Sosialdemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB . VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG .

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16. Jahrgang

Freitag, 17. Juli 1936

Für Ruhe und Besonnenheit

Außenminister Krofta über das österreichisch - deutsche Abkommen

jeden ernsten und aufrichtigen Versuch zur 1 wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Mittel­ europa mit Befriedigung begrüßen,

Nr. 165

Sudetendeutsche Groteske

soferne er im Einklang mit der gesamten politi- Wer die politische Geschichte des Sudeten schen Linie aller ihrer Verbündeten und unter deutschtums seit den achtziger Jahren, da der nationale Radikalismus des Kleinbürgertums Die außenpolitischen Journalisten Prags | lichen Blockes mit einigen derjenigen Staaten, ihrer Beteiligung erfolgen würde. gaben zu Ehren des Außenministers Dr. Krofta, gegen die er sich wenden sollte. Aber auch wenn sich diese vielleicht allzu den Liberalismus der Großbourgeoisie ablöste, der heute 60 Jahre alt wird, am Mittwoch einen Aus den gleichen Gründen kann man sich fühne Hoffnung nicht erfüllen würde, brauchen wir kennt, wird nicht überrascht sein von dem tollen Abend, bei welchem namens der tschechischen Teil- sicherlich nicht vorstellen, daß das Verhältnis der die fünftige Entwicklung der Dinge in Europa Fastnachtsspiel, das die größte sudetendeutsche nehmer Redakteur Dr. Rypta und namens der Staaten, zwischen denen eben eine Annäherung feineswegs allzu schwarz auszumalen. Die Partei und ihr Führer zum besten geben. Das deutschen Genosse Dr. Strauß Ansprachen eingetreten ist, zu den übrigen Staaten feindselig unüberwindliche Lebenskraft unseres Volkes, die sudetendeutsche Bürgertum, die von ihm geführ­hielten. Der Außenminister dankte den Journalis sein und daß es in absehbarer Zeit zu Konflikten ich so oft in unverhältnismäßig ärgeren Zeiten ten kleinbürgerlichen Massen und jene Arbeiter, sten herzlichst für die Glückwünsche, wobei er auch führen müßte. Im Gegenteil kann man vielleicht bewährt hat, welche keine selbständige Politik machen, sondern anknüpfend an die Worte des deutschen Redners der Hoffnung Ausdruck geben, daß die zwischen nur die Nachhut und die Flankendeckung der bür­sich über die nationale Frage im Sinne seiner Deutschland und Italien eingetretene Annäherung gerlichen Parteien bilden, sind bisher jedem Teßten Kundgebung, bei welcher er die Deutschen den Ausbau der wirtschaftlichen Organisation Demagogen hineingefallen, der durch das Schla­als die zweite Staatsnation bezeichnete, äußerte. Mitteleuropas erleichtern könnte, dem bisher die gen auf die nationale Trommei die Aufmerkſam­Besonders bemerkenswert ist aber, was der Leiter Rivalität zwischen Deutschland und Italien im feit des Volkes von den sozialen Problemen und unserer Außenpolitik zu der durch den österrei Wege stand. Und heute nach dem Kriege in Abes­den sozialen Lösungen der nationalen Frage ab­chisch- deutschen Akkord entstandenen internationa- finien liegt eben Italien an der Erhaltung des lenken wollte. Sie haben Georg Schönerer und Ten Situation sagte. Er ging dabei von der Diszi Friedens in Europa . Karl Hermann Wolf zugejubelt, die heute Wolf lebt noch im Grabe der Vergangenheit pliniertheit unserer Presse in außenpolitischen ruhen. Sn. lange es nicht gefährlich war, hat Fragen aus, die sich wieder bewährt hat angesichts Wolf den deutschen Necken gemimtals 1918 der Gerüchte, die über die Stellung der Tschecho­die Sudetendeutschen im Kampfe um ihr Recht slowakei zu den aufgeworfenen Problemen im Ausland entstanden sind. Er sagte: standen, blieb Walf in Wien . Ebenso sind die Herren Rudolf Jung und Hans Krebs Jahre lang als die Helden im Bärenfell umhergezogen bis es Ernst wurde. Sie sind über die Grenze gegangen und haben dem Volle die Sorge über­lassen, wie es sich in der Krise der Wirtschaft behaupten könne.

die innere Gefundheit unseres Staates, unsere festen Bündnisbande und schließlich die tiefe moralische Berechtigung unserer freien staat­lichen Existenz erlauben uns, in der Gegen­wart Ruhe und Besonnenheit zu wahren und mit vollen Vertrauen in die Zukunft zu blicken. Ich würde wünschen, daß wir diese Ueber­zeugung durch gemeinsame Arbeit unserer Die Tschechoslowakei , die weder mit Deutsch - Deffentlichkeit einimpfen und so mit vollem Erfolg land noch mit Italien oder mit Desterreich ernste das gemeinschaftliche Zusammenwirken fortseßen, Konflikte hatte und hat, würde das wir bisher so glücklich gepflegt haben.

Gegen Hitler und Mussolini !"

Ein Aufruf der österreichischen Sozialisten

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G3 geschieht nichts Geheim­nisvolles. Die Tschechoslowakei unternimmt nichts Geheimnisvolles. Wenn sie irgend etwas unternehmen oder nur beabsichtigen würde, wird sie dies vor ihren Verbündeten: der Kleinen Entente . Frankreich , der Union der sozialistischen Wien.( Intropreß.) Das Zentralfomitee der Desterreich vor der braunen Pest bewahren wollen Vor zwei Jahren ist nun ein neuer Messias Sowjetrepubliken, nicht verbergen. Wie sie alle müssen nun erkennen, wohin die poli- aufgestanden. Der Turnwart des bürgerlichen immer, werden wir auch diesmal im vollen Sozialisten Desterreichs verbreitete Mittwoch in Einvernehmen mit ihnen vor- hunderttausenden Eremplaren einen Aufruf antische Entrechtung der Arbeiterklasse Oesterreichs Turnverbandes ist als politischer Führer, ohne geführt hat. Die Gefahr der Aufrichtung der Lehrzeit, ohne eine einzige Probe seines politi gehen. die Bevölkerung, in welchem u. a. ausgeführt Naziherrschaft in Oesterreich und die Gefahr eines fchen Talents abgelegt zu haben, in die Arena Es besteht kein Zweifel, daß das unter der wird: drohenden Krieges zwingen alle Bevölkerungs- gestiegen wieder wurde das sudetendeutsche Beteiligung Italiens verwirklichte und von einer Im Auftrage Mussolinis hat Schuschnigg treise, den letzten und einzigen Ausweg zu be- Bürgertum von einem Taumel ergriffen- gewissen Annäherung Italiens an Deutschland mit den Nazi Frieden gemacht und Desterreich der schreiten: Sie müssen gemeinsam mit der Arbei- glaubte durch Versammlungen, Feste, das Schlag­begleitete friegerischen Außenpolitik Hitlers gleichgeschaltet. terschaft einen unerbittlichen Kampf führen wort von der Volksgemeinschaft" und vor allem österreichisch- deutsche Abkommen ein Ereignis Das Uebereinkommen mit Deutschland bedeutet gegen Hitler und Mussolini. durch den Kampf gegen die Arbeiterbewegung von außerordentlicher Bedeutung die Vorbereitung der innerpolis cinen Kampf, für den die Parole lauten muß: werde sich alles wenden, das öffentliche Leben des darstellt, dessen Auswirkungen auf die internatio- ichen Gleich schaltung Desterreichs mit Nieder mit Schuschnigg , dem Wegbereiter der judetendeutschen Bürgertums verwandelte sich in nalen Beziehungen der europäischen Staaten Nazi- Deutschland. Gegen dieses verbrecherische Nazi und Werkzeug der faschistischen Kriegspoli- cin Varieté, wo alles atemlos und mit offenem ziemlich durchgreifend sein können. Heute lassen Spiel der Gewaltpolitiker rufen wir das ganze tik! Wir proklamieren diese Parole und rufen Wunde den politischen Akrobatenkunststücken eines sich allerdings ihre Bedeutung nicht richtig Bolt zum Kampfe auf. Die Massen, die bisher für alle Männer und Frauen und die Jugend auf, unentdeckten Stars zuschaute. würdigen und ihre Auswirkungen Hitler und gegen Schuschnigg die Schädel hin- die verbrecherischen Absichten der internationaler nicht verläßlich abschätzen. Es ist aber über- gehalten haben, müssen erkennen, daß sie nicht für Faschisten in Desterreich zu vereiteln. Wir reichen flüssig, sich irgendwie dadurch zu beunruhi- Brot und Freiheit und nicht gegen den verhaßten jedem die Hand, der bereit ist, mit uns unter die gen. Ja, man fann voll mit denjenigen über- italienischen Faschismus gekämpft haben. Sie einstimmen, welche der Ansicht sind, daß das öfter- wurden mißbraucht für die gemeinsamen Kriegs­reichisch- deutsch - italienische Abkommen wenigstens pläne Hitlers und Mussolinis und ihrer Verbün­zeitweise besonders Mitteleuropa eine gewisse deten in Desterreich. Beruhigung bringen kann, wenn die zwei Die Anhänger einer wahren Unabhängigkeit Hauptquellen der Unruhe die Anschluß- und Desterreichs, die bisher an den Ständeschwindel die Restaurationsbestrebungen auf einige Zeit und an Schuschniggs Politik der Unabhängig verschüttet sind. Diese Beruhigung ist auch für uns feit" geglaubt haben, alle, die die Nazi hassen und ein Gewinn, weil sie uns die Möglichkeit gibt, einerseits

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bie Arbeit zur Steigerung der politischen, wirt- Geheimklauseln

schaftlichen und militärischen Kraft unseres Staates und zur Festigung unserer bewährten Bündnis bande fortzusehen, andererseits sich auf eventuelle weitere europäische Verhandlungen vorzubereiten.

in Abrede gestellt

Nach zwei Jahren Bestandes der Sudeten­ deutschen Partei kann man die Kampfarena über­ser Parole zu kämpfen. Wir wollen eine Regie- blicken und man muß sagen, daß Konrad Hen­rung gegen Krieg und Faschismus, eine Regie- lein und die Seinen in der sudetendeutschen Poli­rung gegen Arbeitslosigkeit und Elend, eine Re- tik verheerend gewirkt haben. Nichts, gar gierung aller Schichten des arbeitenden Voltes in nichts wurde erreicht! Der hoffnungs­Stadt und Land. Schuschnigg und seine faschisti- voll begonnene Prozeß der Einflußnahme deutscher schen Hintermänner müssen gestürzt werden, um Parteien auf Gesetzgebung und Verwaltung wurde dem Volte Freiheit und Brot und Europa den unterbrochen und die politische Macht des Sude­tendeutschtums durch die Wahlverluste der aktivi­Frieden zu sichern! stischen Parteien geschwächt. I e stärker dic Sudetendeutsche Partei wurde, de sto schwächer wurde das Sude­tendeutschtum als politischer Faktor­gäbe es nicht die aktivistischen Parteien, die Sude­tendeutschen wären lediglich ein Objekt der Politik, so wie es die Deutschen in Italien oder in Polen sind, wo die Gesinnungsverwandten der SdP regieren.

dere in 9 b b 3 wurden zahlreiche Häuser bemalt. in denen die Organisation der Heimatfron! amtiert oder deren Funktionäre wohnen. Heimwehr begrüßt

Wi e n. Bei der donnerstägigen Konferenz dementierte Minister Ludwig die Meldungen. daß das österreichisch - deutsche Abkommen ge= Ich denke nämlich, daß es nicht richtig wäre, heime Klaufeln enthalte und daß es die Schaf­anzunehmen, daß die entfernteren Auswirkungen fung irgend eines Mächteblockes verfolge. Weiter des österreichisch - deutsch - italienischen Abkommens erklärte der Minister, daß die Frage der Zuziehung für uns nur ungünstig sein können. Man braucht Deutschlands zum Nömiſchen Pakt nicht aktuell vielleicht nicht einmal die Befürchtungen wider sei. Miniſter Ludwig fügte hinzu, daß die Mit- in Tegen, die da und dort mehr denn je bei uns laut arbeit Deutschlands in Mitteleuropa zwar nvt werden, daß die Staaten, welche sich durch dieses wendig, aber nicht entscheidend sei. Weiter Abkommen angenähert haben oder der eine oder dementierte Miniſter Ludwig die Gerüchte über der andere von ihnen ihre Entlastung auf der eine Umbildung, bzw. eine Erweiterung der öfter­einen Seite zu diesem oder jenen Angriff reichischen Regierung im Zusammenhang mit dem auf unseren Staat oder auf irgend einen der uns österreichisch - deutschen. Abkommen. Als ebenso befreundeten Staaten benüßen könnten oder woll- unrichtig bezeichnete er die Gerüchte über eine ten. Ebenso können die verbreiteten Gerüchte mit Umgruppierung des Beamtenapparates, insbeson­vielfach durchsichtiger Tendenz abgelehnt werden, dere im Bundeskanzleramt. daß bereits vor unseren Augen ein mächtiger unb einheitlicher, uns und den uns nahen Staaten

grundsäßlich feindlicher Staatenblock entstanden ist und daß dadurch die Gefahr eines vollkomme nen Umsturzes der mitteleuropäischen Verhältnisse drohen würde. Das Törichte derartiger Ver­mutungen ist jedem offenbar, der weiß, wie

Neue Protestaktionen der unzufriedenen Nazi

Wien. ( Tſch. P. B.) Auch in der österrei chischen Provinz demonstrieren die Nationalsozia listen gegen das österreichisch - deutsche Abkommen. In Perfen.beug und Neumati tiefe und vielfach unüberbrückbare Gegenfäße in Oberösterreich sowie auf der Straße von Ybbs einigen Angelegenheiten zwischen den Staaten nach Ennsbach wurden Dienstag und Mittwoch bestehen, aus denen sich ein solcher Einheitsblock pakenkreuze verstreut oder die Häuser mit Haken­bilden sollte, frenzen bemalt und nationalsozialiſtsche Flug zettel verbreitet, worin gegen das Abkommen und gegen die Habsburger protestiert wird. Insbeson

und welch mächtige, sozusagen vitale Interessen verbinden die einzelnen Staaten dieses angebe

das Abkommen ,, Freie Bahn zur Bekämpfung des Bolschewismus"

Was sich aber in der sudetendeutschen Poli­tit in den letzten Tagen abspielt, setzt dem ver­Wien. Der Führerrat der österreichischen späteten Karnevalstreiben der größten deutschen Heimwehren hat unter dem Vorsiz Starhembergs Partei dieses Landes die Strone auf. In einer Zeit, eingehender Aussprache zu dem Abkommen da das Sudetendeutschtum um seine Existenz mit Deutschland Stellung genommen. In der schwer ringt, da wir uns alle bemühen, damit die betreffenden Erklärung begrüßt es der Füh- Tschechoslowakei den Anschluß an die Weltkon­rerrat, daß das Uebereinkommen einem vom junktur erreicht, daß unsere seit Jahren von Kriſe, österreichischen Heimatschuß stets bedauerten un- Sunger und. Not gepeinigten Volksgenossen Arbeit natürlichen und ungesunden Zustand ein Ende und Brot bekommen und ein wenig des Lebens bereitet" und der Heimatschuß dadurch in die sich freuen können, widerhallt unsere deutsche Lage versezt werde ,,, im Sinne seiner ursprüng- politische Oeffentlichkeit von dem Streit um ein lichen Sendung wiederum alle Kräfte uneinge- Ehrengericht, als ob sich das politische Leben des schränkt der Bekämpfung der bolschewistischen Volkes in einer Studentenbude mit Menſuren und Bestrebungen widmen zu können." Es zeige sich Bierkomment abspielen würde, alb ob die Massen in erschreckender Klarheit das planmäßige Vor- der deutschen Bevölkerung nach den Regeln der dringen des Bolsche wismus und die ein- Satisfattionsfähigkeit von k. u. Reserveoffizie deutige Absicht, ganz Europa zu bolschewisieren. ren leben und sterben müßten. Ist eine solche Er Die energische Betämpfung dieser Weltgefahr sei scheinung an und für sich beschämend und grotesk, ein Gebot der Stunde. ist es für jeden treuen Sohn seines Volkes schmerz­Der Heimatschut hofft, daß das Ueber- lich, daß sich seine Führer" benehmen als wären einkommen eine enge Zusammenarbeit jener sie in einer Kinderstube, so schlägt dem Faß den Staaten und Mächtegruppen in Europa ermög. Boden aus, daß diejenigen, welche die studentischen lichen wird, die gewillt find, tompromißlos Ehrbegriffe. lächerliche Kopie einer feudalen den Bolschewismus zu bekämpfen; die Durch- Ritterromantik für die Regeln eines nationalen schung des faschistischen Gedankens in der Welt Gesetzbuches halten, die Anschauungen von Ehre fei das einzige dauernd geeignete Bollwerk und Ritterlichkeit in die Jauchengrube werfen, gegen die Gefahr der Bolschewisierung. wenn sie ihnen nicht passen. Sie umgeben sich mit