Tritt 2
Sonntag, 2V. Oktober 1938
«r. 245
Zins regelung vom Ministerrat angenommen Einlagen 3 Prozent Langfristige Anleihen um’la Prozent gesenkt
Höhung des Margarinezolle» die Bevölkerung gehindert werden, zum Margarinekauf überzugehen. Dieses Oppositionsprogramm wird komplettiert durch eine Reihe von Forderungen, wie die Streichung aller Ausgaben für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und WohlfahrtSmatznahmen, welche nicht der Landwirtschaft, oder bester gesagt, den Großgrundbesitzern zugute kommen und schließlich unter dem Schlachtruf:„Nieder mit der Sozialisierung" fordert die Opposition die Beseitigung aller Regelungen und Maßnahmen, die die Kontrolle der Wirtschaft durch die Regierung ermöglichen. Stauning und seine Regierung haben diese Forderungen glatt abgelehnt. Nicht, daß die Regierung nicht bereit gewesen wäre, gewisse Wünsche der Bauernschaft, speziell was die But- ttr und Getreidepreise anbelangt, zu erfüllen. Aber der Kampf der großagrarischen Opposition richtet sich nicht gegen einzelne Maßnahmen der Regierung, sondern gegen das ganze politische System in Dänemark überhaupt. Allerdings ist die dänische Demokratie zu stark, als daß sich die großagrarische Opposition- trauen würde, ihre fascistische Fratze offen zu zeigen. Stauning wehrt sich entschieden gegen eine weitere Devalvation, die schon einer Inflation gleich käme, weil sie sowohl die Arbeiterschaft wie die Kleinbauern über Gebühr belasten würde, aber auch, weil sie sowohl für die Landwirtschaft wie für die Industrie von katastrophalen Folgen wäre. Gerade weil die Regierung Stauning eine Arbeiter« und Bauernregierung ist und nichts anderes sein will, müß sie die Forderungen der Großgrundbesitzer ablehnen. De« beiden großen bürgerlichen Parteien, der„Rechten" und der„Linken", ist übrigens nicht ganz wohl bei der Kampagne gegen die Regierung. Aber sie werden durch den fascistischen Radikalismus der L. S.—- des sogenannten „Bauernbundes", der unter der Führung der Grundaristokratie steht— vorwärts stoßen. Die L. S. hat im Gommer durch ihren„Baucrnzug" nach Kopenhagen die Offensive gegen Stauning ergriffen. Aber Stauning hat den„Bauernzug" kaltblütig nach Hause geschickt. Darauf hat die L. S. versucht, einen„Balutastreik" zu organisieren, der kläglich mißlang. Nunmehr propagierte sie einen.Produktionsstreik", was ebensowenig dankbar war, bis schließlich Stauning durch die Parlamentsauflüsung den Knoten einfach zerhieb. Was Stauning mit der Neuwahl vor allem erreichen will, ist, daß das Vertrauensvotum, das ihm die dänische Arbeiter- und Bauernschaft schon zweimal gegeben hat— nach dreijähriger Regierungszeit 1932 bei den Folketingwahlen und nach fast sechsjähriger im vorigen Jahr bei den Bezirkswahlen— neuerdings wiederholt und damit ein für allemal dem'reaktionären Spuk der L. S. ein Ende gemacht wird. lieber Dänemark hinaus haben dies« Wahlen für ganz Skandinavien entscheidende Bedeutung. Die Prinzipien StauningS sind es ja, auf denen sowohl die schwedische wie die norwegische Regierungstätigkeit aufgebaut ist. Die dänische Arbeiterregierung ist die letzte von den drei skandinavischen sozialistischen Regierungen. Ihr Sieg oder ihre Niederlage werden von entscheidender Bedeutung auch für die anderen skandinavischen Länder sein, die im nächsten Jahre ihre Parlamente neu wählen werden. Vom Sieg StauningS hängt also viel ab für den roten Block im Norden Europas . P. M.
Prag . Amtlich wird gemeldet: Der Ministerrat setzte am Samstag vormittags seine Verhandlungen fort, welche am Bortage in den Abendstunden unterbrochen worden waren. Genehmigt wurde die Novellierung der Regierungsverordnung, mit der das Gesetz vom 28. März 1935, Z. 81, S. d. G. u.«., über da» Fahren mit Motorfahrzeugen durchgeführt wird. Nach dem Berichte de- Finanzminrsters über die Regelung der Zinssätze entschied di« Regierung, daß die Zinsen langfristiger staatlicher und anderer Obligationen nicht um mehr alS rin halbes Prozent herabgesetzt werden. Brotaktton verlängert Bewilligt wurden die Mittel zur Fortsetzung der sogenannten Brotaktio» für die Arbeitslosen und es wurden analog den vergangenen Jahren die erforderlichen Erleichterungen für di« Durchführung der Zuteilung der durch die staatlichen und privaten Kohlengruben für die Arbeitslosen gespendeten Kohlen
Der volkswirtschaftliche Ausschuß und der Hauptausschutz der Geschäftsstelle der deutschen Land- und Forstwirtschaft in der Tschechoslowa kei seine zentrale Bereinigung aller agrarischen Organisationen) hat sich Ende September in einer Sitzung mit der Schuldenregelung für die Landwirtschaft befatzt. In einer veröffentlichten Kundgebung wird zum Zwecke der Entschuldung eine Zinsfutzherabsetzung, eine 50- prozentige Abschreibung bei rückständigen Steuern, Abgaben und Gebühren und Umwandlung der mit der Betriebsführung zusammenhängenden Schulden in langfristige amortiiable Schulden gefordert. Wir wollen uns weniger mit diesen Forderungen beschäftigen, denn sie sind keineswegs sensationell oder sonstwie weltbewegend, außerdem haben andere Vereinigungen, so die deutschen und tschechischen Kleinbauernverbände in der Schuldenregelungsfrage ihre weitgehenden Forderungen schon längst präzisiert. Was aber Imtrr allen Umständen diw gesamte«"''Klein« | bauern-Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wer- I den mutz, ist folgendes Verlangen der Agrarier >in der erwähnten Kundgebung: „Was den Umfang der Entschuldung betrifft, wird beantragt, daß sich die Entschuldung auf alle Land- und Forstwirte bezieht, die mindestens einen Hektar Grund und Boden besitz en. In den Fällen, in denen ein geringeres Grund- auSmatz vorhanden ist, ist ein Gutachten des zuständigen Landeskulturrates einzuholen, ob der Betreffende alS Landwirt anzufehen ist. Ein AnSfcheiden der G r o tz betriebe erfolgtnicht...."
in der bevorstehenden Wintrrperiode bewilligt. Schließlich wurden die Berichte über das Fortschrriten und die Resultate der Berhand- luugcn in den Komitees der Minister für politische und wirtschaftliche Fragen zur Kenntnis genommen und di« restliche Tagesordnung laufender BerwaltungS-, Wirtschaft-- und Per- sonalangelrgenheiten behandelt. * Zu dem vorstehenden Bericht erfährt das Tschechoslowakische Preßbüro aus amtlicher Quelle einige Detailbestimmungen der ZinSrrgelung. Nach diesen Informationen werden die Zinsen auf Einlagenbücher mit minimal 3 Prozent festgesetzt, die Zinsen von Hypothekardarlehen sollen zwischen 4.5 und 4.75 Prozent für die historischen Länder und in der Slowakei zwischen 4.5 und 5.5 Prozent festgesetzt werden, wobei die niedrigeren Sätze für Hypothekardarlehen insbesondere auf kleine landwirtschaftliche Realitäten gelten werden. Auch die Zinsen für Handelskredite sollen dementsprechend herabgesetzt werden.
Man sollte eS einfach nicht für möglich halten, datz die deutschen Agrarier bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen den Mut zu dieser selbstmörderischen Forderung aufbringen. Aber man hat es schwarz auf Weitz und kann es in den agrarischen Blättern, wie auch im„Prager Tagblatt" vom 2. Oktober nachlesen. Man bedenke nun, datz wir in der Re publik 464.182 Kleinbauern- und Häuslerbetriebe haben, mit einem GesamtauSmatz von 215.671 Hektar. Hiervon dürften allein auf dadeutsche Gebiet rund 100.000 Betriebe entfallen. Von der Gesamtzahl dieser Betriebe sind mindestens zwei Drittel entweder mit ihren» Grundbesitz oder mit ihrem HauSbesitz schwer verschuldet. Tausende von ihnen sind neu entstandene Existenzen, die vielfach durch die Bodenreform zu Grundbesitz kamen und sich neue Wohn» und Wirtschaftsgebäude erbauen mutzten. Die meisten von ihnen sind auf einen Nebenberuf als Handwerker oder Arbeiter angewiesen. Sie haben nun in dör Wirtschaftskrise ihr Nebeneinkommen der-' loren und sind oftmals schon drei bis vier Lahre arbeitslos. Selbstverständlich können sie, wie so- viele Landwirte ihre Schulden ebenfalls nicht bezahlen, weil nur ein ganz geringes Einkommen vorhanden ist» das kaum zur Ernährung ihrer Familie reicht. Deshalt haben auch seinerzeit die deutschen Sozialdemokraten verlangt und erreicht, daß die Häuslerschichten mit in das allgemeine landwirtschaftliche Moratorium eintezogeu werden und dadurch vor der Bersteigerung ihres Besitzebewährt wnrden. Den Agrariern blieb es nun Vorbehalten, die Forderung nach Ausschlutz dieser Schichten von der Schuldtnregelung aufzustellen. Dafür ver
Grossagrarier wollen 300.000 Kleinbauern- und Häuslerexistenzen vernichten
VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER
Roman von Bugane Dablt Berechtigt« Uabertragung aus dem Französischen von Bejot
Solange hielt eine Lampe. Er riß sie ihr aus der Hand. Die Schleusenwärter stießen ihre Stan« gen in da- aufbrodelnde Wasser. Mit verzerrter Miene fragte Julien:„Können Sie sie nicht finden?" Sie suchten, fluchend, weiter. Plötzlich sagte der eine: „Ich glaube, ich habe sie. Achtung!" Julien schob den Kopf vor und sah eine schwarze Masse auftauchen. Er unterschied einen Arm, wollte sich darauf stürzen, wurde aber von Paul und Maigret , die sich an ihn klammerten, zurückgehalten. Die Stimme versagte ihm, alle Kraft war aus ihm gewichen. Die Männer schleppten ihn, mit Worten, die er nicht verstand, von der Stelle und reichten ihm ein Glas, das er in einem Zug leerte. Ter Alkohol belebte ihn. Er fuhr mit der Hand übers Gesicht und sah aus, als sei er nicht ganz bei Verstand. „Wo ist sie?" „Neben dem Teich. Sie haben sie eben erst rausgeholt", murmelte Paul,„leicht war es Nicht, bei dem Gewicht." Julien schob ihn zur Seite. Die Männer machten sich an dem auf dem Rasen liegenden Körper zu schaffen. Er stieh sie weg und fiel auf die Knie. Er nahm dar arme, verunstaltete Gesicht mit der schlammbedeckten Stirn, den blauen Augenlidern und den erdfahlen Lippen in seine Hände, legt« den Kopf sanft nieder und strich über da» triefende Haar. Durch den etwas geöffneten Mantel sah man den zerrissenen, farblosen Morgen-.
rock. Auf die nackte Brust legte er seine zitternde Hand. Das Herz schlug nicht mehr. „Kann man nichts versuchen, Leute?" „Zu spät", gab der eine Schleuser einsilbig zur Antwort. Dennoch umfaßte Julien Irmas Handgelenke, zog ihre Arme an sich, stieß sie wieder ab und setzte diese Uebung fort, bis er selbst erkannte, datz es zwecklotz war. Das Wasser rann von ihr ab, ein schlammiger Geruch stieg auf, doch das Leben kehrte ihr nicht zurück. Ja, es war zu spät. Wenn er den Vieruhrzug nicht versäumt hätte... „Irma", klagte er, sich neben ihr zu Boden werfend. „Beherrsch dich, Julien", hörte er eine Stimme.„Tragt sie hinauf." Paul, Maigret, die Schleuser beugten sich über den Leichnam. Sie muhten langsam gehen. Bobby, der heulte, gab Julien einen Fußtritt und sagte, als sie vor der Türe standen: „Vorsicht, die Treppe ist steil." Sie rannten gegen die Stufen, hielten inne und keuchten. Maigret schrie, er könne nicht mehr. Julien löste ihn ab. Er hielt einen Arm und fühlte, wie das Wasser über seine Hände rann. Solange leuchtete ihnen mit der Lampe . Sie legten den Körper aufs Bett, so gut sie konnten. Er lag da wie ein Sack. Julien kam langsam zu sich. Als er den Kopf hob, erschien ihm alles neu. Woher plötzlich diese vielen Leute? Wovon sprachen sie? Und die Mutter Pougetre mit ihrem Hexengesicht? Und der Feldhüter, der ihn um Einzelheiten ersuchte? Die näheren Umstände diese» Todesfalls würde man nie erfahren. Er warf einen prüfenden Blick auf die Möbel und die Gegenstände, die Irma noch gesehen, betrachtete Bobby, der"zuletzt ihre Stimme gehört hatte, und suchte nach Spuren, die einen Anhalt bieten konnten. Aber er fand nichts. Wenn er an Solange dachte, geriet er in Wut. Hätte die Kleine ihre Pflicht getan, wäre da- Unglück nicht geschehen.., Ja, hatte er denn getan, was er sollte? „Wir werden ihr ein Kleid anziehen."
Sie hoben sie auf und zerrten ihr den Mantel vom Leibe. Der Morgenrock lieh sich nicht abstreifen. Julien nahm ein Messer und schnitt ihn in Stücke, ebenso das Hemd. Paul und Maigret wandten sich ab, er aber konnte den Blick nicht von ihr lassen. Ja, das war seine Dicke, völlig bloß, mit ihren schweren Brüsten, ihren prallen Schenkeln» ihrem noch immer blühenden Fleisch, das er geliebkost und das ihn erfreut hatte, und dessen Wärme er nun nie mehr verspüren sollte." Er trocknete den Körper sorgsam ab, bis ihm der Schweiß von der Stirn lief, und er aufhören mußte. Er dachte an die Nacht, in der Berthe.ihm geholfen hatte, Helene in den Sarg zu legen, wahrend Irma schluchzend dabei gesessen. Er warf das Handtuch hin und überließ der Mutter Pouget das Weitere. Jetzt ruhte sie auf dem Bett in ihrem perlenbestickten Abenkleid. Das Gesicht war von unwirklicher Bläffe, die Hände mit den funkelnden Ringen waren auf der Brust gefaltet, die Füße noch nackt. „Ob ich ihr Schuhe anziehe?" fragte sich Julien. Man gab ihm«inen Klaps apf die Schulter. „Komm, itz etwas, wenn du die Nacht über aushalten willst", sagte Maigret . Die anderen sichen schon um den Küchentisch. Nach einigen Bissen würgte es ihn im Halse Er trank ein paar Gläser Wein, brannte eine Zigarette an und hörte, wie der eine Schleuser Geschichten von Ertrunkenen erzählte. Er hatte auch schon Wasserleichen gesehen, auch Ueberfah- rene, aber Irmas Ende war das grausigste von allen. Er ging ins Schlafzinuner zurück, in dem eine Petroleumlampe brannte, und nahm Mutter Pougettes Stelle ein. Er sah die Tote an. Stirn, Mund und Lider waren beschattet, als schlafe sie. Ja, so hatte er sie ost schlafen sehen und war, wenn sie erwachte, mit einem Lächeln oder einem Scheltwort von ihr begrüßt worden, je nachdem, wie sie gertäumt hatte. Oh, fie war gewiß nicht immer
lange« sie aber kategorisch, daß Großgrundbesitzer! nicht ausgeschieden werden dürfen, ganz egal, ob sie ihren Betrieb verlumpt oder verspekuliert haben. Wenn diese Forderungen verwirklicht würden, so würden im deutschen Gebiete allein an etwa 60 bis 70.000 solcher Häuslerbetriebe nach Aufhebung des Moratoriums der Versteigerung anheim fallen. Hier kommt wiederum einmal der brutale und rücksichtslose Egoismus dieser Gesellschaft von agrarischen Ehrenmännern zum Ausdruck. Der Bund der Landwirte wird sich fteilich wieder herauSzuwinden versuchen. Es wird ihm aber nicht gelingen, die Mitverantwortung für diese die Häuslerschichten ruinierend« Forderung abzulehnen, denn mehrere der Geschäftsstelle angehörende Vertreter sind gleichzeitig Landbünd- ler. Es scheint, datz diese schon zur Einflutzlosig- keit verurteilte Partei absolut Selbstmord begehen will, aus der Ueber^eugung heraus, daß deren Bestand ohnedies überflüssig ist. Der Geschäftsstelle gehören aber auch enra« gierte Henleinjünger an, so jener Herr Doktor Preibsch, der mit dem Genossenschastsdirektoc Hilmer, ein halb Henlein-, halb Landbündler« mann seinerzeit den Landstandfascismus in der mährischen Bauernhochschule in Ullersdorf großgezüchtet und so den Boden für Henlein am Lande vorbereitet hat. Auch jener Herr Haas, seines Zeichens„Handelsrat" und Leiter einer ominösen Viehverwertungsgenossenschaft, der ständig vorgibt die kleinbäuerlichen Viehzüchter zu vertreten, dürfte dieser Gesellschaft angehören. Auch er ist einer jener Männer, die die Landjugend in das heutige Fahrwasser gebracht haben. Selbstverständlich sind Großgrundbesitzer und Großbauern, wie die Herren Worliäek und Frodl hier tonangebend und nicht zu vergessen, die Vertreter des Landeskulturrates, die ebenfalls dafür gestimmt haben dürften. Sie all« wollen nun wieder einträchtig zusammenhelfen, um 300.000 Kleinbauern und Häusler von der Schuldenregelung auszuschließen, und diese Existenzen der Vernichtung preisgeben.. Auf der einen Seite fordern heute nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch schon Agrarier eine großzügige Siedlungsaktion zur Unterbringung Arbeitsloser in der Landwirtschaft. Auf der anderen Sefte wollen diese' selben Agrarier einige hunderttausend solcher altansässigen Siedler wiederum um ihren Besitz bringen. Anscheinend wollen sie auf diese Weise Grund und Bode« freimachen zur Ansiedlung der anderen. Es wird Sache der organisierten Kleinbauer» sein, in allen Dörfern diesen Vernichtungsfeld- zug der Großagrarier gegen die ärmeren ländlichen Schichten entsprechend zu brandmarken. I» jedem Dorfe müßte man diese wahnsinnig« Forderung der Agrarier öffentlich kundmachen, um dec ländlichen Bevölkerung zu zeigen, wessen diese habsüchtige Gesellschaft fähig ist. Und noch mehr mutz es Sache aller sozialistischen Parteien sei«, datz diese beabsichtigte Schandtat um jeden Preis verhindert wird. Keine sozial eingestellte Partei kann einem solchen reaktionären Verlangen ihr« Zustimmung geben, wenn sie nicht ihren Bestand riskieren will. So wie es gelungen ist, die Kleinlandwirte und arbeitslosen KleinhauSbefitzer- schichten in daS landwirtschaftliche Moratorium einzubeziehen, so mutz auch ein« Schuldenrege» lung diesen Schichten zugute kommen, oder es darf überhaupt zu keiner Entschuldung kommen, Meiches Matz für alle ist die sozialistische und I gerechte Forderung.
angenehm gewesen, aber wie gern hätte er ihr« Vorwürfe weiter ertragen. Alles war besser al» dieses furchtbare Schweigen. Ach, und als sie ihm ihre dunklen Ahnungen anvertrauen wollte, hatte er sie angeschrien, sie solle doch nicht Komödie spielen. Und wenn sie weinte, hatte er sie allein gelassen. Sicher war sie während eines solchen Schwermutsanfalles hinausgelaufen. Härte er doch ein Gitter um den Teich errichten lassen! Sterbend noch hatte sie ihm geflucht... Und er, er war indessen in Paris gewesen, hatte dem guten Alfted eine schwere Stunde bereitet und sich selber amüsiert, ohne eine Sekunde an seine Frau zu denken. Seine Schuld würde ihn immer drücken. Er würde allein in dem Hauke leben, das er für sie gekauft hatte, und ihr auf Schritt und Tritt begegnen. Ihm wurde so weh, datz er aufschluchzte... Eine fremde Gestalt stand vor ihm. Er hob den Kopf und erkannte den Pfarrer. „Ich komme al» Freund", erklärte Pater Doutre,„nicht um Sie wegen der Form des Begräbnisses zu belästigen, noch auch um Ihnen zu erzählen, datz Ihre Frau wieder auftrstehen werde. Diese Geschichten hebe ich mir für meine alten Betschwestern auf." „Lassen Sie mich in Frieden!" Julien versank wieder in sein« Gedanken. Plötzlich schrie er auf. Ihm war, als habe Irma sich bewegt. Nein. Gottlob, eS war nur Täuschung. Er hörte Stimmengewirr. Sein Körper sank wieder in sich zusammen. Sein Geist schweifte durch Zeit und Raum. Eine Hand berührte ihn leise. „Ich höre soeben die traurige Nachricht"« sagte LangloiS.„Bedarfst du meiner Hilfe?" „Ja, kümmere dich um alles." Er selbst konnte keinen Entschluß fassen. Was er noch an Mut und Willenskraft besaß, würden die nächsten Tage von ihm fordern. Vor vier Monaten hatte er Papa Adam hinaus« begleitet, und jetzt war die Reihe an seiner Frau. .Fortsetzung folgt.).