Nr. 128
Sonntag, 31. Mai 1936
Sudetendeutscfier Zeitspiegel
Der Reichsjugendtag:
Bodenbach
unter den Fahnen der Jungsozialisten
1936
XIII
HAUPTVERSAMMLUNG TOURISTENVEREIN DIE NATURFREUNDE
Brúnn
ČSR
Seite 3
Im Monate August mit den Naturfreunden nach Brünn !!!
In der Zeit vom 7. bis 10. bezw. 16. August finden internationale Veranstaltungen ( Ausstellungen, Erkursionen, Konferenzen) in Brünn mit anschließenden Urlaubsreisen im Inlande statt. Schon jetzt ist der Urlaub festzulegen und zu sparen. Anmeldungen und Aufklärungen durch die Ortsgruppen und Gaue durch die Geschäftsstelle des Tv.„ D. N." Aus= sig a. E., Marktplatz 11. Telephon 3033. Zwei Verurteilte aus dem Patscheider- Prozeß
Die Opfer von gestern, die Kämpfer von heute, die Sieger von morgen! des Touristenvereines„ Die Naturfreunde" und ( E. B.) In Bodenbach sind bereits im Laufe| leistet haben, die sich unter der Bürgermeister gefangen in Tschaikowsky& symphonische des Samstag zahlreiche Gäste zum Reichsjugend- schaft des Genossen Frizz Kezler nicht nur Dichtung ,, 1812". Jm Sieg der Zarenhymne über tag eingetroffen. In den Abendstunden befanden einer zielbewußten und rastlos für das Volk die Marseillaise kommt sinnbildlich der Untergang sich mindestens 1500 Jugendliche aus allen Teilen tätigen Verwaltung, sondern auch was heute der ersten Geschwader der Revolution zum Ausdes Staates bereits in der Feststadt. Außerdem oft noch wichtiger ist- einer wirklich volksdruck. haben 700 Rote Falken Samstag vormittags ihre tümlichen, mit der Bevölkerung aufs engste Republik eröffnet, die sich in vier Dörfer gliedert, verbundenen Führung erfreut. welche die Namen der Genossen Wallisch, Matte otti
, Jaurès und Fechenbach tragen. Um 11 Uhr Vormittag wurde von den Falken über die Rote
Kinderrepublik die rote Fahne aufgezogen.
Auch ausländische Gäſte haben sich bereits eingefunden. Besonders herzlich gestaltete sich der Empfang der mehr als 70 schwedischen und dänischen Genossen, die nach ihrer Fahrt durch das Hitler- Reich Samstag Abend in Bodenbach begrüßt werden konnten. Auf dem Bahnhof hatten sich zahlreiche Vertreter der Partei, der Republikanischen Wehr und des Jugendverbandes, unter ihnen die Genoffen Taub, Paul, Kern, Hadenberg, Pölzl, Grund Keßler, Reißner, Geißler und Kirpal eingefunden. Eine vielköpfige Menge erwartete die skandinavischen Gäste auf dem Bahnhofe. Fanfaren der Roten Falken, Freiheit- und Freundschafts- Rufe ertönten, als die dänischen und schwedischen Genossen sich zeigten. Mit Musik marschierte der Zug zur Volkshalle, wo Bürgermeister Genosse Reßler in einer kurzen Ansprache der Freude der Bodenbacher Genossen über den Besuch aus den norwegischen Demokratien Ausdruck gab. Wir sind der zuversichtlichen Meinung, führte Keßler aus, daß der Tag kommen wird, an dem von uns bis nach dem Norden hinauf ein freies rotes Europa sich erheben wird.
In den Abendstunden zwischen 7 und 8 Uhr trafen drei Sonderzüge ein, die Festteilnehmer aus den Gebieten von Komota u, Brür, Dur, Teplitz und Prag in der Geſamtzahl von 1600 Personen brachten. In dem Sonderzug aus Prag befand sich auch eine mehrere hundert Personen starke Gruppe tschechischer Genoffen. Die Sonderzüge wurden auf dem Bahnhof mit großer Begeisterung begrüßt und die Teilnehmer in geschlossenen Zügen mit Musikbegleitung in die Stadt geleitet.
Bodenbach, unsere nördlichste IndustrieMetropole, eine der wenigen Städte übrigens, in denen es trotz der Krise noch ein paar mächtige Betriebe gibt, in denen gearbeitet wird, Bodenbach, zugleich seit langem eine Hochburg der sozialisti schen Bewegung, Rekrutenschule einer Elite von Vertrauensleuten, mächtige Bastion, die gegen die Front der braunen Reaktion vorgeschoben ist, steht
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Reges Leben herrscht in der Festkanzlei, herrscht um die Sekretariate der Partei und der sozialistischen Organisationen, in der Voltshalle, in den Quartieren des Jungvolkes und auf den Feſtpläßen, auf denen noch zu den Feiern gerüstet, zu leztem Schliff Hand angelegt wird.
,, Cavalcade"
Samstag abends wird das erste der Fest spiele aufgeführt, die von Ferry Schimmel montierte ,, Revue von der Zeit". Unter freiem Himmel, auf dem Masarykplatz in Bodenbach, ist die Szene für dieſes ſymbolische Spiel errichtet, das Zeugnis ablegt von den Kräften, die in unseren jungen Sozialisten nach Ausdruck ringen. Freilich ist es ,, noch Most, der sich absurd gebärdet", doch Eifer, Idealismus, Kühnheit der Gedanken lassen zuversichtlich hoffen, daß es ein mal flaren Wein ergeben wird, was da gärt und aus der Tiefe brodelt.
,, Cavalcade"
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der Verfasser war sichtlich durch den Titel des großen englischen Filmverkes, das den Weg der Generationen aus dem 19. ins 20 Jahrhundert gezeigt hat, angeregt schöpft aus früheren Chorwerken und Dichtungen, nimmt auch die Musik aus schon Bekanntem. Der Eindruck soll gerade dadurch stärfer werden, daß an bekannte Motive angeknüpft wird, daß die Zeichensprache dieser symbolischen Dichtung nichts völlig neues bringt, sondern in jedem der jugendlichen Zuschauer und Hörer Saiten antlingen läßt, die schon öfter in ihm ertönten.
Da steht musikalisch das große aufwühlende Motiv der Marseillaise am Anfang, ein
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Und nun reiht sich Bild an Bild, tragen Chor und Sprecher, Musik und Bewegung immer mehr Fragen und Parolen in das szenische Getriebe. Die Welt des Bürgers und des Kleinbür- pient Dr. Alfred Fuchs, der im Patscheidergers, der Haß der Reaktion, die Kleingläubigkeit Prozeß zu zweieinhalb Jahren schweren Kerkers der Verzweifelten, die Trauer der Besiegten um Kronen einstweilen auf freien Fuß gesetzt wurde, verurteilt und gegen eine Kaution von 100.000 die Opfer und um ihre Sache nehmen Gestalt an. ist nach Deutschland geflüchtet und hat in einem
Brief aus Berlin mitgeteilt, daß er in die Tsche choslowakei nicht zurückkehren werde. Dadurch verfällt somit seine Kaution von 100.000 Kč dem Staate.
Auch Erwin Wittet, der in diesem Prozeß
An die Fe berkämpfe der österreichischen Schutzbündler wird erinnert. Noch einmal wirft die überlegene Technik der ,, Exekutive " in einer welthistorischen ,, Exekution" an den Trägern der großen Idee die Hoffenden und Kämpfenden nieder. Wieder droht Verzweiflung die Besiegten zu erfassen. Da rüttelt sie von neuem der Kampfruf zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt und auf, da rufen die Fanfaren, der Zug, der gegen eine Kaution von 60.000 Kč in Freiheit ugend naht, der Jungen, die doch, wenn sie gelassen wurde, hat Samstag aus Leobschüß in leben wollen, wenn ihr Leben noch einen Sinn Deutsch - Oberschlesien mitgeteilt, daß er in die haben soll, den Jammer dieser Zeit überwinden, Tschechoslowakei nicht zurückkehren werde. Demdie doch anschwellen müssen zum endlosen, mäch- nach verfällt auch seine Kaution dem Staate. tigen, nun, u n überwindlichen Reiterzug der neuen Zeit, der Völker- und Bürgermeister Russy, TeplitzMenschenverbrüderung unter den neuen ordnen- Schönau, beim Präsidenten den Parolen der sozialistischen Gemeinschaft. In der Republik der Internationale" finden sich Chöre, Musik, Sprecher zusammen, in ihren majeſtätischen Afforden formt sich Sehnsucht, offenbart sich der Lebens- und Schöpferwillen der Jungen.
Am Samstag, den 30. Mai 1936, wurde der Teplißer Bürgermeister, Genosse Russy, vom Herrn Präsidenten der Republik in längerer Audienz empfangen. Der Bürgermeister überUnter nächtigem Himmel ein I echten des reichte dem Herrn Staatspräsidenten die DentSymbol, in triebgeladener Frühlingsnacht der schrift der Stadtgemeinde Teplitz- Schönau und jubelnde Chor der jungen Stimmen es ist ein schilderte eingehend die Wirtschaftslage der Stadt, herrlicher Auftakt zu dem est, insbesondere auch die kurörtlichen Verhältnisse und das Sonntag die Stadt in das heiße, das glück- berichtete über die für die nächste Zeit geplanten liche, lebensverheißende Rot unserer Fahnen größeren Arbeiten der Gemeinde. Herr Präsident fleiden soll wenn ein letzter Wunsch sich er- Dr. Beneš nahm mit großem Interesse den Befüllt, wenn die Sonne es gnädig mit den Kindern richt entgegen, erkundigte sich noch über einzelne des Schattens meint, die so stürmisch zum Lichte Details und versprach, die Gemeinde nach bester drängen! Möglichkeit zu unterstüßen.
Teilnehmer am Reichsjugend- und
Reichsarbeitertag in Bodenbach! Achtung! Es ist unbedingt notwendig außer dem Fest a bzeichen auch die Teilnehmerkarte insbesondere beim Eingang zum Festplatz bereitzuhalten, um sie auf Verlangen vorzuweisen.
ſeit Samstag mittags im Zeichen des großen Unsere Jugend
wegung Korböhmens überhaupt. Note Babegrüßt den Staatspräsidenten
Ein Telegramm vom Reichsjugendtag
Ein Werk des Genossen Dr. Czech Das Babitzer Erholungsheim wieder in Betrieb Das ehemalige Masaryk Studen tenerholungsheim in Babiz bei Brünn , das mangels finanzieller Mittel durch einige Jahre unbenüßt blieb, wurde heuer aus seiner Ruhe geweckt. Das schöne Gebäude im herr= lichen Zwittatal hat endlich wieder eine Bestim= mung gefunden: Es wurde dort die Ferienkolonie für die Kinder Arbeitsloser im Rahmen der Aktion, die Gesundheitsminister Gen. Dr. Czech ins Leben gerufen hat, untergebracht.
Nun hat auch die Brünner Ortsgruppe der Frauenliga für Frieden und Freiheit ihre Ferienfolonie der in Babit befindlichen staatlichen Kolonie angegliedert. In diese Kolonie werden deutsche und tschechische Kinder Arbeitsloser aufgenommen, welche keine Unterstützung beziehen. Die Auswahl der Kinder erfolgt durch die Bezirksjugendfürsorgen.
im
fünden dem Gast, daß Bodenbach dem braunen Terror Schach bietet und deutlicher noch als die Fahnen sprechen die Gesichter und Gestalten un Vom Reichsjugend- und Kreisarbeiter| heißes Bekenntnis der sozialistischen Jugend zu serer Burschen und Mädel von dem sozialistischen tag wurde dem Präsidenten der Republik das den großen Idealen, von denen Sie, Herr PräsiCharakter der Pfingsttage in Bodenbach. Diese folgende Telegramm gesandt: dent, erfüllt sind und die wir alle in unserer Rejungen Menschen, von denen viele sich auf den er- Hochverehrter Herr Staatspräsident! Die publik lebendig erhalten wollen. Der Reichssten Blick als Opfer der Krisennot erweisen, eben- deutsche sozialistische Jugend unseres Landes ist zu jugendtag ist eine Ehrung der Freiheit, jener Freisobiele aber auch mit den sportlich durchgebildeten Pfingsten in der Grenzstadt Bodenbach zu ihrem heit verantwortungsbewußter Völker, die die wirk- Ein Kind getötet. Freitag Vormittag wurde Körpern, den arbeitsgewohnten Armen und Fäu- großen Reichsjugendtag versammelt. Sie wird im samste Garantie des europäischen Friedens ist. in der Lade- Gasse in Reichenberg der vierjährige sten den lebendigen Beweis dafür darstellen, daß Rahmen dieser Kundgebung, die mit dem Kreis- Wir sind stolz darauf, daß wir dabei eines Sin- Sohn des Arbeitslosen Wenzel von einem Lastunsere Jugend sich nicht unterkriegen läßt, find arbeitertag der Deutschen sozialdemokratischen Ar- nes sind mit der überwältigenden Mehrheit der fuhrwerk überfahren. Das Kind, das wahrscheinheute stolz in dem Bewußtsein, hier mehr als ein beiterpartei verbunden ist, für ihre Weltan- tschechoslowakischen Jugend, eines Sinnes mit der lich in das Fuhrwerk hineinlief, wurde auf der Fest zu feiern, hier Zeugnis abzulegen schauung und die noch unerfüllten sozialen Ge- sozialistischen Jugend ganz Europas , die viele Ab- Stelle getötet. von ihrem schöpferischen und gegenwartsforderungen der jungen Generation ein- ordnungen zu unserer großen Kundgebung ent- Strenges Verbot der Ueberstundenarbeit staltenden Willen. Und je mehr von ihnen treten und die Leistungen erkennen lassen, die sie sendet und dadurch gleichzeitig unsere Republik Eisenbahndienst. Das Eisenbahnministerium hat ein in den Elbeſtädten eintreffen, wandernd viele, zu bei ihrem Kampf und ihrer positiven Arbeit für und deren Führer chrt. Die Tausende junger neues, strenges Verbot der Ueberstundenarbeit für Rade andere, die dritten von den Bahnhöfen in die soziale Neuordnung der Gesellschaft gesetzt hat. Menschen, die gemeinsam mit ihren erwachsenen alle Zweige der Eisenbahnverwaltung herausgegeben. die Stadt strömend, desto mehr heitern sich ihre Die sozialistische Jugend weiß aber auch, daß ihr Gesinnungsgenossen in Bodenbach versammelt Falls es sich nicht um die Beseitigung von StörunMienen auf, die trotzigen Gesichter der jungen wirken mit der Idee der Demokratie eng ver- find, grüßen Sie, Herr Präsident und erneuern gen handelt, die durch Elementarkatastrophen verKämpfer nehmen angesichts der vielen Genossen bunden ist und daß sie in dieser schweren Zeit die- ihren Schwur, der Demokratie treu zu bleiben schuldet wurden, dürfen Ueberstunden nur in den und Genossinnen, die sich hier aus allen Gauen fer Idee doppelt eifrig dienen muß. Unser Auf- und sie mit dem Einsatz ihrer ganzen Kraft zu dringendsten Fällen mit Bewilligung der vorgesetzzusammenfinden, den Ausdruck froher Zuversicht marsch in der Grenzstadt Bodenbach ist darum ein verteidigen. ten Direktion gearbeitet werden.( DND.) und unerschütterlichen Glaubens an die Kampfgemeinschaft der arbeitenden Jugend an. In Gruppen finden sie sich zusammen, rasch sind alte Bekanntschaften von Fahrten, Festen, gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Kampf erneuert, neue Freundschaften geschlossen. Im Gleichschritt gehen jie nun nebeneinander her und wie aus kleinen Rinnsalen der große Strom, so soll aus den vielen fleinen Gruppen der Jungen der große Zug sich formen, der Sonntag durch die Straßen ziehen wird.
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Die Stadt selbst, die Arbeiter von Bodenbach, Tetschen und von den umliegenden großen Industriedörfern, haben für ga it I i che n Empfang gesorgt. Die Bodenbacher Sozialisten sind stolz, in ihrer Stadt die Jugend des ganzen Landes beherbergen zu können, freuen sich auch, mit ihrem Kreisarbeiterfest den Jungen zeigen zu können, daß die Aelteren nicht zurückbleiben, wenn es Arbeit, Mühe, Eifer für die gemeinsame Sache gilt.
Mit Stolz zeigen die Bodenbacher ihren Gästen auch, was sie in der Gemeinde ge
Die Bilder zeigen, mit welcher verheerenden Wucht das Univetter am Mittwoch über Schluckenau niedergegangen ist. Links: An der Eisenbahn
brücke im sogenannten Karschel. Rechts: Der überschwemmte Auplak.