Nr. 7k» DienStag, 2. Apffl 1«W Seite 3 ifudetendeutsdier Xeitspleget Die Sozialdemokratie des Böhmerwaldes kampfbereit Glänzender Verlauf der Kreiskonferenz In Kosolup Heimatfront lest Soldaten Verzeichnisse an Drei Verhaftungen in Settenz. Am Samstag nachmittags hat, wie die Lidovä Noviny" berichtet, die Gendarmerie in Setteng bei Teplitz-Schönau drei Funktionäre der Ortsgruppe der Sudetendeutschen Heimatfront, nämlich den Vorsitzenden Holakowsky, einen ge­wissen Dietze und eine Frau verhaftet. Die in deren Wohnungen vorgenommene Hausdurch­suchung hat nicht unbedeutsame Ergebnisse erzielt. Es wurde nämlich festgestellt, daß die Ortsgruppen vor einiger Feit von der Zentrale in Eger die Messung erhalten haben, bis zum 28. März der Zentrale ein genaues Verzeichnis aller Militärpersonen vorzulegen, die im Umkreis ihrer Wirkungsstätte wohnen. Die Aktion der Heimatfrobt wurde in Settenz Freitag nachts durchgeführt. Gruppen von Mitgliedern der Hei­matfront sind durch die Gassen gegangen und haben sich alle Häuser notiert, in denen Personen wohnen, welche Beziehungen z»:m Militär haben, ferner Gendarmen»nd Polizi',k,n sowie andere Staatsbeamte» ausgediente Soldaten, ehemalige Frontkämpfer und Legionäre. Bei der Hausdurch­suchung wurden auch Mappen und Pläne beschlag­nahmt. Es wurde auch sichergestcllt, daß die Hei-! matfront Verzeichnisse der Preise der Nahrungs­mittel, von Berpflegsstätten und ähnliches anlegt. Außerdem wurden von der Gendarmerie mit Blei­stift geschriebene Instruktionen für den Fall der Auflösung der SHF gefunden. Es geht daraus hervor, daß sich die SHF bemüht, die Organi­sationen auch für den Fall der Auflösung in anderer Form aufrecht zu erhalten. In der Untersuchung wird fortgefahren, die bisher Ver­hafteten wurden dem Kreisgericht in Leümeritz eingcliefert. Vereitelter Mißbrauch der Demokratie Di« Henleinfascisten haben ihren Terrorfeld­zug gegen die demokratische Bevölkerung unse­res Staates im Reichenberger Gebiet am Frei­tag, dem 9. März l. I., mit einer ihrer sogenann­ten öffentlichen Versammlungen fortgesetzt. Wie in den Versammlungen in Habendorf, Einsiedel, Dörfel und Harzdorf, hat die Henleinfront auch in Franzendorf stundenlang vor Begum der Versammlung den Saal mit hunderten, von allen Orten hinzugezogenen Ordnern besetzt. Die Versammlung war für abends 8 Uhr angesetzt, aber um 6 Uhr waren bereits 400 bis 800 Ord­ner, die schon vorher in reichlichem Maße mit Al­kohol traktiert wurden, anwesend. Als die ersten Versammlungsbesucher, etwa 20 bis 30 an der Zahl, um viertel 7 Uhr Einlaß begehrten, wur­den sie abgewiesen. Kurze Zeit später jedoch wollte man einem Trupp Henleinmitglieder ohne wei­teres Zutritt gewähren. Dagegen protestierten die zuerst dagewesenen Versammlungsbesucher und verlangten für sich das gleiche Recht. Dar­auf hin stürmte eine Kolonne von Schlägern aus einem Eingang heraus und schlug mit Schlag­ringen auf die 20 Bersammlungsbesucher ein. Einige davon wurden mit den Schlagringen int Gesicht«nd Kopf schwer verletzt. Nach Eröffnung der Versammlung berief sich der sattsam bekannte Sandner, trotz dieser Vorgänge, auf die Freihett der Demokratte und behauptete dreist, wie diese Gesellschaft ist, daß sie die verkappten Fascisten bessere Demo­kraten wären, als die Angehörigen der Regie­rungsparteien. Dann begann der Kamerad Sandner über die polittsche und wirtschaft­liche Lage in der Tschechoslowakei zu sprechen. In gerissener Weise bereitet« er zuerst mit dem Hinweis auf die sozialen Verhältnisse des SudetcndeutschtumS, weil es keinen eigenen Staat besäße und als Minderheit in einem Na- tionalitätenstaate lebe, den Boden für eine wüste chauvinistische Hetze gegen Staat«nd Regierung vor. Alles, worunter das sudetendeutsche Boll leidet, ist nach Ansicht SandnerS auf die Majorisierung der deutschen durch die tschechische Nation zurückzuführen. Alles in allem, die berühmte Platte vo» Krebs, der ebenfalls von einer Weltwirtschaftskrise nichts wußte und alle Not deS SudetcndeutschtumS als polsiische Krise erklärte. AIS sich Herr Sandner aber'die Drei­stigkeit erlaubte, zu erklären, daß der Bestand der Tschechoslowakischen Republik nicht von dem Grüppchen, die hie und da ein« Hakenkreuzfahne hissen, gefährdet sei, sondern durch die Jrredenta, die zwangsläufig durch die tschechische Poli­tik und politisch? Ohnmacht des Deutschtums von Tag zu Tag wächst, machte der RegierungSver- treier dieser verlogenen Bolksverhetzung ein Ende und löste diese Versammlung auf. Alles in allem kann man wohl sagen, daß die Franzendorfer Versammlung ein weiterer Be­weis dafür ist, daß die Henleinfront nichts ande­res als verkappter FasciSmuS ist, der unter Miß­brauch der Demokratte Terror über das gesamte deutsche Voll verbreitet. In den Dörfern und Kleinstädten zwischen Reubistritz«nd Te p l wohnen 400.000 deutsche Menschen. DaS ist das Arbeitsgebiet«n- serer Kreisorganisation Pilsen -Budweis . Ein gro­ßer Teil der schwachen Industrie ist der Krffe zum Opfer gefallen. Die Bauarbeiter Süd- und Süd- westböhmens sitzen schon drei, vier und fünf Jahre arbeitslos zu Hause. In den Forsten des Böh- merwaldes hat daS Stocken des Holzabsatzes die Arbeitsmöglichkeiten kawstrophal vermindert. Auch bei den Kleinbauern, Häuslern und Gebirgsland­wirten herrscht Rot und Sorge. Und trotzdem steht die sozialdemokratische Bewegung des Böhmer­waldes nach fünf Krisenjahren unerschüttert, kraft­voll und kampfbereit da. Dafür hat die am Samstag und Sonntag im roten Kosolup abgehattrne Kreiskonferenz Pilsen -BndweiS einen stolze« Beweis geliefert. Trotz der weiten Entfernungen und der Armut der Organisattonen waren 270 ordmtliche und 140 Gastdelegierte erschienen. Der freundliche Saal war prächttg geschmückt. Die Kosoluper Turner und Sänger zeigten bei einem gelungenen Brgrü- ßnngSabend den hohen Stand unserer dörfischen Arbeiterkultur. Die Beratungen versiefen in vollster Einmü- ttgkeit. Samstag abends begrüßte für die tsche­chischen Bruderorganisationen Gen. Barlavu- Kosolup, Sonntag früh Genosse Janausch- Pilsen die Konferenz. Kreissekretär Gen. W a n k a konnte in seinem Bericht ein Bild zäher«nd er­folgreicher Organisationsarbeft entrollen. BiS in die letzte Zeit hinein waren Rcngründungen von Lokalorganisationen, Kleinbauern- und Jugend­gruppen zu verzeichnen. Die sozialistische Jugend Südwestböhmens befindet sich in stetem Auf­schwung«nd arbeitet in innigstem Kontakt mit der Partei. Durch unsere Rrgirrungsteilnahme hat die Bewegung im Böhmerwalde große soziale Lei­stungen vollbracht und viel zur Linderung der Rot der Arbeitslosen beigetragen. Das politische Referat erstattete Genosse Falsch. Seine zweistündigen Darlegungen gip­felten in der Ankündigung, daß das arme, aber treue und tapfere Arbeitervolk des Böhmerwaldes in historischer Stunde ans seinem Posten stehe« wird. Die Aufnahme dieses Referats durch die Konferenz gestaltete sich z« einer großen Ber- trauenskundgebung für die Partei und ihren Führer Dr. C z e ch. In der kurzen Debatte feierte Genosse H a l a die reiche« Verdienste der do« der pnrlammta- rsschen Tätigkeit scheidenden Genossen L e i b l nnd Stark um dir Kleinbauern- und Arbetter- bewegung des Böhmerwaldes«nd stellte sie der Sie werden nichts zu lachen haben I In der christlichsozialenDeutschen Presse" lesen wir: .Korruptionsschlager der Sozialdemokraten. Unter de« von den verschiedrnen tschechischen Par­teien vorbereiteten Wahlschlagern dürfte einer der am wenigsten originellen, aber etwas humor­vollen jener der tschechischen Sozialdemokraten werden. Sie haben nämlich im Parlament einen Antrag auf Abänderung und Verschärfung deS Korruptionsgesetzes eingcbracht. Di« Sache als solche ist sicherlich eine ernste, daß sie aber a u s* gerechnet von den Sozialdemokraten ausgeht, wird bei so manchen ein Verständnis- volles Lächeln Hervorrufen." Der Antrag dec ffchechischen Genossen bean­sprucht keine Originalität für sich; warum er humorvoll sein soll, erfährt man aber aus der .Deutschen Presse" nicht. Mtt den Wahlen hat das ganze nichts zu tun, denn der Abgeordnete Genosse ReäaS, der der Antragsteller ist, beschäf­tigt sich mtt diesen Fragen bereits viele Jahne und hat nicht zum«rstenmale zu dem Probleme der Bekämpfung der Korruption im öffentlichen Leben Stellung genmnmen. Aber wir möchten die»Deutsche Presse" allen Ernstes fragen, was ihr die Berechtigung gibt, sich darüber zu wun­dern, daß Anträge, die auf eine Bekämpfung der Korruption hinzielen,ausgerechnet" von sozial­demokratischer Seite stammen. Es scheint der christlkchsozialenDeutschen Presse" unbekannt zu sein, mit welcher eisernen Energie der Genosse B e ch y n l in seiner Eigenschaft als Eisenbahn­minister alle Korruptionserscheinungen verfolgt und einen wie großen Anteil er an der Reinigung deS öffentlichen Lebens von den üblen Erscheinun­gen der Korruption hat. Cs scheint ihr unbekannt zu sein, daß Genosse Dr. C z e ch der Initiator des im Vorjahre vom Arbettenministerium ausgear­beiteten Gesetzes über die Verfolgung von Machen­schaften im Lieferungswesen ist, welches. Gesetz ge­wissen Lieferfirmen sehr unangenehm zu werden dricht. Was heißt das also: die Sache werde ein verständnisvolles Lächeln" Hervorrufen? Auf was für Erfolge können denn die Christlichsogialen in ihrem Kampfe gegen die Korruption Hinweisen? Gut, bei unS sind sie nicht in der Regierung, wer» jungen Generation aus Vorbilder sozialistischer Pflichterfüllung hin. Bei der folgenden Beschluß­fassung über die Kandidatenlisten wurden einmü­tig als führende Kanditaten für die Abgeordne- tenliste im Wahlkreis Pilsen die Genossen Jaffch «nd Müller- Tachau» als Listenführer für den.Wahlkreis Budweis Genosse Oberlehrer P a tz a k- Reubistritz, als Listenführer für den Senatswahlkreis Pilsen -Budweis Genosse Profes­sor H e r b i g- Budweis«nd als Kandidat für die Landesvertretung Genosse H a l a- Kosolup gewählt. Begeistert stimmten die Delegierten am Schluß der Konferenz dasLied der Arbeit" an. Während im nahen T« s ch k a« die Zersplitterung des Landbundes im nördlichen Böhmerwaldr ein­geleitet wurde, stand unsere KreiStagung im be­nachbarten Kosolup imZeichen derEinig- keit, Kraft und Zuversicht der sozialdemokratischen Bewegung des BöhmerwaldeS . Kampfbereitschaft im Braunauer Ländchen Die Funktionäre der Deutschen sozialdemo­kratischen Partei deS Bezirkes Wekelsdorf traten Samstag, den 30. März, zu einem Appell an, um die Jnformattonen und Weisungen für die Arbeit der nächsten Wochen entgegenzunehmen. Trotz der durch daS Unwetter der letzten Tage bedingten schlechten Wegverhältnisse, kamen aus dem WekelS- dorfer und Starkftädter Gebiet 68 Funktionäre der Partei, zu denen die Genossen G e r b r i ch und RambauSke unter großer Zustimmung sprachen. Sonntag vormittag versammelten sich die Funktionäre deS Braunauer Oberbezirkes im Saale derSokolovna" in Großdorf . Es kamen mehr als dreihundert Partei­arbeiter zu diesem Appell und hörten mit großer Aufmerksamkeit die Redner Gerbrich und K r e j t i an. Wer diese Tagung mitgemacht hat, und die Begeisterung der Versammlung bei den Feststellungen übey die SHF.und den Kampf gegen den Fascismus miterlrbte, der weiß, daß die Träume der Braunauer Hakenkreuzler, die sich ohne Scheu auf den Straßen und Plätzen der Stadt zurufen, daß in einigen WochenSaar­abstimmung" bei uns sein werde und die Entschei­dung durch Henlein für Hitler falle, und nachher der Anschluß des Grenzgebietes an Deutschland erfolgen werde niemals in Erfüllung gehen werde. den sie sagen und Mahr-Harting als Justizmini­ster» also eh' schon wissen..., aber wie ist es denn in dem heutigen Oesterreich, das sich unter rein christlichsozialer Führung zu einem wahren Miß-Ständestaat ausgewachsen hat? Mutz man an den Herrn A h r e r erinnern, an den Herrn R i n t e l e n, der keineswegs seiner Korruptionsgeschäste wegen zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde, oder an di« Geschäfte, die der aktive Finanzminister B u r e s ch mit dem Bankier Bosel gemacht hat? Oder daß die österreichische Wirtschaftspolitik nunmehr nach den Interessen der Delikatessenhandlung des chrisffich- sogialen HandelsmintsterS Stockinger gestal­tet wird.Ausgerechnet" die Ehristlichsozialen haben also gar kein Recht, über dieBemühungen der sozialdemokratischen Partei nach einer Reinigung des öffentlichen Lebens zulächeln". Sollte sich dieDeutsche Presse" wettere Frechhetten nach die­ser Richtung erlauben, werden wir schon dafür sor­gen, daß ihr nicht nur das Lächeln, sondern auch das Lachen vergeht! JxNärodnf sjednoceni Das Wochenende war für die ffchechischen Fascisten recht unerfreulich. Nach N i ö a n Y bei Prag brachte das- rodni sjednoceni drei Autobusse mit Ordnern, welche eine Werbeversammlung füllen sollten. Zur Versammlung kam es nicht. Die auswärtigen Fascisten konnten aber den Ort unter"dem Schutz der Gendarmerie verlassen. Aehnlich verlief der Versuch, in Zäböhlice bei Prag eine Versammlung zu veranstalten. In zwei wetteren Fällen schlugen die Fasci­sten einander selbst die Köpfe ein. Eine Vertrauensmännerver­sammlung der Nationalen Front, welche ein Teil des Närodni sjednoceni ist, flog auf, weil zu viel Kandidaten, aber zu wenig sichere Mandate waren. Resultat: Zerbrochene Fensterscheiben, fliegende Biergläser, Ohrfeigen und drei Ver­haftete. Die Versammlung der Studenten des Nä­rodni sjednoceni scheiterte schon bei den Wahlen in den Vorsitz. Das Problem mußte auch hier von der Polizei gelöst werden. Der schlesische Streik erweitert Mistrk. Der Streik der Textilarbetter in Mistel und Frchdek Hat sich auf die Arbeiterschaft der Firma Neumann und Lemberger, 387 Perso­nen an der Zahl, ausgedehnt, die sich dem Streik angeschlossen haben. Montag nachmittags fand im Garten des christlichsozialen Heims in Mistel eine Versamm­lung der streikenden Arbeiterschaft statt, wobei gegen 3800 Arbeiter erschienen waren. Zu den Versammelten sprach der(sozialdemokratische) Gewerkschaftssekretär P o d st a t a aus Brünn und der(christlichsoziale) Gewerkschaftssekretär K o i t n e k. Sie teilten u. a. der Arbeiterschaft mtt, daß Dienstag das Gewerbeinspektorat ge­trennt mtt den Vertretern der Industriellen und den Vertretern der Arbeiterschaft verhandeln wird und daß zu erwarten sei, daß gemeinsame Verhandlungen der Strittparteien in allernäch­ster Zeit beginnen werden. Sie forderten die Ar­beiterschaft auf, Ruhe zu bewahren. Der kom­munistische Abgeordnete K l i m e n t versuchte mit einigen kommunistischen Führern an der Versammlung teilzunehmen» doch wurden sie von den Veranstaltern nicht zugelassen. In Mistel und Frhdek herrscht Ruhe. Die Jugend-Arbeitslosigkeit Auf der Internationalen Arbeitskonferenz Genf. DaS Internationale Arbeitsamt schote, daß von 28 Millionen Arbeitslosen 6 bis 7 Millionen auf die Jugend unter 23 Jahren ent­fallen. In Deutschland entfiel im Juni 1931 1 Prozent der Arbeitslosen auf Personen unter 24 Jahren, im Juni 1934 waren eS 18 Prozent. In Dänemark entfielen im Mai 1933 insgesamt 28 Prozent, in den Vereinigten Staaten i . I. 1930 über 27 Prozent der Arbeitslosen auf die Jugend unter 24 Jahren, in Finnland im Jahre 1938 33 Prozent, in England im Jahre 1931 30 Prozent, in Ungarn im Jahre 1932 sogar 42 Prozent, in Italien im Jahre 1932 41 Pro­zent, in Norwegen im Jahre 1933 27 Prozent, in Holland im Jahre 1933 27 Prozent, in Schwe­ den im Jahre 1933 33 Prozent, in der Schweiz im Jahre 1934 18 Prozent. Was die Tschechoslo- wakei betrifft, entfielen im Feber 1933 22.8 Pro­zent aller Arbeitslosen auf Personen im Alter von 14 bis 24 Jahren. Das Problem der Arbeitslosigkeit der Ju­gend wird im Juni auf der Internationalen Arbeitskonferenz behandelt werden. Gefährlich wäre es, wenn die Jugend jetzt untättg blieb. Das Jnternattonale Arbeitsamt hat die Frage der Arbeitslosigkeit der Jugend so gründlich vorbe» reitet, daß unter Zustimmung der Konferenz so­fort zu praktischen Maßnahmen Wird geschritten werden können, ohne daß die Regel der zweimali­gen Debatte eingehalten würde^ Deshalb besteht auch in Genf die Ansicht, daß die Arbeitskonferenz eher Diaßnahmen in Form von Empfehlungen an- nehmen und nicht den sofortigen Abschluß eines Abkommens anstreben sollte. Zu den Maßnahmen zwecks Verhinderung der Arbeitslosigkeit der Ju­gend gehört auch die Verlängerung der Schul­pflicht bis zum 18. Lebensjahre. Auch läßt sich das Fachschulwesen ändern und die Entscheidung der Jugend für verschiedene Arbeitsgebiete erleichtern. DaS Internationale Arbeitsamt hat das Problem der Arbeitslager geprüft und ist der An­sicht, daß bei der Einführung von Arbeitslagern darauf gesehen werden muß, daß keine Ueber- griffe geschehen. Insbesondere müssen derartige Arbeitslager vollkommen freiwillig und frei von jedem militärischen Gedanken sein und dürfen sich nicht gegenseitig mit Unternehmungen behindern, die Arbeiter beschäftigen. Die Frist für die Ablieferung der PetittonS- listen der Jugend an die Jnternatioiml« Arbeits­konferenz läuft in diesen Tagen ab. Die Mitglie­der des Sozialistischen Jugendverbandes und der Gewerkschaftsjugend werden bemüht sein, alle jungen Arbeiter und Arbeitslosen, hie sich der Aktion nicht angefchlossen haben, zur Unterzeich­nung der Listen zu veranlassen. Innsbruck . Der frühere Südtiroler deutsche Abgeordnete der italienffchen Kammer Groß­grundbesitzer Paul Sternbach wurde in Brunneck wegen nationalsozialistischer Umtriebe verhaftet und dem Gericht in Bozen überwiesen. Paris . Der Berliner.Lokalanzeiger" ver­öffentlichte eine Meldung seines Pariser Kor­respondenten» in der behauptet Wird, daß Außen­minister Laval bei seiner Reise nach Moskau sich in Berlin aufzuhalten beabsichtige. Tie Agence Havas ist von maßgebenden Kreisen zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Behauptung vollkommen grundlos ist. Madrid.(.Havas.) Der designierte Minister­präsident L e r r o u x wurde neuerlich mit der Bildung der neuen Regierung betraut, hat<cher seine Mission zum zweiten Male zurückgelegt. Der Präsident der Republik betraute hierauf den agrarffchen Führer Martinez VelaScpmtt der Kabinettsbildung.