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§ 144

Prager Zeitung

Das Kind, das nicht mehr zu ernähren war

,, Sozialdemokrat"

berraz zum Profi stempeln. Wir fragen die Welt: Istdieser Schweizer Steuermann und sind die schwei­zerischen Stilehrer nicht ebenso gute oder ebensogut Prag.( rb.) Die 38jährige Taglöhnersgattin naten und Jahren( 1) in ihren Trainingszentren feine Amateure wie jene Athleten, die nun seit Mo­Franziska V. stand gestern vor dem Straf= senat Bed, um sich wegen des Verbrechens als die Vorbereitung zur Olympiade? Von was stecken und fein anderes Lebensziel kennen durften der Fruchtabtreibung zu verantworten. Es ist nicht wahrscheinlich, daß diese frühgealterte, abgeraderte und abgeſtumpfte Frau einen klaren Be­griff von den prozessualen Verhandlungen hatte, die sie über sich ergehen lassen mußte. Ja, ja, sie war geſtändig, voll geständig. Sie hat in legaler Ehe bereits fünf Kinder zur Welt gebracht und der Arbeitsverdienst dieser Taglöhnerleute reichte kaum dazu aus, die hungrigen Hälse sattzumachen. Als sie dann zum sechstenmal schwanger wurde, hätte sie wohl gern das Kind zur Welt gebracht, aber sie mußte sich sagen, daß ein solcher Familienzuwachs einfach untragbar war. Die Familie hatte bisher schon gehungert, das erivartete Kind wäre einfach nicht zu ernähren gewesen. So ging sie denn zur Helferin" und ließ einen Eingriff vornehmen, der ihr nahezu das Leben gekostet hätte. So kam die Sache zur Kenntnis der Behörden und kaum aus dem Kranken­haus entlassen, mußte sie auf der Anklagebank Play nehmen, unter der Anklage nach§ 144.

ballmannschaft Dynamo" in Prag   angekommen( find, tragen apei Begegnungen mit dem tschechisch­bürgerlichen Prager   Tennisklub CCC" im Laufe dieser Woche aus.

aus der Partei

Bezirksorganisation Prag  

Dringende Sigung der Bezirks. vertretung am Freitag, den 21. d. M., um 8 Uhr abends im Parteiheim. Anwesenheit aller Bezirksvertretungsmit.

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leben die amerikanischen   Studenten, die schwarzen und die weißen, die als Sportsamateure feine Beit zum Studium haben? Wohl ihnen, daß sie alle so vermögende Eltern besißen! Wie steht es bei den Japanern? Und die anderen?... Wohl nur wenige Länder find in Berlin   vertreten, deren Sportsleute glieder unbedingt notwendig. von ihrer Berufsarbeit weg die Reise zu den Olym pischen Kämpfen antraten. Aber die Schweiz   gehört Die deutsche und die tschechische Parteiorgani­zu diesen! Weil wir noch Wert darauf legen, Sport als Körperkultur und nicht als Lebens- sation in Wegstädtl   veranstalten am 23. August ein und Berufsziveck zu betrachten! Wir pfeifen auf alle Auszeichnungen der Welt, wenn sie durch Tre u Arbeiterfest br itch am Sportgedanten erkauft zu dem unsere Prager   Genossinnen und Genossen werden müssen! Wir lehnen es ab, den Sport zu besonders eingeladen wurden. verleugnen und zu Lügen zu greifen, weil es um Goldmedaillen geht...

Die Moskauer Fußballmannschaft Dynamo", welche am Dienstag im Prager   Masarht- Sta­Mitangeklagt war die..helfende" Hebamme, der dion bei fünstlicher Beleuchtung ein Match mit dem man wohl mit Recht mangelnde Sachkenntnis und Team ehemaliger bürgerlich er unhygienisches Vorgehen vorwerfen kann, feinesfalls Internationaler" austrug, blieb mit 9: 1 aber niedrige Gewinnsucht. Sie hat den Eingriff( 2: 0) erfolgreich. Die Spielstärke" der Inter­nahezu umsonst vorgenommen. Ihre Bezahlung be- nationalen" bei denen u. a. Kada, Perner, No­stand in einigen Kilogramm Kartoffeln. Sie ist sicher lenath, Janda mitwirkten war gegenüber den ebenso fromm und gottesfürchtig wie ihre Klientin, Leistungen der Russen recht blamabel; es waren denn beide bekreuzigten sich andächtig vor Betreten., alte Herren", die wohl einstmals ,, Kanonen" wa des Gerichtssaales. Das Gericht verfuhr mit den An­geklagten, denen auch der öffentliche Antläger weit­gehende Milderungsgründe zuerkannte, so milde, als es das Gesez zuläßt. Die Hebamme wurde zu drei Monaten Serter verurteilt, ihre Klientin zu zwei Monaten, beide bedingt auf drei Jahre. Sie nahmen die Strafe an.

Ausflugszüge der CSD: 28. August bis 13. September Exkursion nach Luhačovice   und Trenčianské Teplice 965.-, nach Piešťany 1010, in den Tagen vom 29. August bis 6. September Streifzüge durch die Slowakei   600, Streifzüge durch die Beskiden   420.-, 2. bis 23. September Kurerkursion nach Sliač   1120.­und in den Tagen vom 5. bis 18. September Streif­züne durch Karpathorußland 600.-.- Anmel dungen mit Angabe nimmt der Basar neben dem Wilsonbahnhof entgegen. Fernruf Nr. 38335.

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Sport- Spiel- Körperpflege

Die olympischen ,, Amateure"

Viele bürgerliche Blätter auch unsere su­detendeutschen schwärmen noch in den höchsten Tönen von der Hitler- Olympiade. Aber es finden sich auch bürgerliche Blätter, welche den Mut be­sitzen, an all das Gesehene und Gehörte kritische Werte anzulegen. Die Frage Amateur oder nicht" ist wiederum Gesprächsstof für jene, die nicht mit geschlossenen Augen an dieses traurig- berühmte Ka­pitel bürgerlichen Sports vorbeisehen wollen. Man erfährt jetzt allerlei erbauliche Dinge über den Amateurismus" der verschiedensten Sportler. So wird u. a. darauf verwiesen, daß die ,, Nazi- Turner" Schwarzmann und Micz gut befoldete Turn­lehrer der Heeressportorganisation sind. Die Bas= Ier Nationalzeituna", welche sich mit diesem höchst sonderbaren olympischen Amateu­rismus" befaßt und Fälle anführt, kommt u. a. zu dem nicht nur für schweizerische Verhältnisse zu­treffenden Schluß:

,, Uns ärgert die entgangene Goldene nicht. Aber wir schämen uns für Leute, dic einen Birger Ruud   als Amateur an die Winter­olympiade schicken und qualifizieren und einen No-)

ren und derzeit nur noch eine ruhmvolle Vergangen­heit befizen. Schade für die russischen Fußballer, die ein gefälliges Spiel vorführten und ihr wirkliches Können nicht unter Beweis stellen konnten.

Die sowjetrussischen Tennisspieler und Spic­lerinnen, welche gleichzeitig mit der Moskauer   Fuß­

Abfahrtszeiten: Samstag 14.40, Sonn ta g 5.09 und 7.27 Uhr vom Denisbahnhof. Sonntags rückfahrkarte 21.-, Festbeitrag 2.50.

RW und S fahren bereits Samstag. Genossen, welche sich anschließen wollen, müssen sich wegen Quartierbeschaffung fofort beim Genoffen Ullmann Max. Telephon 51.351, melden.

Der Film

Der Boxer und die Dame. Die Boxerei hat zahlreiche Enthusiasten und die werden sich für den Film interessieren, in dem man gleich drei bekannte Boyer, Baer  , Carnera und Dempsey zu

Mit Farbtopf und Pinsel hoch über London  

Ein Anstreicher in der luftigen Höhe von 70 Metern bei der Arbeit an einem Neubau in London  .

Donnerstag, 2. August 1936. Nr. 193

Ka

Der ,, Kavalier": Da hast Du Primas, aber ins Ohr mußt Du mir spielen!

fehen bekommt. Man darf von einem Boger billiger­weise nicht verlangen, daß er auch ein guter Film­schauspieler sei und es May Baer, der es in dem Film auch mit Frauen zu tun hat, nicht übel nehmen, wenn er im Ring besser ist als mit dem Ehering. Da es sich um einen echt amerikanischen Reißer han­belt, ist bei aller Naivität der Handlung für Svan­mung reichlich gesorgt und der Borkampf, offenbar mit Benüßung echter Aufnahmen gemacht, ist packend und die Zuschauer im Kino können sich als ein Teil der Menge fühlen, die auf der Leinwand tobend und lär mend an dem Matsch Anteil nimmt. Das ganze ist schmissig gemacht, manchmanl hart an der Grenze des guten Geschmacks, manches dilettantisch- und es sind ja Gelegenheitsschauspieler, die sich hier umtun aber Milieu und Besetzung werden aus Gründen. die nicht auf dem Gebiete der Filmkunst liegen, die sem Film zumindest materiellen Erfolg bringen. Und aus dieser Erwägung ist er ja wohl gedreht worden.

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Filme in Prager   Lichtspielhäusern

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Bis einschließlich Donnerstag, den 20. August. Urania- Kino: Bergiß mein nicht." B. Gigli, Magda Schneider  . Adria  : Borer und Dame." ( A.) Alfa: Der Wildfang."( Tsch.) Avion: Nachtangriff."( A.) Beranet: Waldwinter." ( Tich.) Fenig: Auf der grünen Wiese."( Tsch.) Flora: Der Chef des Geheimdienstes."( Engl  .) Gaumont: Die Entführung an der Riviera."( D.) Hollywood  : Rendezvous in Wien  ."( D.) Hvězda: Boyer und Dame."( A.) Juliš: Bwischenaft."( D.) Kinema: Journale, Gros testen, Reportagen( 2-10 Uhr). Koruna: Al­tualitäten, Journale. Grotesken( 2-10 Uhr). Lucerna: Auf der grünen Wiesc."( Tich.)- Me­tro: Ein lustiger Betrug."( A.) Paffage: Die Entführung an der Riviera."( D.) Praha  : Der gestohlene Millionär."( Fr.) Radio: Stenta Rajin."( D.) Staut: Nach Burcauschluß." ( A.) Světozor: Zwischenatt."( D.)- Alma: Die lustige Witwe."( A.) Bajkal: Melodie der Welt 1936."( A.) Beseda: Waldwinter." ( Tsch.) Carlton: Flucht vor der Unterwelt." ( A.) Illusion: Nach Bureauschluß."( A.) Kapitol: Wir von Kronstadt."( Ruff.) Lido II: Maryša."( Tsch.) Louvre: Stenta Rajin." ( D.) Maceška: Nach Bureauschluß."( A.) Olympic: Waldwinter."( Tsch.). Rogy: Stenta Rasin."( D.) Vejvodu: Mata Hari  ."( A.). Valdek: Die Kameliendame."( Fr.) Veletrhy: ,, Stenta Rasin."( D.)

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Wird Nordamerika   be verſandete und magerte mehr und mehr; schlammen und werden in einigen Generationen bestimmten Vogelart kann für diese oder jene zur Wüste?

den. Aber die Humusdecke wurde geringer, die Dämme schaffen's nicht; die Staubeden ver-| ßen. Die Ausrottung oder das Aussterben einer Trockenheitsperioden fanden keine ausreichende versumpft sein. Der frühere Präsident des No- Nußpflanze katastrophal werden, weil das auf fie Wasseraufspeicherungen im Boden vor, keine Wäl- mitees zur Regulierung des Mississippi  - Tales  , spezialisierte Insekt teinen natürlichen Gegner der schüßten mehr vor den Sandstürmen, die aus Morris L. Coot, glaubt, daß Amerika   zur Ret- mehr hat. In weiten Gebieten Deutschlands  unbebauten Gegenden oder aus Gebieten mit sehe tung vor der Versandung und Wüstenbildung mußten die einheimischen Reben durch die Ames leichtem Boden den Sand über das an sich frucht- höchstens zwanzig Jahre zur Verfügung habe. In ritanerrebe ersetzt werden die einen schlechte­bare Land streuten: das Kulturland wurde diesem Zeitraum müßten jedes Jahr hundert ren Wein gibt weil in den deutschen Wäldern schlechter und schlechter. Millionen Dollars für das Rettungswerk ausge- durch die rationelle Forstwirtschaft das Unterholz geben werden. Er schlägt vor, statt der wenigen ausgerottet wird und weil die Weinberge, ebenso großen Dämme viele kleine zu bauen, Brunnen rationell, glattgeleckt und von Gebüsch gereinig: zu graben und Wasserreservoirs anzulegen, die das Wasser schon in der Nähe der Quelle auf fangen, um zu verhindern, daß es von den reis Benden Strömen zur Ausnagung des Bodens benutzt wird, und es auf unschädliche und gere­gelte Weise dem Ackerland zuzuführen.

Während die amerikanischen   Farmer in wei­ten Distritten Jahr für Jahr in Gefahr schwve­ben, durch vernichtende Trockenheitsperioden und Sandſtürme ihre Eristenz zu verlieren, reisen die amerikanischen   Gelehrten in die Wüsten Sahara und Gobi   und suchen nach Pflanzen, die für ihren Seit 1934 hat Nordamerika   dreimal große Aufbau ein Minimum an Ansprüchen stellen und Sand stürme erlebt. Jeder dieser Stürme infolgedessen geeignet sind, in den wüstliegenden hat dreihundert Millionen Tonnen fruchtbarer Gebieten der Vereinigten Staaten die Unter- Erde aus den Getreidegebieten verschleppt und schicht einer Humusdecke zu bilden und zugleich zerstreut. Der Mississippi   schwemmt jährlich vier­durch die Bindung des Sandes die Gefahr der hundert Millionen Tonnen Erde in den Golf von Bildung der gefährlichen Sandstürme zu mindern. Merito. Bis jetzt sind in den Vereinigten Staaten  Man hat bereits Hunderte von Pflanzen gefunden, hundert Millionen Morgen Ackerlands für Acker­die man zu diesem Zwecke glaubt mit Erfolg ein- bau unbrauchbar geworden, hundertfünfundzwan­führen zu können. So versucht man auf kostspie- Big Millionen Morgen sind ernstlich beschädigt liegem, umständlichem und zeitraubendem Wege und hundert Millionen gefährdet. In fünfzig Jah­wieder gutzumachen, was man in vergangenen ren werden hundertfünfzig Millionen Morgen Generationen schlecht gemacht hat: man sieht sich Land, das heute noch bebaut wird, brach liegen. gezwungen, das durch den Eingriff des Menschen: Fünf Farmen von sechs müßten aufgegeben fein; gestörte Gleichgewicht in der Natur wieder her- nach hundert Jahren wären die Vereinigten zustellen. Staaten zur Hälfte Wüste.

Denn daß sich bestimmte Naturkatastrophen

Man hat die Gefahr seit langem erkannt;

Aber es ist nicht allein die Schuld der Flüe, wenn Amerikas   fruchtbarer Boden vers schwindet. Jede Trockenheit sorgt dafür, daß der Wind Sand vorfindet, den er verschleppen und ins Meer fegen kann. Es ist das gestörte Gleich­gewicht der Natur. Die allzu ertensive Bewirt schaftung des Landes geschieht auf Kosten der von der Natur selbst bereitgestellten Schußein richtungen. Vielleicht wird diese Frage in einigen Generationen auch in den großen Getreidegębie­ten der Sowjetunion   aktuell werden.

sind. Die Singvögel, die im Unterholz des Wal­des und im Gebüsch und Geſträuch der ägel und Ebenen nisteten, finden keine Heimat mehr, und damit ist den Rebschädlingen unter den In­fetten freier Spielraum gegeben.

Wo der Wald ausgerottet wird und die Grasnarbe in gigantischem Maß verschwindet, wird das Kulturland dem Verderben preisgege ben. Mazedonien   ist nadt und steinig, weil die Römer die seinerzeit vorhandenen riesigen Wäls der abgeholzt haben. Der Wald, speziell der Ges birgswald, ist das Kräftereservoir für den Kul­turboden; jeder Wald ist Windschutz für das wichtiges Verhältnis zwischen Vegetationsformen Aderland. Es besteht ein tief verankertes, lebens­immer mehr häufen und immer verderblicher auf- man weiß, daß der Colorado   nicht nur Wasser und Pflanzenarten; wo es entscheidend gestört treten, ist die Schuld, des Menschen. Man hat das führt, sondern fruchtbaren Boden mitschwemmt wird, gibt es eine Katastrophe, und dann müssen Land kultiviert, hat vor dem Wind schüßende und und das Becken des Boulder- Dammes allmählich die Menschen mühsam, auf dem Umweg, über wasserausspeichernde Wälder abgeholzt und der anfüllt. Die riesigen Dammbauten in den gan= Sahara   und Gobi   zum Beispiel, versuchen, das Erde die Grasnarbe geraubt. Der nackte Boden zen. Vereinigten Staaten sind das Mittel, mit gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Der Ers hielt einige Jahre oder Jahrzehnte aus und dem. man hofft, genügend Wasser aufspeichern zu folg bleibt immer fraglich. konnte für den Getreidebau nußbar gemacht wec- können, um in Notzeiten einzugreifen. Aber die May Barth.. Bezugsbedingungen: Bei Bustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich 16.-. vierteljährig 48.- haltfährte 96.- ganzjährig 192.- nferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Beitungsfrantatur turde von der Post- und Tele graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei: Orbis". Drud, Verlags und Beitungs- A.- G. Prag  .

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Es ist die alte Geschichte von Friedrich dem Großen und den Spaßen. Er ließ die Spaßen abschießen, die an seine Kirschen gingen, und der Erfolg war, daß die Würmer die Kirschen fra­