Mr. 75
Sonntag, 28. März 1987
Zwischen Krieg und Frieden
Gefahrenzone um die Achse Rom- Berlin
bewiesen hat, Russen und Franzosen den Deut fchen und Italienern überlegen. Das deutsche Flugwesen vor allem zeigt schwere Mängel. Die Qualität der Truppe ist bei Russen und Franzofen der italienischen zweifelsfrei überlegen, wahrscheinlich aber auch besser als bei den Deutschen . Die leßten Ereignisse in Spanien beweisen doch, wie leicht die Truppen faschistischer Staaten zu demoralisieren find.
Bei der Verkündigung des Osterfriedens wird seien, Krieg zu führen, weil ihre Rohstoff- Be- Im technischen Material sind, wie Spanien mancher realpolitisch denkende Zeitgenosse erwo- stände, ihre Goldreserven, aber auch ihre rein gen haben, ob wir nun im fünften Jahre der Hit- militärischen Kräfte nicht ausreichen, einen Strieg Terherrschaft und des Durchbruchs einer dynami- gegen eine Koalition der Westmächte und Nußfchen" Politik in Europa dem Kriege gefährlich lands durchzuhalten. Nachdem man lange Zeit die nahe oder ob wir bereits genügend gesichert sind, militärische Bereitschaft und die Rüstungen vor um dem Frieden trauen zu können. Gewiß spricht allem Deutschlands maßlos überschätzt hat, neigt bieles dafür, daß die Gefahr einer Ueberraschung bermindert, die Garantien für den Frieden ver stärkt sind und der Krieg auf jeden Fall zu einem Hasardspiel für den Angreifer geworden ist. Dennoch lasten auf der europäischen Menschheit drükkend die feinesivegs unberechtigten Sorgen um un sere nächste und fernere Zukunft. Denn man muß wohl unterscheiden zwischen der Gefahr eines friegerischen Zusammenstoßes, der sich in längerer Frist und aus langsam steigenden Kriegstendenzen ergeben und dem man auf lange Hand vorbeugen
General Franco
Goebbels
man neuerdings dazu, den Kampfwert, den" Botentil de guerre" beider faschistischer Mächte sehr gering anzuschlagen. Wenn aber auch die faschistischen Mächte militärisch bei weitem schwächer find, als sie vorgeben, wenn ihre Lenter sich auch der militärischen Unterlegenheit bewußt sind, so bedeutet das noch lange nicht, daß sie deshalb den Krieg nicht wagen werden. Und warum weichen denn die Staatsmänner, die auf die eigene starke Rüftung pochen und die Schwäche der faschistischen Mächte betonen, vor deren Drohungen doch immer wieder zurück? Weil sie genau wissen, daß die Diktatoren Hasard spielen und den Sprung in den Abgrund mit der geringsten Erfolgs- Chance doch noch der Abdankung vorziehen werden. Für einen langwierigen Krieg sind heute weber Deutschland noch Italien stark genug. Das Wollen die Faschismen den Krieg? wiffen die Generalstäbe in Berlin und Rom wohl Immer wieder fragen sich die europäischen am besten. Spielt auch die Frage der Goldbestände Staatsmänner, ob die Gefahr so dringend sei, ob heute nicht mehr die Rolle, die liberale Finanzdie Lenker der dynamischen, der faschistischen Staa- theoretiter ihr beimessen, so würde sich doch nach ten den Strieg auf jeden Fall und um jeden Preis it of finest, bie unginifige geographi dhe lage-- sie an der Organisierung des Friedens teilnehmen die dem Gegner die Blockade
fann, und zwischen fenen Gefahren einer Ueberraschung von heute auf morgen, die unmittelbar aktuell sind.
würden.
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der
Man spricht heute meist davon, daß Deutsch land drei Monate Krieg führen könne. Um fiegen zu fönnen, um alle Vorteile für sich zu haben, dürfte Deutschland aber nicht länger ala drei Wochen Krieg führen. Spätestens von der dritten Woche an arbeitet die Zeit unerbittlich gegen Deutschland ( und Italien ). Wohin zielt der Stoß?
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Schon diese Erwägungen sprechen dafür, daß Deutschland weder den Krieg mit den Westmächtendem es im Marokkostreit auch sofort ausgewichen ist noch den großen Kreuzzug gegen Mostau wagen wird, solange sich noch ein anderer Ausweg findet. Dagegen läßt alles, was man über den deutschen Potentiel du guerre, über die Art der deutschen Rüstungen, über militärische Pläne und strategisch- politische Vorbereitungen erfährt, darauf schließen, daß man einen triege= rischen Vor sto ß, sofern und sobald als er aus innerpolitischen Gründen unvermeidlich wird, im Donauraum wagen wird. Das Biel wäre die unmittelbare Einverleibung Desterreichs und vielleicht gewisser sudetenländischer Randgebiete in Hitlers Großpreußen sowie die mittelbare Beherrschung des ganzen Donauraums, von Passau bis Jassy und Braila , durch die Aufrichtung deutscher Satrapien in Budapest , Prag , Bufarest, durch wirtschaftliche, politische, militärische und vor allem kulturelle" Bindung der Donaustaaten an Berlin . Erst von dieser Basis aus würde der neue Anlauf des großpreußischen Imperialismus beginnen, sei es gegen Polen und den Westen, sei es gegen die Sowjetunion .
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Vorverfahren laut§ 16 der Völkerbundssatzung betvilligt worden ist, verweigern oder nicht? Militärisch gesehen heißt das: Kann Frankreich , wenn Deutschland einen Nachbarstaat im Osten überfällt, binnen Stunden über belgisches Gebiet hin= weg gegen Aachen - Köln marschieren oder muß es gegen die Hitler- Linie anrennen, um vielleicht erst nach zehn oder 14 Tagen die Erlaubnis zum Eingreifen über Belgien zu erhalten, in einem Zeitpunkt, da Göring- Blomberg an der Donau fertig" sind und eine operative Reserve von 15 biz 20 Divisionen an den Nieder- Rhein werfen tönnen?!
Auch von Dänemark will Berlin eine strikte Neutralitätserklärung erpressen. Man lobt in jüngster Zeit im Dritten Reich in auffälliger Weise den Realpolitiker" Stauning, der die stan= dinavische Aufrüstung nicht mitmachen und es sich mit Deutschland nicht verderben wolle. Man tadelt sehr heftig Sandler, der Schweden und den ganzen Nordblock enge an das westeuropäische Mächtesystem anschließen will. Dänemark ist wegen
v. Papen
Militärisch und geopolitisch handelt es sich dabei, wie Oberst Moravec in seiner oft seiner Viehbestände, seines Weidelandes, wegen zitierten Broschüre über die strategische Bedeutung der Riegeistellung am Stagerrak und am Sund der CSR für den Westen dargelegt hat, um den und weil es einer englischen Armee und Luftflotte Angriff auf das Sperrfort Böhmen , auf als Basis dienen könnte, für Berlin sehr wichtig. die 8 itadelle Mitteleuropas . Der Man möchte es gern auf unbedingte Neutralität strategische Weg ist aber nicht ein diretter Angriff, festlegen, um es im Striegsfall eventuell„ schütsondern die operative Umgehung, der Stoß zen", das heißt das schlecht gerüstete kleine Land berien und das Marchfeld, der durch ein deutsches Streiftommando und deutſche
Mangel an ausgebildeten Refer- ammenwirten würde( wie eine Nuß"; soll nach ben bemerkbar machen, selbst wenn man sich D. Strassers Zeugnis Göring erklärt haben, werde militärisch halten könnte. Davon, daß man der man die CSR zerdrücken). Im Grunde hängt feindlichen Koalition den Frieden bittiert, könnte alles bavon ab, ob der umfassende Angriff über Wien gelingt. auch in dem für Rom - Berlin günstigsten Fall nicht die Rede sein.
Es liegt im Wesen des Faschismus, daß er zum Problem Krieg oder Frieden anders steht als die Demokratien oder konservativen Rechtsstaas ten. Seine Jdeologie ist auf die Gewalt als das einzige Ordnungsprinzip der Gesellschaft, auf Beide faschistischen Großmächte verfügen Heroismus und Sterben als höchste Werte, auf Eroberung und Unterjochung fremder Gebiete und heute über gewaltige Stoß- Armeen, bie bins Völler als einzigen Beweis der nationalen Bes en Bes währung gerichtet. Er ist innerpolitisch und international überall aufs engste mit der Rüstungsindustrie versippt und er lebt davon, daß er die nationalistischenLeidenschaften aufstachelt und aufpeitscht. Das eben ist seine Dynamit", sein Be= wegungsgeset: er tann nicht stehen bleiben, er muß sich in den Rielen und in den Mitteln von Meilenstein zu Meilenstein seines Weges überbieten, übersteigern, überschreien. So wird er immer wieder kriegerische Lösungen mindestens als Drohung und Repressalie in den Bereich seiner Politik ziehen und Frieden halten kann und wird er nur, solange ihm der Frieden durch Zugeständnisse abgetauft wird und er selbst sich mit„ friedlichen", das heißt durch Erpressung erzielten, Erfolgen be den eigener Anhängern ausweisen und lostaufen kann. Daher die dauernde Suche nach Ventilen.
Der» Blitzkrieg<<
Alle diese diplomatischen Manöver bestäti gen, daß die Preußen im Südostenlosge hen wollen und daß sie eine gefährliche Eile in Der deutsche Vorstoß in den Donauraum ist diesem Bemühen zeigen. Zu solcher Eile treiben für Italien keineswegs erwünscht. Um so mehr ist sie nicht nur die englische Aufrüstung, nicht nur anzunehmen, daß Deutschland ihn versuchen wird, die eigenen innerpolitischen Schwierigkeiten( Lesolange Italien in einer Zwangslage und auf das bensmittelkrise, die im Juli droht!), sondern auch Bündnis mit Berlin angewiesen ist. Man weiß in die tschechoslowakischen Rüstungen und der mög Berlin nur zu gut, daß der italienisch- englische liche Ausbau des donaustaatlichen SicherheitsGegensatz nicht nur Mussolini in Mitteleuropa systems. lähmt, sondern auch die Briten doppelt vorsichtig und unter Umständen zu einem Ausgleich mit Berlin geneigt macht.
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Die gefährlichste Waffe, über die Berlin verfügt, ist nicht seine Armee, so grausige Ueberraschungen der Gewaltstoß nach Südosten Wer die deutsche Diplomatie in den letzten auch bringen mag, die gefährlichste Waffe ist das Wochen aufmerksam verfolgt, wird unschwer ihre Momentderbölligenlleberrumpe Absichten und den gar nicht zu verdeckenden Zu- Iung, das sich zum einseitigen Vorteil des Ansammenhang dieser Absichten mit den Kriegsplä- greifers auswirken muß. Wenn Deutschland Krieg nen im Donauraum errechnen können. Um den führt, dann wird es nur einen Blitzkrieg führen, Vorstoß im Südosten mit größter Wucht führen also ohne jede Warnung, ohne vorangegangenen zu tönnen( Strasser nimmt an, daß mindestens diplomatischen Konflikt, sondern mit dem selbstge= zwei Fünftel des Heeres dafür verwendet wür schaffenen Kriegsanlaß eines a außenpolitischen ben, es tönnten aber unseres Erachtens für den Reichstagsbrandes" über die Nachbarstaaten herersten Schlag auch mehr, also an 40 Divisionen fallen. Die Strupellosigkeit des Faschismus, die mit allen Panzer-, Kavallerie- und motorisier- Tatsache, daß der Hasardeur, der Angreifer, dus ten Verbänden und dem größten Teil der Bom- Gesez des Handelns diktiert und darum einen berflotte sein), braucht Deutschland eine entspre- Vorsprung, sei es auch nur von Stunden, vor dem Selbstverständlich entsteht aus dieser Politit chende Deckung im Westen. Die Hitler Angegriffenen haben wird, geben dem Blitzkrieg eine gewisse Zwangsläufigkeit und gerade der Linie", die wesentlich schwächer als die Magi- getvisse Chancen. Dennoch könnte man bei entspre wachsende Widerstand und die militärische Erstar not- Linie sein soll, wird mit einer Besaßung von chender politischer und militärischer Vorsicht auch tung der Gegenspieler des Dynamismus bers anfangs 24, dann von 30 bis 36 Divisionen und diesen Stoß auffangen, wenn man der Haltung schärfen die Kriegsgefahr, weil sie dem FaschisLandsturm-( SA-) Verbänden die französische Desterreichs sicher wäre, wenn der preußische Stoß mus die Möglichkeit beschränken, friedliche Erfolge Armee wohl einige Wochen aufhalten. Was Hitler zwischen Passau und Wien auf Widerstand tref= durch bloße Erpressung einzubringen, weil sie ihn aber fürchtet, ist die Umfassung der Festungslinie fen würde. Das macht politische Vain die Sadgasse treiben, in der er kapitulieren bom Süden her, über die Schweiz , oder von Nord- tu um, das Desterreich noch immer darstellt, oder was seiner Dents und Gefühlsart mehr weften, über Belgien . Eine Festungslinie von Kon- die formelle Zugehörigkeit Oesterreichs zu dem entsprechen wird sich zum Kampf stellen Schwiegersohn Mussolinis und Außenminister stanz bis Aachen oder gar bis Wesel und Emden Block um die Achse Nom- Berlin, ist das be= muß.*) würde aber zuviel Besazung verschlingen, ihr denklichste Element im mitteleuropäis Das militärische Kräfteverhältnis nen Tagen, vielleicht binnen Stunden an irgends Bau auch mehr Zeit tosten, als man zur Verfü- schen Spiel, es ist neben der Chance der Ueber=" einer Grenze offensiv auftreten können. Nur Nuß- gung hat. rumpelung gutgläubiger Gegner der größte Man kann oft hören, daß weber Deutschland hat eine größere Armee unter den Waffen, So versucht die deutsche Diplomatie, indem Trumpf in Görings Hasardspiel. Die Zugehörigs. land noch Italien , noch beide gemeinsam imftande wird aber soviel Wochen zu ihrem Aufmarsch sie alle ihre Hilfsmittel einsetzt: Einschüchterung, feit Desterreichs zum europäischen Sicherheitss brauchen wie Deutschland oder Italien Tage bes Propaganda, politische Agitation im Rücken des system, die Einbeziehung Desterreichs in den Block,
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*) In sehr eindringlicher und überzeugender nötigen. Man tann mit dem Auftreten von 72 bis Partners, handelspolitische Lockungen und vor der um die Achse London - Paris - Prag grupWeise sind die, aus innerer Gefeßmäßigkeit unb 84 deutschen und rund 40 italienischen Divisionen allem auch Schwüre, Friedensversprechungen, piert ist, würde mit einem Schlag die ganze 3tvangsläufig zum Krieg drängenden Tendenzen des Razismus in der Schrift Otto Straffera sogleich bei Striegsausbruch rechnen. Ihnen stünde Garantien aller Art, die beiden Edtürme, die Situation in Donau - Europa ändern und dem Wohin treibt Sifler?" Verlag Heinrich zunächst wohl eine Minderzahl gegenüber. Schon Flügel- Forts der Rhein - Mosel - Blizkrieg drei Viertel seiner Schrecken nehmen. Grunob, Brag I.) dargestellt und analysiert. Straffer bom gehnten Kampftage an würde sich aber das Linie, eben die Schweiz und Belgien zu Die politische Offensive seigt insbesondere, daß Hitlers Verrat an seinen Verhältnis ausgleichen und in der sechsten Kriegs- neutralisieren. Man verspricht beiden Ländern, eigenen Anhängern, der feit dem 80. Juni 1984 woche könnten wohl, nicht gerechnet englische nachdem man sie entsprechend eingeschüchtert hat, So gefährlich nahe manchmal der Krieg notorisch ist, daß der Bruch aller Versprechungen, die Streitkräfte, mehr als 200 franzöſiſch- tschechoslo- daß man ihre Grenzen respektieren wolle, wenn scheint, so bleibt er natürlich auch für die HasarKapitulation vor dem Kapitalismus und der Ber- watisch- russische Divisionen gegen höchstens 160 fie ihrerseits streng neutral bleiben. Darum geht deure von Berlin und München nur die letzte. aicht auf fozialrevolutionäre Lösungen im Innern beutsche und italienische eingefeßt werden. Denn ia gegenwärtig der Kampf, der in London ausge- Karte. Kann man ohne diesen letzten Einsaß, mit ihm nur den Weg außenpolitischer Expansion lassen. Nur wenn man ihm frieblich diese Expansion gestat insbesondere Deutschland verfügt noch lange nicht tragen wird. Soll Belgien , um Deutschlands Ga- einem Taschenspielertrick die Bank sprengen, so tet, wird er auf den Krieg verzichten. Andernfalls über genügend ausgebildete Reserven, um neben rantie au erhalten, auf jeden Sonderpakt mit den wird man nicht zum Krieg greifen. Solcher wird er Krieg führen, weil er am Ende Krieg füth- der mächtigen Stoßarmee Ersabladers für mehr Westmächten verzichten, also jeden Durchmarsch friedlichen Lösung" dient die politische als 24 bis 80 Divisionen zu schaffen. franto- britischer Truppen, der nicht nach langem Offensive des Nazismus im Donauraum. Wir ren muß.