere Gesichtspunkte, die mir den Wunsch eingcbcn mußten, auch dem tsche­chischen Publikum Prags nicht ganz unsichtbar und I unhörbar zu bleiben. Denn ich schulde dem litera» men. Durch die von der Decke herabfallenden bren­nenden Papierteile erlitten infolge der zum Teil leichten Kostümierung etwa 12 Personen mehr »der weniger starke Brandwunden. Sie wur­den durch sofort zur Brandstelle gerufene Kran­kenwagen den Krankenhäusern zugeführt. Thomäs Ma«« begrüßt Prag Bekenntnis zur demokratisch-europäischen Staats- und Weltgesinnung