Nr. 30
Donnerstag, 4. Feber 1937
Seite 3
„ Der Kampf" Sudetendeutscher Zeitspiegel
Sozialistische Revue
Heft 2, Februar 1937, hat folgenden Inhalt:
Josef Hofbauer: Antibolschewismus“. Martin Kahler : Henlein- Legende und Wirklichkeit. Max Barth: Spanien im Spiel der Mächte. Gregor Bienstod: Ostasien und die Weltpolitik. Joachim Werner : Feudalkapitalismus und„ Kapitals" Sozialismus.
Politische Bemerkungen: Vor zwanzig Jahren: Der Tod des Generals Seedt; Streit über Gräbert. Aus dem geistigen Leben: Ludwig Börne :: Die Sörigkeit der Linken. Sturt Siller: Unverwüstlich
und unbelehrbar.
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Merkwürdige Erfahrungenen Bergarbeiter Brüder Dankovsky aus wurde in den ersten Morgenstunden bei Großgeppe aus Karbik die beiden arbeits- Drei Schüsse am Elbe - Ufer. Am 1. Feber
über die tschechoslowakische Fremdenverkehrswerbung in der Schweiz
Im Karlsbader Voltswille" lesen wir folgende interessante Darstellungen Dr. Hans Stop f's, Marienbad : Marienbad , 2. Feber.
gäste, die mit Automobilen nach Marienbad famen, auf ungünstigen Wegen in die Tschechoslowakei einreisen und sich über unsere Straßenverhältnisse bitter bellagen, ließ mich mit dem mir befreundeter Präsidenten des Schweizer Automobilklubs, Dr. Bücherschan: Anton Sieberer: Statalanien gegen Wende, sprechen. Er brachte zu diesem Zweck den Kastilien." Georg Bernhard : ,, Meister und Autoatlas„ Europa im Automobil", aus dem sich Dilettanten am Stapitalismus im Reiche der dieſe Mage leicht erklären ließ. Dieser Atlas wird Hohenzollern ." Paul Szende: Mystit". jährlich von der A. J. A. C. R.( Aſſociation Internationale des Automobile- Clubs Reconnus) unter Automobilklubs, das ist für die Tschechoslowakei von der Mitwirkung der angeschlossenen internationale: dem„ Autoclub čil. republiky", herausgegeben und die Karten werden von den jeweiligen Klubs redi
Preis des Heftes 5 Kč, Jahresbezugpreis 50 Kč.
Lühowova 37.
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Herbiß angeschossen. Erwin Dankovsky drangen priesen ein Selbstmord- und ein Mordversuch verdie Schrotkörner ins Herz, er war sofort tot. Der übt. Zwei junge Leute, die beide arbeitslos sind Bruder wurde am Fuß und an den Hüften ver- und deshalb teine Aussicht haben, einen Haushalt legt. Er konnte noch dem Schüßen nachlaufen und zu gründen, wollten aus dem Leben gehen. Die Leute um Hilfe herbeirufen. Er war acht Wochen beiden hatten den Entschluß zum Selbstmord am arbeitsunfähig und davon drei Wochen in Spi- 31. Jänner abends gefaßt. Sie ließen sich am talsbehandlung. 1. Feber um 3 Uhr morgens wecken und begaben
waren, haben in der Nacht auf dem Strijowißer Mädchen hatte den Revolver ihrem Bruder entwen Die Bergleute, die schon lange arbeitslos sich in den Wald oberhalb Großpriesens. Das Berge wilde Kaninchen fangen wollen und sich det. Beide suchten den Plak für den Selbstmord gegen Morgen im Hohlweg schlafen gelegt. Der sehr sorgfältig aus. Erſt auf inständiges Bitten Seger war ungefähr zwölf Schritte an dem Lager ließ sich der junge Mann bewegen, auf das Mädder beiden vorübergegangen und hatte nach seinen chen zu schießen. Er schoß aus der Nähe gegen das Angaben ein verdächtiges Rascheln gehört. Er sei Herz. Den zweiten Schuß richtete er gegen seinen im Glauben gewesen, wilde Kaninchen vor sich zu Kopf. Er stürzte zu Boden, erholte sich aber. Da haben, deshalb habe er auf diese kurze Entfer- das Mädchen keinen Schmerz verspürte, vat ſie nung, ohne ein Ziel zu haben, einen Schrotschuß nochmals, der Mann möge sie erschießen. Aber abgegeben. Als nach dem verhängnisvollem Schuß auch der zweite Schuß gegen sie war unwirksam; geeilt und kam erst in seiner Jagdhütte am Berg Kugel war an einem Knopf abgeprallt. Das MädWaldemar Dankovsky um Hilfe rief, sei er davon er verletzte das Mädchen nur leicht. Die erſte ur Erkenntnis, daß er Menschen angeschossen chen wollte dann in die Elbe springen, ihr Geliebter hielt sie aber davon ab. Die beiden jungen Leute wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Der junge Mann wurde bald entlassen und wegen Mordversuchs in Haft genommen.
habe.
gegen 6 Uhr geriet am Bahnhof in Haslan Auf dem Weg zur Arbeit... Mittwoch früh beim Einsteigen in den nach Asch fahrenden Zug die Arbeiterin Anna Reichert aus Haslau unter den noch langsam fahrenden Zug, wobei ihr beide Beine abgefahren wurden. Anna Reichert war in der Spinnerei in Asch beschäftigt und benüßie jeden Tag diesen Zug für die Fahrt zur Arbeitsstätte. Nach der ersten Hilfe durch einen Haslauer Arzt wurde Frau Reichert in das Egerer Krankenhaus geschafft, wo sie im Laufe des Vormittags ihren Verletzungen erlegen ist. Frau Reichert stand im 41. Lebensjahre und hinterläßt einen Gatten mit zwei unversorgten Kindern.
Gegen den Heger, über dessen Benehmen im Revier wiederholt klagen von der Bevölkerung laut wurden, wurde Antlage wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens erhoben und ihm dabei weiter noch zur Last gelegt, daß er auch in einem zweiten Falle unvorsichtig im Revier mit dem Gewehr umgegangen war und den Fachlehrer Heinrich Lipser in Türmiz am 4. August 1936 nach mittags am selben Orte, als dieser dort botanisierte, durch einen Schuß am Leben bedroht habe. Wegen Steuerbetrug vor Gericht. Der GeHeger Schöppe hatte sich wegen der gegen Leitmerizer Kreisgerichtes GR Dr. Lorenz zu den. Er war aber anscheinend troßdem nicht in der ihn erhobenen Anklage vor dem Einzelrichter des schäftsmann K. R. aus Moldau war Steuern schuldig. Teilzahlungen waren ihm bewilligi wor= verantworten, obwohl seitens des Vertreters der Privatbeteiligten, des angeschossenen Waldemar Lage, jeine Steuerschuld zu begleichen. So zahlte Dankovsky und dessen Vaters beantragt worden er nun auf zwei Erlagscheinen drei und fünf Kč war, daß das Gericht sich für unzuständig erkläre an das Steueramt ein. Daheim hat er dann auf und die Anklage zur Verhandlung vor einem den Abschnitten der Erlagscheine den Betrag auf Strafsenat, bzw. vor das Schwurgericht abtreten soll.
giert. Bis vor einigen Jahren ist nun die Karte von Der jest wiederhergestellte Bergmann Walder Tschechoslowakei in den deutschen Gebieten demar Dankovsky behauptet, der Heger hätte sie doppelsprachig gewesen. Seit einigen Jahren muß- bestimmt sehen müssen, im Hohlweg war freie rungßbrinzipbeigeftrauchelten ten sie auf Berlangen des. A. Č. S. einsprachig Sicht. Es war dort nur trodenes Gras, auf dem Jugendlichen erft tedt in ben schechisch aufgenommen werden. Es ist ohne wei- ſie ſchliefen. Er nimmt an, daß der Heger mit Borberarunb treten muß ist für teres tlar, daß dieser Umstand für den Automobi- Absicht auf sie geschossen habe... jeden Unboreingenommenen absolut flar. Es bedeu- listen, der eine Auskunft verlangt, zu großen Echwietet gar nichts gegen diese soziale Methode des Straf- rigkeiten Veranlassung gibt. Denn wenn schon die Der aufsehenerregende Vorgang hatte jezi vollzuges, wenn ein gewisses Stontingent der Straf- Wewohner von Pfraumberg vielleicht zum Teil sein Nachspiel vor dem Kreisgericht in Leitmeriz. fälligen sich nicht als besserungsfähig erweist. Die wissen, daß ihr Ort Přimda heißt, so wissen sie wohl Erfahrung hat aber bewiesen, daß in der großen faum, wenn sie nach Bor gefragt werden, daß das Mehraahl der alle wir tönnten Said bedeutet. Aber ganz abgesehen davon, sind die diese Behauptung durch zahlreiche, teilweise erarei starten auch sonst unzulänglich, denn es sind 3. B. fende Beispiele belegen der straffällige Jugendlidje gerade bank der sozialen Einsicht des Gefeßes, die Straße von Haid nach Plan und die Straße dessen Milde nichts mit„ Verzärtelung" au tun hat. Warienbad-- Eger nur als Nebenstraßen eingerettet werden kann. gezeichnet. Wenn man bedenkt, daß dieser Atlas Man lege sich einmal die Frage vor, was das fährlich in einer Auflage von über 150 000 Eremin den Angriffen auf das Jugendgericht regelmäßig blaren in deutscher, französischer und englischer reflamierte ordentliche Gefängnis" Sprache herauskommt, oaß somit da nicht jedes für Jugendliche in Wahrheit bedeutete. Daß das| Mitglied jährlich die neue Auflage kauft gegen prinzip keine Lebensberechtigung haben, ist längst was das für den Fremdenverkehr für schädliche Wirblinde Vergeltungs- und Abschreckung 3-100.000 in Benütung sind, kann man wohl ermessen, anerkannte Tatsache, daß ein mit dem Makel der fungen hat. Die Tatsache; daß auch auf Karten Vorbestraftheit behafteter jüngerer Mensch in den anderer Länder( 3. B. polnischer Korridor) die Nawird niemand ernstlich bestreiten. Und endlich ist es men nur einsprachig sind, ist nur ein geringer Trost. eine unleugbare Tatsache, daß gerade die verteberte Bei unserem Besuche in der tschechoslowakischen besondere Strafe der Verschließung" alüdlicherweise Handelskammer in Zürich zeigte uns die dortige Beamtin drei ungeöffnete Kisten mit Werbematerial für die tschechoslowakischen Wintersportorte, die vom Handelsministerium augeschickt waren. Ver nünftigerweise twird dieses Propagandamaterial von dieser Stelle gar nicht zur Verteilung gebracht, denn es wäre wohl wirklich grotest und keineswegs für Unsere Jugendgerichtsbarkeit mag in einzelnen die gegenseitigen Fremdenverkehrsbeziehungen der Detailbestimmungen nicht vollkommen sein. Als In- beiden Länder von Vorteil, wenn die Tschechoslowakei stitution hat sie sich voll bewährt und verdient An- ausgerechnet in der Schweiz für die tschechoslowatiUebertretung des Waffenpatentes zu verantwor griffe der zitierten Art nicht und ebenso wenig verschen Wintersportorte Reklame macht. ten. Er betam für beide Delifte zwei Monate dienen fie die bem Jugendgericht augeteilten Richter Diese beiden Erlebnisse werfen wohl ein bezeich und Sozialbeamten, die mit sozialem Verständnis nendes Licht auf den Geist, der in unserer Werbung demar Matejcaet, Beamter der Bentral- rungsfrist. Todesfall. Dienstag starb hier JUDr. Wal- Nerfer bedingt mit einer dreijährigen Bewäh= und Singebung ihr Amt erfüllen, wie jeder bezeugen für den Fremdenverkehr herrscht. wird, der das Jugendgericht regelmäßig besucht. sozialversicherungsanstalt in Prag . Der Verstor Historischer Bergknappenumzug in Schönfeld. bene hat sich während seiner leider so kurzen Am 1. August d. J. wird in der alten Bergstadt Wirksamkeit in der Zentralsozialversicherungsans Schönfeld in Westböhmen das 2. Kaiserwald- Heimatstalt viele Freunde erworben, die sein Sinscheiden feit mit einem historischen Schönfelder Bergknappen
meisten Fällen für die Gesellschaft verloren wäre.
verhindert,
daß das ordentliche Gefängniß durch den Verkehr
mit alten Kriminellen für den Jugendlichen zur „ Schule des Verbrechens" werbe, wie dies früher
oft genug der Fall war.
Ein Hohelied der Treue Die Geschichte der Arbeiterbewegung fennt eine Unzahl von Beispielen, in denen Pflichterfüllung und Opferbereitschaft über alle Hemmungen und Uebers legungen siegten. Beispiele, in denen die Tapferkeit und der Mut unserer Parteifunktionäre zum Ausbruck tamen, Wagnisse, bei denen als Einfäße Leben und Eristens unserer Besten auf dem Spiele standen. Ohne diese prächtigen Menschen und Charaktere hätten wir den Sturm der letzten Jahre nicht zu überdauern vermocht, wären wir an dem persön lichen und wirtschaftlichem Terror der getarnten Faschisten zerbrochen.
Todesopfer eines
fönnen.
schleßwütigen Hegers
Angeflagte schubbig extant und zu vier Weonaten Nach Ablehnung dieser Anträge wurde der strengen Arrests verurteilt. Der Ausspruch über die Buerkennung einer bedingten Verurteilung und einer Bewährungsfrist wird dem Ergebnis weiterer Erhebungen vorbehalten.
350 und 500 Kč erhöht". Als die Erefution durchgeführt werden sollte, wies er diese Abschnitte Wan kam aber sehr bald auf dieſe etwas plumpe als Beweis für die geleistete Steuerzahlung vor. Fälschung und es kam bei N. K. zu einer Hauseinen Dolch, einen Schlagring und einen Gummidurchsuchung. Bei dieser Gelegenheit fand man nüttel. So hatte sich also N. N. auch noch wegen
aufrichtig bedauern werden. Er ist auch weiten umzug und einem eigenen Heimatfeſtſpiel ſtatifinKreisen in Trautenau und Mährisch- Schönberg , den, dessen Durchführung der Ortsfremdenverkehrswo er als leitender Beamter der dortigen Kran- verein unter Mitwirkung des„ Kaiserwald- Arbeitstenversicherungsanstalten tätig war, als sozial ausschusses" im Deutschen Landesverbande für dentender Freund der Arbeiterschaft bekannt- Fremdenverkehr in Böhmen , Siz Karlsbad, übergeworden. nommen hat.
Der Präsident der Republik empfing am Mittwoch Justizminister Dr. Dérer, weiters den Rektor der deutschen Universität in Prag Profesfor Dr. Start, den Rektor der Masaryk- Uni- Am 18. Oktober des vergangenen Jahres, versität in Brünn Professor Dr. Fr. Berta und früh gegen 6 Uhr, wurden in einem Hohlweg schließlich den ehemaligen französischen Senator zwischen Strisowitz und Serbi, am Fuße Frederic Eccard. bes Strifowißer Berges, von dem 50jährigen wandt werden kann. Schmalhans ist ständiger| ners, zu denen sie dann kritisch und flug Stellung| man wieder festen Boden unter den Füßen hat, meiſter und in den Winkeln der kleinen Grüb- nehmen. Aber auch hier, am Versammlungstisch. tommen neue Weghindernisse in Form noch größerer chen sitzt als graues Gespenst Frau Sorge. So ist die triste Lage dieser tapferen Grenzhüter der Wehen und so geht es denn den ganzen Weg. wurde ein braves, fleißiges Arbeitervolt verurteilt, Demokratie ersichtlich. Die meisten von ihnen sißen Wir sind zu zweit hinausgefahren, um uns Leid und Entbehrung zu tragen, ohne helfen zu während der ganzen Versammlung vor einem Glas namens der sozialistischen Organisationen von dem Bier, obwohl sie gerne noch einige trinken würden, treuen Streiter zu verabschieden. Unser Auto bleibt und der Wirt, der ihre Lage tennt, fragt sie gar nicht steden. Die Schneewehen sind zu gewaltig. Also mehr. Einer aber ist dabei, der Wasser trinkt. Meine ausgestiegen und den Weg zu Fuß gemacht. Wir verwunderte Frage, ob er denn auf seine alten Tag: fragen einen Mann. Als Antwort kommt:„ Die unter die Abstinenzler gegangen sei, verneint er Beerdigung wird heute wahrscheinlich nicht stattfinlachend. Unter die Abstinenzler nicht, den, denn bei diesem Wetter geht ja kein Mensch sondern unter die Sungerleider, meint mit." Troßdem gehen wir weiter und nach einem er. Für Bier habe ich kein Geld, aber an der Ber - unbeschreiblichen Wege sind wir endlich am Friedſammlung mußte ich teilnehmen und da ließ ich mir hof angekommen. Den zur Kirche führenden Hügel vem Wirt ein Glas Wasser bringen, das kostet kann einer allein nicht passieren. Wir hängen uns wenigstens nichts. Ueberflüssig zu sagen, daß wir ineinander ein, damit uns der Sturm nicht wieder übrigen Versammlungsteilnehmer natürlich dafür hinabjagt. Wir sind froh, daß wir in der Kirche Schutz vor dem entsetzlichen Wetter gefunden haben forgten, daß es nicht bei Wasser blieb. Wir brauchen nicht lange warten. Schon biegt der Leichenzug um die Ecke. Wer aber geglaubt hat, daß sich unsere braven Genossen des Erzgebirges von diesem Wetter abhalten lassen würden, ihrem toten Freunde das letzte Geleite zu geben, hatte sich getäuscht. Sie waren alle gekommen, ob alt oder
Viele dieser heldenhaften Betenner und ihre Taten sind der Oeffentlichkeit bekannt, von ihnen tourbe bereits berichtet und über sie geschrieben. Daß aber allerorts, in jeder Gemeinde und in der Kleinsten Lokalorganisation, Helden des proletarischen Freiheitskampfes leben und wirken, Menschen, die unse, rer Bewegung alles, was sie haben, sich selbst schenken, davon wird nur sehr wenig gerebet, denn wir nehmen dieſe tapfere Einstellung, ben bealis, mus und die Opferbereitschaft als selbstverständliche Pflichterfüllung an.
Von einem Beispiel, in dem Treue mit Treue vergolten wurde und bas in seinem primitiven Geschehen das wundervolle Kameradschaftsempfinden unserer Funktionäre offenbart, soll est einmal die Sprache sein:
In Gebieten, die so gramzerfurcht sind, wie unser Erzgebirge , fönnen die Menschen nicht aneinander vorüber leben als wären sie Fremde. Die Haft der Städte ist hier draußen verebbt. Langsamer fließt der Strom der Geschehnisse, den Menschen Beit aur Besinnung und Sammlung laffend. Weil diese arbeitsamen Menschen infolge des eratvunge= nen Nichtstuns soviel Zeit haben, machen sie sich über ihr Leben und die Bukunft Gedanken, sie spintifieren", wie ein volkstümlicher Ausbrud dafür lautet. Daß denkende Menschen keinen Plas haben in der Faschistenbewegung, bedarf feines Beweises. Sie sind Sozialisten geblieben und werden es bleiben tros allem Terror und aller Schikanen.
So sind die Erzgebirgler. Sie schämen sich ihrer Armut nicht, die sie ja nicht durch ihr VerUeber die Gesinnungstreue unserer Erzgebirgschulden tragen müssen und sie haben Betennermut. Ter ließen sich rührende Geschichten erzählen. Es gibt Daß aber wahre Kameradschaft innerhalb dieser Berichte, aus denen hervorgeht, daß ganze Familien, herrlichen Profeten schlummert, wurde etwa ein Jahr die bittere Not litten, Unterstüßungen aus der nach dieser Versammlung, vor wenigen Tagen, beSudetendeutschen Vollshilfe" abgelehnt haben, weil wiesen.. fie von getarnten Faschisten leine Unterstübungen nehmen. Es find Fälle registriert, wo tapfere Streiter unferer Idee Arbeit angeboten bekamen, vorausgefeßt, daß sie ihre Rebellengefinnung aufgeben; fie haben lieber weiter gehungert, als daß sie untreu wurden. Ein kleines Beispiel aber ist mir immer in Erinnerung:
jung, von nah und fern. Einige hatten in diesem unbarmherzigen Schneesturm
Derselbe Vertrauensmann, der in der damali- Weg hinter sich. Ein Genossenweiten
1 Brandau
gen Versammlung dabei sein mußte, obwohl er ket- herbeigeeilt, ist also drei Stunden bis Sallich ge= nen Heller in der Tasche hatte, verunglückte während laufen. Und sie hielten durch trotz allem Wetter. einer Aushilfsarbeit tödlich. Die Beerdigung wird ameradschaftstreue ging ihnen festgefeßt, Kränze angekauft und alle Vorarbeiten über alle persönliche Unbill. Unser Erzgebirge ist schön, unfagbar schön, getroffen. Einen Tag vor der Beerdigung feht im So haben die braven Erzgebirgler die Pflicht. aber arm, so arm, daß man das Leib seiner Be Gebirge Schneefturm ein. Wer noch nie einen fol- treue des einzelnen vergolten, in dem sie Treue gegen wohner nicht schildern kann. Arbeitslosigkeit besteht Es war eine Versammlung in Kallich im Beschen mitgemacht hat, kann sich vom winterlichen Un- Treue seßten. Wei diesem Bilde wurde einem, troß hier nicht erst seit gestern und heute; sie dauert in sirke Komotau . Trop winterlichen Unwetters waren wetter des Erzgebirges feinen Begriff machen. Der der beißenden Kälte, warm ums Herz und alle unverminderter Schärfe feit zehn Jahren an. Die biele Genossen gekommen. Jeder wollte ja hören, heftige Wind treibt Eistörnchen mit sich her, die Mühen und Beschwernisse waren angesichts dieser Großzahl der Bewohner einzelner Gemeinden lebi was es an neuen Geschehnissen gibt die Beitung wie Stecknadeln in die Haut fahren, durch Meider braven Menschen vergessen. Und in uns wuchs die von den Unterstüßungen aus der Ernährungsaktion fönnen sie nicht halten, weil ihnen daz: die Mitteln und Wäsche dringen, so daß es einem bald scheint, Ueberzeugung: Eine Partei, die solche herrliche und oder aus dem Genter System. Die Einkommen sind fehlen. Es bleibt ihnen also nur die Versammlung als stünde man nadt im Schneegestöber. Meter hohe unerschrodene Menschen ihr eigen nennt, muß leßten Larg, wenn dieser Ausbruck überhaupt noch ange- und so sißen sie und lauschen den Worten des Red- Schneewehen, in die man einbricht. Kaum daß Endes siegreich bleiben. B. Kern