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DkenStag, 81. Dezember 1935

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Vierlinge und Fünflinge Wie Amerika seine Fünflinge, hat England seine berühmten Vierlinge. Ihre glückliche Mutter ist Frau W. Miles, die Gattin eines Chauffeurs, die sie zu Weihnachten erstmalig besuchen kam. Wegen der notwendigen ärztlichen Fürsorge und aus andern Gründen wurden nämlich die Vierlinge zu dem Arzt ge­bracht, der bei-ihrer Geburt Beistand geleistet hatte und der nun einen Teil seiner Wohnung für sie herrichtete. Die Kinder sind jetzt gerade einen Monat alt. Nach Abschluß der Familienfeier wurde eine Tonfilmaufnahme von den Kindern gemacht. Wieviel sie dabei verdienten, weiß man sticht. Damit aber Amerika das Primat habe, wird eben aus Managua gemeldet, daß eine Frau Timotea Laines, eine Farmersgattin in Matagalpa, F ü n f l i n g e zur Welt gebracht hat und zwar drei Mädchen und zwei Knaben. Der letzte Fall einer Fünflingsgeburt hat sich vor zweieinhalb Jahren ereignet.

Politischer Mord i« Chicago London . In Chicago wurde, wie Reuter mel­det, Montag, dasMitglied der gesetzgebenden Ver­sammlung des Staates Illinois , Albert P r i g- n a n o, von drei Verbrechern erschossen und be­raubt. Man glaubt, daß trotz der Beraubung es sich um einen politischen Mord handelt. Dies ist der zweite politische Dtord in Chicago inner­halb weniger Wochen.'

39 Todesopfer eines Taifuns Manila . Nach den jetzt vorliegenden Berich­ten aus den entlegenen Teilen der Insel Luzon hat der vor einigen Tagen wütende Taifun?9 Todesopfer gefordert. Der 7000 Tonnen große amerikanische Frachtdampfer»Golden Peak" wurde in der Nähe von Tandoc auf Südluzon aus eine FelSllippe geschleudert. Man hofft aber, das Schiff abschleppen zu können.

18 indische Frauen ertrunken Sholapur. Ein Dampfer, an dessen Bord sich 28 mohammedanische Frauen und Kinder be­fanden, ist umgekippt. Bis auf sieben der Passa­giere sind alle anderen ertrunken.

Erderschütterungen in Straßburg und Ber­ lin . In der Nacht zum Montag wurde die Bevöl­kerung von Straßburg zweimal durch ein Erd­beben aus dem Schlaf geweckt. Das zweite Beben war von unterirdischem Dröhnen gefolgt. Die Häuser erzitterten, doch wurden bis­her keinerlei Schäden gemeldet, die durch das Erdbeben verursacht worden wären. Es kursieren in Straßburg Gerüchte» daß das Erdliben Erd­rutsche in"den Gruben des Kreises Stieringen- Wendel verursacht hatte. Auch in B e r n in der Schweiz wurden ziemlich starke Erderschütterun­gen in der Nacht auf Montag bemerkt. Viele Menschen wurden infolge der Erderschütterungen, des Wankens der Möbelstücke, des Erzittern von Türen und Fenstern aus dem Schlafe geweckt. Auch inBayern wurden am Montag vor­mittags Erderschütterungen verspürt, und zwar hauptsächlich in Nürnberg . Erfolgloses Bombardement. Der Abwurf l on insgesamt 600 Pfund Bomben auf den Krater des Mauna Los und auf den Lavastrom ist anscheinend ohne Erfolg geblieben. Der Lava­strom ist in der Zwischenzeit um weitere einein­halb Meilen in Richtung auf Hilo vorgerückt. Er befindet sich nur noch in einer Entfernung von drei Meilen von dem Wasserreservoir der Stadt. Man plant ein erneutes Bonchardement des Lara- stromS. Rekordflug in dm Tod. Der Versuch der bei­den Flieger Pharabod und Klein, den Rekord Paris Madagaskar zu schlagen, fft ge­scheitert. Ihr Flugzeug ist kurz nach dem Start auf der Zwischenlandestelle Wadi-Halfa in Argyp- tisch-Sudan in der Nähe der abessinischen Grenze abgestürzt. PharabodistumSLebenge- kommen, Klein ist verletzt. Die beiden Flieaer hatten Paris am vergangenen Donnerstag vormit­tags verlassen. Die bekannte neuseeländisch« Rekordsliegerin Jean B a t t e n, die vor kurzem den Atlantik überflogen hat, mußte Sonntag aus dem Fluge von Southampton nach London in der Nähe von Midhurst eine Notlandung vornehmen, bei der sie sich außer einer leichten Gehirn­erschütterung eine Verletzung an du Stirn zuzog. Schiffskatastrophm. Wie aus Melbourne ge­meldet wird, ist das britische Schiff»Pa» rmga" seit dem 23. Dezember verschollen. Von der Besatzung von fünfEuropäern und 2 8 Chinesen ist keine Spur vorhanden. Der englische Dampfer»Maid Evelyn" ist währ-nd eines Sturmes mit dem portugiesischen Dampfer »Maria Carlotta" zusammengestoßen. Der Dampfer»Maid Evelyn" ist gesunken und man befürchtet, daß die Besatzung zugrunde­gegangen ist. Fahrpreisermäßigung zur Prager Frühjahr,- messe. Die tschechoslowakische Bahndirektion hat dm Besuchern und Ausstellern der nächsten Prager Frühjahrsmesse(6. bis 18. März) wieder eine 38- prozentige Fahrpreisermäßigung eingeräumt. Für Besucher gilt die Ermäßigung vier Tage, für Aus­steller zehn Tage vor Beginn bzw. Schluß der M-.sse. Messeteilnehmer aus der Slowakei können auch än­dere Strecken über Brünn oder Preßburg benützen. Ausländern steht eine SOprozentigrEr- ' Mäßigung zu.

»er Wty der Wlrtsdiall 1935

Gehälter noch

an:

ist

dann wieder

auf 702 gegen Ende

Jahresbeginn auf 678. Er stieg bis auf 710 im weniger Windungen emporführen soll.

tiefen Standes, erreicht hatten.

auch in den vorhergehenden Jahren, allerdings um wenigstens 100.000 Personm höher anzu­setzen.

Ein wesentlich günstigeres Bild als im Vor­jahr bietet die E n t w i ck l u n g des A u ß e n- Handels, dessen Würdigung wir uns nach dem Vorliegen des JahreSergebnisseS Vorbehalten. Wieder richten sich die Blicke nach vorn, wie­der beleben sich die Hoffnungen! Zahlreicher als im Vorjahr find heute Symptome zu erkennen, die der tschechoflowakischen Wirffchast im kom­menden Jahre zu einer Beschleunigung deS Auf- stiegStempoS verhelfen können. Die staatlichen Jnvesttttonen und Rüstungsaufträge haben einen größeren Umfang und auch ausländische Aufträge beschäftigen zu Jahresbeginn Teile unserer Wirt­schaft stärker als ein Jähr ftüher. -bei Entscheidendes für einen n a ch h äs­tigen Ausstieg hängt davon ab, ob die Masse unserer arbeitenden und arbeitslosen Beyölke- rung in ihrem Lebenshaltungsniveau über den ttessten Stand der Krisenzeit hinauSgebracht wer­den kann, ob durch eine Erhöhung des Massen­konsums die Produktton auch vom JnlandSmarkt her die notwendige Anregung bekommt. An die­ser Aufgabe kann die Wirtschaftspolitik nicht vor- ülckrgehen. wenn der Weg im neuen Jahre mit.

gedehntenKonsumsdererz rügten Waren vorenthalt. Lohneinkommen ist weiter gesunken! Lehrt schon die hohe Anzahl der Arbeits­losen, daß sich die soziale Lage von Millionen Menschen in unserem Staate 1933 weiter ver­schlechtert hat, so wird dieses düstere Bild durch die Entwicklung der Löhne und unterstrichen. Der Lohnabbau ist, trotz deS den die Löhne bereits 1934 nicht zum Stillstand gekommen. Völlig einwandftei läßt sich die Bewegung für das ganzstaatliche Gebiet wegen deS Fehlens einer amtlichen Lohnstatistik leider nicht erfassen. Doch gibt die Statistik über die Versichertenbewegung bei den der Zentralsozialversicherungsanstalt an­geschlossenen Krankenkassen einige zuverlässige Anhaltspunkte. Vergleichen wir an dem letzten, vorliegenden Monatsausweis für September 1938 di« Versichertenbewegung in den einzelnen Lohnklassen mit dem gleichen Borjahrsmonat. Es gehörten den einzelnen Lohnklaffen von je 10.000 Versicherten

Dieser Verschiebung, die in den Lohnllassen vor sich gegangen ist, ist zu entnehmen, daß die Anzahl der niedrigst entlohnten Arbeiter und Arbeiterinnen 1935 erheblich zugenommen hat. Rach dieser Tabelle erhalten knapp 45 »» Prozent aller Lersichertcn einen Wochenlohn von höchstens 60 Kronen. Wie soll mit 60 Kronen wöchentlich eine Familie ernährt werden? Da müssen die äußersten Ein­schränkungen am unentbehrlichen Verbrauch ge­macht werden, da muß die Verelendung um sich greifen und da kann, bei diesem völligen Versagen des inländischen Absatzmarktes auch auf die Pro­duktion der Verbrauchsgüterindustrien keine An­regung ausgehen I Die Folge: Rückgang des Verbrauchs Bei der Ermittlung deS Umsatzes an Waren deS Massenverbrauches ist wieder das Fehlen einer Statistik der Einzelhandelsumsätze fühlbar. ES lassen sich daher nur für wenige Lebensmittel und Waren deS täglichen Bedarfes zuverlässige Angaben machen. So fiir Fleis ch und Fett: Im Monatsdurchschnitt 1934 betrug der gesamte Fleischverbrauch auf den Kopf der Bevöllerung gerechnet 2.37 Kilogramm, der Fettverbrauch 0.45 Kilogramm. Bis zum September 1935 er­gibt sich ein Rückgang deS Fleischverbrauches auf 1.91 Kilogramm oder um 20 Prozent, des Fett­verbrauches auf 0.38 Kilogramm oder rund 15 Prozent. Der inländische Zuckerverbrauch, der bereits in den vorangegangenen Jahren stark gesunken war, wird für das ganze Jahr 1935 einen weiteren, wenn auch nur geringen Rück­gang aufweisen. Der Milchlonsum 1935 pro Kopf der Bevöllerung ist hinter 1934 zurückge­blieben. Außerdem ist auch der Absatz von Bier, Tabak und Zigaretten zurückgegangen. Der in­ländische Verbrauch an Kohle zu Heizzwecken hat von den starken Rückschlägen der letzten Jahre 1935 nur wenig aufholen können. Im übrigen wird die fortgesetzte Verbrauchs, schrmnpfung auch belegt durch daS Sinken der Einnahmen auS den staatlichen Verbrauchs­steuern. In den ersten zehn Monate« sind 1305 Millionen, also 50 Millionen Kronen weniger BerbrauchSsteuern eingenommen wor­den.

Die Teuerungswelle Diese Rückentwicklung deS Verbrauchs, die sich natürlich auf die armen Bevölkerungsschichten beschränkte, wurde verschärft durch die im Früh­jahr 1935 einsetzende Teuerung. Die verschiede­nen Preisindici bringen ihren Umfang nicht voll­ständig zum Ausdruck.' Der Index der empfind­lichen Preise(1927 gleich 100) ist von 49.4 im Jänner auf 53.6 im November gestiegen. Bei den Kleinhandelspreisen für Nahrungsmittel(1914 gleich 100) betrug der Index im. Jänner 1935 667, im Juli erreichte er mit 729 den Hochstand. Im November ist er auf 706 zurückgegangen. Der von dem Statistischen StaatSawt errechnete In­dex für Lebenshaltungskosten einer Arbeiterfami­lie mit drei Kindern(1914 gleich 100) stand zu

Vas Präsidium der SASI zur des Präsidenten Dr. Eduard BeneS Das Präsidium hat im Namen der sozia--- listischen Arbeitersport-Internationale und im Namen aller angeschloffenen Verbände den: neu­gewählten Präsidenten Dr. Eduard Benes , dessen Persönlichkeit ja auch unseren Sportlern überall bekannt ist, zur Wahl die herzlichsten Glück­wünsche übermittelt und die Freude der Arbeiter­sportler über seine Wahl zum, Ausdruck gebracht.

Kapitalmangel? Es stehen sonach unserer Produktton noch eine Masse von menschlichen Arbeitskräften zur Verfügung, die 1935 ungenützt blieben. Im Wi­derspruch zu dem von bürgerlichen Volkswirt- schaftern und von einzelnen Leuten, die sich Wirt­schaftsführer nennen, vorgetragenen Behauptung, steht die Entwicklung auf dem Geld- und Kapi­talmarkt. Es waren im Jahresdurchschnitt für einige hundert Millionen Kronen mehr Bank­noten im Umlauf als im vorhergehen­den Jahre. Und zum andern nahm die Jndusttie die bestehenden Kreditmöglichkeiten bei weitem nicht in Anspruch. Die Summe der von der Nationalbank beliehenen Wechsel ist im Monatsdurchschnitt tiefer als 1934 und auch die Kreditgeschäfte derNa« tionalbank weisen einen nicht gerin- g e n R ü ck g a n g auf. Außerdem blieb die Gründungstätigkeit von Aktienge­sellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung hinter dem Vorjahr zurück. Diese Bewegung ist deshalb bemerkenswert, weil sie aufzeigt, daß die Hemmungen für einen raschen Produktionsaufstieg nicht bestehen, weil das Unternehmertum an Kapitalmangel leidet, sondern von einer ganz anderen Seite kommen: aus dem Widerspruch des kapitali­ stischen Wirtschaftssystem, das die Produktionskräfte stürmisch entwickel tun^den Vo l k Sm as­sen die Möglichkeit eines aus-

Vor einem Jahre konnte bei dem Rückblick auf die Entwicklung der Wirffchast in der Tsche­choflowakischen Republik festgestellt werden, daß das Jahr 1934 eine Ueberwindung des ttessten Krisenstandes gebracht hatte. Auf den einzelnen Gebieten war eine merkliche Besserung eingetre­ten. Der Index der industriellen Gesamtproduk­tion war von 60 auf 66.7(1929 100) ge­stiegen. Die Ausfuhr hatte von 5.9 Milliarden Kronen auf 7.3 Milliarden Kronen erhöht werden können. Auch das seit 1930 ununterbrochene An­wachsen der Arbeitslosigkeit war zum Stillstand gekommen, ja es war sogar eine geringe Vermin­derung des Jahresdurchschnittes der gemeldeten Arbeitslosen zu verzeichnen. Diese unwiderlegbaren Symptome einer Besserung der wirtschaftlichen Lage unseres Lan­des lösten Hoffnungen auf das kommende Jahr aus. Der Blick wandte sich vorwärts; er suchte nach Anhaltspunkten für eine günsttge Beurtei­lung der Entwicklung der tschechoflowakischen Wirffchast in der nahe« Zukunft. Jetzt stehen wir wieder vor dem Ende des erwartungsvoll begon­nenen Jahres. Die bisher vorliegenden Wirt­schaftsdaten ermöglichen eine Antwort auf die Frage: Welchen Weg ist die tschecho­slowakische Wirtschaft im Jahre 19 3 5 gegangen? Run, dieser Weg ist nicht geradlinig verlaufen; er zeigt im Gegenteil viele Windungen und führt stellenweise sogar wieder talwärts. Leberblickt man aber die ganze zurückgelegte Strecke, so ist doch ein ganz langsames An­steigen der Wirtschaftsentwicklung festznstellen. Geringe Erhöhung der industrielle« Produktion Beginnen wir unsere Untersuchung mit der industriellen Produktion, die neben der agrari­schen Erzeugung die Grundlage unserer Wirt­schaft bildet. Produktionsstand und Be­schäftigungsgrad haben in den ein­zelnen Jndusttiezweigen eine verschiedene Ent- wicklung genommen. Am günstigsten ist in der Erzeugung die Hütten- und metallverarbeitende Industrie vorangekommen. I« der zweiten Hälfte von 1935 kommt die Monatsprodnktion von Roheisen nahe an den Stand von 1931 heran, während die Rohstahl­produktton im Oktober 1935 sogar höher liegt alS im Oktober 1930. Dieser starke Ausschwung der Hüttenindustrie ist ausgelöst worden durch die staaüichen Aufträge, die sich aus den staatlichen Verteidigungsnotwen- -tzigkeiten ergaben, durch die öffentlichen Aufträge' im Zuge der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hierunter fallen auch die großen Schienenmate- rialaufträge und andere Bestellungen der Staats­bahnen und nicht zuletzt kommt der Antrieb von der Rüstungswelle, die die ganze Erde über­spült. Die meisten schwerindustriellen Konzerne unseres Landes haben im zu Ende gehenden Jahr an ausländischen Rüstungsaufträgen gearbeitet und zahlreiche Abteilungen ihrer Unternehmun­gen sind noch auf Monate mit ihrer Ausführung beschäftigt. An dieser Rüstungskonjunktur konnte bei­nahe die gesamte Metallindu st r i e teilnehmen. Erreichte ihre Produktion im Jahres­durchschnitt 1934 nur 47.5 Prozent des Standes von 1929, so hatte sie sie im Oktober 1935 be­reits bis auf 65 Prozent herangebracht. Sie hat also von dem fünfjährigen Rückschlag in einem einzigen Jahre 17.5 Prozent aufge­holt. Da die RüstungSkonjnnktnr in den letzten zwei Monaten dieses Jahres keine Abschwä­chung erfahren hat, so wird die erzielte Auf­besserung am Jahresende noch höher sein. Dagegen hat die Produktion in den eigentlichen Verbrauchsgüterindustrien die­sen raschen Anstteg nicht mitgemacht. Ja, in ein­zelnen von ihnen ist es im Verlaufe des Jahres zu leichten Rückschlägen gekommen. Im» ganzen dürfte demnach im Vergleich zu 1929 der Index der industriellen Gesamtpro­duktion, der 1934 66.7 betrug für 1935 nur mäßig höher liegen. Die ffchechoflowakische Wirtschaft bleibt damit auf dem Gebiete der industriellen Produktion auch 1935 hinter der Entwicklung in anderen Ländern zurück! Die Massenarbeitslosigkeit kaum vermindert In Uebereinfttmmung mit der Entwicklung der Produktion ist es darum auch nicht zu eiper wesentlichen Verminderung der Massenarbeits- losigkeit gekommen. Im Jänner und Feber waren 20.000 bezw. 11.000 weniger Arbeitslose ge­meldet als im Jahre vorher. Während der Mo­nate März bis Juni wurden mehr Arbeitslose! gezählt. Von Juli bis September liegt die Ar­beitslosigkeit mit durchschnittlich 570.000 Perso­nen knapp unter der des Vorjahres, um dann in den letzten Monaten wieder auf über 700.000 anzusteigen und damit den vorjährigen Stand teilweise zu überholen. Eine Aufgliederung der Gesamtzahl der Arbeitslosen nach Beschäftigten­gruppen ergibt, daß der Hüttenbau und die me­tallverarbeitende Jndusttie den stärksten Rück­gang der Arbeitslosigkeit hatten. Eine ganze Reihe von anderen Jndusttiezweigen und Teile des Verkehrs, des Handels und andere Benffe hatten an der Verminderung keinen Anteil. Der tatsächliche Umfang der Arbeitslosigkeit ist» wie

Juli und des Jahres gefallen. Für eine Arbeiterfamilie hat sich demnach nach dieser Berechnung die Lebenshaltung im Ver­kaufe deS beendeten JahreS um 3.5 Prozent verteuert,', bei gleichzeitig fortgeschrittenem ,gr Lohnabbau! In Wirllichkeit werden jedoch die Arbeiter­familien von der Teuerung viel stärker getroffen, da sie gerade die VolkSnahrungSmittel besonders stark erfaßt hat. Die Preissteigerungen betragen nach dem Statistischen Staatsamt bis zu 20 Prozent, das Statistische Amt der Stadt Prag hat An ­fang Dezember sogar Preiserhöhungen biS zu 40 Prozent für einzelne Lebensmittel gegen daS Vorjahr festgestellt. Zunehmende Kartelldiktatur Diese Teuerung ist mit eine Folge der Mo^ nopolstellung wichtiger Erzeugergruppen und deS stürmisch fortschreitenden KartellierungSprozesseS* der die industrielle und agrarisch« Erzeugung, den Handel, kurz nahezu albe Gruppen der Wirt­schaft erfaßt hat. Die Zahl der Kartellverttäge ist von 625 zu Jahresbeginn auf 737 im Oktober 1935 gestiegen, die im einzelnen die Erzeugung, den Preis und den Absatz nach den Profitinter- essen der Unternehmer zu regeln versuchen. Diese straffere Kartellierung wirst ihre Schatten auch aufchie Produktion zurück. Im Jahre 1935 find eine große Anzahl Jndu- strievetrirbe» die bisher noch tausende von Ar- bcitcrn beschäftigt haben, von den Kartellen anfgekauft oder durch gütliche Vereinbarungen und nach entsprechender Abfindung der bishe­rigen Besitzer bzw. Aktionäre, sttllgelegt wor ­den. Richt wegen Schwierigkeiten, sondern nur zum Zwecke der Rationalisierung der Profit­gewinnung!

September

September

Lohnklasse

Tageslohn

1934

1935

I

bis

6.

1088

1143

II

über

6.

bis

10.

XL

2279

2315

III

über

10.

bis

14.

XL

1718

1717

IV

über

14.

bis

18.

XL

1257

1340

V

über

18.

bis

22.

XL

1012

972

VI

über

22.

bis

25.50

XL

674

640

VII

über

25.50

bis

28.50

XL

406.

400

VIII

über

28.50

bis

31.50

XL

843

321

IX

über

31.50

bis

34.50

XL

289

268

X

über

84.50

XL

934

884