Nr. 244 Samstag, 16. Oktober 1937 Se!t« S> Wichtige Fristen rar die Gemeindewahlen Die Gemeindewahlordnung enthält keineFristen für die Wahlaus- schreibung. Diese hat vielmehr so zu er* folgen, daß die Vorbereitungen zur Wahl rechtzeitig abgeschlossen werden können. Die Wahl ist im Amtsblatt, ferner durch vierzehn Tage an öffentlichen Plät­zen und sonst in ortsüblicher Weise zu ver­lautbaren. Die Wahlausschreibung muß die wichtigsten Fristen enthalten. Die Fristen werden entweder vom Tage der Wahlausschreibung an gerechnet oder aber vom Werktage. Von der Ausschreibung an sind fol­gende Fristen zu berechnen: Auflegung der Wählerverzeichnisse durch vierzehn Tage. In Gemeinden mit mehr als 5000 Ein­wohnern. binnen acht Tagen von der Auflegung der Wählerverzeichnisse kann die Ausfolgung von vervielfältigten Wäh­lerverzeichnissen verlangt werden. Binnen weiteren acht Tagen sind die beiläufigen Herstellungskosten beim Gemeindevorste­her zu erlegen.' Vom Wahltage zurück sind folgende Fristen zu berechnen: Spätestens vierzehn Tage vor der Wahl bis längstens 31. Oktober. Ueberreichungder Kan­didatenlisten(bis 12 Uhr mittags). (Binnen drei Tagen-- bis längstens 3. November, ist die Ortswahlkommission zur Richtigstellung der Kandidatenlisten einzuberufen.)> Spätestens am zehnten Tage vor der Wahl 4. No­vember, Ergänzung der Kandida­tenliste, wenn ein Kandidat verzich ­tet, stirbt, die Wählbarkeit verliert oder gestrichen wird. Spätestens acht Tage vor der Wahl--- bis läng­stens 6. November, Verlautbarung der Wahl durch den Gemeindevorsteher. In allen lokalen, in welchen die Wäh­lerverzeichnisse aufliegen, sind die Kandi­datenlisten anzuschlagen. Neuerliche Auflegung der Wählerverzeichnisse bis zur vierzehnten Stimde des letzten Ta­ges vor der Wahl. Anmeldung der Koppelung der Kandidatenlisten durch die Bevollmächtig­ten der Wahlgruppe beim Gemeindeamt. Namhaftmachung der Vertreter der Wahl gruppe in der Wahlkommission durch den Wahlbevollmächtigten. Spätestens am dritten Tage vor der Wahl 11. N o- v e m b e r. Zustellung der Wählerlegitimationen und Kandidatenlisten an die Wähler. SudettMieuistkeb fälswtäff Weltdemokratie im Kampfe Abgeordneter Jaksch vor den Bodenbacher Vertrauensleuten In einer förmlichen Massenversammlung von mehr als 300 politischen und gewerkschaft­lichen Vertrauensleuten des Bodenbacher Zen­trums sprach am Freitag, den 15. d. M. in der Volkshalle in Bodenbach Abgeordneter Jaksch über außenpolitische Fragen. Im Mittelpunkt seiner interessanten und fesselnden Ausführungen stand die Eröörterung der Achsenpolitik Rom Berlin und He aktuelle Problemstellung im Mit­ telmeer . Die Demokratien seien in diesem Ringen weit stärker als es die taktischen Schachzüge der faschistischen Staaten erkennen lassen:'Das fa­schistische Erprefferkartell profitiert vorläufig da­von, baß die demokratische Front Linen europäi­schen Krieg vermeiden will, solange noch ein Pro­zent Chance zur Rettung des europäischen Frie­dens besteht. Dabei soll nicht übersehen werden, daß die faschistischen Bundesgenossen nur im Negativen geeinigt sind. Wenn nach der Berliner Rede Mussolinis das Europa von morgen faschi­stisch sein soll, so könnte es nur einen faschi­stischen Diktator geben. Wer das sein würde, darüber scheint zwischen Mussolini und Hitler noch keine Uebereinstimmung zu bestehen. Das vorsichtige Lavieren der Westmächte in der Mit­telmeerfrage und besonders in der Frage Spa­ nien gibt über die realen Kräfteverhältnisse kei­nen Ausschluß. In London und Paris weiß man über die inneren Verhältnisse in den faschistischen Staaten hinreichend Bescheid. Deshalb hat man dort weniger Eile als Mussolini . Das blutige Grauen auf den Schlachtfeldern in Spanien und China hat dazu beigetragen, die moralischen Wi­derstandskräfte gegen den Weltfaschismus zu ver­vielfachen. Die Rede Roosevelts hat tatsächlich die Gefühle von neun Zehntel der Menschheit ver- dolmescht. Die praktische Mitarbeit Amerikas in der Friedensfront, die' sich damit anzukündigen scheint, wird das Ende der Weltwirtschaftsträume £e§ Faschismus bedeuten. Die Ausführungen des Abg. Jaksch wur­den mit lautem Beifall entgegengenommen. Im weiteren Verlauf der Versammlung sprach Karl Kober über unseren Arbeitsplan in nächster Zeit. SdP beruft sich auf Hitler Der»Volksruf", das westböhmische Blatt der Henleinbewegung, veröffentlicht eine Rede, die Abg. W o l l n e r am Samstag in Kö­nigsberg a. d. Eger gehalten hat. In dieser Rede heißt es u. a.: In den Reihen des Sudetendeutschtums werden wir für die Bewahrung unseres Bolkstei- les vor der Bolschewisierung eintreten und garan­tieren für die Sauberhaltung. Die Staatsleitung aber möge sich die Worte des Führers unseres mächtigen Nachbars immer gegenwärtig halten, daß Deutschland an seinen Grenzen keinen Bol­schewismus dulden werde." Herr Wollner liefert also gewissermaßen eine V o r s ch u ßbegründung für ein Vorgehen gegen die Tschechoslowakei . Was Bolschewisierung ist, das bestimmt bekanntlich die Sudetendeussche Partei. Wenn man aber deren Weisungen in Prag nicht zur Kenntnis nimmt und das weiter duldet, was sie als Bolschewismus bezeichnet, dann wird der Ehrenkorporal eingreifen. So sagt Wollner. Soweit sind wir also schon gekommen, daß die Loyalen offen mit der ausländischen Inter­vention drohen! Henlein prahlt schon wieder mit vertraulichen Verhandlungen** London.(Gig. 23er.) Die Londoner Presse nimmt von dem Besuch und dem Bortrafl Hen­leins kaum Notiz. Nur der«Daily Telegraph " bringt ein Interview, in dem Henlein sein Pro­gramm der Lösung der Minderheitenfrage und I Ausstellungen da und dort DieZeit" veröffentlicht jetzt Tag um Tag Enthüllungen Wer dasKunstbabel" Prag . Ähr haben es vor allem die politischen Karikaturen auf der Mänes-Ausstellung angetan, die sie Hetz"-Karikaturen nennt. Aber auch gegen den übrigenKulturbolschewismus" zieht sie zu Felde, der nach ihrer Meinung in der Ausstellung zu sehen ist. Tassächlich hat sie auf diesem Wege der Hetze und des Scharfmachens reichsdeutscher Stel­len gegen die Ausstellung dieZeit" ist doch dem Dritten Reich verpflichtet! dieEntfer- nung einiger Bilder erreicht. Es sei aber daran erinnert, daß es noch vor kurzem eine SdP-Ausstellung gab, in der aus­ländische Staatsmänner, und dazu noch solche, die mit der Tschechoslowakei verbündete Staa­ten repräsentieren, in der Welsten, ekelerregend­sten Weisekarikiert"zu sehen waren. Es waren Karikaturen aus demI g e l", mit denen die Wände.behängt-waren,, und also besteht die Ge­wißheit, daß sie auch mit Kunst nicht das min­deste zu tun hatten. Vor allem hatten die Herren, die jetzt die Kultur-Gestapo des Dritten Reiches spielen, den damaligen französischen Ministerprä­sidenten Leon Blum aufs Korn genommen. Damals gab es keine Polizei, die gegen die SdP-Ausstellung einschritt und kein aus­wärtiges Amt, das im Interesse der guten Bezie­hungen zu Frankreich die Entfernung der anstö­ßigen Bilder veranlaßte! Offenbar hat die Kühn­heit der SdP doch erreicht, daß ihre Ausstellun­gen alsTabu" ebtrachtet werden, während sie Brief an den Zeibnieoel Verherrlichung des Faschismus auf der Bühne Am Donnerstag wurde im Teplitzer Stadttheater das SchauspielAlle gegen einen einer für alle von Fried­ rich Forster aufgeführt. Das Urteil über den dichterischen Wert des 8tückes bleibe dem Fachreferenten vorbehalten. Hier aber ist mit aller Deutlichkeit die Frage zu stellen, aus welcher Auffassung heraus sich die Direktion des Teplitzer Theaters die Aufgabe zuweist, für eine Staatsform Propagandadienste zu leisten, deren politischer Inhalt der Kampf gegen die Demokratie ist. Friedrich Forster benützt einen Stoff aus der schwedischen Ge­schichte, um das totalitäre Führertum zu glo­rifizieren. Jedem Besucher wird eindeutig klar, daß die von den Dänen unterdrückten Schweden das Deutschland der Nachkriegs­zeit sind, und daß der Freiheitsheld Wasa Ihn", den Gottnahen, den Erlöser, denFüh­rer", darstellen soll. Daß dieSudetendeut­ sche Partei das Stück gleich für zwei ge­schlossene Vorstellungen hat und den Besuch dieser Vorstellungen durch ihren Führer Kon­ rad Henlein ankündigen läßt, wird auch den leisesten Zweifel daran zerstören, daß For­ sters Stück eine Huldigung für die national­sozialistische Diktatur bedeutet. Wir wiederholen darum die Frage, ob es zur Aufgabe einer sudetendeutschen Bühne gehören kann, einer solchen Huldigung Raum zu geben. Wir fügen die zweite Frage an, ob der Fa­schismus die gleiche Duldsamkeit auf brächte, wenn drüben ein Theater den Versuch wagen sollte, ein für demokratische Ideen werben­des, gegen die Diktatur gerichtetes Schau­spiel auf die Bühne zu bringen f Wir stellen die dritte Frage:Welche Rolle würden wohl die 8üdtiroler deutschen Bauern dem Faschismus in einem Freiheits­drama zuteilen, das ihr Schicksal nach der Formel des schwedischen Befreiungskrieges darzustellen hättet Wo wäre in diesemDrama der Schauplatz für alle jene, die um ihrer Liebe zum Volke willengeschändet",gefol­tert undgemordet wurden f Und wir fragen, welches Urteil über die endlicheFreiheit" alle jene haben, die nicht mehr sprechen, schreiben, denken dürfen f gliedersperre unterstreicht, weil der Mit­gliederstand unbefriedigend sei. Die Bei- tragslei st ungen bei der SdP seienmehr als katastropha l". SdP-Kundgebung in f»plitz verboten Alle von der SdP für Sonntag, den 17. Oktober d. I. in Teplitz-Schönau angekündigten Umzüge sowie die Volksversammlung auf dem Rebellenflugplatz erfolgreich bombardiert Valencia . Rund 100 Regierungsflug­zeuge unternahmen am Freitag einen Anflug auf den Aufständischen-Flugplatz in Garra Pinillas bei Saragossa , lieber 30 Flugzeuge der Aufstän- bischen, die sich auf dem Flugplätze befanden, wurden vernichtet. Gijon bombardiert Freitag bei Morgengrauen überflogen sieben Bomber der Ausständischen die Stadt Gijon und warfen rund 100 Bomben ab. DaS Bombar-! dement dauerte etwa eine halbe Stunde. Die tlufständischen-Flugzeuge flogen sehr niedrig und beschossen die Zivilbevölke­rung auf den Straßen aus Maschinengewehren.! Die Zahl der Opser ist noch nicht bekannt. Die; Aufständischen-Flieger unternahmen dann nochI einen zweiten Angriff auf die Stadt, wobei sie zahlreiche Brandbomben abwarfen, die viele Brände hervorriefen. Madrid . Freitag früh wurde Madrid neuerlich von der Artillerie der Aufständischen be­schossen. Bolle zwei Stunden hindurch schlugen die Geschosse in verschiedenen Bierleln der Haupt- siadt ein. Da die Beschießung in den frühen Mor­genstunden vorgenommen wurde, erforderte sie nicht viel Opfer. Die böhmische Landesvertretung vertagte sich Freitag, nachdem sie das KapitelHandel und Gewerbe" erledigt hatte, bis zum Dienstag der kommenden Woche. Zu dem genannten Kapitel sprach u. a. Landesvertteter Wondrak-KarlSbad , aus dessen Rede wir morgen zurückkommen werden. der Aenderüng bzw. der Neu-Adaptierung der Verfassung darlegt. Er hält sicitz übrigens in all­gemeinen Phrasen und Gemeinplätzen. Die Lö­sung der sudetendeutschen Frage in seinem Sinne werde für alle Minderheiten der Welt richtung­gebend sein. Bis vor kurzem, erklärt Henlein , habe die Regierung ihn nicht zu Verhandlungen herangezogen. Neulich aber habe Ministerpräsi­dent Hodza ihn eingeladen und rückhaltlos und vertraulich mit ihm die Wünsche der SdP und die politische Lage erörtert. Im Parlament würden nunmehr die Anträge der SdP diskutiert werden. Soweit der Londoner Bericht. Zu, dieser Prahlerei Henleins erfahren wir aus zuverlässiger Oizelle, daß Henlein bei Mini­sterpräsident Hodza nur einen Kondo­lenzbesuch nach dem Ableben des Präsiden­ten Masaryk abgestattet hat. Andere Besuche von SdP-Politikern dienten bekanntlich dem Zweck, eine Intervention zugunsten gewisser, von Ver­haftung wegen Paragraph 129b bedrohten Partei­funktionäre herbeizuführen. Auch dies ist, wie die Verhaftungen beweisen, nicht gelungen. Mitteilungen aus dem Publikum. Ist Kerzenlicht wieder modern'? Die Bestätigung gibt uns wohl, am besten ein Blick in die Werkstätten für modernen Hausrat. Ueberall find Künstler da­mit beschäftigt, Leuchter auS Holz zu schnitzen, auS Porzellan zu brennen, aus Glas zu blasen, auS Metall zu treiben. In der Wohnung von heuie schätzt man neben den strahlenden Lichtquellen den traulichen Kerzenschein, der den angespannten Nerven Erholung gewährt und dem Tee trinkenden Bridgegast Ruhe und Sammlung schenkt. Solchen ruhigen, sanften Schimmer geben die seit Generationen beliebten Apollokerzen, die. niemals rußen, flackern oder tropfen.81 sich mit Erfolg die Zensorenrolle Wer alle anderen Ausstellungen anmaßt. Jetzt hat man die Hitlerkarikaturen aus der Mänes entfernt. Bald wird die SdP, die durch den Mund des Herrn Wollner schon das antibol­schewistische Eingreifen des Ehrenkorporals an­kündigte, die Beseitigung aller Bilder verlan­gen, die sie als b o l s ch e w i st i s ch bezeichnet. Man sorgt ja dafür, daß die Kühnheit dieser Her­ren immer größer wird. Aufgelockerter Boden DerBolkswille" macht in einem Bericht über die derzeit durchgeführte Werbeaktion der DSAP im Karlsbader Bezirk fol­gende interessante Fessstellungen: Während vor zwei Jahren noch sich der Kleinarbeit von Haus zu Haus gewisse Schwierig­keiten in den Weg stellten, was uns natürlich nicht veranlassen konnte, vor diesen Schwierigkeiten zu­rückzuschrecken, begegnen wir nunmehr einer freundlichen Aufnahme in den Reih'en der Indifferenten, nicht zuletzt aber auch bei irregeführten SdP-Leuten, die sich enttäuscht von dieser Partei abwenden. In nicht geringer Zahl befinden sich frühere SdP-Mitglieder in denVerzeich- nissen unserer neugewonnenen Mitglieder. Die Ereignisse der letzten Tage, die auf die SdP-Jugenderzieher ein so schlechtes Licht wer­fen, werden wiederum vielen wirklich anständigen und saWeren Menschen die Augen öffnen. Sie werden sich schon ihre Gedanken darWer machen, wie es in der Praxis bei dieser Partei bestellt ist". An anderer Stelle vermerkt derBolks­wille", daß die SdP-Ortsgruppe Eger in Rund« jchreiben die Aufhebung der Mit» Katastralgebiet von Neudörfel bei Teplitz-Schö­ nau wurden amtlich verboten. Massen­exkursionen zum Besuch dieser Veranstaltungen könnten nicht zugelassen werden. Eine merkwürdige Geschichte. Bor einem Jahr kam es zwischen der Gendarmerie von Ko- stenblat und einigen Wilderern im Kostenblater Jagdrevier zu einer Schießerei. Nach dem Anruf der Gendarmerie eröffneten die Wilderer auf die Wachorgane das Feuer, das von ihnen erwidert wurde. Nach längerem Geplänkel sind die Wilde­rer verschwunden, ohne daß die Gendarmerie die­sen Leuten auf die Spur gekommen wäre. Am Dienstag in den Abendstunden soll ein Gast in einer Schenke in Bilin von dieser Schießerei er­zählt haben und noch am Abend wurde die An­zeige erstattet, so daß die Gendarmerie noch am Abend um halb 11 Uhr eine Hausdurchsuchung bei Apotheker T. und beim Sekretär S. des Ge- fällS-KontrollamteS vornahm. Beide wohlbekann­ten Personen von Dux, wurden gleichzeitig ver­haftet und dem Bezirksgericht Bilin eingeliefert. Wie weit diese ganze Sache mit der Schießerei von KosteWlat und der Verhaftung dieser zwei Personen verquickt ist, konnte bis zur Stunde noch nicht festgestellt werden. Der parlamentarische SparauSschuß, der Präsident des Obersten RechnungskontrollamteS und das Präsidium der Wehrausschüfle der bei­den Kammern der Nationalversammlung unter­nahmen in Begleitung des Nationalverteidigungs­ministers eine Besichtigung mehrerer Berteidi« gungsvorkehrungen.