WhutitWioft und Sozialpolitik Pollthche Unruhe erschwert Wirtschaftsbesserung Der Bankrat der Nationalbank hielt am 8t. d. M. seine ordentliche MonntSsitzung unter Vorsitz des Gouverneurs JUDr. Karel Engliä ab, der vor Erledigung der Tagesordnung dem vcr» siorbcncn Vorsitzenden deS VerlvaltungSrateS der Eloda-Wcrkc Dc. Karel Loevenstein einen Nach« ruf widmete. Dem vorgebrachten Geschäftsbericht entneh­men wir folgendes: Die Entwicklung der politischen Ereignisse bringt keine Besserung der Voraussetzungen für die Wirtschaftsentwicklung. Die Wirtschaftslage der Tschechoslowales ge­staltet sich im ganzen weiter günstig, in einigen Zweigen, wo die Beschäftigung auf die Bewe­gung der internationalen Rohstoffpreise leicht «agiert, zeigte sich eine geringere A b s ch w ä- chung. Die Saisonentspannung des Geldmarktes nach Neujahr war Heuer ausgeprägt. Bei den Geldanstalten sammeln sich Bargelder an, da das neueKredttinteresse für die Er­zeugung vorläufig gering bleibt. Aus der Hauptstadt und der Provinz treffen Nachrichten ein über die sehr günstige Spareinlagenentwick« lung bei ständigem AiUvachsen der Frequenz vor allem der Heinen Einleger. Die Entwicklung der Einnahmen der Staatskasse an Steuern und Abgaben bleibt auch im neuen Jahr ganz zufriedenstellend. TaS Niveau der Großhandelspreise erfuhr zum 1. Feber fast keine Aenderung. Der Index der empfindlichen Preise sank im ganzen ein. wenig. Beim Niveau der Kleinhandelspreise und gndex der Lebenshaltungskosten wurde Im Jän­ner eine mäßige Befestigung beobachtet. Die Jndustriebeschäftigung hat sich im allge­meinen nicht geändert und bleibt weiter günstig. In den Saisonzweigeu wird in den letzten Tagen mit der Wiederaufnahme der Arbeit begonnen. Bei der bisherigen unsicheren Lage der Weltroh- ftossmärkte war namentlich in der Textil- indu st r i e ein Rückgang der Auftragseingänge zu beobachten. An den Provinzbczirkcn steigt die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Investitions­mitteln. Die Arbeitslosigkeit hat im Jänner sai«\ Man erhält für KL 100 Reichsmark....... -583. Marlinünzrn. 078 100 österreichische Schilling.. 526.50 100 rumänische Lei 14.85 (00 polnische Zloky..... 523.50 100 ungarische Pengö.... 561.50 100 Schweizer Franken... «61.50 100 französische Franc»... 92.20 1 englisches Pfund.... 142.50 1 amerikanischer Dollar... 28.32 100 italienische Lire.... 121.40 100 holländische Gulden,.. 1588. 100 jugoslawische Dinare... «2.42 100 Belga »....... 482 100 dänische Kronen.... «31. 100 schwedische Kronen.... 730. saumäßig etwas zilgcnommen, sie hält sich jedoch ständig unter dem Niveau des Jahres 1081. Im Jänner-Außenhandel ist der hohe Ex­port bemerkenswert, der neuerdings die in dem­selben Vorjahrsmonat erreichten Daten übertraf, insbesondere im Posten der Fertigwaren. In der Einfuhr bestehen gegen Jänner des Vorjahre? keine größeren Aendcrungen. Die Jänner-Bilanz endete mit einem starken Altivum, das zur Hälfte auf Länder mit freiem Deviseninkaffo entfällt. Die Kursentwicklung der tschechosiowalischen Devise auf den Auslandsbörsen war wieder voll­kommen ruhig und stetig. Der tschechoslowakische Außenhandel mit Sowjetrußland In derHospodäkflä Politika" weist Dr. NechamkiS darauf hin, daß der in den Jahren 1938-1988 verheißungsvoll elnsetzende Auf­schwung deS tschechosiowalischen Exports nach USSR im Jahre 1987 zum Stillstand gekommen ist und sich gegenüber 1988 fast um die Hälfte verringert hat. Die Frage der Jndustrielredite für die Ausfuhr in die Sowjetunion ist bei uns in der letzten Feit sehr aktuell. Gegenwärtig wird über einen neuen Kredit in der Höhe von 250 Millionen XL für 5.8 Prozent und acht Jahre verhandelt. Nach den Berichten der Tageszeitun­gen verlangt die Sowjetunion diesen Kredit in der Form eines Finanzkredites, was bedeutet, daß das geliehene Kapital auch zu an­deren Zwecken Vertvcndet werden könnte, als zum Wareneinkauf in der Tschechoslowakei . Die Frage eines Exportkredits für Sowjetrnßland stellt sich aber heute tvesentlich anders dar, als vor drei Jahren. Manche Industriezweige, namentlich die Jnvestitionsindustrie, also diejenige, die für den Export nach Sowjetrnßland zumeist in Betracht kommt, haben sogar ihre Kapazität vom Jahre 1929 überschritten und befinden sich in Hochkon­junktur. Die Waren dieser Industriezweige sind sowohl tm Inland als auch im freien Ausland leicht verkäuflich, und zwar für Devisen, die wir für unsere Rohstoffeinfuhr brauchen. Obwohl der Am 19. Feber trat der Verwaltungsaus­schuß der Amtsstelle B der Allgemeinen Pen- sionSanftalt in Prag zu seiner ersten ordentlichen Sitzung im lausenden Jahre zusammen. Auö dem vom Direktor vorgelegten Bericht werden insbe­sondere folgende Daten angeführt. Die Zahl der Pflichtversicherten der Amtsstelle ist auf 79.088 und die der freiwilligen Versicherten auf 2887 gestiegen. Die Anzahl der Anerkennungsgebühr zahlenden Versicherten hingegen ist auf 8708 ge­sunken. Die Gesamtzahl der Dienstnchmermitgkie- der der Amtsstelle beträgt somit 88.780. Die Zahl der Dienstgeber ist auf 18.880 gestiegen. Die Beitragsvorschreibung hat im Jahre 1937 XL 108,817.999. erreicht. Der auf einen An­gestellten durchschnittlich entfallende jährliche Versicherungsbeitrag ist weiter auf XL 1285.08 zurückgcgangen. Die Abschreibungen deS letzten Rückgang unseres Exportes in die USSR allge­mein mit der Erschöpfung des Exportkredits er­klärt wird, darf man nicht dir Tatsache übersehen, daß die tschcchoflowakische Ausfuhr nach Sowjet­rußland in der Zeit des ersten FünfjahrplanS, In welcher zwischen ihm und der Tschechoslowakei keine geregelten Verhältnisse waren, nm ein mehr­faches höher war als jetzt. Wir stehen also von der Tatsache, daß der jetzige zweite Fünfjahrplan der Sowjetrepublik, welcher keine geringeren Ein­käufe im Ausland erfordert, als der erste, für dio Tschechoslowakei nicht die Bestellungen gezeitigt hat, die sich auf Grund unseres DündniSverhält« niffeS erwarten ließen. Es ist also auch auf dev anderen Seite mehr guter Wille nötig, damit die wirtschaftliche Zusammenarbeit die Argumenta­tion der weiteren außenpolitischen Zusammen­arbeit festige. Kartoffeltrockminq und Broterieugung| Herr Alfred RoSmanith hat seinerzeit in der tschechoslowakischen landwirtschaftlichen Akademie einen Vortrag gehalten, der jetzt in Droschürenform unter dem TitelKartofseltrock- nung nnd unser tägliches Brot" erschienen ist. Der Berfasier legt zunächst dar, welchen hohen Nährwert das Kartoffelwalzmehl, da» veredelte Mahlgut ans dem TrocknunaSprodukt der Kar­toffel(daS ist die Kartoffclsiockej besitzt Wäh­rend das Roggenmehl einen Stärke« und Zucker­gehalt von etwas Aber 85 Prozent besitzt, weift das Kartofsclwalzmchl einen solchen von 78 Pro« zent auf. Durch einen Zusatz deS Kartoffelwalz- mehls zum Brot wird, wie der Verfasser ausführt, dieses schmackhafter und trocknet nicht so leicht au». Die Aussiger Arbciterbäckcrei bat den Ver­such unternommen, die theoretischen Auffassungen deS Verfassers praktisch nachnivrüfen und berich« te' in ihrem Gutachten, daß die Qualität deS Brotes durch den Zusatz von Kartoffelwalzmehl verbessert wird, daß der Nährstossgehalt steigt nnd daß die Frilcherh-rltung deS Brotes größer 'st als beim gewöhnlichen Roggenbrot. Auch daS Ministerium für Nationalverteidigung hat in seinen Bäckereien ähnliche Erfahrungen gemacht. Besonders bedeutsam aber erscheint dem Ver­fasser die Tatsache, daß die Kartoffel große Men­gen des Vitamin» C enthält, de»srll>en Vitamin», welches der ungarisch : Forscher Szent György! Jahres betragen 0.2 Prozent der Jahresvorschrei« bung. An Leistungen wurden im Jahr« 1937 u. a. auSgezahlt an JnvaliditätSrentcn XL. 37,878.080.45, an Altersrenten 82,580.940.05 XL, an Witwenrenten XL 21,187.416.10, an Waisenrenten XL 8,778.280.18, an Erziehungs­zuschüssen XL 2,172.829.80, in DegräbniSgeldern XL 1,880.800.58, an Ausstattungsbeiträgen XL 6,018.483.45, an Erhöhungen gemäß 8 177a rund 22 Millionen XL, an Stellenlosenunter­stühungen XL 1,877.074., an Krankenpflege der Rentner XL 3,894.134.. Die jährliche Stei. gerung in Prozenten gegenüber dem Stande am Ende des Vorjahres betrug bei den Invaliditäts­renten im Jahre 1985 7.94 Prozent, im Lahre 1936 4.85 Prozent und im Lahre 1937 1.09 Prozent. Die Leistungen der Allgemeinen Pensionsanstalt Bericht der Amtsstelle B für 1937 100. Geburtstag des Erfinders des Saxophons In diesen Tagen sind hundert Jahre vergangen, daß Adolphe Sax , der Sohn eines deutschen Vater», in Belgien geboren wurde. Er erfand dar nach ihm be- rannte Saxophon, das heute zu den modernsten und beliebtesten Musikinstrumenten gehört. Aus diesem Anlaß hat seine Geburtsstadt Dinant beschlossen, Adolphe Sax , dessen Schicksal ebenso seltsam wie die Geschichte seine» Instrumente» ist, ein Denkmal zu sehen. in dem Paprika entdeckt hat. Die Kartoffel hat aber den Vorzug, daß sie ein VolkSnahrungö» mittel ist, während Paprika ein Geioürz ist. Durch Zusatz von Kartofselwalzmehl könnte man also ein Bitaminbrot erzeugen und die über­schüssigen Kartoffclvorräte entsprechend verwer­ten. Der Verfasser ist bemüht, daß auch im deut­schen Gebiet solche VcrwertungSanlagen geschaf­fen werden. Fast neun Millionen Arbeitslose Washington. Der Senat nahm die bereits vom Repräsentantenhaus gutgeheißene Vorlage an, die weitere 250 Millionen Dollar für Not­hilfezwecke bewilligt. Arbeitsminister, Fräulein PerkinS, erklärte, daß die Arbeitslosenzahl von Mitte Dezember bis Mitte Jänner um 1,300.000 zunahm. Die gesamte Lohnsumme nahm um nahezu 20 Millionen Dollar wöchentlich ab, ge­genüber dem Niveau im Dezember. Eine Privat­statistik schätzt die Zahl der Arbeitslosen im De­zember auf 8,900.000. Fischer Patjak Perth Ihr Kampf Die wahren Ziele der SdP Diese aufschlußreichste Schrift über Entstehung und Entwicklung der Sudetendentschen Partei ist soeben in bedeutend erweiterter Fassung in deut­scher Sprache erschienen. 140 Seiteir Preis XL 14. Organisationen erhalten Rabatt! Zur beziehen durch die Zrutralstclle für da» Bit « dnngSwesen, Prag XU., Slezfla 13. ver Deserteur Im Schneetreiben marschierte das Kaiserjäger- reglment die granatcnzerlöcherte galizische Straße entlang. Das Gehen war immerhin besser als die »gelange Fahrt in de» kalten, zugigen Viehwagen für ,48 Mann oder 8 Pferde" auf schütterem, be­reit» mit Läusen bevölkertem Stroh. Im versinken­den Tageslicht dampfte der Atem der Hunderte und ließ mit dem Schneegestöber zusammen das aus­einandergezogene Regiment wie«in kriechendes Reptil erscheinen. Kein Kommando wurde laut, auch di« Offiziere an der Spitze trotteten schweigend voran; die Schneid vom Äasernenhof war verflüchtig! vor dem Kommenden, denn da vorn drohte die Eis­hülle dec Karpathen. Rach kurzer Rast und Labung in einem fast gänzlich niedergebrannten ruthenische» Bauerndorf begann in einem vom Russen nicht eingeseheneu Erstemal der Aufstieg in die Feuerstellung. Glei­tend, stürzend, ständig nach dem Vordermann tastend, tvand sich die Schlange aus schwer atmenden Män­nern einpor; jetzt waren sie noch Väter, Brüder, Söhne, in der nächsten Stunde vielleicht schonHel­den" oder Tote. Die Ablösung des Regiment» ging glatt vor sich. Rach der Aufteilung der Kompanien auf die einzelnen Grabenabschnitte meldeten die llnter- okfiziere dem Hauptmann den MaunschaflSstand. Ein Mann fehlte, der Gefreite AloisGuggner. Ter Hauptinann sann eine Weile nach, dann machte er:Mhml Eigenmächtige Enisernungl Tot« sicher! Dreimal Urlaub abgeschlagen, hat sich ihn also selbst genommen! Na... I Danke! Abtrete»!" Die Offizier« und Unteroffiziere kehrten zu ihren Gruppen zurück. Die Narpathennacht, für viele die erste und letzt« Nacht im Schützengraben, lag mit undurchdringlicher Schwärze über den Stellungen. Äugeln pfiffen unablässig, Leuchtkörper erschiene» und vergingen wie Kometen, Geschützdonner polterte vervielfacht von Berg zu Berg. Gegen Morgen lief die Parole durch die Stellung:Vermutlicher An­griff ter Russen am linken Flügel, erhöhte Auf- merksainkeit, Feuerbereitschaft, Verstärkung der Feld­wachen!" Und der fehlende Mann schien vergessen. 2m Tiroler Hochgebirge donnerten die Lawinen. Auf schmalem, schneevertvehtem Saumpfade kämpfte sich ein Mann vorwärts. Wenn er über sich da» von Jugend auf bekannte Rauschen Hörle, preßte er sich a» vereiste Felswände, um gleich darauf wieder vor» und austvärt» zu hasten. Seit Stunden rang er so mit den Nalurgewalten und mit dem tveißen Tod der Alpen . Doch ein Halten gab es für ihn nicht. Hoch droben in einer kleinen Almhüite lag das Weib, das ihm schon zwei Kinder geboren hatte, einsam und von aller Welt abgeschnitten, wieder in KindeSnöten. Vielleicht auch kam er schon zu spät, fand nur noch eiSerstarrte Leichen vor. Acht Tage vor dem Ausmarsch deS Regiments war er das letztemal bei der Erwartenden gewesen. Er niöge sich nicht sorgen, hatte sie gesagt,«S sei noch eine Woche Zeit. Dann kam der überraschende Abinarsch in» Feld, die Fahrt und AuSwaggonierung in Neu-2andez. Guggner, der primitive Holzknccht, hatte gegrübelt und auf der Fahrt an den knochige» Finger» die Tage bis zur Niederkunft zufammenge« zählt. Auf dem Marsche zur Front riß eS ihn dann urgewaltig herum, er blieb alsfußmarod"" zurück, bis da» Regiment außer Sicht war, und dann be­gann eine abenteuerliche Fährt zurück auf Lastwagen und in Militärzügen, bis er, einen Arm in der Binde und den Kopf verbunden, in einen Verwundeten« tranSport gelangte, mit dem er alsLeichtverwun­deter" bis in die Nähe der Heimat kam. Und dann begann die Hatz nach oben. Die letzte Nacht, die er in einer FejSspalte stehend, eifrig die Anne schlagend und von einem Fuß auf den andern tretend, verbracht hatte, war vorüber, nun waren nur noch einige hundert Meter Aufstieg zu überwinden. Meist auf den Knien krie­chend, überwand der von Jugend gestählte Berg­mensch die letzten Hindernisse, dann setzte er in gro­ßen Sprüngen über eine verwehte Matte und stand zitternd und lauschend an der Tür der Holzhütte. Alles totenstill! Er drückt gegen die vereiste j Tür. Drinnen ein Laut, ein stöhnender Laut. Ein Ruck, und er hat die Tür ausgeriffen...:Annerl."' .Loist"... Er kam in der letzten Minute. Bald flackert daS Herdfeuer auf, brodelt Wasser, ditz.. blinden Scheiben beschlagen sich. Und dann ringen Weib und Rann um da» Kommende, um daS dritte Kind... Um wenige Tage Urlaub hatte Guggner seinen Hauptmann gebeten, den er in Serbien auS dem Feuer getragen, der ihn mit der großenSilbernen" ausgezeichnet und zum Gefreiten befördert hatte. Ter Oberst hatte die Bitte dreimal abgeschlagen. Wegen derMarschbereitschaft"! Nun, da Guggner seine Menschenpflicht als Mann und Vater erfüllt hatte und sein Weib außer Gefahr wußte, riß eS ihn wieder herum, diesmal nach der Front. In weite» Sätzen, gleitend, sich oft überschlagend, kam er zu Täl. Wieder begann er an den Fingern zu zählen, diesmal die Tage, die er vom Regiment ab­wesend war. Für jeden Tag, so dachte der Einfäl­tige, einen TagStrengen". Aus dem Felsspalt hatte er die dort verborgene Ausrüstung, die er alsLeichtverwundeter" hatte behalten dürfen, wieder herausgenommen und fick damit beladen und war wieder pflichtbewußter Sol­dat. In zwei Stunden war er in der Garnison , wo er sich melden und um einen sofortigen Transport zur Front bitten wollte. Als er die vereiste Land« straße entlang marschierte, sah er einen Gendarmen kommen. Aha, dachte er, auch ein Uniformierter! Wird gleich fragen, wo ich mir dieSilberne" ver­dient habe. Da standen sie schon beieinander. Guggner fuhr mit einemGrüaßgohtl" gewohnheitsmäßig mit der rechten Hand zum Gewehrschaft hinunter. Der andere aber war sehr kurz angebunden:Gefreiter Guggner?... Wegen Desertion vor dem Feinde verhaftet!" Guggner lächelte:.I» gut, Herr Schan­darm, i bin nämlich eh auf'm Weg nach dec Kasern." Das zählt nicht mehr!" schnauzte der Wohlge­nährte. Schtver und geschlagen trottete der Soldat neben demAuge des Gesetze»" einher, einem un­gewissen Schicksal entgegen. Also Deserteur I Da sprang in sein Hirn der Gedanke, dem Dicken davon ­zulaufen, um allein in der Kaserne anzukomnym. Ob der hinter im dreinschießen würde? In einem Etappenort hinter dem Frontab­schnitt der Kaiserjäger tagte da» Kriegsgericht. ES verurteilte den Gefreiten Alois Guggner wegen Fahnenflucht vor dem Feinde zuni Tode durch Erschießen. DaS Urteil war binnen 24 Stun­den zu Vollstrecken. Auf einer Wiese hinter dem verwilderten Friedhof deS kleinen galizischen Dorfe» 8. waren in einem großen, nach einer Seite offenen Karree Trup­pen aller Waffengattungen aufgestellt, mit Bedacht zur Teilnahme kommandiert, nm Zeugen einesab­schreckenden Beispiels" zu sein. Der irull Guggn-r war höchst willkommen gewesen, N".l die Truppen von den schlechten Erfolgen an der k. u. k. Front abzulenken und die gelockerte Disziplin zu heben. Im Morgengrauen kam das Feldgericht, da­hinter, von einer Eskorte flankiert, der Tiroler Holzfäller mit einem Karaten, der flüsternd auf ihn einsprach. Mit dem Rücken nach der offenen Seite deS Vierecks wurde dem Todeskandidaten sein Platz angewiesen. Unter ateniloser Stille wurde nochmal» das Urteil verlesen. Bevor sich die Binde vor die Augen legte, schickte der Aelpler noch einen letzten Blick nach den vereisten Karpathenbergen empor. Eine gute Vision mag ihm vielleicht die heimatlichen Gletscher vorgelogen haben. Dann legte sich daS weiße Tuch über seine Lider. Ein Offizier hatte lautlos den Säbel gezogen, ebenso lautlos traten acht Kameraden in Doppelfront mit schnßfcrtigem Gewehr vor den Todgeweihten, zweimal ein leise» Winken mit dem Säbel und die Läufe hoben sich, dir Salve peitschte den Loist zu Boden. Ein RegimentS- arzt befühlte den Pulö, nickte, Krankenträger brach­ten den Leichnam nach dem Friedhof, wo weinende Ruthenenfrauen das ausgeworfene Grab umstanden. In einer schneeverwehten Almhiitte saß ahnungslos eine junge Frau mit einem Neugebore­nen an der Brust und zwei flachshaarige Kinder fragten, wannda Voada" wohl wiederkommen werde... Dnlce est, pro patria mori... [ Jakob Ruber.