Nr. 45

Freitag. 22. Feier 1925

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fudetendcMtedier Zcitspie^et

Ernstlich aufeinander böse? Scharfer Kommentar derLandpost

Prag . Die Freitagausgabe derLand- p o st" kommentiert. das Anbot Henleins auf Fusionierung und dessen sofortige Ablehnung durch den Bund der Landwirte in einem sehr ent­schiedenen Ton. Sie schreibt: Wir Haien heute keinerlei Rckriminationc» Lier die Vorgänge der letzten Monate zu er­heben, noch den Gründe» nachzngehen, die dir SHF zu ihrem überraschenden Schritte bewogen haben. Wir haben«nS heute auch nicht über die volitischr» Auswirkungen dieses für die Politik des Staates und für die sudetendeutsche Politik im besonderen nicht unbedeutenden Ereignisses anSzushrrchen. Wir stellen nur fest, dass da- ver­langen, eine seit Jahren bestehende politische Par­tei, dir rinrn der hervorragendsten Stünde unse­res BolkeS vertritt, möge sich auflöse« und in einer politische« Formation aufgehen, die sich bis­her wohl agitatorisch in einer Bewegung, doch noch mit keinem Schritt« politisch auf parlamen­tarischem Boden betätigt und bewährt hat, wohl dir äußerste Zumutung darstellt, die an eine politische Partei gestellt werden kann." Eineführende Persönlichkeit" des B. d. L. schreibt in derLand^ost": Der B, d. L. soll liauidieren, wo­bei die SHF den Liquidator spielen will. Das be­sagt, in einfachen und unverbrämten Worten auS- qrdrückt, der Vorschlag der SHF. Ein derartiger Vorschlag mußte natürlich eine entschiedene . Zurückweisung von feiten des B. d. L. erfahren, um so mehr, als dieser Vorschlag nicht ohne eine

Von der tschechischen Presse drucken nur B e n k o v" undR ä r. L i st y" die Kom- Muniquees ohne Kommentar ab. Die Links­presse dagegen nimmt in teilweise austerordentlich scharfer Form gegen Henlein Stellung und for­dert, dah die Regierung endlich einmal eine klare und entschiedene Haltung zu Henlein einnehme. DasPrüvo Ltdu" bringt die Meldung unter dem Titel.Die Heimatfront sucht Del» ku n g" und bemerkt, die klare Ablehnung jedweden Paktes mit Henlein sei ein Beweis für die gesund« politische Orientierung der deutschen Ländbündlkrl Wer es mit der Tschechoslowakischen Republik wirk­lich gut meint und nicht über die Grenzen zum Nachbar schielt, der wird niemals mit einer Be­wegung gehen, deren Bezeichnung.SHF" die Leute im Grenzgebiet schon lange mit.Sei Hitlers Freund!" auSlegen. Eeskt Dlovo": Dieser politische Schachzug ist der Ausdruck des schlechten Gewissensder Heimatfront, welch« weist, wie viel kom­promittierendes Material die staat­lichen Behörden über ihre Tätigkeit und ihre Verbindungen mit dem Aus­land haben. Namentlich in Verbindung mit der Enthüllung der»Petit Journal" erweist sich daS Angebot der Heimatfront an di« Agrarier als letz­ter Rettungsversuch vor dem Schicksal der Hakenkreuzpartei, da das stille Protektorat der größ­ten tschechischen Partei der SHF nicht mehr sicher genug erscheint. Die Ablehnung durch die deutschen Agrarier ist schon die dritte große Blamage, die di« Heimatfront in der letzten Zeit erlitten hat. Auch dieLidovö Rovinv" sprechen di« Mei­nung auS, daß Henlein sich durch die Fusion mit den Agrariern retten will. Auch diejenigen Land- bündler, welche bisher für eine Zusammenarbeit mit Henlein eintraten, hätten die Gefahr erkannt, welche ihnen aus der Fusion droht: Die deutschen Agrarier fürchten sich nicht so sehr davor, daß sie von der Henleinpartei verschlungen werden, sondern Hgvor. daß sie dadurch die direkte Verantwortung mr eine Bewegung übernähmen, aus der einzeln« Mitglieder, ja ganze Gruppen antistaatlicher Umtriebe beschuldigt werden. Den Agrariern, war nicht unbekannt, daß einige Mitglieder der Heimat­front von einer Strafverfolgung wegen hochverräterischer Beziehungen zu österreichischen und reichsdeutschen Hakenkreuzlern bedroht sind, und sie wol­len sich naturgemäß nicht mit einer Partei verbin­den, welche ebenfalls verboten werden könnte. Es| ist notwendig, daß sich die Regierung entweder für die Bewilligung oder für das Verbot der Tätigkeit der Heimatfront entscheidet. Die Aufrechterbalstma der bisherigen Unsicherheit dient der Staatspolitik keineswegs. Rär. Osvoi." erklärt, daß«S Henlein dann» gehe, die Wahlagitation mit einem starken Angriff einzuleiten und eine AgitationSbasiS gegen den Landbund zu gewinnen. DaS Fusionsangebot geht offenbar auf das alte Sprichwort zurück, daß der Hieb die beste Parade sei. Am schärfsten geht daS morgigeAZet" ins Zeug: Die hakenkreuzlerische und antistaatliche Tätigkeit der Henleinbewegung ist heute schon all­gemein bekannt, und zwar nicht nur bei unS, sondern auch im Ausland, und di« Regierung hat sehr viele Gründe, um die<SHF wann tarntet aufzulösen. Dessen ist sich Henlein bewußt und deshalb sucht er einen Unter­schlupf. Man muß mit allem Nachdruck fordern, daß endlich auch die Regierung offen zu Henlein und seiner Front Stellung nehme. In der SHF sind 80 bis 90 Prozent Mitglieder der aufgelösten

bestimmte Absicht und mich nicht ohne Hinter­gedanken vorgebracht wurde, da es doch für die SHF auf Grund der bisherigen Besprechungen völlig klar war, daß der B. d. L. seine Partei­souveränität niemals aufgeben und er immer der Vertreter und Hüter der besonderen Rechte des sudetendeutschen Landstandes bleiben wird. Der B. d. L. hat immer seine Hand zu den Bestrebungen, die deutsche Volksgemeinschaft inniger zu gestalten, geboten, und er wird für diese Zielsetzung immer tatkräftig eintreten. Er muß es aber entschieden ablehnen, wenn der­artige Vorschläge zu einer Volksgemeinschaft nichts andere? bezwecken, als den B. d. L. und die übrigen deutschen Parteien zum Ve-r» schwinden zu bringen. Die politi­schen Methoden, welche die SHF bisher zur An­wendung brachte und die jetzt mit diesem Trick einen vorläufigen Ab­schluß finden, sind wahrlich nicht dazu angetan, um eine gesundende Klärung im sudeten­ deutschen Lager herbeizuführen. * Immerhin wird man abwarten müssen, ob diese Stellungnahme des offiziellen Organes der Landbündler nicht doch vorerst z« dem Zweck erfolgt, um nun umgekehrt Herrn Henlein kräfti g unter Druck zu setzen, oder ob damit wirklich schon der völlige Bruch zwischen dem Landbund und der SHF zmn Ausdruck kommt.

Hakenkreuzler. Henlein hatte genug Gelegenheit, sein positives Verhältnis zum Staate zu beweisen. Seine umstürzlerische Kampagne kann man jetzt schon nichtmehr dulden, wenn sie auch noch so geschickt gemacht wird. Die breiten Schichten des deutschen Volkes in Nordböhmen kann man nicht langer den hakenkreuzlerische» Hetzern auf Gnade und Ungnade überlassen. Eine Partei, deren Funk­tionäre und Agitatoren hinterrücks anti­staatliche Propaganda betreiben und für die Abtrennung eines Teiles der Republik arbeiten; darf in einem geordneten Staatswesen keinen Platz habe'». Die Regierung hat die Pflicht^ zu entscheiden und energisch durchzugreifen, denn sie kann und darf keine Bewegung dulden, welche gegen die Integrität des Staates gerichtet ist. Rur dieRär. Politika" meint in einem Leit­artikel, der von dem Fusionsangebot und dessen Zu­rückweisung noch keine Notiz nimmt, von Henlein , daß dieser ausgerechnet mit der Aufnahme in den Vorstand des deutschpolitischen Arbeitsamtes nun schon alles gewonnen hab«.

Kaunas.(Ella.) Der Prozeß, mit dem des Hochverrates und des Landesverrates ange­klagten Nationalsozialisten wurde Mittwoch abge­schlossen. In diesem Prozeß wurde durch die Zeugen­aussagen und durch verschiedertes anderes Beweis­material festgestellt, daß das Ziel der Memrler Nationalsozialisten war, durch Gewalt und durch einen Einfall fremder bewaffneter Abteilungen das Memelgebiet von Litauen loszureißen, und das mit Hilfe nationalsozialistischer SA-Abteilungen aus Deutschland . Durch die Zeugenaussagen wurde er­mittelt» daß sehr ettge Beziehungen zwischen den nationalsozialistischen Organisationen in Memel und analogen Organisationen in Deutschland so­wie mit den gewesenen Beamten des deutschen Konsulats in Memel Strack und mit dem natio­nalsozialistischen Führer in Tilsit , Moser, bestan- den, der znmKommissar für daS Me­mel g e b i e t" ernannt worden war. Die in den nationalsozialistischen Organisationeit im Memel­gebiet eingeschriebene Jugend wurde in unweit der Grenze befindlichen Lagern militärisch ge­schult. Reichsdeutsche Nationalsozialisten ent­sandten ins Memelgebiet ihre eigenen In- struktoren zur militärischen Ausbildung der Jugend, die dann geheime Manöver abhielt, ja sogar zirka zwei Kilometer entlang der deutschen Grenze Schützengräben auswarf. Die Nationalsozialisten im Memelgebiet er­hielten aus Deutschland Anweisnn- gen für terroristische Aktionen, etwa ähnlich, wir dies in Oesterreich der Fall war. Auf den Verrat der geheimen Ziele dieser Orga­nisation war eine ungewöhnlich strenge Strafe gesetzt, wie z. B. die Ermordung von Jesuitis und das Attentat auf Loovs.

Steigender Aufwand für die Arbeitslosenunterstützung Prag . Nach derPrager Presse" waren für die letzte fünfwöchige Winteretappe, dir mit dieser Woche«bläust, für Zwecke der staat­lichen Arbeitslosrnfürsorge ein Betrag von 32.8 Millionen XL bewilligt. Für die nächste fünf­wöchige Etappe vom 25. Feber bis 30. März wird nach den Berzeichniffen der einzelnen Bezirke und mit Rücksicht auf die erhöht« Arbeitslosenzahl ein erhöhter Aufwand notwendig sein. Ein diesbezüglicher Antrag wurde bereits vom Für­sorgeministerium im Ministerrat eingrbracht.

Spann überwindet Marx." DerDeutsch- Landbote" in Karlsbad und die Saazer.Hei­mat" liefern einen Beitrag zum Tiefstand der sudetendeutschen Politik, indem sie unter obi­gem Titel Wer die Ständestaatsdiskussion Jakfch-Dr. Hetz berichten. Die 800 Teilnehmer des Karlsbader Diskussionsabends, auch die bürgerlichen, werden sich angesichts dieser Ver­zerrung des Tatbestandes eines Lächelns kaum enthalten können. So kann man wirklich nur die Dorfleute im Cgerland und Saazer Land informieren, die kein« Ahnung haben, wie es wirklich zugegangen ist. Die sozialdemokratische Presse hat sich in ihrer Berichterstattung vor­nehm eines Werturteils enthalten. Es ging ja auch garnicht darum, vor einem parteipolitisch gemischten Forum recht zu behalten, sondern in sachlicher Aussprache die Meinungen gegen­einanderzustellen. Einige von Marxistenhatz triefende Landstand-Schriftleiter scheinen Wer Gefahr zu wittern. Die Gefahr, daß der sach­liche Ton, der in Karlsbad von beiden Seiten angeschlagen wurde, beibehalten werden könnte. Da mutz man nachher eine Niederlage des Marxis­mus erdichten und wenigstens einen nachträg­lichen Streit provozieren, wer gesiegt hat. DaS sind dieselben Leute, die über die politische Zer­rissenheit des Sudetendeutschtums klagen. Man braucht auf dies« Methode nicht einzugehen. Es genügt, sie anzuprangern I

Prinz von Wales lobt die Wiener Gemeindebauten Die.Prager Presse" meldet aus Wien : Während des letzten Tages seines Aufenthaltes in Wien besichtigte der Prinz von Wales die Ge- meindebctttten in Begleitung des Bizebürgermei-- stets Kresse, der ihm die notwendigen Erklärungen^ gab. Der Prinz von Wales äußerte sich in Worten des höchsten Lobes über die von der früheren sozialde­mokratischen Gemeindeverwal­tung errichteten grossen Arbei­tergemeindehäuser. Interessant ist, dass den Wiener Blättern verboten wurde, politische Kommentare an dieser Besichttgung an­zuknüpfen.

der gesetzmäßigen Negierung Treue hielten; diese wurden gezwungen, in die umstürzlerischen Organisationen rinzutreten. Eine der üblichen Drohungen für die Bevölkerung war, daß in aller nächster Zeit SA -Leute auS Deutschland inS Mr- melgebirt rinfallrn und sich an denen rächen würden, die mit dem Anschluß gezögert hatte«. Der Einfall von Sturmabteilungen war für den 19. Jänner 1934 angesetzt. In geheime» Sitzungen der nationalsozialistischen, Organisa­tionen wurde insbesondere über die deutsche Poli­tik hinsichtlich des Ostens verhandelt. Das Memel­gebiet wurde hiebei als d i r e r st e E t a p p e des deutschen Vordringens nach dem Osten bezeichnet. Alle diese Tatsachen wurden nicht blpß durch Zeugenaussagen erhärtet, sondern auch durch direttes Bekenntnis einiger Angeklagten. Ans die­sen Geständnissen ist ersichtlich- daß dir Memeler Nationalsozialisten von wirtschaftlichen und finan­ziellen Korporationen in Deutschland mate­rielle Hilfe erhielten. So z. B. kaufte eine Btehrmkaufsgrsrllschaft das Vieh zu weit höheren Preisen als üblich, und das nur deshalb; um auf diese Weise Anhänger bei den Nationalsozialisten zu erwerben. Die Memeler BankA g r a r i a" erhielt geheime Beiträge aus den Fonds für O st Hilfe in Berlin . Sie ge­währte anch langfristige Anleihen biS ans 100 Jahre an verschiedene Personen, je nach ihrem politischen Brrhaltrn, aber stets mit der Bedin­gung, daß die Anleihe jederzeit wieder gekündigt werden könne. Durch diese Anleihen wurde et» Druck ans die Gesinnung der B e- Völker ung ausgeübt. Auch ander« Kreditinsti­tute wie z. B. dieLandschaftsbank" und der Kreditverband" operierten mit ähnlichen politi­schen Krediten. Ein ehemaliger Landtagspräfident des MemelgebieteS, ein hoher Fnnkttonär der nationalsozialistischen Aktion, erhielt von diesen ,200.000 Lit, ohne jeg«

Di« nationalsozialistischen Organisationen übten im Memelgebiet in verschiedener Weife einen Terror aus, so z. B. durch Brandlegung

a. Banken einen Kredit von 1 und Todrsandrohung für diejenigen Personen, die I liche Verzinsung.

Ole Angst vor dem Verbot Was die tschechische Linkspresse dazu sagt

Deutsche Auslandspropasanda" im Memelland

Ein großer politischer Prozeß? Unter diesem Titel nimmt derVenkov" Bezug darauf, dah der. nationaldemokratische Ab­geordnete Dr. H o d ä k dem Blatt in denNa- rodni Listy" gedroht habe, er werde es klagen und zwar deswegen, weil er imVenkov" als der grüßte Agitator für den kommunisttschen Bolsche­wismus, für die Anerkennung Sowjetrußlands und für die Zusammenarbeit mit diesem Staat bezeichnet wurde. Der«Venkov" bemerkt dazu, er fürchte sich nur vor einem, nämlich davor, dass Dr. Hodak den betreffenden Artikel nicht in vol­lem Umfange klagen und sich nur einige Worte aussuchen werde. Werde Hodäk den ganzen Ar­tikel klagen, dann wird die Oeffentlichkeit einen großen politischen Prozeß erleben, in welche»! Vertreter verschiedener politischer Parteien als Zeugen dafür auftreten werden, daß Hodäk bei ihnen für die Zusammenarbeit mit dem bolsche­wistischen Kommunismus in derselben Zeit ein­getreten sei, da Dr. Kramäk die Sowjets ver­flucht hat. Das Blatt wird bestrebt sein, die Füh­rer des Jndustriellenverbandes zu veranlassen, Zeugenschaft darüber abzulegen, daß Hodäk in 15 deutsch -tschechischen Versammlungen der Indu­striellen sich für die Zusammenarbeit mit den Bolschewiken eingesetzt hat. Dem Blatt wäre es sehr angenehm, wenn Dr. Hodäk sich bestreben würde, daß der Prozeß noch vor den Wahlen stattfinde.

Der Parlamentsbeginn Prag . Das Parlamentspräsidium setzte am Donnerstag die Tagesordnung der für den 5. März um 3 Uhr nachmittags anberaumten ersten Sitzung der Frühjahrstagung fest. Außer vier Zusatzprotokollen zu den Handelsverträgen mit Frankreich , Deutschland , Jugoslawien und Finnland steht noch der Vertrag mit Ungarn Wer 40-Stunden-Woche sei im Prinzip von der Regie­rungsentwurf über die Wirtschaftsspionage und eine Ersatzwahl zum Wahlgericht zur Verhand­lung. DasEeskk Slovo" ist mit dem Tempo der interministeriellen Beratungen unzufrieden. Die Sanierung der Selbstverwaltungskörper und die 40-Stunden-Woche sei im Prinzip von der Regie cung schon längst genehmigt, doch können sich die ministeriellen Fachkomitees nicht über die Details einigen; die Zahl der strittigen Punkte nehme eher zu als ab. Für den guten Namen des Parlaments sei es deshalb unerläßlich, daß die Regierung am 5. März dem Parlament einen Komplex von durchgearbeiteten Vorlagen überreich«. Die Par­lamentsausschüsse würden ohnedies an den Vor­lagen verschiedene Äcnderungen vornehmen und sie würden anch genügend Zeit habe«, sich im Geiste der Koalitionsvereinbarungen über das zu verstän­digen, was noch unfertig aus der Regierung kam. Die Regierung würde dadurch von Einzelheiten be- fteit und könnte sich großzügigeren Aufgaben widmen.

Vie Massen wieder einmal ausgeblieben Für den 21. Feber hatte die kommunistische Presse große Manifestationen der Arbeitslosen an­gekündigt. Nach den bis Mitternacht vorliegenden Meldungen ist es in P r a g, wo eine Versamm­lung auf dem Wenzelsplab verboten worden war, Werhaupt zu keinen Zwischenfällen gekommen. In Brünn versuchte der Abgeordnete Juran beim Bahnhof zu den Arbeitern zu sprechen, als sie die Fabriken verließen. Die Polizei zerstreute eine Gruppe von 50 jungen Leuten, die sich angesam­melt hatten, und hielt sieben Personen an. In Pilsen sammelten sich vormittags 120 Per­sonen vor dem Bezirksamt an. Der kommunistische Abgeordnete Prochazka führte eine Arbeitslosen­deputation zum Bezirksbauptmann. Als er jedoch nachher auf dem Platz vor dem Bezirksamt eine Rede halten wollte, wurde er angehalten. Elf wei­tere Personen wurden sichergestellt. Im Osttauer Revier meldet das Tsch. P.-B. Ansammlungen von 200 Personen in K a r w i n und von 100 Personen in O st r a u. Hier wurden wegen Richt­befolgung der Anordnungen der Wache elf Per­sonen verhaftet. In der ganzen Republik haben die Kommu­nisten anscheinend also nur ein paar hundert Leute auf die Beine gebracht.

Die Verhafttmg des Reichsdeutschen Podest bei Kladno hat die Untersuchung gegen einig; tschechoslowakische Staatsangehörige zur Folge. Im Zuge der Erhebungen wurden die kommu­ nistischen Funftionäre B e s e l h, dessen 19jäh- rige Tochter, Boh. V e l c und der Stellvertre­ter des Gemeindevorstehers von Dolin, K r o b, in Hast genommen. Berginsprttorat in Pilse«. Auf Grund des Gesetzes 178/1934 und der Regierungsverordnung hiezu wurde für den Bereich der Revierbergämter in Pilsen und Budweis ein Berginspektorat mit dem Sitze in Pilsen errichtet. Sein Vorstand ist Berginspeftor Oberkommissär Jng. B. Hum­mel. Die Amtsräume des BerginspektorateS sind vorläufig mit denen des RevierbergamteS in Pil­ sen gemeinsam und befinden sich Palackkho- I mkstt 28, Telephon S88.