Sir. 174 Mittwoch, 27. Juli 1938 Leit« 3 Nächste Aufgaben des Parlaments Abgeordnetenhaus Die Regierung wird dem Abgeordnetenhaus in dessen nächster Sitzung, die für den 2. August proponiert ist, einige dringende Gesetzentwürfe vorlegen, welche die Kammer der weiteren Be­handlung in den Ausschüssen zuführen soll. Es handelt sich vor allem um den Entwurf des S t r a h e n g e s e tz e S, der die Barschesten zusammenfasst und unifiziert, welche die Strassen im ganzen Staate betreffen. Ferner wird ein Gesetzentwurf über die Abän­derung deSLehrergeseheS vorg-legt werden. Durch diesen Entwurf wird die BuS» gleichszulage für Bürgerschullchrer geregelt. Dem Abgeordnetenhaus wird auch ein Gesetzent­wurf über den Unterhaltsbei« trag vorgelegt werden, durch welchen der Unter­haltsbeitrag der zum Militärdienst einberufenen Personen linear um 75% erhöht und gleichzeitig auch Personen gewährt wird, die selbständig er­werbstätig sind, sofern sie lein anderes Einkom­men haben. Ausserdem wird die Regiening auch einige Regelungen wirtschaftlichen Charakters und einige interna­tionale Abkommen vorlegcn, insbeson­dere da« Filmabkommen mit den Ber­einigten Staaten von Amerika und dem Gekeh- eniwurf, durch den das Zusatzabkommen zum tschechoslowakisch-jugoslawischen Handelsvertrag geändert wird. Lenst In der nächsten Plenarsitzung des Senates der Nationalversammlung wurden zur Zuweisung an die Ausschüsse durch die Regierung folgende Entwürfe vorgelegt werden: Der Gesetzentwurf über die E r w e i- terung der Gültigkeit gewisse» Schulgesetze inKarpathorussland; ei handelt sich um die Erweiterung der Gültig­keit des sogenannten Kleinen Schulgesetzes auch auf das Gebiet von Karpathorussland. Eine wei­tere wichtige Borlage, die dem Senat der Ratio» nalvcrsammlung vorgelegt werden wird, wird der Gesetzentwurf über die Veräusserung ge­wisser staatlicher Realitäten in der Slovakei(Podürezovck) und der staatlichen Bergwerke in Pett» vald sein. Die dritte Vorlage schliesslich, welche die Regierung dem Senat der Nationalversamm­lung übergeben wird, wird der Gesetzentwurf über die Aenderung der bisherigen Vorschriften betreffend die Anforderung von Transportmitteln für militärische Zwecke sein. Ebenso wie für das Abgeordnetenhaus werden für den Senat einge Entwürfe handelspoliti­scher Art vorbereitet werden. Spar- und Kontrollkommission Der Ausschuss der parlamentarischen Spar­und Kontrollkommission hat in der Montag- Sitzung unter vem Vorsitz des llbgeordnten Beran einen Bericht des Finanzministers Dr. KalfuS Uber die finanzielle Situation des Staates und über die Vorbereitungen zum Staatsvor­anschlag für das Jahr 1939 entgegengenom­men. Der Ausschuss beschloss, dass die einzelnen Mitglieder nach der Bndgetbehandlung durch die Regierung entsprechend den ihnen zugeteilten Re­feraten im Finanzministerium an die vorläufige Bearbeitung des Voranschlages für die National­versammlung schreiten, wie dies bereits Tradition dieses Ausschusses geworden ist. Der Präsident der Rrputlik empfing am 89. Juli den englischen Abgeordneten R. I. G Voothby. Landesprässdent Dr. Sobotka informierte sich in der abgelaufei en Woche in den Bezirken Falkenau a. Eger , Plan bei Marienbad und Bischofteinitz an Ort und Stelle über die politi­schen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Eine Statistik. Eine Statistik ganz beson­derer Art veröffentlicht die neue tschechische Zeit­schriftBrannä Politika". In der Zelt vom 21. Mai bi» 21. Juli habe der reichsdeutsche Rundfunk seine«nicht immer erträgliche" Auf­merksamkeit 453mal der Tschechosloivakel zuqe- wendet. Im ganzen habe er 922mal versucht, die Nerven der Tschechoslowaken zu schwächen. 194- mal sei die tschechoslowakische Regierung oder der Staatspräsident schlecht kritisiert worden, 172mal sei versucht wovden, die tschechoslowakischen Be­hörden in ihrer Ehre herabzusetzen, 106mal sei die tschechoslowakische Armee beleidigt worden, 39ümal hätte der reichsdeutsche Rundfunk direkt für eine sudetendeutsche, in der Opposition stehende Partei agitiert, 34mal seien dir Be­strebungen der slowakischen und der polnischen Autonomisten gelobt worden und 81 mal habe man den Eindruck zu erwecken versucht, dass die Tschechoslowakische Republik von den Kommu- nichen beherrscht sei.(DND.) Llano nach polen ? Warschau . Die montägigen Warschauer Abendblätter verzeichnen Gerüchte über die Mög­lichkeit eine» Besuche- de» italienischen Aussen­ministers Eiano in Polen . Der Besuch solle ge­gebenenfalls im Herbste d. I. stattfinden. Yon derKinderrepublik: Wir wollen leben! Dieser Tage wurde nach dreiwöchiger Dauer da» Reichs-Zeltlager der Kinderfreunde in Steinsdorf abgebrochen. Drei Wochen lang lebten 309 Rote Falken in ihren Zeltgemeinschaf­ten und gestalteten das Lagerleben nach ihren Fallengeboten der Ordnung. Freundschaft und Solidarität. war nach vier Jahren, wieder ein Zeltlager, das Falken aus allen Gauen des OrganisationSgebietcS vereinte und zur Bildung einer einheitlichen, grossen Gemeinschaft viel bei« stungen. Biel Neues lernten die Falken, das sie in ihre Heimatsgruppen heimbringen. Wenn auch das Wetter teilweise hinderlich war, so liess e» doch kein Trübsal auskommen. Rote Falken wissen ih. Leben bei jedem Wetter angenehm zu ge­stalten. Für die hungrigen Mägen und sie waren in dieser gesunden Lust nicht unbescheiden sorgten unsere fleissigen Köchinnen mit dem Küchendienst der Falken, für die gesundheitliche Unlust zum Kauf der Erzeugnisse dieser Fabrik hervorgerufen haben. Diese Massnahmen im tschechischen Gebiete sind aber wieder nichts andere» als der Widerhall des Terrors der ganz besonders intensiv wäh­rend der Wahlepochen gegen alle Nichthen- lctnisten, also auch gegen die tschechischen Kauf­leute und Erzeuger auügeübt wurde und noch wird. So wäre eS wieder in erster Linie die DdP« Bewegung, bei der sich die Arbeiter der Firma Lingner bedanken mühten, wenn der Lohn sich verringern oder ganz auSbleiben sollte. Ein Teil der«Dankbarkeit" müsste freilich auch der Firma selbst-»gewendet werden. lag der Freiheit am 6. und 7. August In Aussig S a m s t a g, 8. August, um 8 Uhr abend» Festabend in der Kurzweilmühle. Ausführende: 2-Bühne Teplitz-Schönau , Divadelni skupinaSeveräk", Teplitz-Schönau . Eintritt tm Vorverkauf XL 8.. Sonntag, 7. August, vormittags um halb 10 Uhr Manifestationszug durch die Masarykstrosse, Aoekhcstrahe und Teplitzerstrasse zum Markchlatz. Ilm 10 Uhr Kundgebung auf dem Marktplatze. Sprecher: Bun- deSobmann Hilke, Bodenbach Dr. Milde, Prag . Nach der Kundgebung marschieren alle auswär­tigen Teilnehmer geschlossen auf die gerdinandt- höhe. Der Bezirkskonsuniverein verabreicht dort billiger Essen- Nachmittag« um 2 Uhr Konzert der R.-W.-K apelle Bodenbach aus der Ferdinand-Höhe. Eintritt frei! Um halb 2 Uhr Konzertstromfahrt nach Ezernosek und zurück. Teilnehmerin:«» Xi 0. Kin­der die Hälfte. Die Fe st kanzlet befinlet sich inr Schul­hau» IV auf dem Schulplatz. Alle SamSwg» ein­treffenden Gruppen hrwen sich dort zu melden, um gegen Erlag deS Betrage- die Eintrittskarten für den Festabend in Empfang zu nehmen. Massenquartiere sind in den Schul­häusern IH und IV am Schulplatz vorgesehen. Uebernachtungskarten sind in der Festkanzlei erhält­lich Der Fahrrad st and befindet sich im Hose der Schulhäuser NI und IV. Stellplätze für den Manisestationlzug: Alle Teilnehmer haben sich bi» spätesten» 9 Uhr vormittag» an folgenden Plätzen einzufinden: Bun­deileitung, Gäste, uniformierte Teilnehmer(unterer Teil der Sandhöhestrasse); Radfahrer(Weissstrassc); Kreis II- Wesiböhmen, Krei» IV- Kvmotau, Kreis Va- Teplitz- Schönau(Theodor Körnerstrasse); Kreis VI- Bodenbach, Kreis VII- Rumburg (Baumgartenstraßc); Tschechische Teilnehmer(beim NärodnI düm. Grosse Wallstrasse); Krei» V- Aussig (Obere Masarykftrasse, Parkktrasse, Ohnsorggaske). Kinder sammeln sich bei den Schulen aus dem Tchulplatz und werden dann von den Kinder­freunden auf die Ferdinand-Höhe geführt. Bund prol. Freidenker. «n SdP-JugendfUrsorger schindet eine 13|8hrlge In Guttenbrunnbei Neubistritz wurde der H a u p t f u n k t i o n ä r der SdP-Orts« gruppe Adolf Pötsch! verhaftet und in» KreiS- gericht in Bndwei» eingeliefert. Pötschl hatte em ihm von der Jugendfürsorge anvertrautes 13jährigeS Mädchen wiederholt ge- schlechtlich missbraucht. DaS Kind Hal seine Angaben vor dein Gemeindeamt, bei der Gendarmerie und bei Gericht wiederholt. Italienisches Flugzeug übergegangen Valencia. (Ag. Esp.) Ein italie­nischer Militärpilot ist mit seinem Fiatslug- zeug zur Republik übergrgangrn. Die Soldaten eine» republikanischen Militärflugplätze» an der ZentrumSfront sahen zu ihrer-rohen Berwun- drrmlg plötzlich ein«! Fiat direkt heranfliegen und mit einem kurzen Manöver landen. Der Flieger sprang heraus, hob die Faust zum Gruh und er­klärterIch bin zu euch übergogangen, um zu­sammen mit den Republikanern zu kämpfen, denn sie allein vertreten die Gerechtigkeit und da» Recht der freien Völker. Dieser italienische Armerflieger ist der Sergeant Giovanni S P i l e i. Ole Luftpiraterie In voller Blüte Valencia. (Ag. Esp.) Zweimal wurde am Montag der Hafen von Balenvia von Achsen- flugzeugen bombardiert. Eine Brandbombe zün­dete auf dem englischen DampferWellwlm", doch wurde da» Feuor bald gelöscht, obwohl die Luftpiraten dir» durch MG-Feuer au» geringer Höhe zu verhindern suchten. Auch beim zweiten Angriff wurden auf dieWellwtzn" nritErfolg" Brandbomben geworfen, wodurch beide Deck» be­schädigt wurden. Gesunken ist e» nicht, weder von seiner Besatzung noch um» d« Dock«« wurde jemand verletzt. beim Essenholen trug. Das Programm des Lager» war sehr reichhaltig und brachte den Falken schöne Er­lebnisse. Wanderungen in das Gebiet des Hohen Schneeberges, in die Tyssaer Wände und eine TageSpartie zu Schiff nach HerrnSkretschen und in die Böhmische Schweiz zeigte den Teilnehmern die Naturschünheitcn NordböhmenS. Die Teil­nahme aller Lagcrinsassen an dem 1. ReichS- Falkentresfen liess sie den Massenaufmarsch der Arbeiterkinder miterlcben, die Teilnahme an dem Tag deS KindeS" führte zur Verbrüderung mit den Kindern und der Bevölkerung des EulautaleS. Im Lager selbst veranstalteten die Falken eine er­greifende Gedenkfeier für die Begründer der Kindersreundebcwegung Anton Asritsch und Max Winter , sowie sür den verstorbenen Führer der österreichischen Arbeiterbewegung Otto Bauer , drei schön gelungeneDorfabende", einige Sport«, Spiel« und Volkstanznachmittage, einen lustigen Bunten Abend", mehrere BadeanSslüge, ein Lagerfest unter starker Teilnahme der Bevölke­rung au» der Umgebung und eine Lager-Ab- schicdSfeier. Alle Veranstaltungen wurden durch die ganze Lagergemeinschast gestaltet und die ein­zelnen Delegationen wetteiferten mit ihren Lei- Elne sonderbare katholische Entschließung DieDeutsche Presse" veröffentlichte Dienstag eine von etlichen sudetendeutschen katholischen Vereinen gefasste und gefertigte Ent­schliessung, die einerseits Gehorsamserklärungen für die Kirche und einen Aufruf zur religiösen VollScrziehung enthält, andererseits aber Ber- beugungen vor dem Ratio nalsozialis- m u S«nacht, indem vor allem behauptet wird, dassheute die Katholiken nicht durch politische Schränken ge­trennt sind", und dann weiter, zwar nicht ein­deutig, aber doch deutlich gegen jeneElemente" polemisiert wird, dieUnr uhe und Miss» trauen u n tcrdie Katholiken tragen". Was den ersten Punkt anlangt, so ist fest­zustellen, dass diese katholische Behauptung g r u n d fa l s ch ist; denn niemals in den letzten Jahren gab es stärkere politische Schranken innerhalb der katholischen Welt al» eben jetzt; und dies gilt nicht zuletzt für das sudetendeutsche Gebiet, wo tausende Christlichsoziale mit der Gleichschaltung und dem Selbstmord ihrer Partei nicht einverstanden sind ganz abgesehen von den unzähligen Katholiken innerhalb des demo­kratischen Lagers. Zwei Tage vorher hat doch üb(gen- dieDeutsche Presse" selber«Leser­stimmen wiedergegeben, die vor der Nachahmung der Methode JnnitzerS warnen! Da der Natio­nalsozialismus der EdP, in die sich die Führer der Christlichsozialcn einreihten, von demselben Fleische ist toi» der preussisch-österreichische und da dieDeutsche, Presse" selber letzthin immer öfter und schärfer den 2 a mm e r und die T r a- g ö d i e des nazifizierten Oesterreich aufzeigt, muh sie de,, VorwurfUnruhe untz Misstrauen unter die Katholiken zu tragen", auf sich selber beziehen! Ucberwachung derRepublikaner " unsere gr« tvissenhasten Samariterinnen vom Lagerkranten- hau»Unblutig". In einem grossen Wahlakt, dem ein heftiger Wahlkampf vorauoging, wurden die 21 Abge­ordneten des Falkenparlamentcs gewählt, die sich in ihren Parlamentssitzungen mit dem Lager« Urogramm und Lagerleben beschäftigten. Auch die übrigen Funktionen einer Kinderrepubl'k waren da. So der SicherheitSministcr mit seiner Lagerwache. der ArbeitSmiiiistcr mit dem Ar­beitsdienst. der Postminister mit seinen Dorf- bricsträgern, ein Lagerlonsum mit fleissigen Ver­käuferinnen, ein Fundbüro für herrenloses Gut, sowie eine gut eingerichtete Lagerbibliothek. Die drei Dorfbürgermeister sorgten für ein geordnete- Leben in ihren DorfgcmeinschaftenFreund­schaft",Rote Einheit" undMährisch-schlesi- scher Völkchen". Mit den Arbeiterkindern und unseren Ge­nossinnen und Genossen deS EulautaleS, die un­immer bereitwilligst halfen, haben unsere Falken innigste Freundschaft geschloffen und sich nur schwer trennen können. Uebrigen» bekam dieDeutsche Presse" am selben Tage eine katholische Ohrfeisr von ihrem Bruder-OrganVolk", das einen polemischen Leitartikel immerhin mit der Fest­stellung derTatsache" beginnt, dass der revolmionäre Nationalismus mit all seinen gegenwärtigen aktuellen Problemen von Rasse, Blut und Boden, wie er sich im Na­tionalsozialismus ausgebildet hat und nun auch auf den Faschismus Lberzugreifen scheint, den katholischen Glaubensgrundsätzen widerspricht und daher vom Hl. Vater wiederholt verwarnt und verurteilt worden ist." DieDeutsche Presse" belügt sich also selbst. DaS scheint uns so wenig christlich zu sein wie all das, was sonst der Papst verurteilt. Und die Strafe wird nicht auSbleiben. Odol politisch Einer ZeitungSmeldung zufolge, hat die Firma Lingner, die Erzeugerin der O d o l- Präparate in Bodenbach , einen sehr starken Rück­st a n g im Absatz ihrer Erzeugnisse auf dem tsche­chischen und slowakischen Markte zu verzeichnen, so dass einzelne Absatzgebiete überhaupt als verlo­ren gelten können. Zu dieser Nachricht wäre nicht viel zu sagen, wenn cS sich nicht darum handelte, dass die Firma auch Angestellte und Arbeiter beschäftigt, sür die der Verlust von Absatzgebieten gleichzeitig Verlust von Lohn- und GchaltScinkommen bedeutet. ES muss aber auch die Frage aufgeworfen werden, ob es zu einem Aüsatzrückgang der Erzeugnisse kommen musste und welche Ursachen dem zugrun« delicgen. Angeblich sollen die Odoltverke der GdP- Bewegung gegenüber ein besonderes Wohlwollen an den Tag legen und dieser Umstand soll in den tschechischen und slowakischen Gebieten, in welchen 79 Prozent der Erzeugnisse abgesetzt wurden, die