Nr. 110 Samstag, 11. Mai 193t Seite 3 Henleins Fabrikanten! Unternehmer schicken ihre Angestellten in Henlein -Wählerversa mm hingen und bezahlen die entfallenden Arbeitsstunden! Herr Henlein gab in Haida eine Vorstellung seines Zirkus. Wie Mer seine getreuen Mannen in die Versammlung bringen, da es während der Arbeitszeit sein soll? Wie kann man die verfluchten Roten dazubringen? Sehr einfach. Ter Unternehmer, der weist, dast Henlein schon die Gelüste der Arbeiter austreiben wird, befiehlt seinem Personal in die Versammlung zu gehen, sonst gibt es wieder»einen Kamps um Sen deutschen Arbeitsplatz". Er ist dafür auch lehr nobel und bezahlt die entfallenden Arbeitsstunden. Wieder ein Zeichen, wie gut das Bürgertum den Kiaffenkampf zu führen weist! Wie gut die Henleins mit den Unternehmern sieben, geht übrigens auch aus der Zeitschrift»Die Woche des Kaufmannes" vom Mittwoch, dem. 8. Rai, hervor. Tvrt fanden wir folgende Notiz: „Aus Haida wird uns geschrieben: In . hiesigen kaufmännischen Kreisen erregte rS Aufmerksamkeit, daß die OrtSleitung d-rGude- tendeutschen Partei an dir Arbeitgeber mit dem Wunsche hrrantrat. ihren Arbeitnehmern in Werkstatt und Kantor für eine Wahlland- g e b u n g der Partei, die in den Arbeitsstunden eines Wochentages stattfand, ohne Lohnkürzung frrizu- g r b e n." '' In Haida haben die Unternehmer ihre Leute kommandiert und die entfallenden Ar- bcits stunden tatsächlich bezahlt. Wir werden diese Tatsache nicht vergessen. Jede noch so geringe Lohnforderung wird mit Krise, Konkurrenz und allerhand Ausreden zu begründen versucht.??ür die Wahlgelder des Henlein ist aber immer eine offene Tasche zu finden, wie das Beispiel von Haida zeigt! Wir sehen daher, dast noch immer genügend Geld vorhanden ist, wenn es gegen die Arbeiter geht. Sie sollen uns also nicht kommen mit ihren Klagen und Forderungen, diese Unternehmer! Wir haben in diesem Wahlkampf viel gelernt. Arbeiter, ihr müstt lernen, dast nur die Sozialdemokratie euch von dem Un- fernehmerdruck befreien kann. Wählt Liste 61 Das Wunder eines Attentats Nicht nur schauen— auch denken I Die„ritterlichen“ Rotzbuben Auf dieses Niveau will Henlein anscheinend die Sudetendeutschen allesamt bringen:.H» In der tschechischen Oeffentlichkeit wurde das Greuelmärchen von dem Attentat auf„Führer Henlein" mst verständnisvoller Heiterkeit aufge- nvmmen.„V.§. SI." hat sich der Mühe unterzogen, nach Henleins Angaben nachzuprüfen, was bei einem wirklichen. Angriff geschehen wäre. Die tieferstehende Zeichnung führt deutlich vor Augen, Ivie lächerlich die Erfindung von den vier Schüßen gegen das Auto ist. Wie hätten die im Wagen Sitzenden unverletzt bleiben können, wenn von allen Seiten Kugeln eindrangen? ' Dazu schreibt r. Sl.": Vier Schüsse wurden angeblich gegen das Auto Hen leins abgefeuert. 3m Schutzglas vor dem Chauffeur sind tatsächlich vier Öffnungen, wel- <he von Projekti len herrühren, die das Glas durch- Westen. Die vierte WM I..WDR tenfenster. Die Schutzspuren sind genau an den Stellen wo der Chauffeur und die neben ihm sitzende Person waren; sie muhten unweigerlich getroffen werden. Niemanden ist jedoch etwas passiert.-Und auch im Innern des Wagens wurde nicht die geringste Spur gefunden. ES sieht so aus, als ob das Glas erst dürchschoffen und dann Eingesetzt worden wäre. Schlietzlich, wenn wirklich etwas an dem Attentat gewesen wäre, wären beide Fenster, das Schutzglas und da- seitliche, als Corpora delicti bei Gericht. Sicher würde man nicht mit ihnen auf Versammlungen herumwandern. Wie sie lügen: 22 Autos bei der Hochzeit einer Genossin... ■■ Ein entlassener Kons um f l e i- s ck e r in Schnecken(Egerland ) wurde als Verbreiter des»Wahlschlagers" festgestellt, bei der Hochzeit der Tochter unseres Genossen d e W i t t e men 22 AutoS benötigt und benützt worden. Dz der»Bolkswille" wohl mit Recht vermutet, dast dieser Schlager nun durch ganz Westböhmen gehen werde, und da wir sogar annehmen, dast das Gerücht an den Grenzen WestböhmenS nicht baltmachen wird, halten auch wir es für notwendig, die eidesstattliche Erklärung zu Reproduzieren, dast keine der beidenTöch- ter d e Witt es g e h e i r ate t hat und dast leine von ihnen die Absicht hat, in nächster Zett zu heiraten. _ Die Geschichte mit der Hochzeit und den 22 «utos ist also frei erfunden, Nebenprodukt der skrupellos lügnerischen Hetze, die mehr noch als früheren Wahlkämpfen dem Geschmeih unter Unseren Gegnern den»Einbruch" in die sozial- ^mokratischen Kaders erleichtern soll. Mit welkem Misterfolg das für die Lumpen enden ivird, werden sie ja am 19. Mai sehen! Die Redaktion der„Freiheit" hat neuerdingS rin anonymes Geschmiere voll Drohungen zugeschickt bekommen. Ist es auch eine alberne Lausbüterei, so gibt es doch Zeugnis von der Moral und dem Geiste, die in der Henk e i n f r o n t herrschen, deren„ritterlicher" Wahlkampf durch derartige Schweinereien am besten charakterisiert wird. Antifascistische Massenkundgebung in letschen Genosse Dr. Czech spricht vor 6000 Arbeitern und Arbeiterinnen Auch tschechische Sozialdemokraten und Nationalsozialisten demonstrieren mit uns Bodenbach.(Eigenbericht.) Die beiden Elbestädte Trtschen und Bodenbach sahen manch« Kundgebung der organisierten Arbeiterklasse, aber noch keine war von solcher Bedeutung für die Arbeiterschaft dieser beiden Städte wie die für Freitag nach Arbeitsschluss rinberufen«. Deut sche und tschechische Sozialdemokraten, tschechische Nationalsozialisten riefen ohne große Borbereitnn- grn und Agitation auf«nd es kamen die Arbeiter und Arbeiterinnen, arbeitslose«nd beschäftigte, in Massen an einem gewöhnlichen Werktag nach Arbeitsschluss zusammen.* Bor den Betrieben, ohne Furcht vor dem Terror der HenlrinUnternrhmrr, versammelten sie sich und zogen geschloffen, einige Züge mit Musikbegleitung, zum Schützenhaus. Da rissen die Bürger der Stadt die Augen auf, was da anmarschierte: das war die Elite der Sudeten - deutschtumS, das waren die Arbeiter, deren Ehrlichkeit schon sprichtwörtlich geworden ist. Kein Sonntagskleid, das Kleid der schweren Arbeit, barhäuptig, so marschierten sie in Riesrnkolonnen, bewusst ihrer großen Sendung in diesen Tagen, zum Versammlungslokal und gaben dort in u«. erhörter Begeisterung ihr Dekenntni» zu« Staat, zur Demokratie und zum Sozialiomn» ab. Rund 6000 Arbeiter und Arbeiterinnen beider Nationalitäten füllten Säle und Garten des Schützenhauses. Die Kundgebung war von einem erbebenden Kampfgeist getragen. Beifallsstürme, wir sie das Schützenhaus noch selten gebärt hat, durchdröhnten den Saal«nd pflanzte» sich bei dr« im Garten versammelten Tausenden von Teilnehmern fort. Kurz vor 6 Uhr traf Genosse Dr. CSech am Versammlungsort ein. Sein Erscheinen löste minutenlangen stürmische«, sich immer wiederholenden Beifall bei den Maffen aus. Nur mit Mühe konnte er sich eine« Weg zur Bühne bahne«. Ms erster Redner sprach nach der Jntonie- rnng der Staatshymnen überaus wirkungsvoll «nd überzeugend, von spontanen, stürmischen Bei- fallskundgebmrgen»st unterbrochen, der Spitzenkandidat unseres Wahlkreises Genosse Franz K ö g l e r. Seiner Rede folgten di« Ansprachen d«S Vertreters der tschechischen Nationalsozialisten P u n r m a n und unseres alten tschechischen Genossen R ü j i L k a. Tiefen Eindruck riefen die kurzen schlichten Ausführungen rinrS in Bodenbach zu Gast weilenden Rothauer Arbeitslosen, eines der Opfer des Henleinförderers Doderer hervor. Den Höhepunkt der Kundgebungen bildet«» die Ausführungen unseres Parteivorfitzenden Genossen Dr. Ludwig Czech , die in einem anfrn- ernden Appell zur restlosen Pflichterfüllung im Wahlkampf ausklangen.(Die Reden der Genossen Köglrr«nd Dr. Czech werden wir noch nach- tragen.) Unter de« Klängen»nd dem Massengesang der Internationale fand diese eindrucksvolle Massenkundgebung ihren Abschluß. Besonders auffallend war die große Beteiligung der arbeitenden Frauen und Mädchen. Die Absendung zweier Telegramme an den Präsidenten der Republik «nd Außenminister Dr. Benes wurde unter stürmischen Beifallskundgebungen der Versammelten beschlossen. Auch die Abreise des Genossen Dr» Czech «ach der in mustergültiger Ruhe«nd Ordnung zu Ende geführten Manifestation gestaltete sich zu einer begeisterten Sympathiekundgebung für diesen verdienten, von den Gegnern so vielgrschmäh- ten Arbeiterführers. Gewaltige Angestelltenkundgebung in Brünn Am Freitag abends fand im großen Dopz- Saal in Brünn eine überwältigend besuchte Wahl- kundgrbung der Angestellten statt, bei der die Genossen Taub«nd Eier sprachen. Die aus- grzrichneten Referat» der beiden Redner wurden wiederholt von stürmischen Beifallskundgebung«« unterbrochen. Di« Kundgebung legte Zeugnis ab von dem prächtigen Geist der Brünner Angestelltenschaft und bestätigten aufs neue die Tatsache, daß dir Angestellten tre» zur Partei stehe«. Was Reichsdeutsche in Prag treiben! Ein aufschlußreiches Dokument Der Redaktion ist ein R u n d s ch r e i- b e n der„W ohlfahrtsstelle des Deutschen Reiches" in Prag , Seno- väjnä 2, in die Hände gefallen, aus dem man ersieht, daß die gleichgeschalteten reichsdeutschen Staatsangehörigen in der Tschechoslowakischen Republik und deren Einrichtungen getreu die braunen Methoden ihres Vaterlandes kopieren und mit Drohungen und E i n s ch ü ch- terungen ihren Landsleuten gegenüber nicht sparen. Der Brief lautet: Wohlfahrtsstelle des Prag , den 16. April 1935. Deutschen Reiches. SenoväZnä 2. Das Winterhilfswerk ist mit Ende März ab- znschließen und die Listen zur Kontrolle der zuständigen Stelle einzusenden. Wenn mich die Sammlung etwas über 150.000.— KC gebracht hat. sind doch die Erwartungen nicht voll erfüllt worden. Schuld daran tragen auch Sie, nachdem Sie es trotz wiederholter Aufforderung unterlassen haben, sich an diesem Volksnotopfer zu beteiligen, obwohl es bekannt ist, daß Sie über Einnahmen verfügen und eine Abgabe von%% Ihres reinen Jahreseinkommens Ihre Lebenshaltung in keiner Weise beeinflußt. Mit diesem Verhalten beweisen Sir, daß dir Rot Ihrer Volksgenossen Sie gleichgültig läßt, mit welcher Einstrllnng Sir freiwillig ans der Gemeinschaft mit dem deutschen Volke aus- schalten. Sir dürfen daher nicht überrascht sein, wenn die znständigen Stellen dir Folgerungen aus Ihrem Verhalten ziehen, was nicht in Ihrem Interesse gelegen sein dürfte. Haben Sie die Abficht, das Versäumte noch nachzuholen, bietet sich Ihnen hierzu Gelegen- hett bis 30. d. M., an welchem Tage die Listen abgeschlossen und der Kontrollstelle übergeben werden. Mit deutschem Gruß Reichsdeutsche Wohlfahrt. . Wäner. Dem Herrn Wäner und seiner„Reichsdeutschen Wohlfahrt" könnte eine Belehrung darüber nicht schaden, daß bei uns die G esetze der Tschechoslowakischen Republik und nicht des Dritten Reiches herrschen und daß es bei uns auch so etwas wie einen Erpresser-Paragraphen gibt.
Ausgabe
15 (11.5.1935) 110
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