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Nr. 220

Sonntag, 20. September 1936

Volkswirtschaft und Sozialpolitik Arbeiterschaft im Ständestaat

Wachsender Widerstand gegen die Verelendung in Oesterreich

Wir berichteten gestern über die Bewegung in den Wiener Metallbetrieben, zu deren Nie­derhaltung Polizei mit Stahlhelmen und Karabinern eingesetzt wurde. Die Vorfälle in den Me­tallbetrieben sind jedoch nur ein Zeichen der allgemeinen Gärung, von welcher alle Schichten der österreichischen Arbeiter- und Angestelltenschaft erfaßt sind und die ihren Widerschein auch in den Blättern der staatlichen Scheingewerkschaften findet.

Fünfzigjährige Angestellte mit 500 Kronen monatlich

So schreibt z. B. die Arbeiter- Woche", welche für das Regime unter den Arbeitern und Angestellten werben soll und daher, um ein Ventil zu schaffen und ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen, bis zu einem gewissen Grad Kritik üben darf, über eine Statistit, welche die staatliche Handels­

angestelltengewertschaft unter kaufmännischen An­gestellten in Wien durchgeführt hat:

tion berichtet, deren Bedeutung von Tag zu Tag wächst. Begreiflicherweise kann über die De­tails der illegalen Arbeit nichts Näheres berichtet werden, doch ist festzustellen, daß sowohl die amt­sich zugelassene Einheitsgewerkschaft als auch die Behörden mit dem Bestehen der heute schon sehr ausgedehnten illegalen freigewertschaftlichen Be­wegung rechnen müssen.

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um die Erreichung seiner Ziele in solidarischer dert war, daß dieser Mangel jedoch in beiden Gemeinschaft mit der gesamten revolutionären Fällen bereits am nächsten Tag behoben worden Arbeiterschaft führen. Neben dem grundsäßlichen ist. In der Zeit vom 1. bis 14. September wur Ziel, der Verwirklichung der sozialistischen Ge- den heuer in dem genannten Gebiet 24.518 Wag­sellschaftsordnung, wird in erster Linie der Kampf gons beigestellt, gegenüber 22.586 im Vorjahr. um die volle Wiederherstellung des Streil Das Eisenbahnministerium erklärt, daß der Wa­und Koalitionsrechtes proflamiert genpark der Staatsbahnen auch dem heurigen Indem der Verband diesen Kampf zu führen und höheren Bedarf gewachsen ist und daß auch in der zu organisieren bestrebt ist, führt er zugleich den Beit vorübergehender Knappheit in den rund Kampf gegen die faschistische Diktatur und schafft drei Wochen der Rübenkampagne Verzöge­die Voraussetzungen für ihre Ueberwindung. Wet- rungen höchstens einen oder zwei Tage ausmachen ters wurden die Bestimmungen über den Aufbau können, d. h. eine Spanne, mit welcher die Auf­des Verbandes und die Wahl der Organe be- traggeber ohnedies stets rechnen. Ganz behoben schlossen. tönnte der Mehrbedarf während dieser kurzen Zeit nur durch Anschaffungen im Werte von mehreren Schließlich forderte der Verbandstag zu Geldsammlungen für die spanischen Freihundert Millionen Kronen werden, die dann elf Monate im Jahr brachliegen würden. heitskämpfer auf. Die Metallarbeiter beschlossen, einen Stundenlohn für diesen Zweck zu widmen.

Bei der Durchführung dieses Beschlusses fam es zu den Zusammenstößen mit der Polizei, über die wir bereits berichtet haben. Knapp nach der Der Verbandstag beschloß eine Prinzipien- Tagung haben die Metallarbeiter gezeigt, daß sie erklärung, in welcher der Verband erklärt, ec gewillt sind, ihre Beschlüsse durchzuführen und wolle als ein Teil der Arbeiterklasse den Kampf| sich von niemand daran hindern zu lassen.

2012 von fast 30,000 Angestellten, auf die die Bestimmungen des Kollektivvertrages Aniven­dung finden, müssen mit Nettogehältern von Schilling 67.50 bis höchstens Schilling 85.50 im Monat ihr Leben fristen. Weitere 3000 Ange­stellte, von denen ein Teil verheiratet ist, haben Nach den vom Statistischen Amte durchge­Nettomonatsgehälter von Schilling 85.50 bis höch­stens Schilling 128.80. Es gibt Kaufmanns- führten vorläufigen Erhebungen betrug die Pro­betriebe, in denen sich sogar alte und ältere An- duftion der tschechoslowakischen Hochöfen und geftelite meist vertragswidrig mit solchen Stahlwerke( in Tausend Tonnen): Monatsverdiensten begnügen müssen.

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Nach den bisherigen Erhebungen der Gewerkschaft beziehen 127 Angestellte im Alter von 41 bis 50 Jahren Bruttogehälter bis 100 Schilling im Monat; 61 Männer und 19 Frauen in diesem Alter verdienen sogar mur 80 Schilling im Monat( ohne die Abzüge!). Es gibt 229 Ange­stellte im Alter von 81 bis 40 Jahren, die Brutto­gehälter von 80 bis 100 Schilling erhalten!

Heimarbeiterinnen!

In derselben Nummer der Arbeiter- Woche" schreibt eine Heimarbeiterin:

14 Groschen verdiene ich in der Stunde, ganze bare 14 Groschen oder zwei Semmeln. Bei zehnstündiger Arbeitszeit komme ich auf 1.40 Schilling, bei 15stündiger oft arbeite ich 16 bis 18 Stunden auf 2.10 Schilling.

Klagen und Beschtverden von Arbeitern fül­len ganze Spalten. Gleichzeitig wird berichtet es handelt sich um Meldungen aus den aller­legten Tagen, daß der

Lohndruck 37132

Die Zemská banka ( früher Landesbank des Königreiches Böhmen ) wird vom 26. September 1936 angefangen an Werktagen die Oktober­Coupons Nr. 44 ihrer 4prozentigen Kommu nal- Schuldscheine in Kronenwährung und Nr. 22 ihrer 412 prozentigen Meliorationsscheine in Kronenwährung an ihren Stassen in Prag und Bratislava einlösen, ebenso die Oktober- Coupons Nr. 93 ihrer 4- prozentigen Fondsschuldscheine in Guldenwährung und Nr. 57 ihrer 4- prozen­tigen Fondsschuldscheine in Kronenivährung. Der Bierausstoß Jänner- Juli 1936. In den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres( in Slammer: 1935) wurden insgesamt 4,523.501 ( 4,498.493) Hektoliter Bier ausgestoßen, also um 0.6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraume des Jahres 1935. Sievon für den Inlandsver­brauch 4,476.136( 4,455.134) Hektoliter, und zivar 3,535.975( 3,509.331) hektoliter Schank­Infolge des spanischen Bürgerkrieges ist der bier, 916.220( 919.107) Hektoliter Lagerbier Die Roheisen- und Rohstahlproduktion hat damit spanische Markt für uns so gut wie verloren. In und 23.941( 26.696) Hektoliter Spezialbier. den höchsten Stand seit dem Jahre 1931 erreicht. der Auguststatistik wird die Ausfuhr nach Spanien Für die Ausfuhr wurden bis Ende Juli zusam Die von der Verkaufsstelle vereinigter tiche mit 224.000 ausgewiesen, gegen 5.3 Millio- men 47.365( 43.359) Hektoliter Bier ausge= choslowakischer Eisenwerke im August 1936 getä nen im Vorjahrsaugust. Während die Aus- stoßen, und zwar 1(-) Hektoliter Schankbier, tigten Lieferungen betrugen 11.849 Tonnen Roh- fuhr somit fast verschwunden ist, erreichte die Ein- 46.274( 41.648) Settoliter Lagerbier und 1090 eifen und 66.662 Tonnen Walzware. fuhr noch 1.7 Millionen( i. V. 2.2) Millionen( 1711) Seftoliter Spezialbier. Vom Gesamtaus­. Am schwersten betroffen vom Ausfall des stoß von Jänner bis Ende Juli entfallen spanischen Marktes ist die Glasindustrie, die 3,483.892( 3,526.465) Hektoliter auf Böhmen , Gablonzer Erzeugung, die Bijouterieindustrie und 867.723( 817.180) Hektoliter auf Mähren und die eisen und metallverarbeitende Industrie. Schlesien , 157.617( 142.973) Heftoliter auf die Durch die Nebellion der spanischen Generale Slowakei und 14.215( 11.875) Hektoliter Vier wurden also auch die Arbeiter in der Tschechoslo- auf Karpathorußland, watei betroffen und am stärksten die deutschen .

Roheisen- und Rohstahl- Produktion| gewiefe n, so wie ein Unternehmersekretär es sehr stark gestiegen hätte eigentlich selbst voraussehen müssen. Doktor Sturm, der selbstverständlich Henleinmann ist, wird sich dadurch allerdings kaum hindern lassen, bei nächster Gelegenheit als Henleinredner wieder von sozialer Eindeutigkeit" der Sd zu sprechen. Verlust des spanischen Absatzmarktes

Roheisen Nohstahl

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Aug. 1936 Aug. 1935

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65 103

Erfolge am ägyptischen Baumwollwaren- Markt

Tschechoslowakische

Mißglückte Attacke der westböhmischen Bauunternehmer Zwischen dem Verband der Arbeiter in der Bau-, Stein- und Keramindustrie und dem Ar­beitgeberbund für das Baugewerbe mit dem Siz in Karlsbad besteht ein Lohnvertrag, welcher durch einige Regierungsverordnungen verlängert Wirtschaftsnachrichten wurde und auch gegenwärtig in Geltung ist. Einige Außenseiter, die dem Arbeitgeber­Wachsender Spareinlagenzuwachs bei den bund nicht angehören und den Vertrag nicht an= Nach der ägyptischen Zollstatistik Jänner- deutschen Sparkassen. Die günstige Einlagenbe­extennen wollten, wurden beim Lohnſchiedsgericht Mai 1936 fant infolge des vierzigprozentigen wegung bei den deutschen Sparkaſſen hält wei­eingeklagt d im Vorjahr auch verurteilt. Bollzuschlages auf japanische Baumwollwaren der ter an. Im ersten Halbjahre haben die Einlagen in verschiedenen Gewerbezweigen unter staatlicher In der Hoffnung, dem Arbeitgeberbund neue Anteil Japans von 786.000 auf 338.000 2. G. eine weitere Steigerung um rund 50 Millionen Patronanz weiter fortgesetzt wird. So ſchreibt Mitglieder zu gewinnen, leitete nun der Unter- Nußnießer an diesem Rückgang ist vor allem Eng- erfahren. Auch die Zahl der Sparer nimmt die Arbeiter- Zeitung " der österreichischen So- nehmersekretär Dr. Sturm eine Aktion unter den land mit einer Exportsteigerung von 249.000 34. nichtorganisierten Bauunternehmern des Ta- 2. E. Es folgen Ungarn mit 48.328, Belgien mit Da es der Wiener Bäderzunft infolge der chauer und des Planer Bezirkes ein, deren Er- 33.112 und Deutschland mit 11.594 2. E. Der Nachgiebigkeit der Einheitsgewerkschaft gelungen gebnis es war, daß er die Vollmacht erhielt, in Anteil der Tschechoslowakei stieg von 9746 auf ist, die Löhne in den Kleinbetrieben um 3.9 Pro­zent au fürzen, melden sich auch schon die Diret- ihrem Namen beim Lohnschiedsgreicht eine Klage 28.663 2. G. toren der Brotfabriken und verlangen eine Kür- auf erabseßung der Vertrags. zung der Löhne um zehn Prozent. Sie begrün- und Schiedsspruchlöhne einzu­den es mit den steigenden Auslagen für die Vaterländische Front und für die Einheitsgewerk schaft.

zialisten u. a.:

Die Arbeitslosigkeit steigt

bringen.

Die Waggonbeistellungen im nordwestböhmischen Kohlenbecken

Rohstofförderung. Seit furzem wird die För­derung von Talfum, eines für die Chemie, Ter­til- und Papierindustrie unentbehrlichen Roh­stoffs, der unweit der Gemeinde Klenovec in der Slowakei gefunden wurde, aufgenommen. Tal­fum ist bisher aus Desterreich eingeführt wor den. Jetzt wird es möglich sein, nicht nur den In zwei Versammlungen, auf welchen Tick­eigenen Bedarf zu decken, sondern auch noch ge= Prag solvie Walter und Bee r- Tachau refe= Gegenüber Blättermeldungen, wonach im ringe Mengen an Talkum zu exportieren. rierten, tamen die Bauarbeiter zu der Ueberzeu- September den Gruben im nordwestböhmischen Höhere Schweine- und Fetteinfuhr. Nach gung, daß das Beginnen Dr. Sturms ein Schlag Kohlenbecken nicht die nötige Anzahl von Wag- den Ausweisen der Veterinär- Grenzstellen sind Nach den amtlichen Mitteilungen betrug die ins Wasser sei, da das Lohnschiedsgericht die durch gons beigestellt wurde, wodurch Lieferungen ver- im ersten Halbjahr 1936 insgesamt 122.852 Zahl der unterſtüßten Arbeitslosen im August einen Schiedsspruch desselben Lohnschiedsgerichtes hindert und die Abnehmer von neuen Bestellun-| Schweine eingeführt worden. Im Vorjahr ge= 1935 215.000, im August des heurigen Jahres festgesetzten und durch Regierungsverordnungen gen abgehalten worden seien, stellt das Eisen- langten nur 69.091 Schweine zur Einführung. 219.000. Diese Statistit gibt aber wegen der geschüßten Löhne nicht abbauen kann. Mit dieser bahnministerium fest, daß zwar an zwei Tagen Fett wurden ebenfalls im ersten Halbjahr 1936 zahllosen Aussteuerungen nach dem neuen Sozial- Auffassung behielten sie recht. Die Klage Dr. zu Beginn dieses Monats um 17 bis 27 Prozent 66.305 3entner gegen 14.672 Bentner in der bersicherungsgesetz tein richtiges Bild. Deutlicher Sturms und der Bauunternehmer wurde a b= weniger Waggons beigestellt wurden als angefor- Vorjahrszeit eingeführt. ist der Ausweis, wonach im Juni 1935 die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen 319.000, im Juni 1936 aber 333.000 betrug. Nach den amtlichen Angaben betrug die Zahl der krankenversicherten Arbeiter und Angestellten im heurigen Juni 1,260.000, während sie im Juni des Vorjahres 1,340.000 betragen hatte.

Die Löhne sinken!

Ueber den Rückgang der Löhne seit dem Feber 1934, also seit der unumschränkten Herr­schaft des christlichen Ständestaats, berichtet die " Arbeiter Zeitung " u. a.:

Hinter den Kulissen

des Films

Aus dem Tagebuch eines Regisseurs

IV.

Melitta macht Politik

folgreiche Studio- Idee vorweg, in dem sie als Gefängnis von St. Martin de gestorben war erste den Laienfilm verwirklichte. Ihre Reklame- und nun in seine Heimat Eichwalde bei Berlin parole Je- fa- fi"( Jeder kann filmen) wurde überführt wurde, gab ihr den ersehnten Vor­rajch populär. Die heftigen Anfeindungen einiger wand. Sie ging zur Deutschvölkischen Bank in der Fachblätter, die sie der Unseriosität beschuldigten, Bülowstraße und erklärte, einen Willy- Dreyer­waren ihre beste Reklame. Die Filmlustigen Film drehen zu wollen. Der Direktor der Bank, strömten in Scharen herbei, erhielten Rollen und Willy Bruß( der übrigens ein halbes Jahr später wurden gleichzeitig Kleinaktionäre. nach großen Betrügereien nach Schiveden flüch=

Da Melitta de Camin aber tatsächlich etwas tete), war darüber sehr erfreut. Er erklärte ihr, Neue Ideen machen sich nirgendwo sicherer verstand und auch gute, originelle Ideen hatte, seine Bank selbst dürfe zwar auf Grund ihrer bezahlt als in der Filmbranche. Noch dazu mit blieb der von der Fachwelt vorausgefagte Miß- Statuten kein Geld in Filmgeschäften inveſtieren, Parteipolitik verquickt, sind sie schlechthin unbe- erfolg aus. Im Gegenteil, die kleinen, gefälligen aber er sei bereit, ihr gegen entsprechende Pro­In den Schuhfabriken werden die Löhne ab- zahlbar. Das Auslandsgeschäft fällt dann zwar Lustspiele und Unterhaltungsfilme der Melitta- vision private Geldgeber zu besorgen, die das gebaut. In der Textilindustrie werden die furcht vielfach unter den Tisch; dafür springen aber Film G. m. b. H. fanden Anklang und rentierten Projekt aus nationalen Motiven unterſtüßen barsten Hungerlöhne gezahlt. In der Simmerin- Verbände und Parteiorganisationen ein, die der sich. Sie gingen so ausgezeichnet, daß Melitta würden. ger Jutefabrit der Firma Hermann Pollats Söhne artige Filme in Sondervorstellungen zeigen, zu ein Jahr später die bescheidene Mansarde verließ Melitta de Camin war einverstanden, er­ist der Durchschnittsverdienst der Weberinnen, der deren Besuch die Mitglieder einfach abkomman- und das vornehme Palais in der Teltower Straße hielt insgesamt 30.000 Mark als zinslose Ein­vor dem Feber 1984 an den leichten Webstühlen diert werden. Der erste( stumme) Fridericus" zu Lichterfelde erwarb, das sich General Merkel, lage", und der Film ,, Willy Dreyers leßte Fahrt" 28 Schilling betragen hatte, auf 15 Schilling, an ben schweren Webstühlen von 40 Schilling auf Film des ungarischen Regisseurs Arzen von Cse- der Verteidiger von Port Arthur, als Ruhesiz ge- tam zustande. Die Reklame der Parteipresse be­repy alias Konrad Wieder wurde auf diese Weise baut hatte und das seine durch die Inflation versorgte den Rest; sämtliche nationalen Verbände mieteten den Film und zeigten ihn in geschlossenen ein ebenso glänzendes Geschäft wie auf der ande- armten Erben jetzt aufgeben mußten. Vorstellungen und dazu kamen noch die direkten ren Seite der heute längst vergessene große Frie­densfilm Par aeterna". Einnahmen aus dem Verleih an eine große An­zahl Provinzkinos.

15 Schilling gesunken! Infolgedessen geht der Konsum rapid zu rück. Ebenfalls nach amtlichen Angaben kann das österreichische Volt heute um 22 Prozent weniger an Verbrauchsgütern kaufen als im letzten Jahr der Republik , und es konsumtiert um ein Viertel

weniger an Lebensmitteln als in jenem Jahr.

Aehnlich verhält es sich mit dem Verbrauch an­derer Waren.

Die Freien Gewerkschaften

Die Geldgeber, die ihr Geld à fond perdu"

Ihre Filmproduktion stellte sie freilich vor läufig ein. In dieser Zeit, in der das Geld zivi­Melitta de Camin vereinigte die neue Idee schen Morgen und Nachmittag 50 Prozent seines mit der Politik. Sie war die Frau eines kleinen Wertes verlor, wurden Filme nur von Idealiſten Gärtnereibejizers in Berlin- Neukölln, von dem sie oder ganz geriffenen Schiebern gedreht. Melitta gegeben hatten, sahen natürlich nichts wieder. Im sich schuldlos scheiden ließ und dabei mehrere tau- de Camin verlegte sich deshalb auf Grundstücks- Gegenteil, Melitta de Camin hatte an ihnen schon fend Mark Abfindung betam. Mit diesem Kapital geschäfte und verdiente damit gutes, sicheres Geld. vor der Fertigstellung des Films runde 17.000 gründete sie die Melitta- Film G. m. b. H., die Kurz nach der Inflation drehte sie jedoch ihren Mark verdient, da der Film nur aus Außenauf­zuerst in der Prinzessinnenstraße am Morißplab letzten und eigenartigsten Film. nahmen bestand und deshalb nicht mehr als

eine bescheidene Mansarde bewohnte, aber sofort Die Nationalsozialisten, die sich damals in 13.000 Mart kostete. Die Einnahmen aus dem haben daher in der letzten Zeit weiter an Boden mit großer Energie ans Wert ging. Melittas Norddeutschland Deutschvöltische" nannten, wa- Provinzverleih und den geschlossenen Vereinsvor­gewonnen. Aus Wien wird uns darüber ge- große Idee hieß Voltsfilmgemeinschaft". Ihr ren während des Ruhrkampfes zu beachtlicher Bestellungen, die insgesamt rund 80.000 Mark be= schrieben: fleines Kapital reichte nicht hin und nicht her; deutung gekommen. Sie organisierten nicht nur trugen, flossen restlos in Melitta de Camins Vor einigen Tagen fand der konstituierende sie nahm deshalb Beteiligungen auf, von 100 Kundgebungen, sondern auch eigene Bühnen- und Tasche. Verbandstag bes illegalen österreichischen Metall- Mart an aufwärts. Man fonnte bei ihr aber Filmveranstaltungen. Hier hafte Melitta de Ca- Seither hat Melitta de Camin keine weiteren und Bergarbeiterverbandes statt. Es wurde über nicht nur Kleinaktionär", sondern auch Amateur- min ein.. Der Tod des deutschen Ruhrkampf- Filme mehr gedreht. Sie hat es auch nicht mehr die bisherige Tätigkeit der illegalen Organisa -| schauspieler werden. Sie nahm die später so er- gefangenen Willy Dreyer, der im französischen nötig.