XE NT R ALOE GAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

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ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochova«r. telefon j»77. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG.

15. Jahrgang

Dienstag, 6. August 1935

Nr. 181

Ende Juli 1935: 566.522 Arbeitslose Ende Juli 1934: 569.450 Nach den amtlichen Erhebungen waren Ende Juli 1935 bei den öffentlichen Arbeitsvermilt- lungsanstalten 566.532 Personen angemeldet, denen keine Beschäftigung vermittelt werde« konnte. Das bedeutet gegen Ende Juni 1935, da der Stand der Arbeitslosen 602.760 gewesen ist» einen Rückgang von 36.238. Dieser Rückgang in der Zahl der Arbeitslosen war im Jnli 1935 größer als im gleichen Monate des Borjahrrs. Im Jahre 1934 war die Anzahl der Arbeitslosen Ende Juni 582.810, Ende Juli'569.450, der Rückgang betrug also im Juli des Vorjahres nur 13.360, es fanden demnach im heurigen Juli um etwa 23.000 Arbeitslose mehr Beschäftigung m der Wirtschaft als ein Jahr zuvor. Wie ist nun die Entwicklung seit dem Winter im Vergleich dem Vorjahre? 1935 erreichte die Arbeitslosigkeit ihren höchsten Stand im Feber mit 833.g94 Arbeits­losen. Wen« man diese Ziffer mit dem Stand der Arbeitslosigkeit Ende Juli vergleicht, so ergibt höchsten Stand im Feber mit 833.194 Arbeits- ler Beschäftigung gefunden haben. DaS ist etwaS weniger alS 1934. Im Vorjahre erreichte die Ar- iritSlosigrkit gleichfalls im Feber ihren Höhepunkt mit der Ziffer von 844.284, während im Juli 1934 die Zahl der Arbeitslosen 569.450 betrug, so daß also 274.834 Menschen wieder Beschäfti- «ang finden konnten. AuS diesen Ziffern geht hervor, daß der Rück- RMg der Arbeitslosigkeit im Jahre 1935 nur sai­sonmäßigen Charakter hat und daß von einer wirklichen Konjunktur noch nicht gesprochen wer­den kann.

Sozialistischer Nach wahlrieg in Frankreich Linksradikale stimmen für den Sozialisten Paris . Bei der gestrigen Ergänzungs- wahl wurde zum Abgeordneten für den Bezirk Clermont-Ferrand mit einer Mehrheit von rund 100 Stimmen an Stelle de8 radikalen Deputierten Minister MarrombeS der Sozialist Bille- d i e u gewählt. Die Wahl wurde in ganz Frank­ reich mit großem Interesse verfolgt, weil der radi­kale Gegenkandidat aus dem ersten Wahlgang dem sozialistische« Kandidaten den Platz geräumt hatte. An seiner Stelle kan­didierte im zweiten Wahlgange wiederum ein anderer Radikaler. D a l a d i e r und der An­hänger des sinken Flügels der radikalen Partei traten aber öffentlich für den soziali- ItischenKandidate nein, welcher im ersten Wahlgang eine größere Zahl von Stimme« auf sich vereinigt hatte. Für den radikalen Kandidaten stimmte auch die Gruppe deS Zentrums und dir Rechte.

Nachahmenswert Washington.(Reuter.) Das Repräsentan- te''^us hat einen Gesetzentwurf über die Be- steuerunggroßerV ermö g en ange­nommen. Das Gesetz wurde mit 282 gegen 96 Stimmen genehmigt und wird nun dem Senate unterbreitet werden.

Bin neuer Mord Berlin . DerVolksgerichtshof " verur­teilte den 36jährigen ehemaligen kommunistischen Reichstagsabgeordneten AlbertKatzser aus Berlin zum Tode. Kayser war von der zentralen Leitung der kommunistischen Partei Deutschlands Nach Mitteldeutschland entsandt und mit dem Wie. heranfvau der kommunisttschen Partei beauftragt worden, eine Tätigkeit, die er etwa von März 1934 bis Ende Jänner 1935 ausübte. Bei der Strafzumessung kam für ihn erschwerend in Be­tracht, daß er am 28. Feber 1933 in Schutzhast ßenommen und am 23. Dezember 1933 aus dem Konzentrationslager entlassen worden war. Bei seiner Entlassung hatte er sich verpflichten müssen, hch nicht wieder für den Kommunismus einzusrtzen und jede staatsfeindliche Betätigung zu unter­taffen.

Zwei Tschechoslowaken nach Deutschland verschleppt Tschechische Nationalsozialisten in den Händen der SA

Sonntag abends wurden nach einer Mel­dung desTelegraph" in Oderberg zwei tschechoslowakische' Staatsbürger aus Mährisch- Ostrau von SA-Leuten über die Grenze gelockt und dann unter der Beschuldigung der Spionage verhaftet. Das Blatt meldet darüber: In Oderberg fand eine Feier der tschechischen nationalsozialistischen OrganisationTträz svo- bodny"(Freiheitswacht) statt, an welcher auch eine Gruppe ans Mährisch-Ostrau teilnahm. Am Abend kamen zwei Ostrauer, und zwar der 33jäh- rige Josef KisuLan und der 21jährige Kasimir P a st e r si a k, nach einem Rundgang durch die Stadt ans dir Oderbrücke, welche das tschechoslo ­

wakische und das deutsche Gebiet verbindet, aber noch der Tschechoflowakei gehört. Dort wurden sie von SA-Leuten angerufen, die sie in ein Gespräch verwickelten und über die Grenze führte«. Plötzlich wurden sie von der SA umringt und trotz ihrer Proteste für ver­haftet erflärt. Bon der SA-Wache wurde be­hauptet, das die beiden Tschechoflowakrn in Deutschland Spionage treiben wollten. Die Faden­scheinigkeit dieses Arguments wird nof durch die Tatsache unterstrichen, daß sowohl KisuLan als auch Pasterstak dir Uniform ihres Ber- b a n d r s trugen,.also auffallend gekleidet waren. Die tschechoflowakischen Behörden wurden von der Verschleppung verständigt.

Nach Genf : Mussolini wird immer dreister Rom . Die italienische Delegation für Genf ist mit dem Delegationsführer Baron Aloisi von Genf nach Ron» zu rück gekehrt. Baron A l o i f i erstattete dem italienischen Regierungschef sofort eingehend Bericht über de« Verlauf der Genfer Verhandlungen. In hiesigen unterrichteten Kreisen wird ausdrücklich erklärt, daß der in der internattonalen Oeffentlichkeit so viel erörterte Plan eines V e r z i ch» tes Italiens auf militärische Aktionen während der Dauer der Vermittlungsverhandlunge« in Genf nicht einmal gesprächs­weise erörtert worden, geschweige denn eine derartige Verpflichtung von Italien übernommen worden ist. Durch die Genfer Verhandlungen sei keinerlei Veränderung der Lage imabes» sinischen Konflikt zu verzeichne«. Italien habe nirgends Kompro» misse gemacht. Bezüglich der Teilnahme Italiens an den September»Ratsverhandlungen hüllt man sich in hiesigen unterrichteten Kreisen in Schweigen und verweist darauf, daß alles, was gegenwärtig über den Stand der Dinge gesagt werden könne, in den Schlußenttchließungen von Genf zum Ausdruck gebracht wurde. Auch die Montagspreffe befaßt sich in ostentativer Gleichgül­tigkeit mit dem Abschluß von Genf . Aeberall findet sich die Feststellung, daß die italienische These in Genf vollständig obsiegte. Wie verlautet, sind die Einzelheiten der kommenden Dreierverhand» lungen zwischen Frankreich , Italien und England noch nicht festgelegt. Auch über die Wiederaufnahme der Schiedsgerichtsverhandlungen sind noch keine endgültigen Abmachungen über Zeit und Ort getroffen wotden. Zn Rom steht gegenwärttg nur eine Tattache fest: Die zuständigen Stellen geben zu, daß die Bekanntgabe des nennte« Mobilmachungsbe» r i ch t e s unmittelbar bevorsteht.

Italien oder das Völkerrecht Emücdtsruns In Frankreich Paris Neber das im Bölkerbundrat er- reichte Ergebnis sprechen die Blätter ihre Befrie­digung aus, bedauern jedoch, daß Italien nicht auch für die zweite Resolution gestimmt hat.Echo de Paris" erklärt, daß der Bölkerbundrat aus dieser Tagung gedemütigt hervorgehe. Das Blatt bedauert, daß niemand den Mut ge­funden hat, von der italienischen Regierung die Urbcrnahme auch nur der geringsten Berpflichtung nach Einstellung der Kricgsvorbereitungcn zu for­dern. Weiter sagt das Blatt, daß sich die Krise zu Beginn des Monates Septeinbrr neuerlich in ihrer ganzen Schwere präsentieren werde. Wenn Mus­ solini im September sein bisheriges Berhalten fortsetze, werde der Rat gezwungen sein, sich ent­weder für Italien oder für dir internationale Rechtsprechung des Völkerbundes zu entscheiden.Während mei­ner Unterredungen in Genf im Laufe der letzten Tage habe ich die Uebcrzeugung gewonnen, schreibt Pertinar daß sich die Methode des Aufschiebens nicht weiter fortsetzen läßt. Wenn die italienische Regierung auf ihrer bisherigen Linie verharrt, wird sich der gesamte Bölkerbundrat gegen Italien aussprechcn."-

Pessimismus in Abessinien? Addis Abeba .(Reuter.) In der abessini­sche« Hauptstadt herrschte Montag ein starker Pessimismus. Ein hoher Regierungsfunktionär erklärte dem Vertreter des Reuterbüros:Wir haben das Gefühl, daß jeder Tag, der ohne eine bestimmte Erklärung Italiens ' vergeht, es diesem Lande ermöglicht, eine Offensive besser vor­zubereiten.." Tie Genfer Resolutionen wurden Montag nachmittags hier veröffentlicht. In hiesigen in- formierter Kreisen wird hervorgehoben, daß in der einmonatigen Pause bis zu Anfang des Mo­nats September Italien seine Vorbereitungen in Erythräa und im Somaliland beschleunigen wirö, während A b e s s i n i e n i n f o l g e d e s W a f- fen- und Munitionseinfuhr­verbotes untätig bleiben müsse. Zustrom von Freiwilligen nach Abessinien Addis A b e d a. Im Außenministerium treffen täglich Hunderte von Angeboten Frriwilli» ger aus allen Ländern und von allen Rassen ein. Insbesondere sind es Offiziere. Insgesamt liegen biö heute 5000 Anträge vor, ungerechnet diejeni­gen bei de« einzelnen Konsulate« im Ausland.

Die Teuerung Die arbeitende Bevölkerung und noch mehr die Arbeitslosen sind in den letzten Wochen durch das Steigen der Preise in einzelnen lebenswich­tigen Waren beunruhigt worden. Dadurch wird in der Bevölkerung die Befürchtung wachgerufen, daß wir zur Geißel der Arbeitslosigkeit und des Lohn­drucks noch die Peitsche der Teuerung erhalten, daß also eine neuerliche Senkung des ohnehin auf einem seit zwanzig Jahren nicht m^hr erlebten niedrigen Lebensniveaus der ärmeren Volksschich­ten bevorsteht. Verhältnismäßig w e n i g ist diese Teuerung beiMehlundBrotzu spüren. Die soziali­ stischen Parteien wollten anläßlich der Neuregelung des Getreidemonopols eine Senkung der Getreide­preise erzielen. Sie schlugen vor, den Weizenpreis von 164 Kc auf 145 Kc, den Roggenpreis von 125 KC auf 120 Kc herabzusehen. Dagegen for­derten die Agrarier eine Erhöhung der Getreide­preise und das Kompronriß wurde darin gefunden, daß dieselben Getreidepreise festgesetzt wurden wie im Vorjahre, allerdings nur in Böhmen , während in Mähren -Schlesien und in der Slowakei eine gewisse Erhöhung eingetreten ist. Für das böh­mische Mehl wurde auch ein Maximalpreis fest­gesetzt, der KL 2.95 beträgt. Ob dieser Maximal­preis aber tatsächlich eingchalten wird, ist freilich eine andere Frage, denn es besteht die Gefahr, daß das böhmische Mehl als slowakisches Mehl, welches zu einem höheren Preis verkauft werden kann, den Konsumenten angehängt wird. ES wird notwendig sein, eine strengeKontrollein dieser Be­ziehung einzuführen, damit der festgesetzte Höchst­preis von KL 2.95 eingehakten wird. In dieser Richtung werden sich also die Maßnahmen der VerwaltungSbehör den bewegen müssen. Weit empfindlicher ist die Steige­rung der V i e h- und F l e i s ch p r e i s e. Im Vorjahre hatten wir eine schlechte Futtermit­telernte, so daß die Bauern und insbesondere die Kleinbauern gezwungen waren, ihr Vieh zu ver­kaufen. Dadurch haben wir zwar im vorigen Herbst und Winter niedrige Vieh- und Flcischpreise ge­habt, seit dem Frühjahr aber ist ein beträchtlicher Mangel an Vieh eingetreten, was zu einer Er­höhung der Fleischpreise geführt hat. Welches Aus­maß diese Erhöhung angenommen hat, sei nach­folgend an der Preisbewegung auf dem Prager Schlachtviehmarkt gezeigt, auf dem ein Kilogramm Lebendgewicht gekostet hat bei:

Dezember 1934

Anfang August

1935

KL,

KL

Fleischschweinen.

5.12,

8.50

Ochsen....

5.06

6.30

Stieren...»

3.31

5.20

Kühen..,.

3.07

5.00

Jungvieh..

3.92

5.80

Diese Fleischteuerung hat bereits zu einem Rückgang des Fleischkonsums geführt, weil die arbeitende Bevölkerung einfach nicht in der Lage ist, die hohen Fleischpreise zu bezahlen und die Fleischnahrung aufs äußerste einschränkt, bzw. ganz auflassen muß. Es ist also notwendig geworden, daß zur Be­kämpfung der Fleischteuerung etwas geschieht und das ist nur möglich durch di« Einfuhr von Vieh. Wir haben nicht genug Vieh, um der Be­völkerung zu einem Halbwegs annehmbaren Preis die notwendige Fleischnahrung zu liefern, wir müssen also Schlachtvieh einführen. Die Regie­rungsverordnung vom 10. Juni 1933 sicht vor, daß bei außerordentlicher Notlage die Zölle bei Vieh, Fett und Fleisch aufgehoben oder angemessen herabgesetzt werden können. Der Vertreter des Verbandes deutscher Wirtschaftsgenossenschaften hat in der Sitzung des Viehshndikats einen dies­bezüglichen Antrag bereits gestellt und es wäre nun notwendig, dazu Stellung zu nehmen. Die größere Einfuhr von Schlachtvieh könnte überdies im Kompensationswege zu einem stärkeren Jndu- strieexport ausgenützt werden und es könnte dadurch nicht nur das Fleisch billiger, sondern auch Ar­beitgeschaffen werden. Wir glauben daher, daß die Regierung verpflichtet ist, auf die­sem Gebiete so bald als möglich einzügreifen. Bei der Gelegenheit möchten wir auch auf­merksam machen auf eine Gefahr, die sich auf einem anderen Ernährungsgebiete vorbereitet. Durch das Marggrinegefetz ist die Erzeugung die­ses wichtigen Volksnahrungsmittels kontingentiert worden. Nun haben aber die Fabriken in den ersten