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Sonntag, 10. November 1935

Nr. 262

När. Sjedn. verfügt wurde.

EvZen Eiern, zum Direktor vorzuschlagen.

Genosse Dr. Evjen Stern Direktor der Zen- tralsotialversicherungsanstalt. Der engere Vor­stand der ZSBA hat beschlossen, anstelle des ver­storbenen Genossen Dr. Fleischmann den bishe­rigen Generalsekretär der Anstalt, Genossen Dr.

damit begründet, daß nach dem Weltkrieg in jener Gegend eine Volksabstimmung stattfinden sollte, auf die Polen nur verzichtet habe, weil es 1920 durch seinen damaligen Krieg mit der Sowjet­ union und die zahlreichen Abstimmungskämpfe mit Deutschland dazu gezwungen war. Strategisch liegt die Bedeutung des tschechisch-schlesischen Bcrglandes darin, daß von dort aus die Verbin­dung zwischen Polen und Ungarn hergestellt oder auch gestört werden kann. Das interessiert die Warschauer Militärkreise in erhöhtem Matze, seit­dem die Tschechoslowakei ihren Hilsspakt mit der Sowjetunion abgeschlossen hat.

Pariser Frontkämpfer in fünf Gruppen gespalten Paris . Der 17. Jahrestag des Waffenstill­standsabschlusses wird Montag erstmalig von der Regierrmg und den Behörden einerseits und den ehemaligen Frontkämpfern andererseits geson­dert begangen werden. Die Frontkämpfer wer­den sich heuer mich an der gemeinsamen Defi­lierung vor dem Grabe des Unbekannten Solda­ten nicht beteiligen, sondern werden etwa in fünf gesonderten Abteilungen je nach der ver­schiedenen politischen Zugehörigkeit ihrer Orga­nisationen defilieren.

In den RachmittagSstnnden wurde bekannt daß Dr. Pavlik schriftlich auf sein Bürgermeister­amt resigniert hat. Wie wir weiter erfahren, hat Dr. Pavlik versucht, die unangenehm gewordene Verteidi­gung niederzulegen. Nach 8 274 St. P. O. hat die Niederlegung der Vertretung durch den Verteidiger die V e r t a g u n g des Falles zur Folge, bis ein neuer Verteidiger nominiert ist und die Sache des Klienten weiter­führt. Da die Niederlegung der Verteidigung im laufenden Verfahren aber nur aus sehr schwer­wiegenden Gründen anerkannt w'rd, hätte Dr. Pavlik für die durch die Vertagung auflaufenden Gerichtskosten aufkommen müssen. So viel uns bekanntgeworden ist, hat sich Dr. Pavlik damit begnügt, sich für den weiteren Verlauf durch sei­nen Konzipienten vertreten zu lassen, so daß sein Mandat noch immer besteht. Nach eigener Angabe Dr. Pavliks hat er von seinem Klienten Inspek­tor Ttbenszki 4000 XL und von den Eltern seines zweiten Klienten Bauer einstweilen 3400 XL erhalten.

Wiener Straßenbahner In der illegalen Front Wien. (Tsch. P. B.) In den letzten Tagen wurden in drei Wiener Bezirken insbesondere in Neubauten bei Angehörigen der aufgelösten so­zialdemokratischen Partei zahlreicheHauS- durchsuchungen vorgenommen. Eine große Anzahl von Personen wurden verhaf­tet oder dem Polizeikommiffariat vorgeführt. ES handelte sich meistens um Ange st eilte der Wiener elektrischen Bahne«. Rach dem Verhör wurde jedoch die Mehrheit der Ver­hafteten oder Borgeführten wieder entlassen. Un­gefähr zwölf Personen blieben in Hast. Diese neuen Verhaftungen erfolgten auf Grund von Material, daS bei Haussuchungen un­gefähr vor zehn Tagen im 14. und 15. Bezirk gefunden wurde. Die Polizei fand damals außer anderem Material auch rin Verzeichnis der Mit­glieder einer großen illegalen Organisation. DaS Verzeichnis enthielt aber keine Namen, sondern nur Zahlen. Durch die weitere Untersuchung stellte sodann die Polizei anch dir Namen der Mit­glieder fest, nahm neue Durchsuchungen und so­dann Verhaftungen vor.

Ribbentrops Reise noch In Dunkel gehüllt Paris . Der französische Botschafter in Ber­ lin Francois Poncet , der Samstag von Laval empfangen wurde, erklärte den Journa­listen, daß er aus familiärenGrün- den(?) nach Paris gekommen sei und daß er bei dieser Gelegenheit von Laval empfangen wor­den sei. Auf die Frage, was an den Gerüchten Mer eine baldige Reise Ribbentrops nach Paris Wahres sei, erwiderte Francois Poncet , daß ihm über diese Angelegenheit n i ch t s B e st i m m- teS bekannt sei.

Auswirkungen des Prager Spionage* Prozesses im tschechischen Lager Weinberger Bürgermeister. Verteidiger Dr. Pavlik, resigniert auf sein Amt

Für eine amtliche Unter- suchunsskommission Ins industrielle Grenzgebiet In einer Betrachtung über die Verhältnisse im industriellen Grenzgebiet der Republik schreibt die vom Vorstand der volkswirtschaft­lichen Abteilung des Ministerratspräfidiums Bittermann herausgegebeneHospodakska po- litika": Alle die mehr oder weniger privaten Stimmen, Fahrten und Expertisen genügen nicht auch wenn sie noch so interessant und erfolgreich sind zur objektiven Klärung der Verhältnisse im nordböhmischen Industriegebiet. Dazu wäre eine offizielle Untersuchung notwendig, welche auch das unparteiische Inter­esse der Regierung am Schicksal unserer deutschen Landsleute bekräftigen würde. Wir kehren des­wegen wieder zum Antrag zurück, welchen wir hier vor kurzer Zeit gemacht haben, es möge eine Untersuchungskommission offizieller Faktoren g^ildet wer­den» in der auch die politische« und wirtschaftlichen Vertreter des deutschen Elements im noroboh- mischen Gebiet wären und welche kcnkret und objektiv den wirklichen Stand der hauptsächlichsten Industriezweige, von denen die Existenz der Be­wohner dieser Gegenden abhängt, die Ursachen ihrer mißlichen Lage und die möglichen Wege zur Besserung untersuchen würde. Es ist das die beste Art allen Rekriminationen und Borwürfen, seien sie berechtigt oder unberechtigt, zu begegnen.

Prag . Die gesamte Presse hat bei Eröff­nung des großen Spionageprozeffse gegen Anna Diene! und Konsorten die Tatsache hervorgehoben, daß die Angeklagten Tebenszki und Bauer von Dr. Otto Pavlik verteidigt werden. Dr. Pavlik war Nationaldemokrat und später Angehöriger desNärodni sjednoceni", also der nationalistischesten tschechischen Gruppe, als deren Kandidat er auch zum Weinber­ger Bürgermeister gewählt wurde. Es konnte nicht ausbleiben, daß die Uebernahme der Vertretung zweier der Hitlerspionage be­schuldigter Angeklagter entsprechend glossiert wurde. Die Sache erregte solches Aufsehen, daß die Partei des Herrn Dr. Pavlik schleunigst eine Sitzung des Parteivorstandes berief, deren Er­gebnis war, daß Dr. Pavlik die Frage vorgelegt wurde, ob er die Vertretung seiner deutschen Klienten ex offo oder gegen Entlohnung über­nommen habe. ImExpres" wird nun bekannt­gegeben, daß Dr. Pavlik zugegeben hab«, daß er Von Prag aus gesehen, ist dieser Hilfspakt' biefe Sache gegen Honorar übernahm und daß eine Sicherung der tschechoslowakischen Grenzen! daraufhin sein Ausschluß aus dem gegen etwaige Angriffe. Die Leiter der polni ­schen Heeres- und Außenpolitik aber sehen darin vor allem ein« Erweiterung des Ak ­tionskreises der Sowjetmacht, die nunmehr im Ernstfall nicht nur östlich, sondern auch südlich von Polen Mit ihren Streitkräften vor allem in der Luft in die Erscheinung treten könnte. Da auch im Norden das kleine Litauen sich trotz seinem fascistischen Regierungssystem außenpolitisch eng an das Rätereich anlehnt, fürch ­tet Polen , von dem starken östlichen Nachbarn bei einem Konflikt gewissermaßen eingekreist zu wer ­den. Diese Furcht bildet den mächtigsten Antrieb für die zeitweilige Annäherung Warschaus an di« deutsche Politik. Einer solchen Annäherung sind aber enge Grenzen gezogen, da der Umfang der deutschen Aufrüstung den westlichen Nachbarn Polens alsBeschützer" immer gefährlicher macht. Als Hitler offen mit der Rückeroberung des litau ­ischen Memelgebietes drohte, wandte sich auch der polnische Außenminister mit einigen deutlichen Gesten gegen eine solche deutsche Ausdehnungs ­politik im Nordosten. Und die polnischen An ­sprüche auf Tschechisch-Schlesien beruhen nicht, wie eS manchmal erscheinen mag, auf einem mit Ber ­lin und etwa noch mit Budapest verabredeten Auf ­teilungsplan für die Donauländer, an dessen Exi ­stenz wir nicht glauben. Diese polnischen Expan ­sionspläne stehen eher wie auS hundert Anzei ­chen des gegenseitigen Mißtrauens zwischen Hit ­ler-Diplomaten und Pilsudski-Offizieren zu er kennen ist im Wettbewerb mit dem deutschen Imperialismus. Ist es vorteilhaft oder nachteilig für den Frieden, daß di« iinperialistischen Interessen der Machtstaat«« auch in Mittel- und Osteuropa nicht übereinstimmen? Man kann darüber verschie ­dener Ansicht sein. Vielleicht würde ihre engere Zusammenarbeit den Ausbruch von Konflikten be ­schleunigen. Ihre Gegensätze aber schaffen wei ­tere Reibungsflächen. Die organisierte Arbeiter- schqft wird in ihrer Rolle als Friedenshüterin die Entwicklung dieses feuergefährlichen Spiels nicht aus den Augen lassen dürfen.

S Der Lakai Verbekhoven Von Max Hochdorf »Der Kaiser mitten in meinem Volke", dachte Verbekhoven,und er besitzt noch beide Hände, um mit dem Säbel zu raffeln, und er wird nun seinen Besuch benutzen, um den Säbel mit der vergifteten Schneide auf mein ahnungs­loses, verträumtes, verwöhntes Voll niedersausen zu lassen!" Wie Verbekhoven da in der Zeitung das Bild des Kaisers vor sich sah, dieses Gesicht mit den kalten Augen, diesen in Hochmut und Uebermut aufgezwirbelten Schnurrbart, diesen Mund, an dem ganz deutlich war, daß er immer reden und reden mußte, um die Welt mit Ueberraschungen und Verblüffungen zu überschütten, da bemäch­tigte sich Verbekhoven zunächst eine unermeßliche Niedergeschlagenheit. Der Kaiser erschien ihm nicht nur räuberisch, er erschien ihm auch geris­sen. An der Stirn des Kaisers, einer hohen, ge- 'wölbten Stirn, schien alles abzuprallen, was Milde und Mitleid des Großen mit dem Kleinen hätte sein können. In den Gedanken, die hinter dreser glatten, wie ein Stahlpanzer polierten Stirn wohnten, schien nur ein Wille zu leben, aber keine Weichheit, nicht einmal die Laune, aus den Krallen eine Beute zu lassen, auf die sich ein­mal die Begehrlichkeit gestürzt hatte. Und Ver­bekhoven, der sich in dieses Bildnis vergrub, ver­zagte, wenn er über das Schicksal seines Volkes grübelte. Die Fliege wird immer im Netz der Spinne verenden, mag sie auch noch so mutig mit den Flügeln schlagen. So grWelte Verbekhoven. Er verfiel zusehends, jede Speise wies er zurück. Als Dr. MattheuS kam, um ihn mit der Sonde zu nähren, sttäubte Verbekhoven sich nicht. Ja, er war sogar sanft und nachgiebig, so als wenn er damit zählte, daß alles doch zwecklos wäre.

Mochte der Arzt mit ihm tun, was er wollte, er würde ihn doch sticht meht hoch kriegen. Tenn er, Verbekhoven, der sich in das Bild des Kaisers ein« grub, wurde durch diesen Anblick vollständig ge­lähmt. Von diesem Bild, dieser Stirn, diesem Mund, blitzten Todesstrahlen, die in das Mark Verbekhovens eindrangen, jede Ader abschnürten, jeden Nervenstrang abtöteten. Wie er schon nicht mehr war und nur noch die Augen krampfhaft zusammenpretzte, um nicht von dem überirdischen Höllenlicht des Kaiserbildes ganz Und gar zerfasert zu werden, kam plötzlich eine Erleuchtung über ihn. Der Kaiser würde in das Land des jungen Königs kommen. Hatte das nicht mit Riesenlettern in der Zeitung gestanden? War die Tatsache nicht von hMen und drüben be- stättgt worden? Und dieses Land, war es nicht auch das Land Verbekhovens? Er kannte jeden Weg und Steg darin. Kommen würde der Kaiser persönlich. Aber würde er es merken, daß Gott selber ihn in die Hände Verbekhovens gegeben hatte? Diese Zettungsnachricht von dem Besuch« des Kaisers war nichts anderes als Gottes Wink. Verbekhoven fühlte es. Sie war Gottes Befehl, und der Befehl erging an keinen anderen als an Verbekhoven. Er brauchte nicht mehr darüber zu seufzen, daß er sein Land nicht mehr verlassen durste. Er brauchte sich nicht mehr in das fremde Land«inzuschleichen. Zu warten brauchte er nur auf seinem Boden und auf seinen Tag, und dann würde alles vollbracht sein. Das war die große Erleuchtung, die Verbekhoven besser tat als jede Medizin des Doktor Mattheus. Er söhnte sich wieder mit Gott aus. Er verlangte aufzustehen. Vorsichtig", mahnte Frau Goossens,daß du nicht umknickst, wo du so lange hingestteckt gelegen hast." Er achtete nicht darauf. Wirklich, die Läh­mung war von ihm wie durch ein Wunder abge­fallen. Er ging im Hause herum, als hätte er niemals das bösartige Absterben in allen Glie­dern gespürt. Er entwickelte einen gesegneten Appetit. Um aber vorsichtig zu sein und nicht be­hindert zu werden, bevor er sein großes Werk tun

könnte, Merwachte er immer noch die Küche, in der sein Essen hergerichtet wurde. Sehen Sie, Verbekhoven", sagte Doktor Mattheus,ich wußte, daß Sie die Krise über- stehen würden. Dieser Stupor, das war die letzte Etappe, daS war das heilsame Fieber, das alle Krankheit aus Ihrem Blut herausgejagt hat." Die stemden und bedrohlichen Worte, die der Arzt gebrauchte, verstand Verbekhoven gar nicht. Aber sie flößten ihm auch keine Angst mehr ein. Was er wußte, das war viel wichtiger als die Vokabeln des Doktors. Verbekhoven betete zu Gott, daß er ihm seinen Bestand erhalten, daß er ihm die Hände lenken möge zum Guten. Im Garten des Hauses Goossens konnte man mit dem Bogen nach der Scheibe schießen. Das tat Verbekhoven stundenlang, und bald traf er nur noch ins Schwarze. Diese Zielsicherheft gab ihm sein ganzes Gleichgewicht zurück. Er war der freundlichste und fröhlichste Bewohner in der Stadt der Wahnsinnigen. Er war der Stolz seiner Pflegefamilie.Bin ich wirklich krank gewesen, kleine Mutter?" stagte er Frau Goossens. Sie antwortete, indem sie seine Hand faßte :Es ist Gott sei Dank nicht das erste Wunder, daS bei uns geschieht." Unter solchen Umständen zögerte Doktor MattheuS nicht länger, dem Kranken zu gestatten, daß er zu seiner Familie heimkehre, Verbekhoven erbat eS so ruhig, so überlegt und mit Worten, die nichts als die Sehnsucht des gesundeten Gat­ten und Familenvaters offenbarten. Der Arzt meinte:Sie sind sich doch darüber klar, Berbek- hoven, daß Sie in einer miserablen Haut gesteckt haben?" Ja", erwiderte der Lakai,und jetzt hab ich mir ein neues Fell angeschafft. Ich bin wie neu geboren, wie abgeschuppt, wie abgeschrubbt. Ich danke Ihnen, Doktor, daß Sie mir dazu ver­halfen haben, und auch der Mutter Goossens danke ich, daß sie mir Suppe und Fleisch so fein gekocht hat."

England und die CSR Im Anschluß an die Rede des Außen­ministers Benes tauchen Merall Mutmaßungen Mer die weitere Entwicklung der englischen Außenpolitik auf. Besonders interessieren in diesem Zusammenhang die Mitteilungen von GeneviSve Tabouis imOeuvre": Wir erfahren aus bester Quelle, daß die Engländer unmittelbar nach den Wahlen, jedoch vor Inangriffnahme ihres nunmehr bekannten umfassenden Aufrüstungsprogrammes zum leh- tcn Male bei der deutschen Regierung vorstellig zu werden wünschen, um mit Frankreichs Hilfe g e m e i n s a m e i n e D e m a r ch e zu machen oder vielmehr um an die deutsche Re­gierungeine freundschaftliche Aufforderung" zu richten, Hftler möge die Aufrüstung des Dritten Reiches begrenzen oder sein Pro­gramm zum mindesten abschwächen. Man fügt hinzu, daß sich die Mächte über die Einzelheften auf gütlichem Wege zu Dritt darüber einigen könnten. Dieser Schritt, den die englische Re­gierung unbedingt nur mit dem Einverständnis der französischen Regierung zu unternehmen ge­denke, könnte an sich in etwa einem Mo- n a t erfolgen. Die Engländer sind der Meinung, daß die Rede des Generals Göring, in der dieser Frankreich wissen ließ , Deutschland sei zu einer Verständigung mit Frankreich bereit, ohne jedoch jetzt oder in Zukunft auch nur ein Jota der deut­schen Rüstungen aufgeben zu wollen, nicht ge­rade ein gutes Anzeichen sei . Die englische Re­gierung will daher auf Grund der Ueberzeugung, daß jede deutsche Expansion in Ost- oder Mittel- Europa eine Bedrohung des europäischen Frie­dens bedeuten würde,Germany quiet" halten. Die Tschechoslowakei, die bisher fürdie E n g länder lediglich ein geographischerBegriff war, wird nun zum ersten Male als ein Staat betrachtet, dervonentfchei- dendem Interesse für das Gleichgewicht in Europa ist. Des- wegen spricht Benes davon,daß England ver­standen hat, welches die leicht anzuwendenden Mittel sind, um Europa vor einer Katastrophe zu bewahren. Die Stärke der Tschechoflowakei liegt darin, daß die konsttuttiven Elemente in Europa an der Erhaltung seiner Integrität interessiert find."

Gorahai ohne Widerstand besetzt ? Dschibuti. Von der italienischen Somali­front wird gemeldet, daß alle befestigten Posittonen bei Gorahai vcn italienischen Abteilungen mit Panzerautomobilen besetzt wurden, ohne daß sie auf Widerstand gestoßen wären. Nach der letzten, sehr heftigen Bombardierung des Gorahai-Bezirkes durch italienische Bomben­flieger ergriffen die abessinischen Truppen, die auf 3000 Mann geschätzt werden, die Flucht und ließen an Ort und Stelle viele kleine Geschütze und Maschinengewehre zurück. Die italienischen Abteilungen verfolgen die Abessinier in ncrdöst- licher Richtung von Gorahai. Nach den Frontberichten der römischen Abendpresse ist die ganze italienische Front von der Setit-Grenze bis in die Danakil-Wüste immer noch im Vormarsch, wenn auch große Operationen zur Zeit nicht im Gange sind. Uebereinstimmend wird eine sehr planmäßige und starke Patrouillen­tätigkeit gemeldet.

Das meiste verdankst du aber", wehrte Frau GoossenS bescheiden und glücklich ab, deiner eigenen Natur und deinem guten Stern." Meinem guten Stern", dachte Ver ­bekhoven,wie schön, wie richtig sie das gesagt hat! Und doch ist sie mit dem König im Komplott und ich muß mich'retten, daß ich noch rechtzeitig meinem guten Stern folge." Mit einem mächttgen Blumenstrauß, auS Rosen und weißen Floxblüten und langstieligen, braunen Königslilien, aber auch aus den Aehren des AckerS zusammengebunden, begab sich Verbek­hoven auf die Heimreise. Die ganze Schönheit des Landes, in dem er gesundet und erleuchtet worden war, wollte er seiner Frau und seinem Sohne ins HauS tragen. Nur das Geheimnis seines Bünd­nisses mit Gott, daS sich gegen den Kaiser richtete, behielt er für sich. Dann auch, wenn er seinen Sohn Leopold an die Hand nahm und mit ihm durch die Straßen der Hauptstadt spazierte, wenn er mit ihm die Paradeschau der Weltausstellung besichtigte. Schon waren die verkohüen Trümmer weg­geräumt. Man hatte in Eile wieder aufgebaut, was das Feuer zerstört hatte. Die Völler der Erde hatten neue Kästen, mit neuen Reichtümern und Kostbarkeiten angefüllt, geschickt, aber eS war nur noch eine halbe Pracht. Auch fing es schon zu herbsten an. Oft, wenn Verbekhoven seinen Sohn Leopold durch di« Hallen führte, hörten sie die schweren Regen­tropfen auf Dach und Fenster niederklatschen . Rur in den Hallen des Kaisers hörten sie das nicht. Dort watsten sie auch nicht durch dunstverhangene Atmosphäre. Dort schwamm alles in blendendem Lichte. Dort donnerten die Motoren, sie waren also stärker als die Nattir, siegreicher als die Traurigkeit des Herbstes. Dort musiziert««S aus schmetternden Instrumenten, lauter Wunderwerken, die kein anderes als das Boll deS Kaisers so vollkommen herzustellen ver­stand. (Fortsetzung folgt.