Nr. 118
DienStag, 21. Ma! 1935
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Der Matrosenstreik in Le Havre beigelegt. Die Angestellten der DampfschiffahrtSgescllschaft „Transatlantic" haben die Vermittlungsanträge angenommen, die ihnen vom Minister für Hau« delsschiffahrt unterbreitet wurden und haben die Arbeit wieder ausgenommen. Der transatlanti-! sche Dampfer„Champlain ", auf dem der Streik ausgebrochen war, fuhr nach New Jork ab. Großfener in Tientsin . Ein Brand, der am Samstag in der Allerheiligenkirche in der Nähe der britischen Konzessionsgebietes ausgebrochen Ivar, sprang auf das Gebäude der Kailan-Berg- baugesellschaft Wer und wütete in der Nacht unvermindert fort. Dem Feuer sind die Allerheili- genkirche, der Beamtenklub, die Druckpresse und mehrere Gebäude der Kailan-Gesellschaft zum Opfer gefallen. Gefaßt« Einbrecher. Der Gendarmerie gelang eS jetzt, den Urheber der zwei Einbrüche in das Filiallager der Firma„Rolny" in T re- bit s ch zu fassen. Es ist dies der 26jährige beschäftigungslose Arbeiter Friedrich Kurzweil aus Trebitsch . Ein Teil der gestohlenen Kleider Ivurde bei ihm vorgefunden. Kurzweil hat die Diebstähle eingestanden. Der Firma Rolnh Ivurde durch die beiden Einbrüche ein Schaden von etwa 9000 XL zugefügt. Thomas Moore — heilig gesprochen. In der vatikanischen St. Peter-Basilika in Rom würben am Sonntag der selig gesprochene Kanzler bei englischen Königs Heinrichs VIII., Tho mas Moore , und der selig gesprochene Kar» binal und Bischof von Rochester, John Fi sher , die beide hingerichtet worden waren, in feierlicher Weise heilig gesprochen. Der Balkan Asama in der Nähe von Ka- euizava begann nach einer Meldung aus Tokio mn Montag früh wiederum unter großem Gelöse Feuer zu fpeien. Die Ausbrüche dauerten vier Minuten, verursachten aber den bisherigen Berichten zufolge keine großen Schäden. Noch keine dauernde Erwärmung. Im Südost- ickl des Binnenlandes ist es noch immer relativ Ivarm. Auch in Karpathorußland wurden Montag nachmittags wieder 23 bis 24 Grad verzeichnet. Im übrigen Gebiet Mitteleuropas ist die Temperatur um wnd 8 Grad niedriger, trotzdem sich der Himmel vielfach aufgeheitert hat. In der Slowakei traten wt Grenzgebiete bei verschieden warme Luftmassen Einzelne Gewitter auf. Die allgemeine Wetterlage stellt noch keine dauernde Erwärmung m Aussicht, lieber dem Polarmeer lagert ein mächtiges Druckhoch, aus welchem später dem Festland tvieder kalte Luft zugeführt werden dürste.>— Wahrscheinliche? Wetter von Dienstag: Im ganzen schön, nachts kühl, auch im Kar- Vaihengebiet nach eingetretener AuZheiterung stär- kere Abkühlung. In den westlichen Ländern tagS- Äer Erwärmung.— Wetteraussichtenfür W i t t wo ch:- Zunächst keine..größere Aenderqng. später im Westen allmähliche Verschlechterung.
kit„Zauberdung" behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang* nicht Hexerei t Paket n Ki 5*60 durch die Verwaltung der •biBBimlt“, Frag XIL, Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich —
Einer unserer gelegentlichen Mitarbeiter hatte während einer längeren Reise Gelegenheit, mit einer Reihe von reichsdeutschen Industriellen und Großkaufleuten Wer ihre Meinung zu dem angeblichen WirtschcrftSauffchwung in Deutschland zu sprechen. Im Folgenden geben wir das Ergebnis dieser Unterhaltungen wieder: Ich habe auf meiner Reise durch eine Anzahl großer deutscher Städte, darunter Berlin , Gelegenheft genommen, mit Dutzenden von kleinen Geschäftsleuten und mit leitenden Männem großer Werke zu sprechen. Nicht in einem einzigen Falle ist mir ein uneingeschränktes: Ja! zu de« heutigen Wirtschaftsverhältnissen zu Ohren gekommen. Di« Meinung der Leinen Gewerbetreibenden war in allen Fällen überaus kritisch und ablehnend, aus allen sprach die große Enttäuschung, die diese Leute erlebt haben. Die einen größeren Ueberblick besitzenden Industriellen hegen besonders große Befürchtungen für die zukünftige Entwicklung. Die kleinen Geschäftsleute klagen, wie ja bekannt, noch immer über den fortlaufenden Umsatzrückgang und beschweren sich sehr ungeniert darüber, daß weder den Warenhäusern, noch den Einheitspreisgeschäften ernsthaft zuleibe gegangen worden ist. Besonders laut wird die Klage im Hinblick auf das vergangene Oster- und das letzte Weihnachtsgeschäft. Die Umsätze der Großgeschäfte des Einzelhandels seien eher"noch gestiegen, als gesunken, wohingegen die der kleingeweMichen Ladengeschäfte im Durchschnitt um 6 bis 8 Prozent gefallen seien. Die Käufer, so wurde immer wieder versichert, wandern infolge der geringen Löhne und der noch immer gewaltig großen Arbeitslosigkeit, zu den billigen Qualitäten ab und die können sie in den Warenhäusern und Klein» preisgeschästen vorteilhafter einkaufen, als in den kleinen Spezialgeschäften. Die Haltung der Kleinhändlerkreise und des HandwerksmeistertMs zum Regime wird immer kritischer. Sehr kritisch ist aber die Meinung der Großkaufleute und der Industriellen. Sie lassen sich natürlich über die politische Seite ihrer Auffassungen noch weniger aus, ÄS die kleinen Leute, die in ihrem Aerger aus ihrem Herzen keine Morder- grube machen. Ueber die wirtschafllichen Fragen sprechen sie jedoch ganz ungeniert und offen. So sagte mir— es wird verständlich sein, wenn ich sowohl Orts« wie Personennamen verschweige— ein leitender Angestellter, eines, bedeutenden, von Amerika abhängenden OelimportunternchmenS, daß von dort aus zur Zeit bereits ein merllicheS Abstoppen deS deutschen Geschäfts erfolge. Während noch vor wenigen Monaten, im Herbst der deutsche Markt auS Quotengründen stark forciert wurde, ziehe man sich jetzt auf daS laufende Tankftellengeschäft zurück und vernachlässige alle anderen Kunden. Bor allem stoppe man jede Neuinvestition, auch auf dem Tankstellengebiet. Grund: Die Amerikaner bemühen sich, daS deutsche Geschäft glattzustellen, nicht nur weil die Devisenbewfttschaftung sie dazu zwinge, sondern auch weil sie in Deutschland keine großen
Guthaben offen halten wollen. DaS Vertrauen in die deutsche Wirtschaft sei zu sehr erschüttert. Man glaube nicht an einen Anschluß Deutschlands an die Weltkonjunktur, sondern an einen baldigen Zusammenbruch. Das ist die Stimme eines Kaufmannes, der die Meinung seiner amerikanischen Freunde wie- dergab, aber er hielt sie auch selbst für richtig. Auch in den Kreisen des innerdeutschen Geschäfts ist man schon dabei, die»Konjunktur totzureden". Und das ist immer ein sehr bedenkliches Zeichen. Die kritische Stimmung ist ganz allgemein. Natürlich ist sie zuerst in den Branchen zu finden, die an der Rüstungswirtschaft keinen Anteil haben. Besonders schlimm ist die Stimmung im Bekleidungsgewerbe. Hier ist lediglich die Uniformbranche gut beschäftigt. Ein Mann aus dieser Industrie erzählte, die Firmen hätten auch allen Anlaß gut zu verdienen, nachdem die „braune" Konjunktur, gemeint ist die vergangene Hausse in SA-Bekleidung, mit schweren Verlusten geendet habe. Dir beteiligten Firmen hätten di« SA-Uniformen fast durchgehend auf Kredit liefern müssen und wären nach dem raschen Abba« der SA nicht mehr zu ihrem Gelde gekommen. Zudem säßen sie noch heute auf großen Posten brauner Ware fest, di« unverkäuflich sei und erst umgefärbt werden müsse. Zur Zeit sei große Hausse in den laubenblauen Fliegerunifor- men. Mer wie lange? Ansonsten sei das Geschäft völlig tot. Die Herren» und Damenkonfektion liege gerade in der guten Ware fast still, die billige Stapelware, an der nicht viel zu verdienen sei, gehe nur schwach. Gegen die behördlich angeordneten Mischstoffe herrsche bei der Kundschaft schweres Mißtrauen. In der Herrenwäschefabrikation bestünden große Schwierigkeiten bei der Verarbeitung der mft Vistra gemischten Popelin- und Perkalstoffe. Reine Baumwoll- öder Leinenware sei Werhaupt nicht mehr zu haben, außer zu hohen Ueberpreisen und reine Vistrastoffe seien unbrauchbar. Sie können nur nach besonderen Verfahren gereinigt werden, weil sie bei gewöhnlicher Behandlung schon nach wenigem Waschen auseinandergehen. Auf die Frage nach den Zukunstsaussichten zuckte der Mann mit den Schultern: „Schlecht, sehr schlecht!" war sein« Antwort. Das Uniformgeschäft kann die Verluste auf den anderen Seiten auf die Dauer nicht ausgleichen und d^mj..tzie sang« gehe.dieses Geschäft floch? Man sei jedenfalls gezwungen sehr vorsichtig zu disponieren. Genau die gleiche Meinung hört man in der Textilindustrie. Der Repräsentant einer großen ostdeutschen Tuchweberei klagte:„Am besten ist noch das Geschäft in feinen Uniformtuchen für Cxtrauniformen, aber dessen Umfang sei nur klein. Gut beschäftigt sei man auch in reinen Militärtuchen. DaS ganze andere Geschäft fei ungeheuer erschwert durch den Mangel an Qualitätsgarnen und dem Mischungszwang. Kein Verarbeiter wolle sich die Mischstoffe in größeren Mengen auf Lager legen. Der Msatz sei sehr schleppend, die Verbraucher der Massenware haben durch die
Bera r», der Erzählung„Meine schwarze Legende" Von Fredrik PareliuS k Ich lieg« in meinem Zelte und höre den "tytn auf das Blätterdach des Waldes hoch Wer J* 1* herabprasseln. Dann klatschen schwere Trop- FJ auf dar Zelt nieder. Ilnd fern im Osten Löhnen Donnerwollen aufeinander. . Dera fitzt in einer Ecke. Sie fürchtet sich vor .svi Boot und vor Unwetter. Sie sieht zu mir und lächelt süß-sauer: ..Es ist viel Regen unter dem Himmel, ’Wji!“ i....Hast du Angst?" frage ich mutig. Und doch Vein Wolkenbruch in den Tropen kein Kinderei. Erst vor ein paar Tagen wurden dicht vor zwei Träger vom Blitz erschlagen. Der eine ?*yhc zerrissen und fiel ihr vor die Füße, o.r u»dere blieb starr, wie in die Erde gerammt, khen. Wie tausend geballte Fäuste trommeln die a^engüsse gegen das Zelt, und der Donner tobt. halte es nicht länger aus, flach dazuliegen, ub habe nicht Mut zu stehen, deshalb setze ich auf. Ich weiß, daß der nächste Schlag ge- Wer unseren Köpfen losbrechen wird, und zu mir selbst, wie schon so ost in solchen "allen:- »Ruhe jetzt! Denke an etwas anderes. Kopf .. Da geht es los, erst abgehackt wie ein Hustenell, her nicht recht zum Ausbruch kommt, dann -/t dröhnt eS in langen Schwingungen wie ein ^hnamitlager, das in die Luft fliegt. Dichter heißer wird der Sumpfdampf, der das Zelt ?™Ii, und mir ist, als drehte es sich im Kresse " tanze auf und nieder. Der Luftdruck, den der ^vner verursacht, und der verbrannte Geruch der ^UwPferde, die urplötzlich in Schlamm aufgelöst
wird, betäuben mich halb. Blinzelnd liege ich auf dem Bette und halte mich fest. Und endlich schleicht sich rin frisches, kühles Lüstchen durch den Türvorhang herein. Denn dt:- ser Donnerschlag war der letzte, mit dem daS Unwetter uns schrecken wollte, ehe es weiter nach Westen zog. Und verwundert entdecke ich, daß ich die kleine Dera in meinen Armen halte, die kleine Dera mft den zarten Gliedern und der schweren Brust.->«.,. Sie kachelt:.Bist du böse, Judchi, weil ich zu dir gekommen bin? Sei wieder gut! Ich habe es so satt, immer allein auf der Matte zu liegen!" Ich sehe, daß sie die geflochtene Schnur, die für sie die eigentliche Bekleidung ihrer Nacktheit bedeutet, abgelegt hat, und ich sage: „Willst du nun doch meine Frau sein?" „Ich babe solche Angst vor dem Blik, Judchi!" entgegnete sie und schmiegte sich an mich mit ihrem Jungfraucnleib, der wie Waldhumus duftet. So wurde Dera also meine Frau. Mer unsere Flitterwochen vergingen nicht ohne Streitereien. Schon in der allerersten Zest legte die Verschiedenheit unserer Ansichten uns bittere Worte des Hohns und Spottes in den Mund. Wenn Dera geflochtene Schnüre über ihre jungen, festen Brüst« spannte, um sie zum Fall-n zu bringen— denn daran erkennt man erst eine reife Frau—, schalt ich laut Wer Unverstand und Barbarei. Aber Dera schämte sich ihrer Mädchenbrust— wie sie sie höhnisch nannte— und verbarg sie vor dm Augen ihrer StammeSgenos- sinnen, damit sie nicht merken sollten, daß ihr Mann sie zwang, allen Modenkünsten zu ent- sagen. Ich untersagte ihr mich, ihre Nasenflügel dünn zu Waben und die Stim mft der erbabenm Bazandentätowierung zu verunstalten. Dafür gelang«S ihr aber dann, mir beizubringen, daß sie wenigstens die drei Striche unter jedem Auge— die eine verheiratete Frau kennzeichnen— an
bringen müßte. Ohne das würden wir beide das Gelächter aller lebenskräftigen Männer und Frauen heraufbeschworen haben. Und deshalb einigten wir uns dahin, daß sie die sechs Striche ziehen durfte, aber ganz fein nur— und daun aber weiter nichts! Ich hatte vielerlei Schwierigkeiten in dieser Zeit. Denn die Arbeit macht einem in diesem Lande, wo die Natur den Menschen von Ewigkeit her schon zu süßem Nichtstun bestimmt zu haben scheint, oft große Beschwerden. Schwer wie schtm- lendeS Gift legen sich Sumpfdämpfe und Sonnenhitze zuzeiten Wer das Gemüt des Weißen. Aber Dera war mir in den bösen Stunden stets ein Trost und ein« Freude. Das ist mir jetzt vielleicht erst so recht klargeworden, aber schon damals fühlte ich volles Verständnis dafür, daß Beretio Amala nicht vergessen konnte, wenn Dera die echte Tochter ihrer Mutter war. Einer gewöhnlichen Negerin Liebe ist wie eine lange Nacht, in der man nichts weiter vernimmt als ein schwaches, eintöniges Brausen. Ja, ihr« Liebe ist ohne Feuer, und doch besitzt sie«inen Körper, der für den Sinnenraujch wie geschaffm ist. Man kann sie höchstens als gutgeölte Maschine loben, sie ist ein LiebeSinstru- ment, aus dem kein Bogen volle Tön« locken kann. Doch Dera bot mir selbst noch im schmerzlichen Jammern rin leises, demütiges Willkommen, gleich einem in die Knie gesunkenen Krieger jubelte sie den roten Fahnen der Begierde noch zu, bis alles verzehrende Flammen ihre Seele erfaßten und mit einem Regen von Funken übergossen. Ich hatte vor Dera schon zwei schwarze Frauen gehabt und war ein recht geübter Ehemann. In diesem Lande muß man beinahe verheiratet sein, und daher nehmen sich di« meisten Weißen eine fest« Frau. Das bringt viele Vorteile mit sich. Ein schwarzer Diener ist meist einer der geringsten Männer seines Stammes. Seine Ausbildung hat er bei dtn Weißen erhalten, bei denen er von Hand zu Hand zu gehen pflegt. Und da-
Hst und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V.
tief abgesunkenen Löhn« und die große Arbeitslosigkeit ohnedies kein Geld und seien zudem gegen die neue Ware äußerst mißtrauisch. Er fügte hinzu: Und mit Recht! Die Ersatzstoffe sind unerhört teuer und allein oder innerhalb der Gemische gar nicht verwendbar. Auf den Einwand, daß die Arbeftsbeschaf« fung und die doch immerhin merkbare Mehrbeschäftigung besonders in der Metallindustrie, schließlich eine Belebung deS Absatzes nach sich ziehen müsse, sagte der Mann wörtlich:„Lassen Sie sich doch nicht bluffen! Die Löhn«, dir heut« z. B. kn der sehr gut beschäftigten Auw- und Motorenindustrie zahlt werden, liegen 30 diS 40 Prozent unter den Löhnen von 1930. Bei uns in der Textilbranche ist das gerade so. Die ganze Arbeitsbeschaffung ist doch— soweit nicht reine Rüstungsarbeiten in Frage kommen, oder der leidige Straßenbau— nur eine Umgruppierung der Arbeitsberichte. Wir müssen die jungen Leute, Männer und Mädels, entlassen, sie kommen in den Arbeitsdienst oder ins Landjahr und an ihre Stelle treten verheiratete und ältere Arbeitslose. Die bekommen aber doch nicht mehr Lohn, wie vorher die Jungen. Wo sollen wir denn daS Geld hernehmen? Außerdern sind die meisten dieser älteren Leute ja froh, nach langer Arbeitslosigkeit Werhaupt erst wieder einmal in einen Betrieb zu kommen. Nach dem Lohn wird bei der Einstellung jetzt überhaupt nicht mehr ge» fragt. Die Leute nehmen was sie bekommen. Di« Gesamtlohnaufwendungen der Industrie sind trotz der Neueinstellungen eher geringer, als höher geworden. DaS ist ja doch der Krebsschaden und deshalb kommen wir nicht vorwärts. Die Einkommen sind so gering, daß die Leute sich nur auf den allerdringensten Kleidungsersatz beschränken und auch darin noch sehr behindert sind. Daß der Mann nicht Wertrieb, bestätigten viele andere Unterhaltungen mit Geschäftsleitern. Immer wieder wurde der schweren Sorge für die nahe Zukunft Ausdruck gegeben. Die Militärkon- junktur imponiert selbst den daran teilhabenden Firmen nicht, weil sie deren baldiges Ende vor- auösehen. .„Entweder kommt Krieg", erklären sie,„und in diesem Falle ist das Schicksal Deutschlands von vornherein besiegelt, oder diese Arbeiten gehen zu Gide, sobald die Industrie genügend auf den Kriegsbedarf umgestellt und die Ausrüstung fertig ist. Dann kommt der grauenhafte Wirt« schaftSzusammentruch, dessen Folgen garnicht abzusehen sind." So ist Wereinstimmend, fast ohne Ausnahme die Meinung aller Gewährsleute, und unter ihnen befinden sich Leute, die aus ihrer beruflichen Ta- ttgkeit, als leitende Männer großer Werke, Wer dies« Dinge einen genügend loeiten Ueberblick haben. So liegen die Dinge in Deutschland in Wirklichkeit.
bei seht er seine Zuverlässigkeit meist zu. Auf eine schwarze Frau kann man sich dagegen meist verlassen, wenn man sie nicht gar zu sehr mißhandelt. Und in bezug auf ihre Treuansprücke dem Manne gegenüber wird sie jeden europäischen Ehemann angenehm überraschen. Sie hält es sogar für ihre Pflicht, den Mann mit schönen Mitschwestern zu erfrischen. Nur muß er ihr di.-s wirklich voll und ganz überlassen, sonst kommt eS zu Eifersuchtsszenen. Natürlich kann man sich auf die Dauer nicht darein finden, daß seine Frau allen Umgang vorschreibt und heranzieht. Deshalb ging ich, wie schon immer, nach kurzer Zeit meine eigenen Wege, wenn die Lust dazu mich überkam. DaS Sonderbare war, daß Dera mir fte Vorhaltungen machte, wenn sie davon erfuhr. Sie steigerte nur den Zugang von Weibern zu meinem Hause. Und bald kam die Zeit, wo alle Frauen außer Dera mich nur ermüdeten und langweilten. Ich sagte ihr gerade heraus, daß ich diese dauernde Einquartierung nicht mehr haben wollte.— Mer trotzdem geschah es eims Nachts, als fch mich zur Ruhe begeben wollte, daß ich im Schlafzimmer auf der Matte eine fremde Frau fand. Ich plauderte ein wenig mit ihr und schickte sie dann ohne wettere Zeremonien heim. Dies war das erstemal in meiner neuen Ehe, daß jo etwas geschah. Als dann Dera kam, schmiegte sie sich unter dem Moskitonetz hindurch, nahm meinen Kopf ttr ihre Hände, die wie eben entknospete Palmenblatter dufteten, und senfte ihr Antlitz ganz langsam auf das mein« herab. Ihr« Augen wurden zu Wassern voll leuchtenden Irrlichtern, die mich in Bann schlugen. Ihr Mund brach auf und ihre Lippen legten sich Wer die meinen. Ich fiihlte ihr Blut pulsen, und eS war, als wollte sie mir ihr Leben schenken und daS meine dafür nehmen, als fesselt« sie uns durch dies« Liebkosung, die sie erst seit wenigen Monaten kannte, unlösbar zusammen.