Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erſcheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller
Rebaltion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag 18. Jahrgang Mittwoch, 3. August 1938
Heute Ankunft Lord Runcimans Wenzel Jaksch
London . Lord Runciman und Gemahlin find Dienstag nachmittag in Begleitung des ehemaligen Unterhausabgeordneten Peto mit der Eisenbahn nach Prag abgereift, wo sie heute antommen.delis distol ve gun
Die Mitglieder des Gefolges Lord Runcimans, Mr. Ashton- Gwatkin, Mr. Stopford und die Stenotypistin Miß Miller, find gestern um 13.58 Uhr auf dem Brager Flugplatz in Ruzyně eingetroffen, wo sie vom ersten Legationssekretär der britischen Gesandtschaft in Prag Troutbed und Mr. Henderson von der britischen Gesandtschaft in Anwesenheit einiger Journalisten begrußt
wurden.
London . Das Interesse, das die britische Def- Jalle andern Probleme zurüd, es äußert sich aber auch fentlichkeit für die Mission Lord Runcimans an den in anderer, eindrudsvoller Weise. In Cowes hat in Tag legt, drängt in der Londoner Dienstagpresse der Heiligen Dreieinigkeits- Kirche während des Gottesdienstes, dem Lord Runciman beiwohnte, Reberend Patierson ein besonderes Gebet für seinen Erfolg gesprochen, ein Gebet für einen, der im Begriffe ift, nach der Tschechoslowakei au gehen, damit et erfolgreich sei in der Friedenssicherung in diesem Lande.
Lord Runciman
Die Erhöhung
der Unterhaltsbeiträge
Sozialdemokratischer Antrag
zum Hilfsschulwesen
Der siebente Tag der Ebro- Offensive
800
Nr. 180
Wir wollen den Frieden
Zu Lord Runcimans Mission
Wir würden unsere große Tradition als führer der Lebensinteressen judetendeutsche Friedenspartei verleugnen, woll- aller friedliebenden Sudeten ten wir Lord Runciman mit Stomplimenten und deutschen zu sein. Uns binden keine Befehle Beschwörungen oder aufdringlichen Ratschlägen aus dem Auslande und feinen fremden Machtempfangen. Er fei respektiert als Sendbote eines interessen haben wir zu dienen. In der innenpolis Weltreiches, in dessen Händen ein gutes Stück der tischen Betrachtung sind wir der Aufgabe entho Entscheidung über die Zukunft der menschlichen ben. geschehene Fehler zu beschönigen. Als eine Zivilisation liegt. In welchem Sinne der große Bewegung, die sich friedliche Aufbauziele gesetzt moralische und politische Einfluß Englands in die hat, fönnen wir nicht ohne bescheidenen Stolz von Waagschale der tschechoslowalischen Innenpoliti! uns behaupten, daß unsere engeren Interessen geworfen werden soll, ist eine Sache, die in erster mit dem Interesse des demokratischen Europa an Linie durch das Verantwortungsgefühl der briti- der Herbeiführung des nationalen Friedens in schen Regierung bestimmt werden wird. Sie hat der Republik absolut identisch sind. diese Verantwortung vor dem eigenen Lande und Leitartikel und Berichte der diplomatischen vor dem Forum der demokratischen Welt zu Mitarbeiter der Blätter behandeln Umfang und tragen. Schwierigkeiten der Aufgabe, vor die der Lord und feine Mitarbeiter sich gestellt sehen. Viel Glück". wie der„ Daily Herald" feinen leitenden Artikel überschreibt, ist der Wunsch, den England und mit ihm alle friedliebenden Nationen Lord Nunciman mit auf den Weg geben.
Soweit also in den Grenzen menschlicher unzulänglichkeit ein objektiver Standpunkt zu finden ist, wollen wir, von möglichst vorurteilsfreier Betrachtung ausgehend, bei dieser außerordent Die Entscheidungen, die zu fällen sind, be- lichen Gelegenheit unsere Auffassung über die treffen vor allem das Schicksal unseres Landes Voraussetzungen zur Sicherung und aller seiner Bürger. Unser Recht zur Mitbe des Friedens in Zentraleuropa stimmung fann daher nach demokratischen Spiel- entwickeln. regeln überhaupt nicht in Zweifel gezogen wer., Financial Times " berichteten, daß Lord Run- den. Deshalb sei ohne taktischen Vorbehalt unsere Der Friede ist ein teures Gut aller Völker ciman am Montag eine Unterredung mit Chamber Meinung frei und offen kundgetan. Was wir zu und er ist nur zu retten, wenn alle mibe lain in Chequers gehabt habe. Diefe Meldung wurde sagen haben, sei nicht als Meinung einer Partei it i m me nden Faktoren für friedliche inavischen dementiert. Daily Telegraph " will wissen. daß auf Sitlers Wunsch die Vorbereitungen für ein berstanden, welche durch eineinhalb Jahrzehnte die Lösungen Opfer darbringen. Auch Busammentreffen stischen Wiedemann und Runci- führende Poſition in der sudetendeutschen Politi! Deutschland braucht den Frieden. Und die man am Freitag abgesagt wurden, weil anscheinend inne hatte und bei einer Normalisierung der Ver- große Mehrheit des deutschen Volkes- so glau Sitlers Ansicht sich stärke, daß die Kompromißhältnisse wieder die stärkste deutsche Partei im ben wir zu wissen ist von tiefer FriedenssehnDennungen Runcimans teine sonderlichen Erfolgs- Lande ſein wird; es iſt auch unit en bie 23 or t- Reidjes haben in der Hand, einen großen Be redliches Bemü sucht erfüllt. Die regierenden Männer des Dritten hen, in diesen historischen
aussichten besiken.
1929
Die Kämpfe um Schang- ku- feng
Japanische Befürchtungen vor russischen Luftangriffen
Die Nachrichten, die aus dem Fernen Often lommen, widersprechen einander nue in einem Bunkte nicht. Es besteht kein Zweifel, baß die Rämpfe, um Schang- tu- jeng andauern und daß beide Bar. teien bestrebt sind, es in ihrem Befih zu erhalten aber es su gewinnen. Sonst aber gehen die Melbun gen über die Kampfhandlungen so weit auseinander, daß fie ein halbwegs sicheres Urteil vorläufig unmöglich machen.
In diesem Augenblick ist aber die Lage auf dem Kampfplah nicht das Eritscheidende. Die einzige Frage von Bedeutung ist die nach den Folgen dieses Zusammenstoßes zwischen der Sowjetmacht und Japan , bie Frage, ob aus dieſem lokalen Zwiſchenfall ein Brand entstehen könnte, deffen Auswirkungen bann freilich unabsehbar wären. Es scheint heute, daß diese Gefahr nicht abwendbar ist. Auf der einen Scite hat auch die entschiedene Erklärung Litwinows, daß Sowjetrußland sich zu keinen Konzeffionen zwingen laffe, nur erneut bestätigt, daß ihm aggressive Absichten fernliegen, auf der andern Seite ist es schwer vorstellbar, daß Japan , in China schwerer fämpfend als es jemand erwarten fonnte, nun auch mit dem militärisch und geistig unweit stärkeren russischen Gegner anbinden wollte. Allerdings darf bei allen diesen Erwägungen nicht übersehen werden, daß, die Politik der japanischen Heerführer in ber jüngsten Vergangenheit schon wiederholt andere Wege gegangen ist als es in den Absichten der Bor. gesetzten in Tokio gelegen war.
Auch gestern
wieder Kämpfe
Totio. Wie das Kriegsministerium mitteilt. griffen Sowjettruppen Dienstag abends erneut im Abschnitt von Tichanglufeng an. Die Kämpfe dauern nach diesem Bericht an. Dazu meldet das japanische Hauptquartier der Korea Armee, baß nach einer Bombardierung durch 15 Sowjetflugzeuge, die um 7.40 Uhr früh erfolgte, um 9 Uhr vormittags ein Bataillon, begleitet von neun Tants, den Angriff eröffnete, der abgeschlagen worden sei. Ebenfalls aus japanischen Kreisen stammt die Meldung, wonach am Montag in den Mittagsstun den 40 russische Flugzeuge einen Anflug auf Nordlorea und Tichanglufeng unternommen hätten, wobei die japanischen Positionen aus geringer Höhe mit Maschinengewehren beschossen worden seien. Gleich zeitig habe eine andere Estader die russisch- koreanische Grenze bombardiert. Auch die Eisenbahnstrede in Nordkorea sei von Flugzeugen bombardiert wor den, ohne ernstlich beschädigt worden zu sein. Schließlich wird ohne nähere Angaben über einen Anflug auf die foreanische Stadt Keito berichtet. Die Japaner behaupten, mehrere Bomber abgeschossen zu haben.
Japanische Luftestabren sollen Montag vormit tags einen Demonstrationsflug entlang der mandschurisch- russischen Grenze unternommen haben.
Elne Darstellung der Tass
Moskau.( Taß.) Die sowjetrussische Preſſe agentur Taß hat an verantwortlichen Stellen fol gende Informationen über den Zusammenstos atvie schen sowjetrussischen und japanischen Abteilungen beim Chajan- See erhalten:
Als am 29. Juli d. 3. eine japanische Abtei lung von der Höhe Bezemijenaja vertrieben wurde,
trag zur gesamteuropäischen Befriedung zu leisten, indem sie zunächst aufhören, die benachbarte Tschechoslowakei außenpolitisch zu bedrohen und die Eristenzberechtigung dieser Nachbarrepublif, zumindest in propagandistischen Formen, in Zweifel zu ziehen. Sobald Deutschland die Grenzen der Tschechoslowakei respektiert, wird ein großer Teil der Schwierigkeiten einer Verständigung in der Tiefe von 4 Kilometer auf sowjeiruffisches zwischen Tschechen und Sudetendeutschen aus dem Gebiet ein. Nach einigen Stunden stießen hier Ab- Wege geräumt sein. Soweit wir das tschechische teilungen regulärer Sowjettruppen vor und ver- Wolf kennen, wäre es bereit, sehr wesentliche intrieben das japanische Militär aus dem Sowjet- nerpolitische Opfer zu bringen, wenn es dafür er gebiet. Es wurden beiderseits Verluste verzeichnet. höhte außenpolitische Sicherheit eintauschen könnte. Weder vor dem japanischen Einfall, noch während Die Berliner Machthaber haben es in der Hand, des Kampfes überschritten die Sowjetabteilungen die durch ihr Verhalten in den nächsten Wochen die mandſchurische Grenze, was ihnen einen Blanken angriff auf die japanischen Angreifer unmöglich
machte.
Moskau.( Reuter.) Amtlich wird aus Moskau ge. meldet, daß die Japaner bei den Kämpfen an der sowjetrussisch mandschurischen Grenze in der Nacht
nationalpolitischen Verhandlungen in Prag zu stören oder zu fördern. Diese fundamentale Tatfache wird gewiß weder der britischen Regierung noch Lord Runciman unbekannt sein.
Opfer
Auch die tschechische Politit schüße, 15 Wlaschinengewehre und 157 Gewehre ver- einen friedlichen aus dem Nationalitäten. loren haben. Die Sowjettruppen verloren 13 Tore Streit der Republit zu ermöglichen. Selbst dann, und 55 Verlegte. wenn in Berlin der böse Wille zur Störung der Das Präsidium des Obersten Sowjets der Sow- Prager Versöhnungsaktion noch klarer zu Tage die sie vorher besetzt hatte, konzentrierten die Japaner ietunion hat vier Mitgliedern der Grenzwache an der treten sollte, liegt es an den Parteien und den ihre Abteilungen in der Stärke von etwa einer fowjetrujfisch- mandschurischen Grenze den Orden des führenden Männern des tschechischen Volkes, diefer Tattit möglichst viele unanfechtbare Beweise Division auf der gegenüberliegenden Höhe Zaozer- Noten Sterns verliehen. ihres guten Willens entgegen zu setzen. Als naja, genannt Tichanlufeng", die auf sowjetFreunde des tschechischen Volkes sagen wir, daß russischem Gebiete sich befindet. Am 31. Juli um 3 1hr morgens eröffneten die japanischen Abteilun wirklich einschneidende Veränderungen in der gen unter dem Schuß von Artillerie einen plöblichen Tokio.( Havas.) Aus Furcht vor eventuellen Rechtsposition der Völker notwendig sind, um auch Angriff gegen die sowjetrussische Grenzwache und Luftangriffen haben die japanischfen Behörden der den gemäßigten Sudetendeutschen das Gefühl vertrieben sie von der Höhe Zaozernaja. Gleich- Breffe untersagt, die Wettervorhersage nationaler Existenzsicherheit und den Glauben an seitig eröffnete die japanische Artillerie das Feuer für gans Japan zu veröffentlichen. Nur den Morgen- wirtschaftlich- soziale Aufstiegsmöglichkeiten innerauf die nahegelegenen Höhen und auf die Straße blättern ift es geftattet, die täglichen Wetterberichte Halb der Republik zu geben. In solchen entschei hinter diesen Höhen, um den Vormarsch fotvjet für einzelne Gebiete zu veröffentlichen. Im mittleren dungsvollen Zeiten dürfen nicht die falschen Götrussischer Verstärkungen zu verhindern. Die von Teil Japans in der Gegend von Ofala wurden ver- ter des nationalen Preſtiges angebetet werden. Artillerie unterſtüßte japanische Infanterie rüdte schiebene Schuhmaßnahmen gegen eventuelle Luftan- Was das tschechische Volt seinen deutschen und an
MANDSCHUKUO.
SOWJETRUSSLAND
UMEN
WLADIWOSTON SCHAN FENC HUNSCHU
YENKI
EPOSJESD
RASCHIN RASCHIN
griffe getroffen.
Auf der Börse fanden die Ereignisse starken Wiberhall und eine große Zahl der Börsenwerte büßten ein biß fieben Punkte ein. Insbesondere wurden Baumwolle, Runstfcibe und Spekulationspapiere in Mitleibenfchaft gezogen.
dersnationalen Mitbürgern großzügig an gesicher wird es durch eine neue, friedliche Aufblüte des ter demokratischer Gleichberechtigung einräumt, Staates reichlich zurückgewinnen. Im Interesse des nationalen Friedens ist es notwendig, daß die tschechische Politik mutig alle störenden Remi riszenzen aus der Vorkriegszeit liquidiert und den Einer Melbung ber Agentur Domei zufolge Weg zum Ausbau der Republik in eine Heimat tagte am Montag eine Sonberkonferenz unter dem freier und gleichberechtigter Nationalitäten einWorks bes Kriegsministers General Itagaki, an der schlägt. Manche aktuelle Verlegenheit wäre abgeaud, zahlreiche hohe Militärkommandanten teilnahmen. Es wurde, wie Domei berichtet, beschloffen, an ber fowietruffifch- mandschurischen Grenze festzuhal ten. Ferner wurde befchloffen, keine Provokation her. pergurufen" und die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Auch biefe Nachricht, obwohl fic von ruffifchen Brabolationen fpricht, läßt wie andere darauf schlie. Zur friedlichen Entwirrung der Lage müss fen, baß man in Tokio Bedenken zu bekommen scheint. sen auch die Sudetendeutschen ihren
wehrt worden, hätte die versöhnliche Stimme des demokratischen Sudetendeutschtums schon in frü heren Jahren die verdiente Beachtung gefunden; umso notwendiger ist es, diese Stimme heute nicht zu überhören.