Nr. 247

Mittwoch, 23. Oftober 1935

Sudetendeutscher Zeitspiegel

Die Berliner Exzedenten- Henleinleute! Die Beschwerde

Vorher hatten sie eine tschechische Schule bel Hultschin angezündet

,, A Zet" meldet aus Mährisch- Ostrau , daß aus der Gendarmerie in Krawarn einen Brief ge­die Terroristen, die die tschechoslowakische Geschickt, in dem sie sich da z u bekennen, sandtschaft in Berlin demolierten, mit jenen die tschechische Schule angezündet zu haben, um Leuten identisch sind, die in der Nacht zum Sonn- gegen die Unterdrückung des deutschen Volkes und tag in Krawarn im Hultschiner Gebiet einen des deutschen Schulwesens in der Tschechoslowakei Feuerwehrschupfen und in dem Nachbarort die zu protestieren"; gleichzeitig kündigten sie an, das noch weitere Dinge geschehen würden. Das bezog tschechische Schule angezündet haben. Es sind dies der 30jährige Fleischergehilfe fich offenbar auf die folgenden Exzesse in der Ber­

Erwin Trunc zit, ein Agitator der SdP. neunmal vorbestraft, der 21jährige arbeitslose Maurer Josef DIa bazni a, ebenfalls Hen­leinmann und dreimal vorbestraft, und der 21jährige arbeitslose Maurer Emil Wilczek, gleichfalls ein Henleinmann.

Alle drei sind nach der Brandstiftung über die Grenze geflohen und haben von Deutschland

liner tschechoslowakischen Gefandtschaft.

SdP- Bezirksleiter verhaftet

Die Untersuchung führt die Troppauer Gen­barmerie. Dienstag vormittags wurde nach dem A Zet" der Bezirksleiter der ebp, Alois Večeř a aus Krawarn, verhaftet, der ein Better des Trunczit ist. Auch ein gewiffer Johann Lasak befindet sich deshalb in Haft.

Elend im Gablonzer Gebiet

Was könnte geschehen?

Als ich das letztemal in Gablong tvar, fand[ burtenzahl in ständigem Sinken ist, wird die ich die Menschen gründlich verändert. Wo früher Alterssterblichkeit immer größer. Die alten Leute auch unter der Arbeiterschaft ein gewisser Wohl mit ihrem ben Hunger geschwächten Körper stand herrschte, hörte man nichts als Klagen über fönnen den Krankheiten keinen Widerstand mehr Not, Hunger und Elend. Meine Schulfreunde, entgegensetzen. Auch die Tuberkulose, die ein früher gut bezahlte Arbeiter, sind heute zum Teil gedämmt schien, lebt wieder auf. zu Bettlern deklassiert.

Die Stadt Gablong freilich, hat ihr Gesicht nach außen hin nicht wesentlich verändert. Noch immer sieht der Freitag die sogenannten Liefe ranten in den Kaffeehäusern, aber verbürgten ihnen die Beträge, die sie früher Woche für Woche in den Erporthäusern kassierten, ein halbwegs sorgenfreies Leben, so wissen sie heute vor Schul­den weder aus noch ein.

Geht man in die Industriedörfer um Gablonz , so sieht man das geänderte Bild fraß und deutlich. Als Beispiel sei die 7000 Eins wohner zählende Gemeinde Morchenstern ange­führt. Merchenstern war einmal Sitz der Glas­Inopf und Banglesindustrie. Bangles sind Glas­ringe, die die Inder in großer Menge bezogen und jährlich bei irgendeiner religiösen Feier zer­brachen. Dabon lebte ein großer Teil des Gablonzer Bezirkes. Heute hat die japanische Konkurrenz, die die Bangles zu dem Preise her stellt, den bei uns das Rohmaterial toftet, Gablong vom Markte verdrängt.

Weiters erzählte mir ein Arbeitsloser, er laufe sich für seine 10 wöchentlich zwei Laib Brot und einen Kessel Wurstsuppe,

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davon lebe er seit Wochen. Die Lage der Gewerbetreibenden ist natürlich, da ihre Käufer ausfallen, katastrophal. Dies alles schafft für die Henleinpropaganda den günstigsten Boden. Morchenstern ist nur ein Beispiel und ein nicht besonders typischer Fall für den ganzen Gablonger Bezirk. Hilfe ist dringend und nicht besonders schwierig.

Man muß Arbeit schaffen. Diese Arbeit wäre der dringende Neubau des Gablonzer Bahnhofes, die Betonierung der Bezirksstraßen und der Bau einer Hauptstrecke bis Gablonz , der schon längst geplant ist und dem auch stra­tegische Bedeutung zufäme. So fönnte man mehr als die Hälfte der Arbeitslosen des Gablonzer Bezirkes in Arbeit stellen und da­burch würde ein Großteil der Henleinpsychofe, deren Ursachen zum guten Teil auswegslose Not und Elend find, in dieser Hochburg der Fascisten verschwinden.

Längst ist die Zeit vorüber, wo sich auf dem Gablonger und Morchensterner Bahnhof die Riften mit den Aufschriften Bombay, Kal­futta, Karachi häuften. Die konstituierende Sitzung der böhmischen Der Erport, der im Jahre 1923 800,000.000 pro Jahr betrug, ist heute auf 120,000.000 Landesvertretung, die für Donnerstag einberu geschrumpft. Und das bei weitaus billigeren fen worden war, wird auf Freitag, den 25. Ot Preisen. Aehnlich ist die Lage in der Knopf- tober, 11 Uhr, verschoben, weil am Donnnerstag industrie. Nur die Holzfnopffabrik Schotvanet das Leichenbegängnis des verstorbenen Vorsißen in Morchenstern- Georgenthal ist voll beschäftigt, den des Abgeordnetenhauses Bohumir Bradáč, ja macht jogar leberstunden und der Unternehmer stattfindet, an welchem sich zahlreiche Mitglieder der Landesvertretung beteiligen wollen. zahlt in großzügiger Weise

Wochenlöhne von 40 bis 60,

ein qualifizierter Vorarbeiter tann sogar 120 die sa­

der Nationalpartei

gegen ihre behördliche Einstellung

Brag. Nachdem am Montag der erste Senat des Obersten Verwaltungsgerichtes unter Vorsitz des Senatspräsidenten cha über die Bes schwerde des gewesenen Obmanns der aufgelösten DNSAP verhandelt hatte, gelangten am Diens­tag se chs Beschwerden der seinerzeit gleichzeitig eingestellten de utschen Natio= n al partei zur Verhandlung. Wie bereits berichtet, hat der Senat beschlossen, die beiden Verfahren zu vereinigen und ein gemeinsa mes Erkenntnis zu fällen, das Samstag verkündet werden soll. Dem vereinigten Ver fahren wird eine weitere Beschwerde angeschlossen werden, die Mittwoch verhandelt wird und von zwanzig nationalparteilichen Gemeindefunktionä ren eingebracht wurde, die durch Einstellung der Parteitätigkeit ihrer Funktionen verlustig wur den.

Als Beschwerdeführer der gestern verhandelten Verwaltungsbeschwerden zeichnen: Dr. Maresch ( Bodenbach ) für die nationalparteiliche Reichsorgas nisation, MUDr. Friz Wag ner für die Orts­gruppe und Richard Kämpf für die Gauleitung Karlsbad ; Dr. Ernst Prochaska für die

örtliche und Gauorganisation& eit mer is; Dr. und Dr. Friߧ a is old für die Gauorganisation mies.

Hermann Bed er für die Ortsgruppe& alfenau

Die Sachlage liegt bei der Nationalpartei an ders als bei den Nationalsozialisten. Die National­partei wurde nicht aufgelöst, sondern lediglich die Einstellung ihrer Tätigkeit ver­fügt. Diese Verfügung wurde bekanntlich im Früh­jahr d. J. wieder aufgehoben, so daß die Beschwer den der Nationalparteiler eigentlich feinerlei prat tische Biele verfolgen. Auch die rechtliche Situation liegt anders als bei den Nationalsozialisten.

Am 4. Oftober 1933 hat die Bezirks be­hörde Böhmisch- eipa unter Beru fung auf das Vereinsgeset und auf Baragraph 118 der Verfassungsurkunde die Ein­stellung der Tätigkeit der nationalparteilichen Reich 3 organisation verfügt, weil diese die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährde und die Verschmelzung mit der aufgelösten nationalsozialisti schen Partei anstrebe. In den folgenden Tagen folg ten analoge Verbote der angeführten Ortsgruppen und Ganorganisationen durch die zuständigen Be­girlsbehörden, bato. Staatspolizeiämter.

ARBEITER- JAHRBUCH 1936

Scite 3

DAS

ARBEITER- JAHRBUCH 1936

ist soeben erschienen

Bestellungen sind an die Zentral­stelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezská 13, zu richten Preis 10 K

sterrat die Auflösung, bzw. Einstellung der beiden Parteien zur Kenntnis genommen habe.

Als Vertreter der Landesbehörde hielt Oberrat Mitu I a einen furzen Vortrag, indem er auf die schriftlichen Ausführungen dieser Behörde verwies, die dem Verwaltungsgericht erstattet wurden. Die Entscheidung wurde, wie erwähnt auf Samstag ver­

Konstituierende Sitzung

der mährisch- schlesischen

Landesvertretung

Wahl des Landesausschusses Eine Erklärung unserer Partel

Brünn . Dienstag fand in Brünn die Sit­statt. Um 11.30 Uhr eröffnete Landespräsident zung der mährisch- schlesischen Landesvertretung Gevný die Sißung, in der er die erschienenen Mit­glieder der Landesvertretung begrüßte. Er ge= dachte sodann des verschiedenen ersten Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Bohumir Bradáč.

Der Nachruf wurde von den Landesvertretern stehend angehört. Die gewählten und ernannten Mitglieder der Landesvertretung leisteten in die Hand des Landespräsidenten das Gelöbnis, wor auf die Wahl der zwölf Landesausschußbeisizer erfolgte. Für unsere Partei wurde Genosse B i= pal in den Landesausschuß gewählt. Die Kom­munisten, die mit feiner Partei gekoppelt hatten Die Berufungen an die Landesbehörde wurden und nur drei Mandate haben, werden im Landes­mit der Begründung abgewiesen, daß die Einstellung ausschuß nicht vertreten sein. Nach einer Pro­der Nationalpartei vor der Kundmach ung grammerklärung des Landespräsidenten erfolgten des Gefeßes über init e II ung die Erklärungen der Vertreter der einzelnen Pa.­o der Auflösung politischer Parteien. Im Namen unserer Partei gab Genosse teien( vom 25. Oftober 1983, Zahl 201) erging Schuster folgende Erklärung ab: und daher die Applikation des Vereinsgefeßes durch Beschluß der Regierung zu dieser Zeit gerechtfertigt erscheine.

Die Beschwerdeführer, vertreten durch Dr.

Maresch und Dr. Has so I d, polemisieren mit dieser Anschauung, indem sie Gesezwidrig= feit und Mangelhaftigkeit des Ver­fahren 3 einwendeten. Die Beschwerdebertreter bertraten die Meinung, daß das Vereinsge anzuwenden sei, und Dr. Hassold bezwei­fet auf politische Parteien nicht felte außerdem die Authentizität des betreffenden Regierungsbeschlusses, der den Aften in form ber Abschrift eines Briefes vom 6. Oktober 1933 bor­liegt, in welchem das Ministerratspräsidium das Innenministerium davon verständigt, daß der Mini­

bro Mode verdienen. Allerdings laffen ble for Der Bürgermeister als Dienststelle der SdP

nitären und die Sicherheitsvorkehrungen in dies sem Betrieb alles zu wünschen übrig. In der Gemeinde Morchenstern gibt es 2000 Arbeitslose, die nicht mehr unter die Genter Unterstüßung fallen und bei der Finanz­Tage der Gemeinde auf die Staatsunterstützung fast ohne jeden Zuschuß angewiesen sind.

Diese Einkommensverhältnisse bestimmen auch den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Der Stadtarzt von Morchenstern , Dr. Josef Hanff. berichtete mir folgendes: Während die Ge­

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Ras Gugsa

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König von Mussolinis Gnaden

Ein charakteristischer Fall von Gleichschaltung der Gemeinden Auf der öffentlichen Aushangtafel der Gemeinde Obergeorgenthal bei Ober­Teutensdorf fand sich in diesem Sommer folgen der Anschlag:

Verordnung des Landespräsidenten in Prag vom 22. Juni 1935

Auf Grund der Bestimmung des§ 2 des Gesetzes vom 25. Juni 1929, S. d. G. u. V. Nr. 98, finde ich die im§ 1 desselben Gesezes festgesetzten Wildschonzeiten für das Jahr 1935 im ganzen Lande Böhmen auf folgende Art abzuändern.

1. Die Schonzeit der Rehböcke beginnt am 1. Oftober 1985 und endet am 15. Mai 1936.

2. Die heurigen Rehtißen, Gams bod, Mufflonwidder, Haselhuhn, und Wachtel werden durch das ganze Jahr 1935 geschont.

3. Die Schonzeit der Rebhühner endet am 14. August um 24 Uhr und beginnt wieder am 16. November.

4. Die Schonzeit der Wildenten endet am 15. Juli um 24 Uhr und beginnt wieder am 1. Jänner 1936.

Uebertretungen dieser Verordnung werden nach der Bestimmung des§ 10 des Gesetzes vom 25. Juni 1929, S. d. G. u. V. Nr. 98 geahndet.

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Die der Schule entlassenen Jungen, die ein Handwerk erlernen wollen, und jene Meister, welche Lehrlinge aufzunehmen beabsichtigen, mögen sich bis 15. Juli 1935 beim Orts. gruppenleiter der SdB , Herrn Gustav Doubraw 8th in Obergeorgen­thal Nr. 431, melden, der weitere Vermittlung einleiten wird.

*

Es wurde eine braune Ledertasche gefunden. Bürgermeisteramt Obergeorgenthal, am 9. 7. 1935.

Der Bürgermeister: Otto Sedlaček e. h. Wir können uns wohl jeden Kommentar zu dieser Tatsache ersparen. Sie ist ein Beweis dafür, daß ein Großteil der Provinz längst mit der SdP gleichgeschaltet ist und daß diese Gleich­schaltung vor amtlichen Stellen nicht halt macht. Der Nazi mit dem tschechischen Namen hat sich wahrscheinlich wirklich gar nichts dabei gedacht, als er sich zum Organ der Henleinfront machte. Warum sollte er auch! Die Verantwortlichen im Staate, dieselben Leute, die wegen deutscher Taferln große Kämpfe ausgetragen haben und so peinlich an den Begriffen vom verdeutschten" und" gemischten" Gebiet festhalten, dieselben reise, die sich der Regelung der öffentlichen Arbeitsvermittlung hindernd in den Weg stellen, scheinen der Umwandlung des verdeutschten" Gebietes in ein verhitlertes" ja mit größtem Wohlwollen gegenüberzustehen.

Nach Ablauf der sechs Jahre treten wir heute wieder zur konstituierenden Sigung der Landes­bertretung zusammen. Die Beiten haben sich seit­her gewaltig geändert, wir leben heute in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Krise von einem Umfang, wie es vor sechs Jahren nicht zu ahnen war.

Wir Vertreter der Deutschen sozialdemokra tischen Arbeiterpartei sehen zwar in der Zus sammensetzung dieser Körperschaft nicht das Ideal einer Demokratie, wir wollen aber auch diese Stelle benüßen, um vor allem die Interessen der arbeitenden Bevölkerung in diesem Lande mit aller Kraft zu fördern, namentlich durch möglichste Er­weiterung der Investitionen Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen und dabei stets für den Arbeitsplatz des deutschen Arbeiters eintreten. In nationaler Beziehung wollen wir versöhnend wirken und alles bermeiden, was den nationalen Hader in diesem Lande vergrößern könnte. Denn wir sind der Ueberzeugung, daß nur durch eine gedeihliche Zu sammenarbeit aller Völker dieses Staates eine wirtschaftliche und politische Erleichterung ein­treten kann.

Hiebei wollen wir ausdrücklich sagen, daß wir auf dem Boden dieses Staates stehen, den wir nicht nur als unsere Heimat lieben, sondern des­sen demokratische Einrichtungen wir hoch schäßen weil sie es uns ermöglichen, die Interessen de: Arbeiter überall wirksam zu vertreten und unsere Biele auf gefeßlichem Wege zu erreichen.

Es wurden sodann einige Vorlagen an­genommen. Die Landesvertretung wird regel­mäßig in den Monaten März und Juni, Oktober und Dezember einberufen werden. Schließlich nahm die Landesvertretung einige Berichte des Landesausschusses und der lezten Tagung zur Kenntnis. Behufs Beratung des Budgets wurde eine vorläufige Finangkommission gebildet, der Genosse Schuster angehört. Die Landesvertretung sandte an den Präsidenten Masaryk und den Innenminister Cerný Begrüßungstelegramme. Am Schluß der Tagesordnung beendete Landesprä sident Cerný die Tagung.

Für die Henleinpartei gab der W. Dr. Preibsch eine Erklärung ab, die von Loyali­tät nur so triefte und neben anderen kühnen Be hauptungen die folgende enthielt: Wir sind ver­fassungstreu und können an Verfas= sungstreue nicht übertroffen werden". Die Erklärung lag vorher in einer vervielfältigten Ausgabe vor und Herr Preibsch hatte sicher besonderes Pech, daß sie zeitlich mit dem Bekanntwerden der Zusammenhänge zwischen der SHF und dem Anschlägen in Hultschin Jund Berlin zusammenfiel!