&tUt 2 MittwoK, 25. Sevteinver 1838 Nr. 224 I in Genf vorgetragenen Angebot einer interna­tionalen Rohstoffverteilung den außenpolitischen Forderungen der Labour-Party schon ein deut­liches Zugeständnis gemacht hat. Die bevorstehende Jahreskonferenz der La­bour-Party wird gerade in diesem Punkte Klar­heit und Einigkeit zu bekunden haben, und der Rücktritt der drei führenden Männer, die zwar schwer zu ersetzen sein werden, aber doch der Partei nicht verloren gehen, hat den Weg zur Einigkeit in keiner Weise erschwert. Denn keiner der drei, die aus Gewissensnot auf ihre Ämter verzichten, hat Spaltungsabsichten(wie sie Mac- donald vor vier Jahren hatte), sondern alle ha­ben den Willen, mit der Partei in Frieden und Treue weiterzuarbeiten. Mäßige Wirtschaftsbelebung Bericht der Nationalbank Der Bankrat der tschechoslowakischen Nationalbank hielt am 24. l. M. seine ordent­liche MonatSsitzung ab. Dem borgebrachten Geschäftsberichte für den verflossenen Zeitab­schnitt entnehmen wir folgendes: Die Nachrichten aus dem Auslande zeugen in den letzten Wochen von erhöhtem internationa­lem Bestreben nach einet sachlichen Lösung der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Ätzeltprobleme; die politische Weltsituation bleibt aber anhal­tend ernst und die zukünftige Entwicklung un­klar. Auf dem Gebiete der Wirtschaft sind die wieder auflebenden Bemühungen um die Stabilisierung dec Hauptwährungen des Welthandels bemer­kenswert, womit die Grundlage für die weitere allmähliche Beseitigung der Folgen der Weltde­pression gegeben wäre. Die Wirtschaftsdaten über das Ausland zeug!» von anhaltender, wenn auch nicht überall gleichlaufender Besserung derAktivität in den einzelnen Ländern. Diese Besserung setzt sich aber bloß unter be­deutenden Schwierigkeiten im Welthandel durch. Die wirtschaftliche Entwicklung der Tsche« chöflowakei ließ in den letzten Wochen einige gün­stigere Anzeichen, namentlich imJnlandsabsatz er­kennen. Aber auch der Export hält sich und zeigt bei den gegebenen Verhältnissen befriedigende Umsätze. Der Geldmarkt ist weiter flüssig; der Augustultimo war saisonmäßig stärker als der Juliultimo. Der kurzfristige Bedarf an Betriebs­mitteln, hauptsächlich in der Landwirtschaft, würde leicht befriedigt. Auf dem Markte der lang­fristigen Kredite war der erforderliche Kredit fürwertbeständigeObjekteohne grötzereSchwierigke i ten zur Ver­fügung; auch ist steigendeSJnteresse für Kommunalschuldverschrei­bungen festzustellen. In den Spareinlagen .trat im August im Durchschnitt die saifönmäßlge Senkung der Stände ein, die aber geringer war als in derselben Zeit des Vorjahres. Die Getreideernte ging glatt vor sich und wurde früher als gewöhnlich beendet. Die Ergeb­nisse der Ernte sind sehr ungleichmäßig; denn in den einzelnen Distrikten machte sich der Einfluß nicht nur der Witterungs-, sondern mich der Bo­denverhältnisse in verschiedenem Grade geltend. Sowohl quantitativ, als auch qualitativ ist die- Getreideernte schwächer als sie ursprünglich ge­schätzt wurde. Den besten Ertrag ergab Weizen, den geringsten Hafer. Der Einfluß der Trocken­heit auf den Ertrag der Getreidernte war beson­ders in einem großen Teil Böhmens zu spüren. Die Hackfrüchte, hauptsächlich Kartoffel, litten in Böhmen durch Mangel an Feuchtigkeit. Spätkar­toffel, namentlich in höheren Lagen, könnten sich nach Regenfällen noch ein wenig erholen. Ver- hätlnismäßig am meisten schadete die Trockenheit den Futtermitteln. In der Beschäftigung der Industriebe­triebe herrschte auch in diesem Zeitabschnitt keine einheitliche Entwicklung. Auf dem Jn- landsmarkte erfuhr der Absatz eine mäßige Be­lebung; auch in den Baubranchen wurde eine gewisse Besserung beobachtet, hauptsächlich im Bereiche größerer Städte, alS auch hervorge­rufen durch JnvestitionSarbeite« der öffentli­ch en Hand. Auf dem Arbeitsmarkte war die Entwicklung im August etwas günstiger als in derselben Zeit des Vorjahres. Die Augustergebnisse des Außenhandels zei­gen. daß die tschechoflowakische Ausfuhr sich all­mählich trotz den gegenwärtigen Schwierigkeiten, die überall für den Export bestehen, weiter bes­sert, wobei sie sich zugleich mehr auf daS solven­tere Ausland verschiebt und eine breitere terri­toriale Basis gewinnt. Der Augustumsatz des Außenhandels war dem Werte nach höher als im Vorfahre, die Fertigwarenausflihr erreichte dabei die höchste Heuer verzeichnete Monatsziffer. Tschechische Sozialdemokratie fordert Sicherstellung der Ernährung Der Zentral-Vollzugsausschuß der tschecho- flowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt am Dienstag, den 24. September d. I. eine Sitzung ab. Den Vorsitz führte Genosse Abg. A. H a m p l, der die Beratungen mit einer aus­führlichen Uebersicht über die Ereignisse seit der letzten Sitzung des Zentralvollzugsausschusses ein-, leitete und einige Aufklärungen msbesöndere hin-' sichtlich dringender Wirtschafts- Und'Währütigs- fragen und der neuen Taktik der kommunistischen Partei gab.Bor Eröffnung der Verhandlungen ge­dachte Hampl des Ablebens-Dr. Leo Winters, Dr. Fleischmanns und der Sekretäre Iirus und Chat und würdigte in warmen Worten ihre verdienstvolle Tätigkeit. Minister Genosse B t ch y n-k sprach in sei-' nem Bericht über die politische Lage, zunächst über die mit jedem Tage wachsende Kriegsgefahr. Der Minister schilderte dann die ffnanziefle Lage des Staates und gab ein Bild der Möglichkeiten der Investitionstätigkeit und der sozialpolitischen Eingriffe des Staates. Hierauf befaßte sich Bechynö mit innerpolitischen Fragen und mit dem gegensestigen Verhältnis der Koalitionspar- teien. Großen Nachdruck lege die tschechoflowakische sozialdemokratische Partei auf die Sicherung der Ernährung der breiten Volksschichten, insbeson­dere was die Versorgung mit Brot, Kartoffeln und Fett im Sinne der den sozialpolitischen Aus­schüssen vorgelegten Forderung anlangt. Die Vertreter der Partei bei den Koalitionsverhand­lungen seien entschlossen, in dieser Angelegenheit mit der größten Entschiedenheit vorzugehen. Die Partei lehne mit Recht die Angebote der Kom­munisten auf eine Arbeitsgemeinschaft oder eine Einheitsfront ab, die auf die Preisgabe der bis­herigen Koalitionspolitik und das Einschlagen einer Taktik abzielen, welche zu sehr schädlichen und unabsehbaren Folgen für die Arbeiterklasse führen würde. Die sich in Europa zuspitzenden Verhältnisse bestärken uns, sagte der Minister, noch mehr in der Erkenntnis der Richtigkeit un­seres Vorgehens sowohl im Interesse der Re­ publik und ihres demokratischen Regimes als auck im Interesse des arbeitenden Volkes. Schließlich sprach Minister Genosse Bechynk über die Export­schwierigkeiten einiger Industriezweige und über die Hemmung ihrer Produktion durch das Vorge­hen der Kartelle. Genosse Minister Jng. R e L a 8 sprach dann über wirtschaffliche und sozialpolitische Fra­gen. Er befaßte sich namentlich mit der Frage der Versorgung des arbeitenden Volkes und des Kampfes für die den sozialpolitischen Ausschüs­sen vorgelegten Forderungen der sozialistischen Partei. Mit dem gleichen Problem befaßte sich Genosse Dr. Meißner, der den Verlauf und den Stand der Arbeiten im sozialpolitischen Aus­schuß und in dessen Subkomitee schilderte und hiebei die Bedeutung der Arbeiten hervorhob. Hierauf erstattete Genosse Senator D. D n n d r einen Bericht über die Arbeften des Vorstandes und des Sekretariates der Partei. Senaisvorsitzender-Genosse Dr. S: u k u p re­ferierte über die Beratungen der sozialistischen Internationale. Statt deS verstorbenen Genossen Dr. Winter wurde in die Exekutive der Sozia­listischen Internationale Genosse Abg. Josef S t i v i n entsandt. Tag der Erinnerung ImPrävo Lidu" erinnert Senatspräsi­dent Dr. Soukup daran, daß es gerade am Dienstag, dem 24. September 1888, dreißig Jahre gewesen ist, daß er gemeinsam mit dem Präsidenten Masaryk auf einet großen Kund­gebung am Havliöekplatz in Prag gesprochen hat. Masaryk hat damals ungefähr folgendes gesagt: Ich habe mich zum Worte gemeldet als Mann-der Kopfarbeit und weil ich einsehen muß, daß wir nichts mehr sind als Ihr, Männer der Handarbeit, halte ich es für meine Pflicht, im Rauten der fortschrittlichen Arbeiter des Kopfes und der Feder zu verkünden, daß wir Eure Füh­rung in dieser gerechten Forderung als die unsere ansehen und daß wir uns in allen Konsequenzen an Euch anschließen. Ich stimme mit de» Vor­rednern in allem überein! Ich stimme damit über­ein, daß Ihr, die Verfolgten undVerräter" Ge­nannten die HoffnuNg der tschechischen Nation seid. Ich begreife auch Eure Erregung und ich be­greife, daß Ihr Euch zum Generalstreik vorberei­tet. DaS ist keine Gewalt, daS ist die Verteidigung Eures Menschen- und Eures TschechentumS. Es lebe das allgemeine und gleiche Wahlrecht! Mord an der Grenze Schmuggler oder Marxist? Berlin . DerVölkische Beobachter" meldet, daß an der tschechischen Grenze bei Bad Reinerz mehrere Schmuggler gestellt wurden. Da die Schmuggler auf den Anruf hin flüchteten und auch bei nochmaligem Anruf nicht stehen blieben, machte die Finanzwache von der Schußwaffe Ge­brauch. Einer der Schmuggler, der aus Grenzen­dorf stammt, wurde erschossen. Ole herabgerissene Maske Das Blatt der tschechischen Volkspartei über Henlein In einem Leitartikel unter, dem TitelDie herabgerissene Maske" kommen die ,Mdov! Lisch" auf den Prozeß Henlein gegen diePra­ger Presse" zu sprechen und schreiben: Was schon bei der ersten Gerichtsverhand­lung festgestellt wurde, bestätigt die allgemeine tschechische Meinung über die Henleinpartei. Wir sagen gleich: wir wissen, daß es in der Sudeten - d rutschen Partei nicht nur lauter Hakenkreuzlec gibt, wir wissen, daß dort ein Teil sozial unzu­friedener Anhänger sind» welche sich durch die Propaganda und durch das Versprechen baldiger Hilfe mitreißen ließen, aber es handelt sich dar­um, wer über die Richtung der Politik in dieser autoritativ geleiteten Partei entscheide. Wir wer­den noch kein endgüligeS Urteil fällen und warten noch auf weiere Beweise und auf die Verteidi­gung des Beschuldigten, aber klar ist eines: es kann bei uns keine Partei existieren, welche Wei­sungen aus dem Auslande annimmt und deren tatsächliche Leitung anderswo als in unserer Re­ publik liegt. Das tschechoslowakische Volk hat die Existenz der Partei deS Hakenkreuzes auf dem Gebiete deS Staates, welchen eS selbst geschaffen hat, nicht geduldet. Es duldet daher auch keinen Ersatz dieser Partei. Wenn die Henlein -Partei ihr Leben retten will, mutz sie alle Reste des HakenkreuzlertumS beseitigen. In genug naher Zeit wird sich zeigen, ob dies noch und überhaupt möglich sei. Ehemaliger Justizminister Dr. Beselh ge­storben. Im Bulovka-Krankenhaus in Prag ist Dienstag mittags der gewesene Senator und ehe­malige Justizminister JUDr. Frantisek Beselh nach längerer Krankheit gestorben. Beselh, von Beruf Advokat in Beneschau bei Prag , wurde am 18. September 1863 in Jicin geboren. Seit dem Jahre 1900 war er in der tschechischen Fort­schritts-(realistischen) Partei tätig. Während des Krieges wär er Mitglied der Maffia und gehörte zu den Personen, die Professor Masaryk nach sei- Uem Abgang ins Ausland informierten. Im No­vember des Jahres 1918 wurde Beselh von der Fortschrittspartei in die Nationalversammlung entsendet. Im Jahre 1920 trat er in die tschecho- flowakische nationalsozialistische Partei ein und wurde für dieselbe in den Senat dec National­versammlung gewählt, dessen Mitglied er bis zu den letzten Wahlen war. Im Juli 1919 wurde Beselh zum Justizminister ernannt und übte diese Funktion bis zum 7. Mai 1920 aus. Das Gesetz betreffend bedingte Verurteilung wurde auf seine Initiative erlassen. Dr. Veselh war auch publizi­stisch tätig und gab im Jahre 1918 das Buch Masaryk , sein Leben und sein Werk", und im Jahre 1925Masaryk als Mensch" heraus. 33 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Romen von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Auf dem Rückweg ging sie, die einzelnen An­wesen mit neugierigen Blicken musternd, durch das Dorf. Sie hatte den Wunsch, ihren Bekanntenkreis zu erweitern. Bisher erstreckten sich ihre Bezie­hungen nur auf einen Gastwirt, der Bürgermei­ster und den Pfarrer, und damit war ihr Ehrgeiz nicht bcftiedigt. Als sie heimkehrte, begrützte Julien sie mit den Worten:Du siehst, der Spaziergang gibt dir Farbe." Sie pustete und schwitzte, aber sie verlor ihr schwammiges Fett und mit ihm, wie ihr schien, die qualvollen Erinnerungen. Ihre Aufwärterin war da. Sie nannten sie Mutter Pougette. Sie war klein, schwarz, ver­unstaltet und bewohnte mit ihren Kindern eine Hütte. Infolge eines Speicherdiebstahls war ihr Mann zehn Jahre des Orts verwiesen, aber er tauchte zuweilen heimlich auf, nächtigte bei sei­ner Frau und machte ihr bei der Gelegenheit ein Kind. Julien hatte sie, in Ermangelung einer bes­seren Kraft, für die grobe Arbeit angenommen. Ein einziger dunkler Punkt trübte Irmas Glück. Wenn sie von ihrem Ausgang nach Hause kam, mutzte sie kochen. Diese Pflicht konnte sie weder auf die Mutter Pougette noch auf Julien abwälzen. Sie zog ein Kochbuch zu Rate, dessen Rezepte sie nickt immer verstand. Es konnte also geschehen, daß sie eine Sauce verdarb, das Fleisch anbrennen ließ. Außerdem stieg ihr in der Hitze das Blut in den Kops, oder der Geruch verursachte ihr Uebellcit, oder sie verbrannte sich die Finger und beschädigte sich die Hände. Kurzum, das Ko- cken war für sie eine Qual und eine Heimsuchung. Gegen Mittag schenkte ihr Julien ein paar Trop­fen Absinth ein und tröstete sie:»Hab nur noch ein wenig Geduld. Wir finden schon ein Mäd­chen." Wenn es sie aber zu sehr anwiderte, loste Julien sie ab und kochte einen ungenietzbaren Fratz zusammen. Nach dem Essen holte er die Rohrsessel aus dem Waschhaus und stellte sie im Schatten der Linden auf. Er setzte sich, lockerte seinen Hosen­bund, zog die Mütze über die Augen und schlief, mit gefalteten Händen und weit von sich gestreck­ten Deinen, bald ein: Irma lag auf dem Liege­stuhl, rauchte eine Zigarette und las die Zeitung. Aber auch sie wurde schließlich müde und konnte dem Schlummer nicht widerstehen. Julien erwachte zuerst. Er griff nach der Zeitung, die er ernsthaft studierte, denn in Paris kriselte es allenthalben. Er dachte schon daran, sein Geld von der Bank zu holen, um es lieber hier aufzubewahren. Irma gegenüber behielt er h>iese Sorgen für sich. Er sah sie an. Sie schlief mit offenem Munde und stieß Seufzer aus. Mit einer Handbewegung verscheuchte er die Fliegen, die sie umsckwirrten. Als sie nach einer Weile die Augen auffchlug, lächelte er ihr zu. Die Müdig­keit lag ihnen in den Gliedern. Sie waren zu faul zum Sprechen und verhielten sich stumm. Ihre Gesichter waren gerötet, ihre Leiber aufge­trieben. Libellen kreuzten über dem Teich. Insekten summten. Die Luft, die über dem Rasen stand, zitterte, und zwischen den Blättern wurde ein Stück Himmelsblau sichtbar. Nichts störte den Nachmittagsfrieden als zuweilen der Schrei einer Schiffssirene oder das Rollen der Züge. Wie weit liegt Paris !" rief Julien plötz­lich aus. Er dachte kaum an seine Freunde oder an seinen früheren Beruf. Und Irma pries ihren Schöpfer, daß sie nicht mehr zu arbeiten brauchte. Sie freuten sich ihres Glücks und genossen es so, daß sie der übrigen Welt vergaßen. Ihr Leben war umhegt von den Mauern ihres Besitztums. An Regentagen spielten sie im Eßzimmer eine Partie Belotte. Um Geld. Wenn Irma ver­lor, warf sie die Karten hin und schlug ein Buch auf. Dann schlenderte Julien durchs HäuS oder er genehmigte einen. Aber diese Tage waren sel­ten. Meistens waren sie nachmittags im Garten, bewunderten ihr HauS, wiederholten die gleichen Phrasen, erhoben sich, um eine Tour und den Teich zu machen, und wie zur Belohnung schlug dann die Stunde des Aperitifs. Das Bett ließen sie nicht lange auf sich war­ten. Sobald sie den Tisch abgedeckt hatten, zog sich Irma ins Schlafzimmer zurück. Julien ging indessen durch alle Räume, verschloß die Türen, machte die Läden zu, sicherte sie mit essernen Querstangen und stellte fest, ob das Feuer im Küchenherd erloschen war. Irma, die sich schon niedergelegt hatte, beruhigte er mst den Worten: Du kannst auf beiden Ohren schlafen." Anfangs war dieser Rundgang eine Arbeit für ihn gewesen. Aber bald war er ihm zur Ge­wohnheit geworden, beinahe zum Bedürfnis, an dessen Notwendigkeit und Nutzen nicht zu zweifeln war. Noch beim Einschlafen sagte er sich, daß er ein unerahnt schönes Leben führe. Sein Schnarchen ging Irma, die, an Nacht­arbeit gewöhnt, nicht so schnell einschlief, bald auf die Newen. Sie las immer noch eine Weile. Und lauschte interessiert auf das Rollen der Züge. Es war die Zeit, um die der Riviera-Expreß vorüber­sauste. Dieses Geräusch, als Begleitmusik zu dem Roman, in den sie gerade verttest war, befruch­tete ihre Phantasie, von weiten Reisen zu träu­men. Gott , sie hatten die Zeit und auch das Geld, ferne Länder zu besuchen. Sie war nicht mehr jung, aber die jugendliche Begeisterung für das Unbekannte besaß sie noch. Ihre Traume verblaß­ten, wenn der letzte Zug vorüber war. Noch im­mer mußte sie auf den Schlaf warten. Aber die Unruhe der ersten Nacht verspürte sie nicht mehr. Es war warm, die Fenster standen auf, und die nächtlichen Geräusche, die sie schon kannte, drangen ins Zimmer. Bald war es däs Krachen eines Zweiges, bald das Murmeln des Wassers, der Schrei eines Nachwogels oder das Brummen eines Auws. Plötzlich fuhr sie in die Höhe. Sie hatte einen ungewohnten Laut gehört. Er kam aus dem Hause oder aus dem Garten. Sie suchte sich zu beruhigen, sagte sich, daß Julien ja soeben erst nachgesehen hatte» doch die Angst blieb dq und wuchs, bis sie sich nicht mehr beherrschen konnte. Sie mußte Julien wecken. Am Tage die Kocherei, nachts die Schlaflosig­keit: das waren die beiden Schatten, die Irmas Freude zuweilen trübten. Eines Morgens, zu ungewohnter Stunde, schlug die Klingel an. Julien ging brummend hinaus. Wer störte sie in ihrer Ruhe? Als er Alfreds und Charliers Stimmen erkannte, be­schleunigte er seinen Schritt. Wir fragten uns, ob du überhaupt noch lebst", rief ihm Alfred zu.Und gestern haben wir uns vorgenommen» nach dir zu sehen, Charlier und ich." Die Dicke wird sich fteuen. Besuch, Irma!" Auch sie hatte Alfreds Stimme sogleich er­kannt und war schnell hinaufgelaufen, um ein Kleid anzuziehen und ihre Frisur zu ordnen. Als sie hinunterkam, fand sie die Freunde in der Küche. Julien war im Begriff, ihnen die Einrichtung zu zeigen. Alfred küßte sie auf beide Backen und schalt sie wegen ihres Schweigens väterlich aus. Wir wollten gerade schreiben, daß alles bereit sei", antwortete sie. Und wann gebt ihr den Einzugssckmaus?" ,(Fortschung folgt,)!