Sosialdemokrat
ZENTRALORGAN
DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK
ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB . VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: KARL KERN, PRAG .
16. Jahrgang
Freitag, 18. Geptember 1936
Sieg des Naziflügels in der SdP Henlein unterwirft sich dem Ehrengericht Die Doppelrolle der Ehrenrichter
-NGO
,, Macht man nicht Schluß mit gewiffen Leuten der Tag kommt, wo man diese mit Schimpf und Schande aus unserer Heimat jagen wird. Es ist eine Frechheit, zu sagen ,, die SdP ist der letzte Einsatz, nach ihr kommt nichts mehr" Es gibt keinen letzten" Ein fat im Leben eines gefunden Besten in
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Nr. 218
Zweierlei Politik
„ Sollte man im Herbst den deutschen Res gierungsparteien endlich entgegenkommen und ihnen ein kleines Geschenk in die Hand drücken, so wäre es nicht ein Erfolg dieser Partei, son dern unser Erfolg, weil man vor uns Angst hat."
Konrad Henlein am 30. August in Tachau. gen, sondern geradezu benötigen, weshalb man Seit dem Einbruch der großen Wirtschaftsdie Elemente Eisen, Feuer und Blut nicht stra= pazieren muß. Wenn man aber die gewiffen frise, das ist also mehr als ein halbes Jahrzehnt, Leute, mit denen der Revoluzzer Safum nun im führt die deutsche Sozialdemokratie, führen unsere Interesse der„ sudetendeutschen Einigkeit" und Vertrauensmänner in Regierung, Parlament, unter Preisgabe seiner Auffassung von Ehre Selbstverwaltung einen energischen und zähen, ja Vereinbarungen schließt, mit Schimpf und Scanbe uns get just Eifen, Feuer und Blut nicht mehr verfangen. Die Nazis kehren zurück!
Gestern wurde bekanntgegeben, daß sich strache mit Henlein anerkannt hat, auf folgende der Art, die Sasum beschreibt, nicht nur ertraHenlein in einer Besprechung mit Safum darauf Art ab: geeinigt habe, den Spruch des Ehrengerichtes gegen Dr. Walter Brand anzuerkennen und die im Zusammenhang mit dem Streit um das Urteil des Ehrengerichtes Ausgeschlossenen wieder in die Partei aufzunehmen. Diese Entscheidung Konrad Henleins wird weitreichende Folgen für die SdP haben, denn sie bringt zum Ausdruck, daß sich die Henleingruppe dem nationalsozialistisch e n, nunmehr von dem in Ber lin ansässigen Herrn Jung dirigierten, Flügel unterworfen hat. Man geht wohl nicht fehl in der des
Generalsekretärs der SdP ist, des Herrn Doktor Sonat, der sowohl mit dem Ehrengerichtsvor=
fißenden Sasum, als auch mit dem ehemaligen nationalsozialistischen Abgeordneten Jung innig befreundet ist. Es ist bekannt, daß das Ausscheiden Kaspers mit dem Streit um Dr. Walter Brand zusammenhängt, weshalb auch die Rücktehr Kaspers zu erwarten ist. Die ,, Einheit des
Sudetendeutschtums" wäre also wieder einmal gerettet. Aber um welchen Preis? Um den Preis der hoffnungslosen Kompromittierung Henleine und jener Herren, die im Ehrengericht angeblich um Recht ht und Wahrheit kämpften.
Sasum hat mit dem Vertreter einer Führung ein Abkommen getroffen, die Sasum selbst als berbrecherischen und idiotis schen politischen Kindergarten" bezeichnet hat. Ja, noch mehr: Sasum, der einer Führung vorgeworfen hat, daß sie auch sehr materielle persönliche Bestrebungen an den Tag Tegte. Zum Beweise dessen legen wir die klischierte Seite eines Briefes vor, den Sasum an seinen Bodenbacher Freund Ing. Reynoschet ge= schickt hat. Der Brief ist erst am 13. August ge=
folgenden Wortlaut:
,, Dr. Jo.( Jonak, Die Ned.) hat nicht von wegen Disziplin zurückgezudt, sondern weil er etwas( recht wenig) von den SDPMethoden merken konnte. Men wollte ihm als ,, Generalsekretär " 1800 Kč monatlich bezahlen. Brutto. Und er war etwas erstaunt, als er hören mußte, daß andere, gewöhn= Ii che ,, Amtswalter" z. B. Kundt, Sebe( Sebekowski, Die Red.), Rümler und so weiter viel mehr haben. Na und manches andere. 3. B. die 6 Millionen Kč Anleihe bei der Union- Versicherung wofür Dr. Brand, Sebe, Frank und noch einige recht hochauf Rundschaukosten gegen Unfall- Haftpflicht - Leben• usw. versichert sind. Daß der
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da waren und sind Verbrecher am Werk. die ,, Einigkeit" schreien, Volt rufen, und nur sich meinen... Also, die Aufgaben wachsen- für uns das belebende Element. Wir werden durch=
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halten, weil wir müssen durch Eisen,
Feuer und Blut."
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Blut scheint bei der Zusammenkunft SasumHenlein nicht geflossen zu sein, dafür aber sind jene Leute noch in Amt und Würden, die Sasum als„ Verbrecher" bezeichnet, und Sasums Freund Dr. Jonat ist nun sozusagen ihr Chef geworden!
einen heroisch- ausdauernden Stampf für die im wirtschaftlichen Erdbebens, das die Welt erfaßt, das zwar in seiner dämonischen Gewalt ein wenig nachgelassen hat, aber noch immer, wenn auch nicht die Paläste der Reichen, so doch die Hütten der Nach einer parteiamtlichen Verlautbarung Armen erschüttert. Es sind Milliarden, welche aus der SdP wurde Dr. K re i ß I, Bodenbach , der den Staatseinnahmen für die Krisenopfer Ver im Zusammenhang mit dem Streit um das Urteil vendung fanden. Man denke doch daran, daß in den letzten Jahren etwa ein Zehntel der gesam= des Ehrengerichtes aus der SdP ausgeschlossen ten Einnahmen des Staates für Arbeitslosenfürworden war, wieder in die Partei aufgenommen. forge ausgegeben wurden. Neben dem StaatsNch Klarstellung verschiedener Mißverständ- beitrag zur gewerkschaftlichen Arbeitsloſenunternisse!", so heißt es,„ wurde festgestellt, daß der ſtüßung wird seit Jahren eine Ernährungsaktion Ausschluß des Genannten aus der Partei auf irr- durchgeführt es ist charakteristisch, daß man tümlichen Voraussetzungen( 1) beruhte und daher rungsfürsorge für die Arbeitslosen seit Jahren aus auch noch heute, da der Begründer der Ernäh aufgehoben wird."
Es iſt ſchon richtig: an die Stelle Henleins ist Jung als Führer der SDP getreten, Henlein bleibt da aus Gründen, die in dem Brief eines anderen Safum- Freundes enthalten sind und von uns später noch bekanntgegeben werden. Die Die irrtümliche Voraussetzung" bestand in Herrschaft Jungs aber würde Ehrenmänner von einer Unterschäzung der Wacht des Naziflügels.
Auszug aus einem Briefe Sasums
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kürffenfchicht im geeigneten Augenblicke zur Verfügung stehen. Ich lasse die Sache noch erheben, ich erfuhr sie echt gestern abend in foring. Ich mache aber die dier was b. L. die Anzeige. bitte sich womöglich fchrieben, die wichtigſte Stelle des Auszuges Hatfor aum 6.17. in Brünn den Rachlen. dr. Ho. hat nicht von weigher diſzichten zu wüche gezuitet, sondern weil er itwas( recht wenig) von den Sd? Methoden, merllen ſonale. Man wollte ihm alſ Den ring( recht wenig) « Generalsekretiner» 1.000 the monatlich bezahlen. Brutto. Und es was enarg ersenunt; als es hören müüsele, daß ander, gewöhnliche Antqwalls» z. B. Rindl, tebe, Rügeles und so weiter wil niehr haben. Vor und manches andere. z. B. die 6 Millionen be unleihe wie der Union . Reſt heraung – arfür do. Band, sabe, frank und noch einige nicht sich – auch Rundschau Kohlen – gegen Anfall. haftschlicht – Leben – u. f. v. Versichert sind. Daß der K. B. nicht etor in der vormalen ſiiſions versicherung – sondern ein der was besser, dafür allerdruß auch recht weineren. Heürmalissen vorsicherung» fund. Stralis er sich, dahß die ankan mehr auf bürgerlich – matwielle Sicher ſellung aus ſind – und ihm die Verantwortung und Arbeit allein lassen wollen. – Ha – Schluß mit diesem drenk. Die 4 punkt. Ich glaube, die wiecht sie schon nich befalten haben. Eus will ich nach sagen. We were in die ich dezeit durch sein gutes Eingeute und es iſt bezeichnend für den ehrenbetten Machen für die E... verbunden. Über weten für dich.&.H. verbünden. Aber auch sonst möchte ich ja nicht, daß etwie irgendwie eine Vonkurrenz wäre für Werdängung oder so nah. Ich will wie meinden üne ewwas bringen, s es hat und verdient, was ihm zuſſieht, waaf er Anrecht fal.
K. B.( Kameradschaftsbund, Die Red.) nicht etiva in der normalen Pensionsversicherung sondern in der etwas besseren, dafür allerdings auch recht teuren Journalistenversicherung" find. Also, fein Idealismus hatte Grenzen als er fah, daß die anderen mehr auf bürgerlich- materielle Sicherstellung aus find- und ihm die Verantwortung und Arbeit allein wollten. Ja Schluß mit diesem
Dred, Die 4 Bunkie. Ich glaube, Du with alls, sein Verlis mus falte Gränzen – als es
– wirſt fie schon noch behälten haben..."
Herr Dr. Jonat hat jetzt nicht mehr zurückgezuckt, sondern ist Generalsekretär geworden. Es wäre gut, zu erfahren, wie hoch sein Gehalt ist, damit man sagen kann, ob nicht auch er, der Freund des Ehrenrichters und Kritikers Sasum, auf bürgerlich- materielle Sicherstellung ausge gangen ist, oder aber, ob er den Dred beseitigt hat, der ihn bis vor wenigen Wochen gehindert haben soll, das Amt Dr. Walter Brands zu übernehmen. Jedenfalls kennzeichnet der Brief des eingeweihten Sasum die Anständigen" und ,, Sauberen" als ziemlich materiell denkende
Herrn Sasum, daß er nun mit dem Vertreter diefer Leute, mit dem Leiter dieser Führung, eben mit Konrad Sentein, einen treudeuts schen Handschlag austauscht.
Auf der Rückseite des heute von uns zitierten Briefteiles rechnet Sasum mit der SdP- Führung, deren moralische Qualifikation er durch die Aus
dem betreffenden Ministerium ausgeschieden ist, von Czech- Karten spricht. Daneben laufen Jahr für Jahr andere Aktionen, wie Versorgung der Arbeitslosen mit Stohle, ihrer Angehörigen mit Kleidern, ärztliche Fürsorge und Beistellung von Medikamenten, Ferienfürsorge für die Kinder der Arbeitslosen, ein Winterhilfswerk des Staates. Daneben die großen Leistungen unserer Gewerkschaften, welche durch vorzügliche und sparsame Verivendung ihrer Gelder für ihre arbeitslosen Mitglieder Unerhörtes getan haben. Zu einer Zeit, da noch der Führer der Sudetendeutschen Partei in Gablonz Freiübungen kommandierte und in Asch seinen Jüngeren das Geheimnis des eleganten Bauchaufschwunges beibrachte, haben die deutsche Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften eine Fürsorge entfaltet, wie es auf dem Boden der kapitalistischen Gesellschaftsord= nung in faum einem zweiten Lande geschehen ist.
Wir haben uns jedoch niemals nur bemüht, daß die vom Krisenschicksal Betroffenen am Leben erhalten bleiben, sondern haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sich die Näder der Wirts schaft wieder drehen und den Arbeitslosen wieder das gegeben werde, wonach ſie ſich sehnen: Arbeit, Wir waren uns stets dessen bewußt und haben dies im Parlament ebenso wie an dieser Stelle oft und oft gesagt, daß dem deutschen Industriegebiet nur durch eine Wiederbelebung der Ausfuhr geholfen werden könne. Von der seinerzei= tigen Tagung in der Prager Produktenbörse, in der Partei und Gewerkschaften die Frage des deutschen Arbeitsplatzes zur Diskussion gestellt haben, bis zu dem letzten positiv- sachlichen Memorandum der Porzellanarbeiter geht die Stette von Darstellungen und Vorschlägen, welche die politischen und gewerkschaftlichen Vertrauensmänner unserer Bewegung erstattet haben. Unermüdlich haben wir ausgesprochen, was ist und das Verständnis der tschechischen Oeffentlichkeit dafür zu gewinnen versucht, daß die Krise im deutschen Grenzgebiet ein besonderes Problem sei und daß mit besonderen Mitteln Abhilfe geschaf fen werden müsse.
Seit einigen Monaten beginnt nun auch das tschechische Volk und vor allem einige seiner füh= renden Persönlichkeiten zu begreifen, daß von den Versprechungen, etwas für die Kriſengebiete zu tun, zu Taten geschritten werden müsse. Die ein stimmige Annahme der Entschließung, daß bei den aus der Wehranleihe finanzierten Arbeiten die Krisengebiete berücksichtigt werden müssen, war ein Anfang und eine ähnlich lautende Resolution des Budgetausschusses der böhmischen Landesvertre tung zeigt, daß die berechtigten Wünsche der Sudetendeutschen Strifenopfer immer mehr Anerkennung finden. Am bedeutsamsten ist aber die Aktion der Regierung, welche der Ministerpräsident angekündigt hat und die am 1. Oktober bereits Verwirklichung finden wird. Insbesondere die Exportförderung durch Refundierung der Handelssteuern und die Verteilung der öffentlichen Bauten auf die einzelnen Gebiete nach Aeußerung des Regionalausschusses, in welchem die Vertre=