Seite S Donnerstag, 18. Feber 1987 «r. 42 4 llfuMutotefa Von Margarete Neumann Doch schon gebot die strenge Stimme der Mama Ja zu sich. Schnell trocknete Erna des Kindes Augen und es zärtlich streichelnd redete sie ihm gut zu: Nun, Ao, sei wieder gut, geh mit Mama!" Aline stand wartend an der Tür. Ihre kalte Stimme durchschnitt den Raum:»Nun, wird's bald, Jo!« WlS ob Zentnergewichte an des Knicken Füßen angebracht wären, bewegte er sich geseif­ten Kopses der Richtung zu, aus der die harte Stimme erklang. Aline Brachts sprach kein Wort mehr, nahm das Kind abermals bei der Hand und zog es in den Salon. Sie hob den kleinen Buben energisch in die Höhe, lieh ihn dann auf den Klavierstuhl nieder und befahl abermals:so, und jetzt wird' geiibt und nicht gemuckstl Bis Papa kommt, sprechen wir Weiteri, Und ganz durchdrungen von ihrer Heldentat, gegenüber dem hilflosen kleinen Kind, stolzierte Aline zur Türe, diese hinter sich versperrend. Jo war allein in dem düsteren Zimmer, dessen Winkel in seiner Kinderphantaste die grauenhafte­sten Gespenster zu bergen schienen. Bon der Mama blieb ein schweres, betäubendes Parfüm im Raum, das sich mit der muffigen Lust des Zim­mers zu einem etwas widerlich südlichen Dust ver­dichtete. Noch immer liefen grohe Tränen aus den Augen des Knaben, ober wie schon oft richtete er um sich Mut zu geben seinen Blick auk das einzig lichte Ding in dem großen Zimmer das Zifferblatt der antiken Spieliihr. Und als gar plötzlich ei» zartes Mennett die Stunde in glockenhellen Tönen zu spielen begann, verletzte es Jo in Verzücken, widerspiegelte seinen Blicken die so zerstobenen Sonnenstrahlen. Jo neigte sich ganz sachte ein wenig den Klaviertasten zu, seine Dingerchen begannen erst oberhalb der Ta­statur, ohne diese zu berühren, ein geheimnis­volles Suchen, glitten mit einmal leise über die Elfenbeintasten. Ein zartes Pianissimo erklang durch den Raum, schwoll an, starb ab, zwitscherte, trillerte. Jo's bleiches Gesichtchen bekam einen leisen Schimmer von Röte, seine breiten Lider bedeckten die Augen zur Gänze, die Seidenwim­pern vibrierten wie Schmetterlingsflügel, wäh­rend der Schmetterling an der Blüte saugt. Seine schmalen Lippen zuckten kaum merklich in ein Lächeln über, Jo vergab alles Böse, alles seine Kinderjahre Beschattende. Er spielte, er erlebte das Haschen der Sonnenstrahlen. Wenn durch den Wohnraum Jo'» Spiel in die Küche drang, hielt Ern» in ihrer Arbeit inne. Lauschte ängstlich und schüttelte den Kopf. Sie konnte eS nicht fasten, dah ein fünfjähriges Kind so spielen könne. Weder Dr. Brachta, noch Aline, noch Alice, die Tochter BrachtgS aus erster Ehe, interessierte-daS Kind Jo. Für. sie existierte Jo daS Talent, ein Wesen, daS keinen Anspruch auf eine Kindheit-haben durfte, denn eS hat eben das Wunderkind zu tverden, das der berühmte Pro« festor aus ihm zu machen versprach.»Er hat das Talent von Angelus geerbt..., eS gilt, ihn streng zu halten, damit er nicht so wie dieser endet", pflegte Dr. Brachta zu seiner Frau zu. sagen. In Her Chronik der Familie Brachta (ein altes polnisches Gutsherrngeschlecht) kommt ein ,,genial begabter Musiker" vor, von dem die Familiengeschichte aber schamhaft schreibt,er sei leichtsinnig und verdorben gewesen,, hätte, anstatt seine Begabung auszunüden, sie nur nach Laune genützt, schließlich sei er völlig mittellos irgendwo in Berlin verkommen, einsam und vergessen.. Dr. Brachta hinaegesi erbte alle gepriesenen Vor­züge des alten Geschlechter, Habgier, Ehrgeiz Md Brutalität, AuS Habgier verzichtete er sogar der Stimme seines Herzens, die-schöne Aline zu ehe«. Staates gebraucht, tun den darbenden Arbeitern und ihren Angehörigen zu helfen, sie vor der Verzweiflung zu beschützen. Wir haben im Sturme des faschistischen Angriffes alle Kräfte zur Verteidigung unserer denckkratischen Posi­tionen herangezogen und den Feind überall ab­geschlagen. Nur so war es möglich, das; wir als Aus­druck unseres erfolgreichen Kampfes in der Re­ publik unsere Arbeitersportfreunde aus einer Reihe von Ländern einladen konnten, die dritte Arbeiter-Wintersport« olympiadebeiunSinJohanniSbad abzuhalten. Wir konnten, während in den uns umgebenden Staaten der Arbeitersport mit dem der Bürgerlichen gleichgeschaltet wurde, unser« Kulturarbeit sortsetzen und nichts erinnert hier­zulande daran, daß jenseits der Grenzen der Arbeitersport alö Träger einer herrlichen Arbei- terlultur auSgemerzt wurde. Wir wussten immer schon und wisten eS heute noch besser, daß der politische, wirtschaft­liche und soziale Aufstieg der Arbeiterllaffe in unserem Staate nicht losgelöst werden kann von der Arbeiterkultur, die wir uns in jahrzehnte­langer Arbeit unter schweren Opfern und großer Mühe geschaffen haben. Ohne Arbeitersport« und Gesangvereine, ohne die von Sozialdemokraten geleiteten Kullürorganisationen und Vereine iväre es de» Faschisten viel leichter geworden, ihr Werk der Vernebelung und der Gleichschaltung der Sudeteirdeutschen zu vollbringen. An unseren Organisationen wurde ihre demagogische Propa­ganda zuschanden, wurde ihrem Gesinnungs­terror ein Ziel gesetzt, zerbrach die Offensive, die von Berlin aus gegen die sozialistische Arbeiter­schaft des sudetendeutschen Gebietes in diesem Staate in die Wege geleitet wurde. Die dritte Arbeiter-Wintersportolympiade in JohanniSbad zeugt deshalb nicht nur von einer guten, festen Organisation der sozialdemokratischen Arbeiter im deutschen und tschechischen Lager der TSR, sondern noch viel mehr von dererfolgreichenPolittk, die wir in diesem Staate gemacht haben und noch mehr von dem erfolgreichen Abwehrkampfe gegen­über dem Faschismus. Ohne die Erkenntnis über das Wesen des Faschismus, ohne die zur Abwehr gegen den Faschismus notwendige Kampfbereitschaft, ohne Mut und ohne Opfer wären wir in diesem jahre­langen Kampfe nicht heil geblieben. Aber vor allem wären wir eS nicht ohne die in diesem Staate so gefestigte Demokratie, die nicht nur von klugen, sondern auch innerlich stzrrken Demokraten geführt wird. Für uns waren Männer, wie Masaryk und Benes, ein lMgramm, für uns waren die sozialdemokratischen Minister auch .Führer im.schw^r.sten.Leb.enSkainp.fe.tzer.Arbeiter» ..klaffe um Recht,'Freiheit und Brot.'" Wenn nun in den kommenden Tagen die Ar- beitersportler über die blütenweißen Schneefelder des Riesengebirges gleiten/wenn sie in tollkühnen Sprüngen durch die Lust fliegen, wenn sie ihre Kunst auf dem Eisfelde zeigen, dann wird uns so recht zum Bewußtsein kommen: dieses herr­liche Wintersportfest der Arbeitersportler ist rin Beweis des siegreichen Kampfes wider den Fa­schismus, ist ein Sieg der Kultur über Barbarei. So grüßen wir als erfolgreiche Kämpfer gegen den Faschismus alle Menschen, die in dtn Tagen vom 18. bis 21. Feber nach JohanniSbad und Trautenau kommen tverden. Wir grüßen vor allem dieaktivenSportler aus den Län­dern der uneingeschränkten Demokratie, die Nor­weger, die Schweizer , die Belgier, die Franzosen , grüßen im Gedanken an den gemeinsamen Kampf alle unsere Brüder und Schwestern aus den Staaten, in denen der Faschismus noch nicht niedergerungen ist, grüßen aber auch auf das herzlichste die ungenannten Freunde, die in un« seren Reihen stehen werdens Mögen Ihnen allen, ob Sportler oder Gäste, die Tage von JohanniSbad ein schönes Erlebnis 0r. Zadlna: Margarine nur fUr Arme Prag. Im landwirtschaftlichen Ausschuß des Abgeordnetenhauses erklärte Mittwoch Minister Dr. Z a d i n a im Rahmen eines Exposes, das; sich die beginnende ivirischaftliche Besserung auch auf die Landtoirtschaft erstrecke, allerdings sei die Preisenüuicklung bei der Industrie. günstiger. Nach der Devalvation nmche sich wieder eine PreiSdisparität zuungunsten der Landwirtschaft bemerkbar, die bereit» 14 Prozent betrage. Große» Gewicht legte der Minister' auf die landwirtschaftliche Entschuldung mit Hilfe eine» eige­nen Fonds. Die Regierung habe sich entschlosten, diese Frage im Zusammenhang mit analogen Flögen bei anderen BerufSfchichten, namentlich der Gewerbe- treibenden und der öffentlichen Angestellten, zu lösen. Die engeren Beratungen über den AgrarhilfSsondS wurden diese Woche begonnen. In der Margarinefrage hält der Minister an seinem bekannten Standpunkt fest, daß die Marga­rineproduktion eine Gefahr für die Landwirtschaft sei und unter Berücksichtigung der Landwirtschaft ge­löst werden müsie. Dar ursprüngliche Kontingent von 4800 Waggon» müsie eingehalten werden: für die arme Bevölkerung könnte er genügen. Auf einen Zwischenruf, daß man dann die Margarine auf Karten verkaufen müsie, erklärte Ladina, daß m a n au ch d a r über r ed e n kön n«. Die Mar­garine müsse hinsichtlich der Steuern ebenso behan­delt werden wie die einheimischen tierischen Fette, dir angeblich pro Kilo mit 8.70 Ai an Steuern und Abgabrn belastet sind. Den armen Schichten, nament­lich den Arbeitslosen, müsie man aber den Einkauf billiger Fettsorten ermöglichen. Unsere Marga­rineerzeugung müsse in erhöhtem Maße einheimische Rohstoffe verwenden; im Verlauf«ine» Dreiiahr»- planeS soll eine Anbaufläche von 25.000 Hektar für Raps erreicht werden. Die für Prag bereit» bestehende Regelung der Milchwirtschaft soll zunächst auf Preßburg und Karlsbad ausgedehnt werden. In einzelnen Städten soll die Pastrurisierung zunächst ohne Zwang versuchsweise eingeführt werden. Bon einem Viehmonopol sei nicht die Rede, da e» undurchführbar wäre. ES handle sich nur darum, daß da» Biehfyndikat entsprechend umgeändert und befähigt werde, auch Biehhandel zu treiben. Diese» Syndikat soll den Auftrieb de» Vieh» zu den Laupt- märkten besorgen und nicht» mehr. Der Inland», markt werde sonst ganz fteijein: ebenso werde e» keine amtlichen Preise geben. Dem Äetreidemonopol werden etwa 70.900 Waggon» Weizen übrig bleiben. 20.000 Waggon» sollen in» Ausland verkauft, die restlichen 80.000 al» Reserve in» neue Erntejahr übernommen werden,. S11 Millionen soll die Steuer*Depuratlon einbringen Der Präsident des Obersten Rechnungskon­trollamtes Dr. H o r ä k stellte im BudgetauS- schuß fest, daß die Aktion zur Ausarbeitung der Steuerrückstände im wesentlichen bereits beendet sei. Insgesamt wurden Rückstände von 2892 Mil­lionen in die Aktion ausgenommen. Nach den bis­herigen Ergebnissen sollen die Steuerträger inS- I gesamt 911 Millionen AL zahlen, waS als g ü n- werden I Mögen sie sich von. Arbeit, Gorge und Kampf echolen und neu gestärkt wieder an die Arbeit gehen! Mögen sie alle» den Tagen von JohanniSbad neue Kraft und neuen M u t für den Befreiungskampf der Arbeiterklässe schöpfen. Denn dieser Kampf, der unS das höchst« ist, geht weiter. In diesem Sinne: Freiheit! Freundschaft! st i g e 8 Ergebnis gewertet werden müsse. Bon den 849 Millionen Rückständen au» der Ver­mögensabgabe wurden in die Aktion nur 101 Millionen AL ausgenommen; der Rest kann erst nach endgülttger Regelung der UebernahmSpreise aus der Bodenreform verrechnet werden. Auf die 101 Millionen Rückstände sollen insgesamt.20.0 Millionen eingezahlt werden. Unangebrachte Weichheit Im»Prävo Lidu" beschäftigt sich Dr. Karel Ktij mit der Au»land »propaganda der Sudeten­ deutschen Partei, wobei er u. a. schreibt: Wir haben hier schon gesagt, daß wir mit Deutschland keine Konflikte hatten und daß wir auch gegen daS deutsche Boll keinen Haß empfin­den. Wir wünschen uns eine Regelung des Ver­hältnisses zu Deutschland , aber wir lassen un» nicht bedrohen und nicht terrorisieren. Die deutsch « Kampagne werden wir mit ruhsgen Nerven über­dauern, denn wir wissen, daß sie Deutschland ver­lieren wird. Jede Kampagne, die gegründet ist auf Lüge, nichtswürdige Nachreden und Intrigen muß scheitern. Das Problem liegt nur darin, auszuharren, sich auf alles vorzubereiten und sich nicht zu fürchten. Und diese Voraussetzungen haben wir erfüllt. Das aber bedeutet keineswegs, sich gefallen zu lassen, daß Herr Henlein seine Agenten in dir Welt hinausschickt, damit sie gegen die Tschecho­ slowakei Hetzen. Herr Rutha hat einen tschecho- slowakischen Paß und ist verpflichtet, all das zu befolgen, WaS ihn die demokratische Verfassung der Republik und die Treue zum Staat gebieten Tut er dies nicht, dann ist eS unrichtig, ihm die Möglichkeit zu geben, daß er diese Provokationen gegen uns unternimmt. Haben wir eS nötig, uns die an sich schwierige Lage noch durch eigene Schwäche komplizieren zu lassen? Wenn sich jemand die Mühe gäbe, objektiv die Meinung des demokratischen Teiles unserer deutschen Mitbürger zu prüfen, würde er dasselbe slststellen wie der Schreiber dieser Zellen, daß nämlich diese Weichheit dem Prestige der Republik unter unseren Deutschen arg schadet... Alle Pro­vokationen, welche der Henleinpartei straflos durchgehen, all ihre Allotria, die man von ihr duldet, erhöhen ihr Ansehen unter unseren Deut­ schen und rufen unter den einfachen deutschen Wählern den Eindruck hervor, der übrigens noch durch demagogische Agitatoren geschickt erhöht wird, baß sich die Prager Regierung vor der Henlein - Partei fürchte. Seba tritt zurück Wie das»Eeflö Slovo" meldet, hat der bis­herige tschechoslowakische Gesandte in Bukgrest, Jän Seba, an dessen Buch über Rußland und die Kleine Entente sich«ine internationale Dis­kussion geknüpft hat, dem rumänischen Minister« Präsidenten mitgeteili, er habe den Präsidenten der Republik Dr. Benes um Enthebung von sei­nem Amt« ersucht. lichen, zu folgen. Er heiratete Hedwig Palen, die Tochter des reichsten Lodzer Industriellen. Der Ehe entsproß Alic«. Als Alice zwei Jahre alt war, kam Hedwig auf ttagische Weis« ums Lcken. Während eine» Spazierganges riß sich das Kind los, eilte einem Ball nach, kam knapp vor einen heransausenden Straßenbahnwagen. Hedwig sprang hinzu, riß dar Kind beiseite, wurde aber selbst vom Zug« erfaßt und erlag den schweren Verletzungen. Jetzt war der Weg für Mine frei. Kaum war ein Jahr verflossen, heiratete Brachta Aline und dieser zweiten Ehe entsproß. Sicher liebte Aline ihr Kind. Leidenschaftlich aber liebte sie Geld und Gesellschaft. Sie war leichtsinnig, doch Brachta. hielt die Zügel straff in Händen. So fthr er die schöne Aline liebte, da» Gold lickte er doch'mehr. Um die Rechnungen.der schönen Frau zu decken, die an Toiletten Vermögen aus» gab, erschloß er einen ihm unerschöpflich dünken« den Geldstromdie musikalische Begabung de» kielnen Jo.' Es begann'ein Martyrium für Jo, dessen empfindliches Gemüt katastrophale Wunden davontrug. Don Natur au» scheu, müßte er den Mittelpunkt im Blickfeld der Umgckung bilden. Nach Liebe sich sehnend, stieß er überall, selbst Lei der schönen Mama, auf Strenge und Härte. Er wurde das Ausbeutungsobjekt feine» Vater», des Professors als Jmpressario, der Musik-Gouver« nente. Dieses Trio erschien dem Knaben Jo, solange er noch nicht selbständig dachte,^l» ein Wall, dessen Uckerspringen vollkommen aussichts­los sei. Erst al» er die Zusammenhänge'zwischen feinem Genius und dem Geldverdienen erkannte, sand er den Weg de» Widerstandes: Trotz und Haß. Er wußte jetzt genau: heute? wird' ihn der Vater züchtigen, morgen aber, wenn'er im Kon« zerthaus sein wird, ist, er der Stärkere. Die Liebe und Schmeichelei seiner Mama dem Vater gegen« über seine kühle Behandlung und Zurückweisung durch die Mutter vertieften den Haß gegen, den' Vater. (Schluß folgt.)' Longuet Uber die CSR Paris . Der sozialistische»Populalre" ver­öffentlicht unter dem TitelDie Tschechoflowaket ein Bollwerk der Demokratie und eine-Oase der Prosperität" einen Artikel des> ehemaligen sozialistischen Deputierten Jean Longuet (ein Enkel von Karl Marx ), welcher vom Präsidenten Dr. Benes empfangen worden ist und schreibt: Der Präsident ist ein wachsamer und hellsichtiger Beobachter, der in bewundernswerter. Weise die Berhältniffe in Europa und kn der Welt kennt, der sich keineswegs von prahlsüchtiger Geschwätzigkeit und Drohungen beeinflussen läßt und, seinen Blick auf den Horizont gerichtet und an der Spitze eine» Staate» stehend, dessen Armee fest und gut auSgebildet ist, dtn aufmunternden Eindruck der Kraft und der ruhigen Bedachtsamktit erweckt. Sodann schildert Longuet auf Grund der Unter­redungen, die er mit dem SenatSptäsidenten Dr. Soukup und mit den Ministern Dr. Czech und NeLaS hatte, di« Gliederung der politischen Par­teien in der Tschechoslowakei , die sozialen Fort« schritte der Republik und widerlegt schließlich die deutschen Berleumdungen über shre Bolschewi- sierung. Präsident Dr. Benes Ehrendoktor der Brünner Masaryk-Universität . DaS Schulmini­sterium hat den einstimmigen Beschluß deS Pro- sessorenkollegiumS der philosophischen Fakultät iet Brünner Masaryk-Universität bestätigt, dem Präsidenten Dr. Benes für seine hervorragenden Verdienste und die soziologischen und politischen Wissenschaften die Würde eine» Ehrendoktors der Philosophie zu verleihen. . Dr. Kalfys referiert über die Finanzlage des Staates. In der gestrigen Sitzung deS Spar« auSschuffe» erstattete Finanzminister Dr. Kal« f u S einen Berickf über di« gesamte finanzielle Situation des Staate». In der anschließenden Debatte wurde über die Entvölkerung gewisser Gebiete und über die Population in der Tsche­ choslowakei sowie über die Auswirkungen verhan­delt, die diese Erscheinungen auf das Wirt« schastsleben ganzer Gegenden haben, bzw. haben werden. Weiter befaßt« sich der SparauSschuß mit den L e h r e r g e h ä l t e r n, di: bisher vom Staat budgetmäßig in Form von Vorschüs­sen an die Länder ausbezahll werden, und mit einer Reihe von Angelegenheiten, die in die Kom­petenz des Finanzministeriums fallen. Die Novelle zur Gemeindewahlordnung scheint Anlaß zu einem Konflikt zwischen Abge­ordnetenhaus und Senat zu geben. Bekanntlich hat da» Abgeordnetenhaus schon im Borjahr aus dem RegierungSentwurf jene Bestimmungen ge­strichen, die den Verwaltungsbehörden ist ziemlich> weitem Ausmaß die Möglichkeit geben' sollten, über den Kostenersatz für durchgesallene Kandi­datenlisten nachfreiemErmyssenzu ent­scheiden. Der Senat nahm nun in der Borwoche an dieser Fassung des Abgeordnetenhauses' eine Aenderung vor, wonach Parteien, die' im Parla­ment oder im Senat vertreten find, den Kosten­ersah nicht zu leisten haben, auch wen» ihre Liste in dem einen oder andern Ott durchfällt. Der Senat-berschterstatter begründete dies da­mit, daß'die Parlamentsparteien auch in Orten, Wo sie schwach sind, die doch im öffentlichen In­teresse Möglichkeit haben sollten, wenigstens 'Zählkandidaten aufzustellen und im Wahlkampf für ihr Programm zu werben, ohne dafür finanziell besttaft zu werden. Im ver­fassungsrechtlichen Ausschuß des Abgeordneten­hauses, der die Borlage wieder zugewiesen erhielf, stellte sich gestern der Referent Dr. Hula auf den Standpunkt, daß der Kostenersah eine Sank­tion für leichtsinnige Kandidaturen darstelle und man dem Senat in seiner Argumentation nicht beipflichten könne; man würde sonst die Stellung der politischen Parteien doch, etwas zu stark her­vorheben. Der Referent empfahl daher, zunächst von der Regierung eine Auskunft einzuholen, ob sie von ihrem ursprünglichen Antrag zurückge­treten sei. In der Debatte waren die Ansichten verschieden. Genosse K ä g l e r setzte sich dafür ein, daß man die vom Senat getroffene Aende­rung gutheiße, während die meisten anderen Redner dagegen waren. Der Borsitzende unter­brach schließlich die Verhandlung bis zur nächsten' i Sitzung. Differenz«»»!» die Parität de» Senate»..In der gemeinsamen Prästdialflhung der Heihen Kam- mern stand Mittwoch die Frage der Errichtung eine» gemeinsamen Ausschusses zur Dprchberatung del neuen Bürgerlichen Gesetzbuches, da» in absehbarer Zeit der Nationalversammlung unterbreitet werden wird, zur Verhandlung. Ein solcher Ausschuß müßte durch ein-Gesetz geschaffen Werden. Der Senat steht auf dem auch von der anderen Kammer geteilten' Standpunkt, daß er dabei Anspruch auf«ine gleich st a r t e Ver­tretung wie da» Abgeordnetenhaus habe, während di« Regierung nach Anologi« de» Ständigen Aus­schusses das Verhältnis 1': 2 festseh«» will. In der gestrigen Sitzung wurde über einen Kmnpromiß« antrag verhandelt, wonach einfach die beide» Aus­schüsse'«!» Abgeordneten»»» und Senat zusammen sich al» gemeinsamer Ausschuß konstituieren sollen, Die Beschlüsse diese» gemeinsamen vu»schuffe» wäret» nur für di«' Aulschußanträge' an da»-Plenum bin« dend, während die KaiNmern selbst immer noch eigen« Abinderustgen treffen' könnten. Ucker diesen Vor­schlag wsrd noch sNit der Koalition und bei: Regie­rung verhandelt werden, worauf dann nächste Woche neuerding» da» gemeinsame Präsidium zur Weiteren Btschlußfassung zusammentreten soll.