flcflciiluärtigc Politik Englands ist," schlos; Ncdner,„von Sek-«der Witwen auf Zuschußgewahrung an die Polizeiverwaltnng oder dorne so deutlich dargelegt, das; ich nichts darüber zu Iviedcrdolcn brauche. Ich stimme Selbornes Erklärung zu, daß, nachdem wir die Hand einmal an den Pflug gelegt haben, wir nicht beabsichtigen, sie wieder fortzunehmen!"(Beifall.) Der Gegenstand ivurde hieran' verlassen. Das Bemerkenswerte in dieser Debatte ist die Haltung Lord Salisburhs. Der Borwurf der Schwäche ist ihm so oft gemacht worden, dasi er das Bedürfnis empfunden zu haben scheint, sich einmal stark zu zeigen. Dem kleinen Transvaal gegenüber ist das ja nicht gefährlich. Allein, wenn man die Rede genauer betrachtet, so sind die Worte mehr laut als drohend. Es handelt sich offenbar um eine rhetorische S ch a u st e l l u n g. Dieser Eindruck wird bestärkt durch die Rede Chamberlpins, welche in einem Wust von mehr oder weniger allgemeinen Redensarten die überaus gemäßigte Forderung enthält:„die Regierung von Transvaal solle im Grundsatz darauf ein g eh en, die Gleich stellung der beiden Rassen zu förder n." Man betrachte die Worte genau. Sie stoßen nur eine offene Thüre ein, denn den Grundsatz der Gleichberechtigung der weißen Rassen hat die Regierung des Transvaal läng st anerkannt. Und diese Gleichstellung zu fördern, ist ja Zweck des neuen Wahlgesetzes von Transvaal . Es sieht das etwas komödienhaft aus, gerade wie die pathetische Berufung auf das Land komödienhaft ist. Die englischen Morgenblätter scheinen der gleichen Meinung zu fem, wie folgendes Telegramm aus London zeigt .»Die Morgenblätter sprechen die Hoffnung auS, die in den gestrigen Parlamentsberatungcn hervorgehobene große Ueberein stimmung m den Ansichten der Konservativen und Liberalen werde sehr zu einer friedlichen Regelung der Transvaalfrage beitragen, falls der in den Parlamentsberatungen bekundete Wunsch, Krieg zu vermeiden, die Burghers dazu bringe, mit der Erörterung halber Maßregeln aufzuhören." Wenn die englischen Blätter recht haben— und dies hat alles sur sich— so hat die große englische Parlamentsdebatte nur einen Druck auf den„Bolksraad" der Boers zum Zweck gehabt. Die Boeren sind aber Leute mit starken Nerven.— Volikifche Mebevfiltzk. Berlin , den 29. Jnli Renten für die Kriegsiuvaliden. Wie dielfache Zuschriften an uns beweisen, ist man in Kreisen der Kriegsteilnehmer der Ansicht, durch ein neues Gesetz sei für die Militärinvaliden eine höhere Rente bewilligt. Dem ist aber mcht so. Der Sachverhalt ist vielmehr folgender: Zu den Pesitionen, die am regelmäßigsten beim Reichstag ein- gehen, gehören die der Kriegsinvaliden. Dem Drängen aller Parteien wurde im Jahre 18S3 soweit nachgegeben. daß die 5iriegszulage von monatlich 6 Mark auf S Mark, also pro Tag um knapp 10 Pf. erhöht wurde. Biele tausende bedürftiger Invaliden petitionierten denn Reichstag um Besserung ihrer Lage. Ihren Petitionen trat der Reichstag bei. Die Regierungen stellten sich jedoch auf den Standpunkt, daß an eine allgemeine Erhöhung der unzureichenden Scktze nicht zu denken sei. Noch schlimmer als die eigentlichen In- vauden waren viele tausende von ehemaligen Soldaten daran, die zwar unverletzt aus den Feldzügen heim gekehrt, aber infolge_ der erlittenen Strapazen vorzeitig stech und erwerbsunfähig geworden waren. Ihre Bitten um Fürsorge hatte der Reichstag wiederholt für berechtigt erklärt. Nicht so die Regieningen. Im sogenannten Jubiläumsjahre 1895 konnte nicht mehr gut über diese Anträge hinweggegangen werben. Selbst die Regierung, die für neue Rüstungen, Schiffe u. dgl. hunderte Hon Millionen fordert, mußte anerkennen, daß wenigstens im Fall� und� für die Dauer der Bedüfti gleit den ehemaligen Kriegsteilnehmern Beihilfen gewährt werden sollten. Durch Gesetz vom 22. Mai 1893 wurden deshalb Beihilfen für solche vorgeschlagen, die an einem der Kriege ehrenvoll teilgenommen und sich wegen dauernder gänzlicher Erwerbsunfähigkeit in unterstützungs- bedürftiger Lage befinden. Ausgeschlossen von dem Empfang solcher Bechilfen sind nach dem Gesetz Personen, welche aus Rcichsmitteln gesetzliche Jnvalidenpensionen oder entsprechende sonstige Zuwendungen erhalten, ferner solche, welche nach ihrer Lebensführung der be'ab- stchtigten Fürsorge als unwürdig anzusehen sind und endlich Personen, welche nicht Deutsche sind. Dasselbe Gesetz läßt auch vom 1. April 1899 ab die Zu- Wendung von Zuschüffen an Witwen und Kinder der im Kriege gefallenen oder infolge des Krieges gestorbenen Militär- Personen zu. sofern und so lange der Fall eines„Bedürfnisses" vor- liegt. Der Höchstbetrag dieses jährlichen Zuschusses beträgt 1L0M. Die nach den Bestimmungen des Militär-Pensionsgesctzes vom 21. Juni 1871 den Hinterbliebenen zu zahlenden gesetzlichen Bezüge, zu denen jetzt der Zuschuß in Höhe bis 120 M. tritt, beträgt: 1. für die Angehörigen von> Offizieren: für die Witwen der! Generale 1500. der Stabsoffiziere 1200 M.. der übrigen Offiziere 900 M.. für jedes Kind eines Offiziers bis zum vollendeten 17 Lebensjahre 150 M.. für Doppclwaisen 225 M.. 2. für die Angehörigen von Nicht-Offizieren: für die Witwen der teldwebel 324, der Unteroffiziere 252, der Gemeinen 180 M., jedes i n d eines Angehörigen der Nicht-Offiziers-Klaffe bis zum voll- endeten 15. Lebensjahre 120. Doppelwaisen 180 Mark. Nach der im„Reichs-Anzeiger" vom Freitag den 28. Juli ver- offentlichten Bekanntmachung de? Kriegministers sind die Anträge an das Landrats«, Bezirks- oder Kreisamt ihres Wohnorts zu richten Von diesen Behörden sind die Anträge in Bezug ans die Prüfung der Unterstützungsbedürftigkeit zu begründen und an die General kompiandos zu senden. Auch früher bereits wegen Mangel an Mitteln abgelehnte An- träge von Kriegsiuvaliden und Witwen der Hinterbliebenen können, da jetzt Mittel bewilligt sind, von neuem gestellt werden. Dies Gesetz hat zwei erhebliche Fehler, auf deren Abstellung die socialdemokratischcn Abgeordneten im Jahre 1895 vergeblich drangen. Der eine dieser Fehler' besteht in der almosenartigen Niedrigkeit der Beihilfen. Die Beihilfe beträgt nämlich nur 120 Mark jährlich. Die Socialdemokraten hoben zur Begründung ihres Antrags, den Sold auf 860 Mark jährlich zu erhöhen, hervor, daß für einen völlig erwerbsunfähigen Menschen doch wohl eine Mark da?" mindeste sei, dessen er zur Lebensfristung benötige. Ihnen traten die Konservativen unter Führung des Abg. v. Leipziger, das Centruni unter Fühnrng des Abg. Dr. Bachem, die Stumm- Krupp-Partei durch den Abg. v. Kardörff, die antisemitische durch den Abg. Dr. Förster, die Regierungen durch den Staatssekretär Grafen v. Posadowsly lebhaft entgegen. Den vollen Beifall der Konservativen errang die Ausführung des Grafen Posadoivsky, daß mit 120 Mark jährlich vo l lk omni en arbeitsunfähi Kriegsteilnehmer„auf dem Lande ein wenn auchfe bescheidenes, sehr dürftiges, doch von der öff e n lichen Wohlthätigieit unabhängiges Leben führen könnten. Es blieb bei den 120 Mark. Und auch eine in diesem Jahre socialdemokratischerseits gegebene Anregung, diesen Betrag zu erhöhen, wurde von den in patriotischen Rodomontaden so gern sich ergehenden„Ordnungsparteien" abgelehnt. Dieselben Parteien hatten einige Jahre zuvor das Einkommen des Reichskanzlers auf 100 000 M. jährlich festgesetzt, das der Staatssekretäre von 24 auf 30000 M. erhöht und sind bereit, den Haushalt einer Familie durch indirekte Steuer» mit 120 M. jährlich zu belasten— schon jetzt beträgt be kanntlich die infolge der Zölle herbeigeführte Belastung des Haus Halts einer Familie, die aus 5 Köpfen besteht, 81,75 M. Eine Er höhung des Beitrags findet also auch in der Zukunft dank der Haltung der Orinungsparteien und der Regierungen nicht statt. Ein zweiter erheblicher Fehler des Gesetzes vom 22. Mai 1895 bestand darin, daß durch dies Gesetz zu wenig Mittel bereit gestellt ivaren, um auch nur die Beihilfe von 120 M. jährlich allen b e dürftigen Kriegsteilnehmern zuwenden zu können. Die Abhilfe dieses Fehlers wurde in diesem Jahre einstimmig vom Reichstag verlangt. Die Regierung kam diesem Berlangcn durch Vorlegung eines Gesetzentwurfs entgegen, der eine— allerdings wohl abermals nicht ausreichende— Erhöhung der Mittel für Be- schaffung von Beihilfen Vorsicht. Dieser Entwurf ist am 1. Juli d. I. Gesetz geworden und am 10. Juli publiziert. Tie Friedenskonferenz hat ausgelitten. Ihre letzte Handlung war ein NichtHandeln. Sie vermochte das Protokoll dessen, was sie nicht gethan hat, nicht zu formulieren und über läßt es den Regierungen und der Nachwelt, ihre Nichtthaten zu verzeichnen. Nun— das jammervolle Ende ist würdig des jammervollen Lebens, das ein jammervolles Siechtum war und nicht einmal gesunden Spott aufkommen ließ. Wie es Dinge giebt, die unter der Kritik, so giebt es auch Dinge, die unter dem Spott find. Das richtigste Urteil hat Oberst K ü n z l i gefällt, dessen Urteil aber so wahr ist, daß die eidgenössische Regierung Hintennach es hat ableugnen lassen. Er habe, wird uns ver ächert, amtlich durchaus korrekt sich verhalten. Das heißt amtlich die Wahrheit nicht gesagt. Dafür hat er sie ) r i v a t i m desto deutlicher gesagt: Der größte und dümmste Schwindel des Jahrhunderts!— Deutsches Weich. Der Tyrtäus der ungarischen Revolution. Zu Petöfis 50. Todestag(31. Juli 1849). Im zweiten messenischen Kriege erbaten sich die Spartaner, wie die Sage meldet, einen Heerführer von den Athenern. Diese sandten ihnen den lahmen und für nicht eben geistreich geltenden Schulmeister Tyrtäus. der aber durch die Gewalt seiner Kriegs- gesänge und Marschlieder die Spartaner zu solchem Heldenmut ent- fachte, daß sie den Sieg stets an ihre Feldzeichen fesselten. Die Ucberreste der Lieder des Tyrtäus widerlegen die Sage in mehreren Stücken: sie stellen die geistige Bedeutung des Mannes and seine Abkunft von dorischem Stamm fest. Geschichtlich bleibt ihm der Ruhm durch seine Lieder zu den Siegen der Spartaner über die Messenier ganz bedeutend beigetragen zu haben. Seitdem ist des Tyrtäus' Name sprichwörtlich geworden für kriegerischen Gesang and Musik. Der ungarische Tyrtäus war Alexander Petöfi , der vor einem Halben Jahrhundert seine Leier zur Sturmglocke der Erhebung machte. Meine Laute tönt, die Memmen all erbleichen: Revolution, das ist mein Sturmeszeichen I Am 17. März 1848 schrieb Petöfi über die Ereignisse der vorher« gehenden Tage:„Am 14. März hielt der Oppositionsklub eine Ver- fgmmlung, welche nach altem Gebrauch ergebnislos auseinander- ging... Ich war in der Versammlung nicht zugegen. An jenem Abend referierte Jokai über das Ergebnis oder besser gesagt die Ergebnislosigkeit mit großer Erbitterimg und vollständiger Nieder- geschlagenheit. Als ich's hörte, wurde auch ich erbittert, aber ver- sagte nicht. „Einen großen Teil der Nacht verbrachte ich wachend mit meiner Frau, meiner tapferen, begeisternden, angebeteten Frau, die immer aufmunternd vor meinen Gedanken und Plänen steht, wie vor der Armee die hochgeschwungene Fahne. Wir berieten uns, was zu hun sei. Denn so viel stand bei uns fest: wir müssen handeln, md zwar schon morgen I Vielleicht dürfte es übermorgen schon zu spät sein._ t „Logisch ist der erste Schritt der Revolution und ihre Haupt- mfgabe, die Press» ftei zu machen.». das wollen wir thun l Da» Von de« Zuchthaus-Schreibern.„Wenn wir in all dem blutbesudelten Geschrei der Revolutionäre, üi der sinnlosen Mord- that verblendeten Anarchisten und in dem internationalen Zusammen 'chluß vaterlandsloscr Subjekte doch noch nach einem traurigen Rest menschenwürdigen Antriebes zu ihrem Gebühren suchen wollen" 'o hebt ein neues gelbes Heft zur Zuchthausvorlage an, das den Titel führt:„Die persönliche Freiheit des Individuums und der Arbeiterschutz-Borlage. Eine Zeitbetrachtung von C. Albrecht"— ein Deckname, hinter dem sich ungefähr der berühmte Korb macher Fischer nebst seinem augenblicklichen Redacteur verbergen könnte. Auf die Sudelei ernsthaft einzugeben, verlohnt sich nicht. Die lersönliche Freiheit des Individuums loll natürlich nur insofern ge 'chützt werden, als das Individuum ein Streikbrecher ist. Die persönliche Freiheit der um die Erhöhung und Veredlung des Gemeinschaftslebens kämpfenden Männer und Klassen sollen dagegen im— Zuchthaus geschützt werden. Die Zuchthausvorlage ist ihre Anwälte wert; wenn aber diese Verteidiger unseres Polizei- und Militärstaats gar von persönlicher Freiheit anfangen zu reden, dann wird die Komik— paralytisch.— Dem Koalitionsrecht der Arbeiter gilt die«iftigste Fürsorge deutscher Behörden. Natürlich nicht der Erhaltung und Förde- ung des Koalitionsrechts, sondeni seiner Einengung und Verkümmerung. Da man auch nicht mittels ZuchthanSgesetzeS den Arbeitcrkampf völlig ersticken kann, so benutzt man jede f o r- überlasse ich dem Himmel und denjenigen, welche bestimmt sind, das übrige Begonnene fortzusetzen; ich habe nur den Beruf, den ersten Anstoß zu geben. Morgen müssen wir die Preßfteiheit erringen I Und wenn sie schießen? Wie Gott will! Wer kann einen schöneren Tod erwarten." Und so geschah's. Bulyolvsky und Jokai setzten eine Proklamation auf und die zwölf Artikel, welche von einem Ausschuß, auch Petöfi darunter, gezeichnet waren. Zur Universität gings, die Proklamation wird verlesen, Petöfi deklamiert sein Lied: „Auf fürs Vaterland, ihr Brüder," die Marseillais« der ungarischen Revolution. . Petöfi fährt fort in seiner Schilderung: „Jetzt gehen wir zu einem Censor' und lassen ihn die Pro- klamatiou und die Nationalhymne unterschreiben!" rief einer. „Wir gehen zu keinem Censor." erwiderte ich,„ich kenne kemen Censor mehr!"— Die beiden ersten censurfreien Drucksachen wurden zu Tausenden verbreitet und wirken wie Pulver und Schießbaumwolle. Zehn- tausend Menschen strömen zusammen nach dem Rathause zu Pest. Nach kurzer Verhandlung unterschreibt der Bürgermeister im Namen der Bürgerschaft die zwölf Artikel. Dann geht's nach Ofen zwanzig- tausend Mark stark. „Seine Excellenz der Herr Statthalter geruhte blaß zu werden und zu zittern und nach einer Beratung von fünf Minuten willigte er in alles ein. Das Militär erhielt den Befehl, sich passiv zu ver- halten, die Eensur wurde aufgehoben, der Kerker von TanefieS (der wegen Preßsündcn brummte) öffnete sich..... „Das war der 15. März. Seine Erfolge sind derartig, daß dieser Tag stets denkwürdig in der ungarischen Geschichte sein wird." In der Nacht des 15. März selbst schrieb Petöfi in seine Tagebuchblätter:„Heute wurde die ungarische Freiheit geboren, denn heute fiel die Fessel von der Presse... Oder giebt es einen Einfältigen, der glauben möchte, daß irgend eine Nation ohne eine freie Presse ftei genannt werden könnte? Heil dir an deinem Geburtstage, ungarische Freiheit... lebe lange auf Erden, lebe solange, als eS einen Ungar giebt... Und sollte dich der Tod früher ereilen, reiße mit dir ins Grab das ganze Voll, denn es ist eine Schande ohne dich zu leben, und Ruhm, mit dir zu sterben!... „Es ist späte Nacht. Gute Nacht, schöner Säugling I Du bist schöner al» alle deine«eschwister in anderen Ländern, denn du hast melle Handhabe, um die behördliche Gegnerschaft gegen den fteien Gebrauch der Arbeiterrechte zu beweisen. Wir berichteten gestern bereits von dem Verfahren der D r e S» d e n e r Polizeidirektio» gegen den dänischen Abgeordneten Olsen, dem sofortige Ausweisung aus dem sächsischen Staatsgebiete angedroht wurde, Ivenn er in einer Arbeiter- Versammlung über den Kampf der dänischen Arbeiterklasse sprechen oder auch nur sich in der Bersamm- lung', erblicken lassen würde. Die Dresdener Behörde hat das formelle Recht, jeden Ausländer, der sich nach ihrer Meinung„lästig macht", ohne weiteres auszuweisen. Doch ist selbstverständlich dieses Ausweisungsrecht an sachliche und unparteiische Gründe gebunden. Hier nun sehen wir, daß die Behörde das ihr zustehende Recht gebraucht, indem fie das Eintreten deutscher Arbeiter für ihre vom brutalsten Unternehmerübermut be- drückten dänischen Kameraden als etwas ungehöriges ansieht. Sie beweist damit aufs deutlichste ihre Feindschaft gegen das Koalitions- recht der Arbeiter. Sie beweist aber ferner die dringende Notwendigkeit, daß den Polizeiorganen d a S Recht, Ausländer nach ihren arbeiterfeindlichen Anschauungen ungastlich zu behandeln und zugleich damit die deutsche Arbeiter- klasse zu beleidigen, aberkannt wird. Auch im benachbarten Bayern ahmen die liberalen Be- Hörden die sächsische Feindschaft gegen da? Koalitionsrecht eifrig nach. In Nürnberg wurde eine Versammlung mit der Tages- ordnung„Die Aussperrung der Arbeiter in Dänemark " verboten; sie war als gewerlschaftliche nicht angemeldet worden, wurde aber von der Polizei als politische Versammlung angesehen, weil in einem Artikel der„Metallarbeiter-Zeitung" über die dänische Aus- sperrung von— Klassenkampf und dergleichen die Rede gewesen sei. Eas Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter befindet sich, wie man sieht, in guten Händen.— Eine Kundgebung z« Gunsten der Zuchthausvorlage hat der Bund deutscher Baugewerks- Innungen, an dessen Spitze der Lnndtags-Abgeordnete Baumeister F e li s ch-Berlin steht, zu veranstalten beschlossen. Der gcschäftsführende Ausschuß des Bundes richtet an die Vorstände der Bezirksverbände sowie der Verbandsinnungen die Aufforderung, zu diesem BeHufe Versamm- lungen einzuberufen und Resolutionen zu Gunsten des Gesetzentwurfs zum Schutze der Arbeitswilligen zu fassen und sie dem Reichstag , dem Bundesrat und deni Reichsamt des Innern zu übernntteln. Die Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe, welche bekanntlicki auch außerhalb der Innung stehende Unternehmer umfassen, schließen sich diesem Borgehen an. Die Herren Baumeister haben alle Veranlassung, sich erst ein- mal darum zu kümmern, daß sie nicht durch Beibehaltung der völlig nngcuügcnden Schutzmittel gegen Ban-Unfälle zahllose Menschen- leben gefährden und töten.— Zum FakiiltiitSspruch im Falle ArouS ziehen einige Scharf- machcrblätter aus dem Umstände, daß die Beratung 21/» Stunden gedauert hat, den Schluß, daß eine starke Minorität vorhanden ge- ivescn sein muß. Dieser Schluß scheint uns vollständig hinfällig, und mindestens ebenso gerechtfertigt ist der andere, daß der Spruch mit Stimmcneinheit erfolgt ist. Die lange Zeit der Beratung würde sich vollkomnien daraus erklären, daß eine Fassung gesucht werden mußte, der alle zustimmen konnten. Schon bei einer fünf- oder zehngliedrigen Kommission ergeben sich oft lange Beratungen über Fragen rein redaktioneller Natur: wie viel mehr, wenn 40 Professoren in einer principiell»vichtigen Frage die Entscheidung in angemessener Form zu Papier bringen wollen. Freilich können wir, da die Be- ratung geheim war. Hierüber nichts wissen; aber bis uns authentisch Beweis dafür geführt ist, tverden wir keinen der Professoren der Philosophischen Fakultät einer solchen geiftesniedrigen Gesinnung für fähig halten, wie die Scharfmacher fie sogar einrr starken Minorität andichten wollen. Wir nehmen vielmehr zur Ehre der Professoren an. daß sie ciiistimnng freigesprochen haben.— Offiziöses aus der„Geisteöfreiheit". Von Seiten der Offiziösen richtet man sich bereits darauf ein, das zu erwartende verurteilende Erkenntnis des StaatsministeriumS gegen Arons zu verteidigen und gleichzeitig den für die gebildete Welt einzig und allein maßgebenden Wahrspruch der Fakultät anzuerkennen. Der Versuch tvird in einem langen Leitartikel deS Hamburgijchen Korrespondenten gemacht. lim den Eiertanz der Offiziösen effecwoll zu beleuchten, drucken wir einfach die letzten Sätze jenes Artikels ab: .„Mit der öffentlichen agitatorischen Thätigkeit aber, mag sie auch in verhältnismäßig anständigen Formen erfolgen, wie dies bei Dr. AronS sin ganzen der Fall iu fein scheint, ist daS eine andere Sache. Seine Bernfsehre als Gelehrter braucht er dadurch nickt verletzt zu haben, aber er kann der Regierung als Mitglied de« Lehrkörpers einer staatlichen Lehranstalt wohl unerträglich vorkommen. Darum ist unseres ErachtenS die Frage einfach die: Hat Dr. Arons seit dem Erlaß des Privatdocentengesetzes seine Zu- geHörigkeit zur Socialdemokratie öffentlich und agitatorisch dokumentiert? Läßt sich das nachweisen, so kann die Fakultät von ihrem Standpunkt ans trotzdem zu einem freisprechenden Urteil kommen, denn sie beurteilt den Fall unter ihren eigenen Gesichts- punkten und mag mißerdem ihre Gründe haben, der Regierung die dick nicht in Blut gebadet wie jene: dich haben reine Freudenthräneu ,enctzt. Und die Kissen deiner Wiege bestehen nicht auS kalten larren Leichnamen, sondern auS glühenden, klopfenden Herzen. Gute Nacht."---- Der Mann, der solche Prosa geschrieben hat, war gewiß und wahrhastig ein Dichter! » Und ein Mann, ein Ehrenmann. ein treuer Sohn des Volke?, ein treuer Soldat im Dienste der Weltfteiheit I Er erfüllte da» Gebot, das er selbst aufgestellt hat: Bist Du ein Mann, sei's wahrhaft! Gieb Deine Freiheit nicht. Und wenn man Dir die Schätze Der Welt dafür verspricht. Wer sie um Geld zu Markte trägt, Fort mit dem Schufte, fort! „Die Freiheit und der Bettelstab I" Das sei Dein LosunaSwort. Stand ihm, dem selbstbewußten, stolzen, höchst empfindlichen Dichter, doch selbst sein Dichterruhm nicht so hoch, als die Anerkennung seiner Charakterfestigkeit und selsenfesten Treue. Auch für diesen Punkt findet sich unter seinen Aphorismen und Maximen ein treffendes Wort der Selbstkritik, das wert ist, hergesetzt zu werden: „Es mag glänzendere, großartigere Leiern und Federn geben. als die meimgen sind, aber makellosere giebt eS gewiß nicht, denn niemals habe ich auch nur eine Saite meiner Leier, auch nur einen ug meiner Feder verkaust, ich sang und schrieb, wozu mich der iott meiner Seele trieb, der Gott meiner Seele aber ist die— Freiheit. Die Nachwelt mag von mir sagen, daß ich ein schlechter Dichter gewesen, aber fie wird auch sagen, daß ich streng fittlich gewesen bm." Geradezu unsittlich erschien es ihm, als Freunde und Kampf- genossen von ihm zu paktieren und zu kompromittieren begannen. Nicht müde ward er, mit den glühendsten Wotten zu warnen davor, daß man sich mit der h a I b e n Revolution begnüge. Wohl kmiden trügende Propheten Dem Volk in ihrer Schlauheit an, Es sei nun Zeit zum Hüttenbauen, Man sei ja schon in Kanaan ;
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