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Donnerstag, 7. Feber 1935

Nr. 32

Verfolgung Unschuldiger wird eingestellt Salzburg . Sämtliche im Lande Salzburg aus Anlaß der Feberereignisse des Vorjahres eingelei» teten und noch verhandelten gerichtlichen Verfahren haben nunmehr durch Einstellung ihren Abschluß gefunden.

vermögen wirtschaftliche Großräume die Krise leichter zu überwinden, doch in diesem Stadium des wirtschaftlichen Niederganges könnten weder Wien , noch die Steiermark oder das Rheinland unseren Menschenüberfluß aufnehmen. Es schließt ja auch das nordamerikanische Hundertzwanzig­millionenreich fast hermetisch seine Grenzen und im Jnlande sperrt sich fast jeder Bezirk schon von dem anderen ab. Die Abschnürung der sozialen Wanderbewegungen ist eine Folge der kapitalisti­ schen Strukturkrise, die den Kampf um den Ar­beitsplatz innerhalb eines jeden Volkes und Lan­des gewaltig verschärft und die Menschen mit dem Wahn erfüllt, daß der Zugereiste ihnen das Brot wegesse. Helfen kann dagegen nur die Ueberwin- dung der Schrumpfungstendenzen des Spätkapita­lismus durch neue planwirtschaftlich-sozialistische Wirtschaftsmethoden und keine nationale Ro«' mantik. Nicht zu übersehen ist aber, daß das fast gänzliche Aufhören der Auswanderung innerhalb unseres Landes den nationalen Kampf um den Arbeitsplatz an Heftigkeit steigert und vadurch das ganze Nationalitätenproblem noch mehr kompli­ziert. Der Existenzkampf und die ganze Aufmerk­samkeit der überflüssigen Menschen konzentrieren sich auf den Sektor des öffentlichen Dienstes. Jede Landbriefträgerstelle, jeder freie Platz, fei eS für einen Aspiranten oder für einen Oberbauarbeiter,

wird zum Politikum. Fede nationale Ungerechtig­keit bei diesen Entscheidungen wird unter solchen Umständen zehnfach schmerzlich empfunden. Wir können immer wieder die Wahrnehmung machen, daß die Stimmungen gegen die nationale Zusam­menarbeit, wie sie unter den Sudetendeutschen an­zutreffen find, hauptsächlich durch verfehlte Maß­nahmen in der öffentlichen Personalpolitik genährt werden. Das Ausmaß der Berücksichtigung der .Minderheitsbürger wird zum Maßstab der natio­nalen Gerechtigkeit im Staate und der Bewährung der Demokratie. Not rauft sich" heißt ein tschechisches Sprich­wort. Es wäre ein Unglück, wenn sich an der heu­tigen Massennot eine Verschärfung der nationalen Gegensätze entzünden würde. Darum dürfen vor allem die personellen Entscheidungen im Sektor des öffentlichen Dienstes nicht durch das zahlen­mäßige Schwergewicht des Mehrheitsvolles gefällt, sondern müssen nach dem menschlichen und sozialen Gleichheitsanspruch aller Bürger bestimmt wer­den. Je mehr nationale Gerechtigkeit der Staat in seinem unmittelbaren Hoheitsbereich walten läßt, desto erfolgreicher werden die aktivistischen Kräfte der'Minderheitsvölker den Standpunkt verfechten können, daß die Krisennot durch engsten Anschluß an den Staat und durch feste Zusammenarbeit sei­ner Völler bekämpft und überwunden werden muß. Es sind nicht zuviel Menschen auf dem Boden der Tschechoslowakei , wenn sich alle Gutgesinnten verbünden, um das soziale Dasein ihrer Bewohner auf neuer.Grundlage aufzubauen. In diefer geschichtlichen Druckzone muß sich der wirtschaftliche Optimismus des Tschechenvolkes bei seiner S.t aatsfchöpsung bewähren und die Deutschen dürfen sich nicht von ihm beschämen lassen.

Hakenkreuzgesinnung vor dem Prager Strafgericht Der Gablonzer Nazi-Arzt Dr. Schicketanz klagt Gen. Dr. Strauß Genosse StrauB freigesprochen

Prag . In unserem Reichenberger Bruder­blattFreigeist" erschien am 2. September 1938 unter der UeberschriftArbeiter und anständige Menschen seid auf der Hutl Ein Fall typifcher Haken­kreuz gesinnung" ein Artikel, in welchem ein Vorfall rargestellt war, der sich unmittelbar nach Beko ckwerden der Ermordung des Prof. Lessing beim Schaukasten derReichenberger Zeitung " in Gablonz abgespiell hat. Während nämlich elfte große Menschen­menge im Schaukasten den Bericht über die Er­mordung Prof. Dr. Theodor LeffingS laS hieß «s in dem Bericht, ging der Augenarzt Dr. Karl Schicketanz vorüber. Als er sich vergewissert hatte, um was es sich handelt, machte er folgend« wörtliche Bemerkung:ES ist ja bloß ein Jude." Ein großer Teil der Anwesenden war Wer diese herzlose und gemeine Gesinnung so empört, daß sie gegen Dr. Schicketanz drohend Stellung nahm und dieser in die Konditorei Köhler flüch­ten mußte." Herr Dr. Schicketanz sandte hierauf der Redaktion desFreigeist" unter Berufung aus 8 19 des alten Preßgesetzes eine Berichtigung, in welcher er bestritt, gesagt zu haben, es handle sichb l o ß um einen Juden" und in welcher er zugibt, er hätte gesagt,wegen eines Ju­den, der früher Professor in Hannover war und in Marienbad ermordet wurde". DerFreigeist" gab dieser Berichtigung mit folgender Bemerkung Raum: Zu dieser von unS am 2. September ge­brachten Meldung läßt unS Herr Dr. Karl Schicke­tanz aus Gablonz durch seinen Rechtsvertreter «in«§ 19-Berichtigung zugehen. DieHerren Berichtiger scheinen aber mit ihren Gedanken schon ganz im Dritten Reich drüben zu leben, weil ihnen offen­bar entgangen ist, daß mit der letzten Pveßgeletz« Novelle der alte 8 1.9 außer Kraft gesetzt wurde und daß Berichtigungen nunmehr gestützt aitf die neuen pretzgesetzlichen Bestimmungen eingereicht werden müssen." Die Redaktion fugte u. a. noch folgendes hinzu: Es dürfte unseren Lesern gewiß nicht schwer fallen, den Eiertartz, den Herr Dr. Schicketanz hier aufführt, gebührend zu bewerten. Im wesent­lichen gibt der Berichtigende zu,, daß er vom Juden" sprach, dar, was er noch beifügt«, mag ja für eineBerichtigung" noch zur Not verwert­bar sein, ändert aber nichts an der Tatsache, daß eine solche Bemerkung in jenem Augenblicke, wo ei» Mord verkündet wurde, dir DenknngSart d«S Herrn Dr. Schicketanz offenbarte.... Da er anf die Beifügung der BezeichnungJude" nicht glaubte, verzichten zu können, so deutele er damit seine Verachtung deS Opfers«nd seine stille Zu­stimmung für die Tat an. Jedenfalls kennt der Herr Dr. Schicketanz daS Sprichwort:Der Ton macht dir Mustk."... Zur Erklärung der Situ«, tion»nd der daraus stch ergebenden Beurteilung der Berichtigung genügt noch, zu sagen, daß Herr Dr. Schicketanz Nationalsozialist ist." Durch diese Behauptungen fühlte sich Herr MUDr. Schicketanz in feiner Ehre verletzt und klagte den verantwortlichen Redakteur desSo ­

zialdemokrat" und desFreigeist", Genossen Dr. Emil Strauß , denn Straf-Kreisgerichte in Prag wegen Ehrenbeleidigung. Ueber diese Klage fand die erste Hauptverhandlung am 23. April 1934 statt. Bei dieser Hauptverhandlung trat der Verteidiger des Genossen Dr. Strauß, Genosse Dr. Schwelb, für dir Behauptungen des inkriminierten Artikels, welcher unter der UeberschriftEin Fall typifcher Haksnkreuzgesin» flung". erschienen war, den WahrheitS» b e w e t s an und nannte eine Reihe von Zeugen des Vorfalles. Der Kläger führte einige Leumundszeugen sowie sich und seine Frau als Zeugen zu seiner Entlastung. Mittwoch fand nun vor dem Senat« deS OGR. v o b o d a di« fortgesetzte Hauptverhand« lung statt. Für den Privatkläger war Herr Dr. L o s e r t, für den Angeklagten Doktor E ch w e l b erschienen. DaS Gericht beschloß, die Beweise durch Ver­lesung der Zeugenprotokolle durchzuführen und ließ alle beantragten Beweis« zu, mit AuSnahm> der Einvernahme des Dr. Schicketanz als Zeugen, und zwar mit der Begründung, daß das Gericht eine ganz« Reihe unvoreingenommener Zeugen gehört hat und aus diesem Grunde di« Einvernahme des Privatllägers als Zeugen für unentscheidend und überflüssig ansirht. Die Zeugenaussagen geben nachstehendes Bild: Der von der Verteidigung geführte Zeuge Heinrich H o l l a s jun. gibt an: Zur Zeit, als in derReichenberger Zei­ tung " die Ermordung des Prof. Lessing veröffent­licht war, stand ich in Gablonz vor der Filiale derReichenberger Zeitung " und mit mir noch viele andere. Auf einmal hört« ich hinter mir «ine Stimme, welche sagte:Was ist denn hier eigentlich los?" Auf das hin drehte ich mich um und erkannte hinter mir den Dr. Schicketanz mit seiner Frau. Dies hatte Frau Schicketanz gesagt und daraufhin sagte Herr Dr. Schicketanz:D e y Lessing haben sie erschossen, eS ist ja nur ein Jude", worauf ich erwidert«: Ist ein Jude nicht ein Mensch wie jederandere?" Darauf gab er mir keine Antwort und ging mit seiner Frau auf dem Gehsteig gegen den Markt weiter. Die bei der Zeitung anwesenden Mitleser waren über die Aeußerung des Dr. Schicketanz sehr empört und als er sich umdrehte und dies sah und hörte, flüchtete er in die nahegelegene Kon­ditorei Köhler und ging nicht heraus, bis wir weg waren. Ich kenne Dr. Schicketanz und feine Frau genau: und habe mich in seiner Per­son nicht geirrt." Di« Zeugen Rudolf Ullrich, Paulchv u b« s k y, Edmund Sommer, Rudolf Runge und Rudolf Simon bestätigten ebenso wie der Zeuge H o l l a s mit voller Bestimmtheit die imFrei­geist" wiedergegebene Aeußerung deS Privat- anklägerS. Da Herr Dr. Schicketanz zunächst angegeben hatte, daß er ein vollkommen politisch un­interessierter Mann sei, der sich nm Poli» ttk nicht kümmere und den Parteien auSweichr, kam die Zuschrift des Polizeikommissariates in Gablonz a. d. N. vom 7. Mai 1934 zur Ber»

Ergreifender Abschied von Hans Jokl

Massenbeteiligung der Arbeiterschaft bei der Beisetzung In Ostrau

Im schwarz verhängten Saale des Troppauer Volkshauses wurden Mittwoch früh Hans Jokls sterbliche Ueberreste aufgebahrt. Mitglieder des Atus, der sozialistischen Jugend, der Roten Wehr, des Aruk, wachten an dem Sarge, der von zahl­losen Vertretern des Senats, des Parteivorstan­des, der Klubs der Abgeordneten und Senatoren unter Führung des Genossen Taub und der Kreis­vertretung umgeben war. Während Jokls Freunde an der Bahre vor­beizogen, trat am Vormittag die Kreisvertretung im Beisein von Mitgliedern des Parteivorstaudes und der parlamentarischen Klubs zu einer Trauer- sihimg zusammen, in welcher Abgeordneter Ge­nosse Heeger den Nachruf für den Genossen Jokl hielt. Lange vor Beginn der Trauerfeier began­nen sich die Räume des Volksheimes zu füllen, so daß die Trauerfeier für die auf der Straße Har­renden mittels Lauffprechers übertragen werden mußte. Aus ganz Schlesien hatte die sozialistische Arbeiterschaft starke Delegationen entsandt, wel­che ihrem toten Freund und Vertrauensmann das letzte Geleite gaben. Groß war die Zahl der offi­ziellen Bertteter der Stadt und der staatlichen Behörden. Genossin Marie Jokl ist durch den schweren Schlag, den sie durch den Tod ihres Le­bens- und Kampfgefährten erlitten hat, vollstän­dig zusammengebrochen, und liegt so krank dar­nieder, daß sie sich an der Beisetzung ihres ver­storbenen Mannes nicht beteiligen konnte. Die Feier wurde durch einen Bläserchor eingeleitet. Dann betrat als erster Genosse Soukup die Rednertribüne, um als Vorsitzender des Senats und als Vertreter der Tschechischen sozialdemokra- ttschen Partei Abschied von Hans Jokl zu nehmen. Er sagte: Was Genosse Jokl für die bessere Zu­kunft des deuffchen Proletariats geleistet hat, hat er mich für die ffchechische Arbeiterschaft getan. Deshalb neigen sich an seiner Bahre heute auch die sschechischen Arbeiter dieses Landes. Sie sind stolz mif sein Leben, welches stets der sozialistischen Idee gegolten hat. Wir danken, dir, Genosse Jokl, für alles, was du in deinem aufopfernden Leben getan hast. Wir werden dich nie vergessen. Genosse Abgeordneter Heeger sprach namens aller proletarischen Organisationen des Kreises: Wir wußten, daß Jokl krank war, doch auch jetzt noch können wir«S nicht fassen, daß dieser Mann der eisernen Energie und Widerstandskraft so plötzlich von uns gegangen ist. Was die schle­sische Arbeiterschaft an ihm verloren hat, wird sie noch lange, lange schmerzlich empfinden. 27 Jahre lang hat Jokl auf schlesischem Boden gewirkt, 27 Jahre schlesische Parteigefchichte sind untrenn­bar mit seinem Leben verbunden. In Worten ist eS nicht zu kleiden, was er in dieser Zeit für die schlesischen Arbeiter geschaffen hat. Auf allen Ge­bieten der Bewegung war er tätig und überall stand er in der ersten Kampfteihe. Tausende suchten bei ihm Rat und jeder fand sein mitfüh­lendes Herz und volles Verständnis. Jokl war ein Mann von tiefer Lauterkeit der Gesinnung, er war aber auch ein Mann der Tat, war der Haft, an den wir uns in Zeiten der Not klammerten. In einer Zeit der schwersten Kämpfe stehen wir nun allein. Aber sein Geist ist unfer Lehrer und ihm geloben wir, alle Kräfte für die Ziele einzu- setzen, für die er gelebt hat und die auch unsere Ziel« sind. Im Namen des Parteivorstandes und für den parlamentarischen Klub sprach Genosse Se­nator Heller: Schmerzliche Lücken haben die letzten Jahre in unsere Reihen gerissen. Die Genossen Pohl, Löw, Jarolim und Beutel sind von uns gegan­

gen, und heute bestatten wir wieder einen unserer ersten Vorkämpfer. Lange vor dem Kriege begann Hans Jokl als Organisator und Führer der Arbeiter zu wirken, er hielt sie auftecht, als die erste Enttäuschung nach den Wahlkämpfen kam und viele zu zweifeln be­gannen. Dann warf der Krieg die erstarkende Partei zurück. Seinem Ende folgte eine neue Welle der Begeisterung und wieder brach ein Krieg aus, diesmal ein Krieg unter uns felbst. Aber wieder rissen wir uns hoch und eroberten die Stel­lung zurück, die uns gebührte. Und wieder kam vom Ausland ein Krieg, und auch diesen werden wir bestehen. Wie kam eS, daß wir diesen Kampf siegreich überdauerten? Man hat uns alles nachgeahmt, die rote Farbe, unsere Lieder, unsere Forderun­gen, nur eines konnte man nicht nachahmen: den sozialdemokratischen Vertrauensmann. Er war es, der durch seine Kraft und Treue die Idee immer wieder zum Siege führte. Ein solcher Ver­trauensmann war Hans Jokl , weit über den Durchschnitt hinausragend, er war ein Mann mit einem goldenen Herzen und einem klaren Ver­stände. Sein Herz flammte auf, wenn Arbeitern Unrecht geschah, sein Verstand ließ ihn aber sehen, was er für sie erreichen konnte. Davon ließ er sich leiten. So wurde er das Vorbild des sozial» demokratischen Vertrauensmannes, ein Muster nicht nur für die schlesische, sondern für die ge­samte Arbeiterschaft. Run hat er u.is verlassen, aufgerieben von der Arbeit, aufgezehrt das Heiße Herz. Zum letzten Male nehmen wir Abschied von dir, Hans Jokl . Die Aelteren werden dich nie vergessen, den Jüngeren sollst du ein Vorbild sein. Hab tausend Dank für alles, lieber Genosse Jokll Die Troppauer Arbeitersänger sttmmten daS LiedDort unten ist Friede" an, dann wurde der Sarg vom Bolkshaus aus an den Tausenden, die in den Straßen auf den Leichenzug warteten, vorbei bis zum Schloßring geführt. Tausende Arbeiter folgten dem Sarge. Auf dem Schloß» ring sprachen für die tschechischen sozialdemokra» ttschen Organisattonen Genosse Schnee, für die deuffchen Genossen Tietz. Dann setzte sich unter den Klängen der Staatshymne und der Interna» tionale dec Wagen mtt dem Same nach Mähr.« Ostrau in Bewegung.- Bon Troppau folgten außerordentlich viele Mitglieder der Arbeiterorga­nisation dem Kondukt nach Mähr.-Ostrau, wo Genosse Jokl eingeäschert wurde. An der Trauer» feier im Ostrauer Krematorium nahmen sehr starke Delegationen der Arbeiterschaft aus dem ganzen schlesischen Gebiete teil. Für die Bezirks­organisation Mähr.-Ostrau sprachen Genosse SB. Haas, für den Parteivorstand und die parla» mentarische Vertretung Genosse Abgeordneter K a tz, für die Tschechische sozkaldemokrattsche Par, tei der Bürgermeister von Mähr.-Ostrau, Abgeord­neter Genosse P r o k e 4, für die Polnifche sozial» demokratische Partei Abgeordneter Genosse E h o- bot und ein Bertteter der Paole Zion. Als letz» ter verabschiedete sich im Namen der engsten Mit» arbeiter des Verstorbenen Genosse Wessely. Dann senkten sich die roten Fahnen. Als sie sich wieder erhoben, war der Sarg in der Tiefe ver­sunken. Die Arbeitersänger von Oderberg und Mähr.-Ostrau schloffen die Feier mit dem Liede Ein-Sohn des Volkes". Der Ministerpräsident Malypett und der Innenminister Dr. C e r n h haben dem Par­teivorstand der Deutschen fozialdemokrattschen Arbeiterpartei anläßlich deS Todes deS Genossen Senator Jokl das Beileid ausgesprochen.

lesung, in welcher mitgeteflt wird, daß Dr. Schicke­tanz ununterbrochen bis zur Auflösung Mitglied der deuffchen nationalsozialistischen Arbeiterpartei gewesen ist und den Mitgliedsbei­trag von 10 flö monatlich entrichtet hat. Die von Dr. Schicketanz beantragten Zeu­genbeweise hatten folgendes Ergebnis: Der Bürgermeister Gustav Petrovsky erklärte, zur»Sache selbst überhaupt nichts an­geben zu können und führt aus: Ich kann bestätigen, daß der Privatanklä- ger ein ruhiger Mensch ist, daß er polittsch über­haupt nicht tätig ist. Er widmet sich bloß d«r Wissenschaft. Mtt Rücksicht auf seinen Charakter halte ich es. für ausgeschlossen, daß ein so ruhiger und nur wissenschaftlich arbeitender Mensch den Mord an Prof. Lessing genehmigt hätte." Herr Dr. Schicketanz führte auch den Gast­wirt, bei welchem er verkehrt, als Leumundszeu­gen. Dieser, ein Herr Emil Novotny, gab an, daß der Privatankläger im Lokal« des Zeugen einen reservierten Stammsitz hat und nicht ge.cn gestört wird. Die Ehegattin des Klägers, Frau Auguste Schicketanz, schilderte den Vorfall so, wie der Kläger selbst, daß Kläger zwar vom Juden Lessing , nicht aber davon gesprochen hat, daß es bloß" ein Jude war. Das Gericht verkündete nach längerer Be­ratung das Urteil, mit welchem der Angeklagte, Genosse

Dr. Emil Strauss, von der Anklage frei­gesprochen wird und den besonderen Beschluß, daß der Pri» vatankläger Dr. Schicketanz zum Ersatz« der Kosten deS Strafverfahren? verurteilt wird. In den Gründen führte der Vorsitzende OGR. Svoboda aus:, Das Gericht hat anf Grund der überrin- stimmenden Aussagen von sechs Zengk», die unbefangen«nd an dem Ausgange der Sach« nicht interessiert find, die Ueberzeugung gewon­nen, dass fich der strittige Vorgang so abge­spielt hat, wie er im inkriminiertcn Artikel ge­schildert ist. Der abweichenden Ans- sage der Gattin deS Klägers mißt daS Gericht keine Glaub­würdigkeit bet. Mit Rückficht auf dm derart erwiesmen Ausspruch des Klägers ist das Gericht auch r" der Ucbcrzeugung gekommen, dass der Kläger durch seine Aeußenmg seiner Missachtung gegenüber dem Opfer des Mordan­schlag e S, Herrn Prof. Theodor Lessing « Ausdruck gegeben hat und dass seist Aeußerung auch dafür spricht, daß er iw Innern den Mord an Prof. Lessing gebil­ligt hat und der Auffassung war, dass Lessi« g r e ch t g esch ehe. rd.