& Nr. 185 Dien»tag, S. August 1938 Seite S WWWWMW WWWÄÄ Kundgebungen liir die Demokratie Am vergangenen Sonntag wurde«— wie an vielen Sonntagen vorher— in allen Teilen der Republik eindrucksvolle Kundgebungen deutscher und tschechischer Demokraten abgehaltrn. Die stpndgebungen im sudetendentschen Gebiet waren vor allem Kundgebungen der sozialistischen Arbeiter, die stch unbeirrt und tapfer dem faschistischen Ansturm«ntgegenwerfen, ob sie nun al» Mitglieder der Partei, der Gewerkschaften, oder al» Freidenker, Turner oder Mitglieder der SÄ i«fmarschieren. Ueberall lebt in den sozialistischen Arbeitern der Wille, die Freiheit mit allen Mittel« zu verteidigen. Dar..Tag«ter Freiheit“ in Aussig Aussig.(Eigenbericht. Bon allem Anfang an zeigte es sich, das, der„Tag der Frei« beit", dec im Zeichen der Forderungen der Freidenker stand, die"vor allem den Ruf nach der Aleichberechtigung der Konfessionslosen mit den anderen religiösen WrltanschauungSgemeinschaften und nach der Einführung de» LebrnSkunde« Unterrichts an den Schulen erhoben, eine Kundgebung für die Freiheit und die Demokratie,«ine Manifestation de» entschlossensten Abloehrwillcn» gegen den Faschismus al» den Feind aller Freiheit, werde» mutzte. So war der„Tag der Freiheit- eine Willensäußerung von außerordentlicher politischer Bedeutung, ein Beweis für die Treue der deutschen sozialistischen Republikaner zum Staate und zu seiner Berteidigung, ein leuchtendes Fanal sozialistischen Kampfeswillen» im Ringen um eine ncue Welt. Die Freidenker haben durch diese Veranstaltung der Gesamtbewegung einen unschätzbaren Dienst erwiesen und im gleichgeschalteten Aussig gezeigt, datz die Hoffnung auf die Totalität der SdP vergeblich ist. Oer Aufmarsch Schon Samstag abends stand Aussig im Zeichen der grotzen Kundgebung der Freidenker. 2m Ttraßenbild erschienen immer mehr Menschen, die mit dem geschmackvollen aus Glas gefertigten Festabzeichen des„Tage! der Freiheit- geschmückt waren, immer öfter tauchte da» Blau der SA und da» Grau bei Atu» auf. Da» Ziel der Massen bildete nach der Einquartierung die Kurzweilmühle, in der die grotze Wendfeier stattfand. Schon«ine Swnde vor Beginn der Veranstaltung war die riesige Halle überfüllt und hunderte Teilnehmer, die später kamen, mußten mit Stichplätzen vorlieb nehmen. Am Sonntag früh setzte ein neuerlicher Massenzustrom ein und m riesigen Zügen, von Musikkapellen angeführt, zogen die Teilnehmer der Umgebung zu den Stellplätzen auf-dem Sternplatz, von wo-sich dann der Festzüg in Bewegung setzte. Dichte Men« schenmaffen säumten die Straßen und bereiteten den Marschierenden einen herzlichen Empfang; ununter« »« Minister NeCas In Trautenau und Nftchod Der vergangene Sonntag wird unser« Arbeitern und Arbeiterinnen sicher lange in Erinnerung bleiben. E» war einer der schönsten Sonntage, die wir in diesem Jahre erlebten. Es war ein Tag der Sammlung, der Erneuerung de» Be« kennwisses für die Demokratie und der Kampfansage an den Faschismus. So war e» in N ä ch o d, wo am Bormittaz die Kolonnen der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie in einem drei Viertelstunden währenden Zuge durch die Stadt zum Ausstellungsgelände zogen. Die deutschen Sozialdemokraten stellten hier die Partei« und Kulturorganisationen, dor allem de» Atu» aus dem Braunauer Bezirk. Die Republikanische Wehr, SI, Atu» und uniformierte Frauen wurden beim Durchzug durch die Stadt stürmisch begrüßt. Am Ausstellungsplatz eröffnete der Gauvorsitzende der tschechischen Partei, Abg. Chalupa aus Königgrätz , nach welchem für die Gewerkschaften Abg. Pollak und Welter Fürsorgeminister Ang. N e L aS in deutscher und tschechischer Sprache da» Wort ergriffen. NeLaS würdigte besonders den schweren Kampf der deutschen Sozialdemokraten im Grenzgebiet und stellte unter ständigem Beifall fest, daß in der Tschechoslowakischen Republik weder ein deutscher noch ein anderssprachiger Demokrat seine Freiheit verlieren werde. Die Republik müsse und werde die Heimat aller bleiben, die Freiheit und Recht lieben und die bereit sind für diese Heimat zu kämpfen. JnTrautena u-Niederaltstadt warteten seit 1 Uhr die Sozialdemokraten auf dem über« Wien DTJ-Platz auf ihre Redner, die mit einer Stunde Verspätung, gegen 2 Uhr» in Niederaltstadt eintrafen. Schon die Begrüßung,des Für- sorgemiqister» gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung. Die Reden des Abg. Krejöi und die de» Fürsorgeministers N e i a S wurden zu einer Demonstration gegen Gleichschaltung, AuShun» gerungSpolitikund für die Demokratie. Beide Redner wurden immer und immer wieder von Beifallsstürmen unterbrochen und die Stimmung war von Begeisterung für Partei und Demokratie getragen. Diese Stimmung hielt bi» in die späten Abendstunden an. Dem Feste wohnte auch die amerftanische Journalistin.Lecker bei, die stäildig von Hunderten Arbeitern und Arbeiterinnen umlagert war, mit denen sie sich Über alle Fragen de» Leben» unterhielt- brochene Freiheit-Rufe und Dprechchöre, welche die verschiedenen Forderungen und ost drastische Bemerkungen zur politischen Situation enthielten, erfüllten die Straßen. Der F e st z u g selbst bot rin farbenprächtige» Bild, da» durch da» prachtvolle Gommerwetter einen glanzvollen Rahmen erhielt. Ueiber«ine halbe Stunde lang marschierten die Frauen und Männer, die Burschen und Mädchen vorüber in flottem Marschschritt. Die SF-Spielmannlzüge und RW- Kapellen spielten, die Jugend sang sozialistische Kampflieder. An der Spitze de» Zuge» trugen Delegationen aller vertretenen Organisationen in einer symbolischen Gruppe eine riesige Staatsfahne, welcher da» von der SI getragene rote Banner folgte. In einer starken Gruppe folgten dann die Burschen und Mädeln der SI, der DIB. die blau gekleideten Frauen, der Atu», di« RW und di« tschechischen Gäste. An diese schlossen sich dann die Kolonnen der Freidenkerorganisationen an. Eine Abteilung der RW schloß den Zug ab, der ständig durch die au» dem Spalier«intretenden Zuschauer vergrößert wurde. Der Jestzug hinterließ einen tiefen Eindruck; DI» Kundgebung Mehr al» 12,000 Menschen hatten sich auf dem Marktplatz versammelt, al» die Kundgebung mit der „Marseillaise eröffnet wurde und die DJ-Fanfaren» bläser mit einem Ruf einleiteten. Die Staat»- Hymne erklang. Nach einem Chor der Arbritersän- ger eröffnete der zweite BundeSvorfitzende der proletarischen Freidenker. Ambro» D i e H-Komotau , die Riesenveosanunlung in deutscher und tschechischer Sprache. Im 20. Jähr de» Bestände» unsere» Staate» erneuern die Freidenker ihre alten Forderungen, die nun in der Proklamation de» Bundesvorstände» vom Vorsitzenden de».Bunde» proletarischer Freidenker-, Emil Hille-Rosendorf, in deutscher und Dr. Milde in tschechischer Sprache vorgetragen wurde. Mit stürmischer Zustimmung nahmen die Massen die Kundgebung zur Kenntni». Mit erhobenen Fäusten sangen die Versammelten zum Schluß di«„Internationale- und marschierten da««'in einem geschlossenen Zuge auf die Ferdi'» na nd»höhe, wo sie bei Musikund in froher Be» meinschast noch lange beisammen blieben. « Der Vormittag war mit dem Programm für di« Kinder auSgefüllt und mit der Ansprache, welche Dr. Mühlberger an unsere Klemen hielt. Dieser Sonntag wird al» Tag der Arbeit, aber auch al» Tag der Freude in der Erinnerung unserer Menschen hasten bleiben. Republlk-Feler In Oberleutensdorf Oberleutensdorf.(Eigenbericht.) Die deut schen und tschechischen demokratischen Organisationen von Oberleutensdorf veranstalteten am Samstag und Sonntag eine eindrucksvoll« Feier au» Anlaß des zwanzigjährigen Bestehens der Tschechoslowakischen Republik. Am Samstag fand ein massenhaft besuchter BegrützungSabend statt, an dem von deutscher Seite der AtuS mitwirkte. Sonntag vormittag» marschierten rund 8000 tschechische und deutsche Männer und Frauen zu einer machtvollen Kundgebung vor dem Masarykdenkmak auf. Für die tschechischen Parteien sprach der Abgeordnete David, der entschiedene Worte für die Berteidigung der Republik fand, sich aber auch nachdrücklichst für di« Verständigung mit dem deutschen Volk auf dem Boden der Demokratie ein* setzte. Für di« deutschen Sozialdemokraten sprach E r n st P a u l-Prag, dessen Ausführungen in das Gelöbnis, für Demokratie und Freiheit ein- zustehen, ausklang. Am Nachmittag formierte sich ein Festzug, an dem gegen 4000 Personen teilnahmen und der durch viele Festwagen geschmückt war. Die Kundgebung und der Aufmarsch in Oberleutensdorf haben bei Freund und Feind den stärksten Eindruck hinterlassen. Der Bezirksarbeitertag In Saas Zu einer wuchtigen Demonstration sozialistischer Kraft und Gesinnungstreue gestaltete sich der Bezirksarbeitertag in Saäz. In Hellen Scharen waren die Landarbeiter und Arbeiterinnen, die unter drückendsten Verhältnissen ihrer Idee die Treue halten, dem Ruft der Partei gefolgt und bereits am Samstag war der große Turnhallensaal bei der Abendfeier restlos gefüllt. Sonntag vormittag» formierte stch der F e st- z u g, an dem mehr als 8000 Menschen teilnahmen und in dem besonder» die starke Teilnahme des Atus auffiel. Außerdem war die SI, die RW und die DTJ durch ansehnliche Gruppen vertreten. Genoss« Johann Reichl eröffnete di« Kundgebung, bei der al» Festredner Senator Heinrich Müller sprach, der ost von stürmt« scher Zustimmung unterbrochen wurde. Ein frohe» Fest vereinte dann die Teilnehmer, die gegen Abend noch einmal zu einem straffen Schluß« appell antraten. Der Aufmarsch in Saaz wird ein Markstein der ländlichen sozialdemokratischen Bewegung bleiben. Nazi-Provokationen In Saax Prag.(Amtlich.) Am 7. August 1033 fand in Saaz ein Bezirksfest der deutschen Arbeiter«, Turn« und Sport-Union statt. Als nach Beendigung de» nachmittägigen Turnens ein Teil der Teilnehmer zum Bahnhof in Saaz ging, stand vor dem Hause Nr. 808 auf dem Pinter-Platz eine Gruppe von Zuschauern, aus der auf die Marschierenden„Pfui- gerufen und gespuckt wurde. Einige Teilnehmer verließen den Zug und gerieten mit den Zuschauern in einen Streit, aus dem eine Rauferei entstand. Trotzdem die Wache sofort einschritt, wurden bei der Rauferei einige Personen leicht verletzt. Unmittelbar daraus rotteten sich an der Stelle ungefähr 100 weitere Personen zusammen. Er erwic» sich als notwendig, diese zu zerstreuen. Vor dem Hotel „Schwarze Henne- wurden die Marschierenden erneut angeschrieen und e» kam wieder zu einer gegenseitigen Rauferei, bei der Edmund R e I g l verletzt wurde, der jedoch keine Krankenhauöbe« Handlung in Anspruch nehmen mußte. Beim Einschreiten wurde der Wachmann Emanuel Mon« dtlöka und der Wachmann Frantiäek Hromada getreten. Nach dem Wachkommandanten Oberleutnant Häjek wurde ein EiscnstÜck geworfen. Es gelang der Wache hierauf die Ruhe herzustcllen. Der Vorfall wird untersucht und allfällige Strafmaßnahmen werden erfolgen. „Republik der freien 3ugend" eröffnet Im Zeltlager des mährischen SJ-Krelscs Vergangenen Sonntag fand in dem Tale zwischen Bohunovice und Belkovlee bei Olmütz die feierliche Eröffnung des Zeltlagers de» sozialistischen Jugendkreises Sternberg statt. Aus allen Gebieten Mährens waren die sozialistischen Lu» gendfunktionäre gekommen, um in dem Lager acht Tage lang in fester Kameradschaft neben viel ern- ster Arbeit, auch Stunden de» Spieles und der Erholung zu erleben. Neben der Eröffnungsansprache de» Kreisvertrauensmannes O n d k c j k a begrüßte das Lager für den Berbandsvorstand der BerbandSsekretär Josef K r e i n e r, der auch am Mpntag vormistag vor den tief interessierten Zuhörern einen Vortrag über die„Kommenden Aufgaben des Sozialistischen Jugendverbandes" hielt. AIS Lagerleiter fungieren Erich E r n st uno FranzHerold. Jeder Lagerbesucher kann sich davon überzeugen, mit welcher Disziplin und Arbeitsfreude die jungen Burschen und Mädel» bei der Sache sind. Bon der tschechischen Bevölkerung haben die Jugendlichen viele Erleichterungen erhalten. Fast jeden Tag finden sich viele Besucher ein, die da» Lager besichtigen und ihre Anerkennung aussprechen. Da» mährische Lager ist übrigen» eine» von den vielen, di« in diesen Wochen al» Schulungslager des Sozialistischen Jugendverbandes fast in allen Kreisen durchgeftihrt werden. Auch diese Lager sind ein Zeichen der erhöhten Aktivität der SI in den letzten Monaten. Vie Schattenseiten der„Erntehilfe" Immer wieder forderten die Henleinzeitun- gen die„deutschen Männer und Frauen" auf, sich zur Erniehilfe zu melden. Man bezweckt offensichtlich mit diesem„Erntedienst" nichts anderes, al» die ohnedies schon miserablen Löhne der Landarbeiterschaft noch weiter herabzudrücken. Und tatsächlich war eS so, datz viele Bauern, die zwar sehr wenig von Politik, aber dafür sehr viel von fettem Profit verstehen, glaubten, daß sie jetzt ihr Gesinde loS bekommen, weil die landwirtschaftlichen Arbeiten jetzt die bisher so gering geschätzten Städter besorgen würden. Obwohl sonst die„Gigerln" aus der Stadt, die„nur spazieren gehen*, nicht gerne gesehen sind, wären sie als unbezahlte Mägde und Rechte doch zu gebrauchen. Diese stille Hostnung vieler Bauern wurde jedoch zu Wasser, al» diese„GratiSdienst- boten" zu arbeiten anfingen. So wie jede andere mutz auch die Feldarbeit gelernt sein. Wer Muße hat und sich einmal köstlich amüsieren will, soll nicht verabsäumen, diesen„Knechten und Mägden" einmal bei der ungewohnten Landarbeit zuzuschauen. Die Bauern erhofften fich von der Erntehilfe viel Nutzen; da» Gegenteil ist ringe« treten, der steiwillige Hilfsdienst versteht nämlich die Erntearbeiten gar nicht und so kommt eS vor» daß das Getreide, da» infolge der Hitze sehr dürr ist, schon auf dem Felde durch die ungeschickte Arbeit ausgeschüttelt wird und der Bauer nur da» leere Stroh in die Scheuer zu fahren braucht. Biele Bauern, über diese„Arbeitsverrichtungwenig erfreut, erklären schon, daß sie auf solchen Erntedienst verzichten und lieber zu geschulten Landarbeitern greifen. Zahlreiche Bauern aus dem Brüxer Laydgebiet haben übereinstimmend erklärt, daß, wenn ordentliche Löhne gezahlt Werden,' genügend Arbeitskräfte zu haben sind. Ja, e» ist schon vorgekommen, datz ein Bauer au» einer Brüxer Landgemeinde, der Mitglied der SdP ist, unserem Bezirkssekretariate Mitteilen ließ, man möge ihm Arbeiterinnen und Arbeiter gegen entsprechende Bezahlung senden. Der großaufgeputzte„Erntedienst" hat eben manigsache Nachteile, von denen sowohl die„freiwilligen Helfer", weil ja die Arbeit nicht gerade leicht ist, als auch und vor allem die Bauern, denen mehr Schaden als Nutzen erivächst. nicht beglückt sind. Wirtshausstreit mit tödlichem Ausgang Prag , lAmtlich.) Sonntag, den 7. August, spät nacht» kam ei in der kleinen Ortschaft H ö h a I im Bezirk Schüttenhofen, die zu der Gemeinde Stadlau gehört, zu einem bedauernswerten G a st« hau » st reit zwischen Angehörigen deutscher Itationalität verschiedener politischer Gesinnung. Der Streit artete schließlich in eine Rauferei au», deren Opfer einer der Teilnehmer wurde. Den lln- tersuchungen der SicherhettSorgane zufolge spielte sich der Streit mit dem tragischen Ende folgendermaßen ab: In Horar» Gasthau» in der Ortschaft Höbe! unterhielt sich Sonntag abend» eine Gesellschaft von 17 Deutschen , von denen 8 Angehörige der SdP und 14 Angehörige der Deutschen Sozialdemokratischen Partei waren, in absoluter Harmonie bl» Mitternacht, Ivie die» unter bekanntei: Leuten und durchweg» Nachbar» üblich ist. Um Mitternacht kam e» au» unbekannter Ur; ache zu einem Mißverständnis und hierauf zu einem heftigen Streit zwischen den Angehörigen der beiden politischen Lager. Der Gastwirt forderte alle Gäste, da» Wirtshaus zu verlassen und schloß da» Lokal. 14 Angehörige der Deutschen Sozialdemokratischen Partei begaben sich vor da» Gasthaus, die 8 Mitglieder der SdP verblieben in der Kiiche de» Wirtshaus«», von wo st« erst nach einer Viertelstunde fortgingen. Bor dem Gasthaus trafen sie erneut mit zehn Mitgliedern der Deutschen Sozialdemokratischen Partei zusammen, die dort noch debattierten und gerieten mit ihnen wieder in Streit. Zwei der Angehörigen der SdP entfernten sich rasch vom Streitorte, der dritte, B a Y e r l«, der mit-den übrigen weiterstritt, wurde von einem bi»her nicht festgestellten Täter plötzlich mit einem Gla» aus den Kopf geschlagen und zu Boden gestoßen. Er erhob sich und flüchtete hinter seinen beiden Kameraden in drr Richtung auf Glaserioald. Vier Angehörige der Deutschen Sozialdemokratischen Partei nahmen seine Verfolgung ein und erreichten ibn nach kurzer Zeit. Einer von ihnen stach Bayerle einige Male mit dem Messer so unglücklich, daß dieser auf der Stelle getötet wurde. Weil sich der tragische Abschluß der Rauferei an einer abgelegenen Stelle ab« fptelle, stellte die Gendarmerie den Vorfall erst gegen 2 llhr nacht» fest. Sie hielt alle Teilnehmer an dem Streit an. doch brachten die Verhör« bisher kein Licht über dl« Ursachen des Zusammenstoßes, denn weder die Angehörigen der SdP, noch die deutschen Sozialdemokraten wollten in dieser Richtung bisher ettvaS aussagen. Die vier Angehörigen der deutschen Sozialdemokratie, die Batterie verfolgt hatten, wurden>n GerichtShaft eingeliefert, Am Tatort sand sich ein« GerichtSkommission ein, der Vorfall wird weiter untersucht. Der tragische Abschluß der Gasthausstrette» in Höhal beweist die Notwendigkeit des Sicherheitsdienstes auch an den abgelegen st en O r t e n, um ähnliche Vorfälle verhindern zu können. D>e zuständigen amtlichen Stellen haben bereits eine derartige Erweiterung und Vertiefung de- Sicherheitsdienste» vorbereitet. Es gibt bereits Ernüchterte Bor einigen Tagen faßen in einem Gasthause in Fischer n bei Karlsbad einige Gäste, durchweg» SdP-Leute, zwischen denen sich eine politische Diskussion entspann. Unter den Gästen befanden sich auch zwei, die in Deutschland gearbeitet hatten, und nun über die dortigen Erfahrungen berichteten. Sie kamen dann auch auf die gerade für die Kurorte und ihre Umgebung so erfolgreiche Politik der SdP zu sprechen, wobei sehr treffende Keiinzeichnungeil fielen. Ein junger Mann, der sich nicht mehr ein X für ein U vormachen läßt, zog die SdP-Legitimation au» der Tasche, riß sie in Stücke und warf diese mit den folgenden Worten auf die Erde:«Mit der Partei möchte ich nichts mehr zu tun haben I" Der Betreffende, dessen Namen uns bekannt ist, war seit Dezember 1034 Mitglied der SdP. „Times": Lösung Im Sinne der Verfassung Linden. Die.Times" beschäftigen sich mit dem Standpunkt, den die tschechoslowakische Negierung in ihrem bkationalitätenstatut einnimmt und geben in ausführlicher Weise die Forderungen der Sudeten deutschen wieder. In Bezug auf diese erklärt sie: „Die Deutschen wollen offenbar ihre Angelegenheiten auf der Bast» einer Art nationaler Autonomie auf dem Gebiete der Tschechoslowakischen Republik regeln. Die tschechoslowakische Regierung fühlt sich ihrer eit» nicht imstande, einen derartigen Staat im Staate zu dulden, besonder» wenn e» sich um einen Staat handelt, der in seiner Ideologie in«InemWiderspruch von 180 Grad zur offiziellen Staat»philosophie der Tschechoslowakei steht. Um eine Einigung zu erreichen, wird Lord Rünciman gerade in diesem Punkt dec territorialen Autonomie«in« Lösung finden, die im Sinn« der tschechoslowakischen SiaatSaufsaffung und im Geiste der tschechoflowakischen Verfassung gelegen ist. „Rärodni osvobozeni": Richt einmal di« Tsche- choflowaken sind nach unserer Auffassung und nach unserer Verfassung eine Rechtspersönlichkeit. Das Volk ist«in ideeller moralischer Wert, rin« Sache de» Glauben», der Ueberzeugung, der Hoffnung und de» Ideal», sehr stark und real, aber nicht durch Paragraph« und Exekutivgewalt faßbar, dessen Schutz und Sicherheit man nur im tiefsten Innern der Einzelnen suchen kann, die sich zum Volke bekennen, und in den Kräften einer natürlichen Entwicklung, hie wir alle möglichst gut zum Wohl« und Gelingen der Ziele und Aufgaben auSzunützen trachten müssen,
Issue
18 (09/08/1938) 185
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