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Mittwoch, 28. Oktober 1036

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Tschechoslowakische Briefmarken

Anläßlich der StaatSfeiertage» ist er angebracht, auch einmal die tschechoslowakischen Briefmarken al» die in alle Welt gehendenVisitenkarten der Siaa« ter" eingehender zu betrachten. In den achtzehn Iahten de» Bestände» der Republik sind sie schon za einer ansehnlichen Reihe angewachsen. Sieht man von allen Vorläufern, wie den Marken der sibiri­schen Legion, den privaten Revolutionsprovisoriei und den Marken der Skautpost ab, so ergibt sich ein­schließlich aller Aufdruck-Provisorien auf österrei­chisch-ungarischen Marken(Poöta Ceskoslovensiä 1010"), die allein 120 Werte umfassen, und auf tschechoslowakischen Marken, wie die Porto- und Ftugpostmarken-Provisorien und die Plebiszitmarken mit dem AufdruckD O 1920" eine Sammlung von fast L00 Werten, idle Auflageziffern sind bei den einzelnen Marken sehr verschieden. Die höchste Auf­lage hat birher, soweit dafür amtliche Angabe» vor­liegen, di« 1928 au-gegebene grüne Fünfzigheller- Warke der SerieBefreite Republik" mit rund 470 Millionen Stück gehabt; ihr folgen die rote Hundert- Heller-Marke der zweiten Ausgabe der SerieWirt­schaft und Wissenschaft" von 1088 mit über 881 Millionen und die in steben Typen erschienene rot« Einkronen-Marke mit dem Bild« der Präsidenten Masarhk au» dem gleichen Jahr« mit 882 Millionen. Die niedrigste Auflage hatten die beiden Plebiszit­marken mit dem Bilde de» Präsidenten und dem AufdruckS O 1920" zu 800 und 1000 Heller mir je nur 8000 Stück; shrer Seltenheit entsprechend werden sie jetzt in den Katalogen mit 120 sind 180 Kronen bewertet. Die tschechoslowakischen Briefmarken kaffen sich nach drei Gesichtspunkten betrachten: nach ihrem Seltenheit-wert, nach ihren geschichtlichen Beziehun­gen und nach ihrem künstlerisch-graphischen Reiz. Der Seltenheitswert reicht natürlich noch bei keiner tschechosiowalischen Marke an die phantastischen Werte mancher philatelistischen Raritäten heran, aber wenn die tschechoslowakische Aufbrauchrau»gabe der altösterreichischen Bierkronen-Marke mit dem AustruckPoüta Teskosiovenskä 1919" auf Fa­sernpapier al» besondere Seltenheit mit 20.000 Ai bewertet wird, so ist da» schon ganz respektabel. Auch einige andere Werte dieser Provisorien halten Katalogpreise von über 2000 bir 8000 Ai. Einen so hohen Preis erreicht nur noch die von der tsche« chosiowakischen Poswerwaltung in Omsk mit dem AufdruckCeöskja poita" in kyrillischen Lettern ver­sehene russische Zehnkronenmarke, die seht 2800 Ai kostet. Die blaue Zehnhellermarke der Skautpost mit dem AusdruckPtijezd President« Masaryka" wir» mit 1800 Ai bewertet. Bon den eigentlichen tschecho­slowakischen Marken ist. außer den beiden schon er­wähnten.Plibiszitmarken die bisher, wertvollste die hellrotviolette, geschnittene Hradschin-Marke der IV. Type zu 80 Heller von 1920, die nur bei der Post­verwaltung in Johannerbad verausgabt worden ist; sie kostet 180 Ai, während dieselbe Mark« gezähnt für 20 Heller zu haben ist. Die nur in Brünn und Troppau ausgegebene hellrote geschnitten« Hradschin- Marke der gleichen Type zu 20 Heller wird jetzt mst 78 Ai bezahlt. Doch da» sind Wertschätzungen, die schließlich nur den auf Seltenheiten erpichten Sammler be­unruhigen. Jntereffanter ist die Betrachtung der tschechoslowakischen Briefmarken al». Keine Illustra­tionen zur tschechosiowalischen Geschichte. Eine» der wichtigsten Ereigniffe in der Beschichte der Republik , der Einzug de» Präsidenten Masarhk in Prag ist bislang nur in dem Aufdruck auf den beiden Skaut- marken festgehalten. Am ersten Jahrestag der staat - licheg Selbständigkeit erschienen die sechs Legionär­marken, die nur im Inland« Geltung hatten. An da­fünfjährige Jubiläum der Republik erinnern vier Marken mit dem Bilde der Präsidenten Masarhk, an den zehnten Gedenktag die schöne Serie von Land­schaft»- und Städtebildern, der auch eine Marke mit de,.; Portrait de» Präsidenten beigefügt ist. Al» Ehrung der Legionär« sind 1984 die vier figuren­reichen Drujina-Marken am 20, Jahrertage der Gründung derCeskä Drujina" in Rußland und derRota Razdar" in Frankreich erschienen. Der Erinnerung an die Kämpfe derRota Razdar" in der Schlacht bei Arra» am 19. Mai 1018 sind die beiden Marken mit der Abbildung der von Jaroslav Hrubka geschaffenen Gefallenen-Denkmal» bei Arras gewidmet. Zwei aparte'Gedenkmarken nach der zarten ZeichnungHeimat" von Josef Mäne»" gäl­ten dem hunbertjährigen Jubiläum der Staats­hymne ,Kde domov müj?" Schön und würdig beging das Postministerium den hundertsten Todestag des Dichters Karel Hynek Mächa durch die Ausgabe der beiden Marken mit der Abbildung de» Mächa-Denk- male» von Mysibeck am Prager Laurenziberg. An den vor tausend Jahren erlittenen Märtyrertod de» heiligen Wenzel erinnerten fünf sehr«dl«;,Marken nach Bildern von Mikulaö Aled, Felix Jenneweia und, Josef Mäne». Zwei anderen religiösen Gedenk­tagen, den Pribina-Gedenkfeiern in Ritra iyr Jahre 1988 ustb der Ehrung der'slawischen Apostel Tyrlll und Method im Jahr« 1988 verdanken die Samm­ler zwei geschmackvolle Markensähe; di« von Bohu­mils Heinz nach einer Lithographie von Jani Köhler gestochenen Thrill- und Mithod-Markest zählen in her sorgfältigen: Stecherarbeit und in ihren noblen Farben zu den schönsten- der tschechoslowakischen Briefmarken. .Den Gedenkmarken au» geschichtlichem Anlaß reihen sich di« Porträitmarken an. Am'zahlreichsten sind, selbstverständlich die Briesmarken-Bildntffe des Präsidenten M a.s a r h k, vön denen e» fünf Au»- Wüngen in dreißig verschiedenen Werten Mit einer Anzahl hon Varianten' gibt. Er sind zum TeilEc-

innerungSmarken an den 70., 76., 80. und 86. Ge­burtstag de» Präsidenten. Ihnen schließt sich nun auch die grüne Fünfzigheller-Marke mit dem Bild- ni» de» Präsidenten Dr. Bene» an. Fünf Brief» marken tragen da» Portrait de» Sokol-Gründer» Miroslav Tyr», zwei da» Bildnis de» General» S t e f ä n i k», je einen die Portrait» S m« t a- na», Dvotäk» und K o m e n s k h». Di« Herausgabe einer Marke mit dem Bilde de» tschechi­schen Physiologen Purkyni ist für nächste» Iahe schon vorbereitet. Daß e» kein« Briefmarke mit dem Bilde von Hu» gibt, ist wohl der Rücksichmahme auf die katholischen Staatsbürger zuzuschreiben. Di« beiden Marken zu 80 und 90 Heller mit dem Bild« eine» den Kelch erhebenden Huffiten vom Jahre 1920 sind außer bei Samnckern kaum noch in Erinnerung. Schon mchrnml» hat unsere Betrachtung zu- Erwähnung von Künstlernamen geführt, und da­leitet über zur Betrachtung der tschechoslowakischen Briefmarken al» graphisch« Miniaturen. Die Namen einer ganzen Reihe von heimischen Künstlern sind mit

diesen kleinen Blättchen verbunden. Ale», Jenne- wein, Mäne» sind schon genannt worden. Josef Mäne» ist ein drittebmal aus Len zugunsten de» KinderhsifSwerke» 1980/ herauSgegebenen Wohl­fahrtsmarken zu.gefälliger^ Geltung gekommen; die drei Marken, di-.'«inen Ertrag von 1,808.618 A>' al» Hilfsfonds für notleideäde Kinder erbracht haben, zeigen die innige Fawilienszene nach dem Bilde ,Hanum" von her. Altstädter RaihauSuhr, deren zwölf Monatsbilder.ME sich allesamt auf einer Markenserie wiedergegeben wünschen könnte. E» ist jedenfalm ein.guter Gedanke, den Kunstbesitz de» Lande», derart aitch bei.diesen Gelegenheiten mit« sprechen»» laffen. Die Briefmarken dürrsten Jahre stammen von verschiedenen Künstler». Alfon» Mucha hat die Hradschin-Marken, dl« nicht- mehr im Verkehr be- findlichen Eil- und Portomarken von 1919, die Huffitenmarkcn von 1920 und die nach geltenden 8eifttn-»tNMen mit dem fliegenden Fallen gezeich­net. Jakob O st'r o vs kh hat-die LegionärmarkeN von 1919 und, die Allegorie der SerieWirtschaft und Wiffenschast" von 1920 entworfen. Von Ja- roslav B en d« stammt die'. Zeichnung der Brief« taubürsers« von 1920, von V. H. B tunet dir der Serie'^Befreite Republik" äu» dem gleichen Jähre. A.'M u dr u ü k ä ist al»Zeichner der Son­derstempel für die Legionärmarken und de» Auf« druck» auf'den Marken für da» Rote Kreuz zu nen ­

nen. Max Svabinskh ist der Auwr aller in den Jahre» 1920 bi» 1927 erschienenen Masarhk« Marken. Während die tschechosiowalischen Briefmarken bi» dahin noch ziemlich bescheidene Buchdruckerzeug- niffe waren, erscheinen 1928 am fünften Jahrertage der Republik mit den Jubiläumsmarken von Sva» binflh die ersten Marken in Tiefdruck von Stahl­platten. Und dann trist 1926 mit den ersten Land- schaftrmarken der Name KarlSeizinger auf, ein deutscher Name. Seizinger ist Graphiker, Kupferstecher, der nach Bildern anderer Maler oder nach phowgraphischen Vorbildern arbeitet. Nach Ge­müllten und Zeichnungen von Kalvoda, Makäk, Si­mon, Stäfl, Baic, Bik hat er einen Teil der Land- schaftSmarlen, nach Photographien die übrigen, wie zum Beispiel die schönen Flugpostmarken gestochen Die St. Wenzelsmarken und die Gedenkmarken zum Jubiläum der Staatshymne, die Arra»- und Pri- bina-Marken, die Wappenseri«, die Tyri-Marken. eine davon nach einem Gemälde von Zenliek, die Druliisa-Serie nach Entwürfen von Wenzel Fiala. die Smetana-Marke und di« Masaryk-Bildniffe von 1988 und 1980 sind Stahlstiche von Karl Seizinger. An den Landschaft»- und Siädtebildern da» sind

bi» jetzt zusammen mit den Flugpostmarken 47 Marken läßt sich seine ausgezeichnete Stecher­arbeit besonder» gyt studieren. E» sind Keine graphi­sche» Meisterwerk«. Man sehe sie sich daraufhin ein­mal unter einer starken Lupe genau an, zum Bei­spiel die' blaue Mark« zu 8.60 mit der Ruine Strekno oder di« Zehnkronenmarke mit. der Ansicht von Bratislava , beide äu» der nach Bildern von,Karel Vik gestochenen Landschaftsserie von 1986, ebenso die Flugpostmarken. Welch«izvoll« land­schaftliche Stimmung ist da in da» winzige Format hineingezaubert, welch erstaunlich saubere Stecher- arbeit ist da vollbracht. Reben Yen Miniaturen von Karl Seizinger lie­gen fest 198» ebenbürtig die lebensvollen Portriat- marken vor, dieBohumilHeinz gestochen hat. Bon ihm stammen die Briefymrken-Bkkdniffe de» Präsidenten Masarhk-(mst weichem Filzhut und mit Mütze)^bon 1988, die Portrait» Dvokäk», Ste- fänik», Kamensky» und de» Präsidenten Dr. Bene», ferner die Thrill- und Method-Marken. die Mächa- Gedendnarken und die Kinderwohlfahrtsmarken. Auch hier muß man die Lupe zu Hilfe nehmen, um die subtile Stecherarbeit, die fein«. Durchführung der Zeichnung genügend zu würdigen. Die beiden Mächa- Marken sind in'threx graphischen Zartheit wahre Bravourleistung«». Wie getreu-'ist auf der roten Einkxonenmarke mit dem Bild« Mäsaryk» da» Bart­haar,'.die Spiegelung in den Brillengläser» wieder-

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Ziehungsergebnis der Arbelterfilrsorge*Lotterle Bei der Ziehung, die. am Dienstag, den 27. Oftober, um 6 Uhr abends im ZiehungSsaal der Direktion der Staatslotterien unter öffent­licher Aufsicht swttfand, wurden folgende Treffer ausgelost: Der Haupttreffer im Werte von 90.000 KE entfiel auf da» LoS Nr. 871.7S1. Weiter wurden gezogen: 10.000 KE: Lo» Nr. 80.675. 1000 KE: Lo» Nr. 40.418. 500 KE: Die Lose Nr. 26.817, 82.408, 15.846, 104.814. 200 KE: Die Lose Nr. 81.875, 140.984, 28.902, 204.059, 82.827. 100 KE:.Die Lose Nr. 84.879, 136.121, 188.926, 150.560, 174.985, 177.020, 205.003, 258.486, 274,291, 282.811. 50 KE(in Zehnerserien): Die Lose Nr. 57.71120, 182.61120, 159.53140, 166.00110; 168.35160, 177.40110, 184.46170, 218.18100, 263.75160, 20 KE(in FUnfzigerserien): Die Lose Nr. 15011850, 88.50138.550, 48.401 bi» 48.450, 48.05140.000, 88.50158.550, 64.20164.250, 66.15166.200, 69.451 bis 69.600, 88.15183.200, 91.86191.400, 105.401 bis-.105.450, 132.251 bis 132.300, 148.051 bis 148.100, 172.901 bis 172.980, 198.381 bis 198.400, 262.201 bis 262;250, 266.581 bi» 266.600, 274.251 bis 274.300, 281.001 bi» 281.050, 200.451 bis 290.500. Außerdem wurden 5000 Lose zu je 10 AE gezogen. In die Ziehungslisten kann ab Freitag, den 80. Oktober, bei den Vertrauensleuten der Or­ganisationen Einsicht genommen werden.

gegeben; diese Marke kommt vielen fast täglich zu Gesicht man betrachte auch einmal ihren graphi­schen Reiz. Und man schaue sich daraufhin die blaue Vierzighellermarke mit dem von Heinz nach den» Gemälde von Brojik gestochenen Portrait Komenskts» an; sie darf al» eine der schönsten tschechosiowalischen Marken gelten. Bei dieser Betrachtung wird man auch da» Signum des Stechers entdecken, ein geradezu mikroskopisches HB oder auf der Komenskh-Marke den vollen Namen Heinz in der rechten unteren Eck« über dem Wertschildchen. Schwerer ist das Signum Seizingers zu finden. Entweder läßt er es über­haupt weg oder aber er versteckt nahezu unauffind­bar ein winziges8" irgendwo! im Laubwerk oder sonstwo in. der Landschaft, Aber es bedarf dec Signierung schon gar nicht mehr; man erkennt die Arbeit dieser beiden Stecher schon an der künstleri­schen Sorgfalt, die sie auf diese Keinen Schöpfungen verwenden. Und zuletzt auch dar gehört dazu sei noch auf den farbigen Reiz der tschechosiowalischen Mar­ken hingewiesen. Legt man die Landschaften der Ju« biläumrserie von 1928, die farbig besonder» aparten Wenzelrmarken, die Cyrill-Marken serienweise nebeneinander, um einmal nur da» Farbenspiel wir­ken zu laffen, so wird man auch daran seine Freude haben können. Sogar die einzeln kaum beachteten Zeitungsmarken in ihren einfachen hellen Buchdruck­farben sind al» Serie nebeneinandergelegt nicht ohne farbigen Reiz. Auch solchen Kleinigkeiten kommt Be­deutung zu, wenn man die Briefmarken als die Visitenkarten de» Staate»" gelten läßt. Der Gedanke, einmal den künstlerischen Anteil an der Gestaltung der Briefmarke darzustellen, gab der Expositur de» Postministerium» in der dieser Tgge zu Ende gehenden Briefmarken-Au-stellung im Mäne»" die besondere Note, die auch denLaien" zu feffeln vermochte. Die Betrachtung der tschecho- flowakischen Briefmarken, die ohne Uebertreibung zu den schönsten der Welt gezählt werden dürfen, al» graphische Miniaturen führt leicht dazu, die Keinen Blättchen zu sammeln, wobei es auf den Seltenheits­wert gar nicht ankommt; die tschechosiowakischen Briefmarken verführen zur Philatelie. Vielleicht er- Kärt sich daraus die auffallend große Anzahl von Briefmarkenhandlungen, die es in Prag gibt. Edgar Hahn^wald.

Sondermarken zum Philatrlisten-Kongres» Zum elften internationalen PHIlatclisten-Kongretz, der in Luxemburg stattfand, wurden dort Sonocr- marken herausgegeben, auf denen das Gebäude . des Hauptpostamtes abgcbitdet ist.'