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Mittwoch. 14. September 1938

Nr. 216

Die Reaktion der Weltöffentlichkeit: Einmütig in der Verurteilung der deutschen Drohungen

Die Kommentare der ausländischen Blätter zu der Rede Hitlers hat­ten wie es nur natürlich ist nur den Wortlaut der Rede zur Grundlage. Sie wurden geschrieben ohne Kenntnis der Ereignisse, die ihr in der sudeten­ deutschen Provinz folgten, ohne Kenntnis der SdP-Terrorakte, zu welchen sie das Signal gab. Trotzdem hat die Rede Httlers in keinem Lande eine gün­stige Reaktion hervorgerufen, in den demokratischen, oder wie es die ame­ rikanische Preffe nennt, in den freien Ländern, wurde sitz einmütig verurteilt» Don Hitlers Friedensbeteuerungen ließ sich niemand täuschen, das wohlwol­lendste Urteil ging dahin, daß Hitler im jetzigen Augenblick keine Gewalt wolle. London ; Dip Gpfahr eines deutschen Angriffes bleibt

Die englische Meinung über die Hitler-Rede m Nürnberg scheint Montag allgemein dahinsegan- gen zu sein, das; die Warnungen der britischen Re­gierung doch Hitler davon abgehalten haben, eine direkte Aktion gegen die Tschechoslowakei an zu« -kündigen und die Tür zu weiteren Verhandlun­gen zuzuschlagen. Die Menschenmassen; die sich am Montag abends in Downing-Street versammelt hatten,-die größten seit der Thronentsagung Edwards VIII. begrüßten die Minister, die den Kabinettsrat nach Bekanntwerden des Inhalts der Hitler-Rede verließen, t mit lebhaftem Beifall.Im Augenblick", schreibt N. Ewer imDaily Herald". wird eS keinen europäischen Krieg geben. Die Ver­handlungen in Prag gehen weiter. Und sdlange sie andauern, gibt«S immer noch die Chance einer friedlichen Lösung." Allerdings verschweigen die Blätter den Ernst der Lage nicht. ,,Die Drohung einer deutschen Angriffs auf die Tschechoslowakei , wenn die Verhandlungen scheitern, hängt weiter über der Welt", sagt derDaily Herald". Und derDaily Telegraph " überschreibt seinen LeitartikelsDer Schatten nicht verschwunden, Europa noch im Zweifel". Vor allem wird auf den scharfen Ton der Rede hingewiesen...HitlerS Stil war kriegerisch, feine Säße bitter und beleidigend für die Tsche­chen, für die Demokraten und(überflüssig zu sagen) für die Russen. Er raste und drohte und prahlte. Ein Mann, von Erregung gepeitscht", heißt es imDaily Herald", der die Forderung derSelbstbestimmung" einezweischneidige Drohung" nennt, weil sie erstens ein Eingreifen Deutschlands androht, wenn die 'Selbstbestimmung" nicht erreicht wird und zweiten- die Sudetendeutschen zu Gewalttaten gegen dieUn­terdrückung" ermuntert. Die Rede lasse nach Anficht des Blattes die Frage offen, ob Hitler ein friedliches Ergebnis der Verhandlungen abwarten oder aber die Verhandlungen sabotieren wolle.Es. wäre töricht", sagt der Leitartikel des..Daily Herald". die zukünftigen Gefahren zu verkennen, die in Hit­ ler - Worten liegen." Er habe an die Forderung der Selbstbestimmung Drohungen geknüpft, aber nicht klar gesagt, was er mit derSelbstbestimmung" meint. DaS Blatt sagt, weiter:Wenn Hitler meint, daß Deutschland in die Tschechoslowakei einmarschie­ren wird, wenn nicht eine rasche Lösung gefunden wird, die völlig von der deutschen Konzeption diktiert ist, dann muß er sich über die Konsequenzen klar werden. Die Tschechen haben nicht weniger Freunde <fis. die Sudetendeutschen ." Die britische öffentliche Meinung glaube, daß keine. Geduld zu groß und keine Verhandlung zu lang ist,, wenn ihr Ergebnis die Vermeidung eines Krieges sein kann.Aber es muß auch daran erinnert werden, daß der tschechoslowa­kische Staat von der freien Zustimmung des Volkes regiert wird, und daß man chm Zeit geben muß, die

Zustimmung zu erhalten, nicht unter Druck, sondern freiwillig... Ein deutscher Angriff auf die Tsche­ choslowakei würde in England als ein verdammens­wertes. Verbrechen und als eine Herausforderung, der man entgegentreten muß. betraget werden. Auch derDaily Telegraph " stellt in seinem Leitartikel fest, daß der Sinn der Hitlerschen Drohungen nicht klar war. ES sei offenbar Hitlers Absicht. Europa

Paris . Die gesamte Pariser Preffe stand gestern im Zeichen der Kundgebung des Kanzlers Hitler , deren Text bereits Montag abends gegen 12 Uhr von zahlreichen Sonderausgaben der Wendblätter gebracht wurde, die in den Pariser Straßen und Kaffeehäusern reißenden Absaß fanden. Die Preffe registriert hauptsächlich das Echo, welches die Kanz­ler-Rede in den verschiedenen Ländern gefunden hat. Dabei find die Blätter bestrebt, bereits in den Titeln den Eindruck der Hitler-Rede kurz hervorzuheben. So gibt beispielsweisePetit Parisien" seinen Artikel den TüelHitler hat die Tür zu einer Verständigung nicht geschloffen" und fügt dann hinzu:Der Kanz­ler hat im hefiigen Tone das Recht Deutschlands auf Schutz der Sudetendeutschen verkündet." Lucian Bourgues schreibt im gleichen Blatte, daß Hitler we­der die Forderung nach einem Plebiszit noch nach einer Annexion ausgesprochen hat. Man müffe nun abwarten, ob Deutschland den Versuch unternehmen werde, die Verhandlungen zu stören und o& die Gestapo in den Sudetengebieten Zwischenfälle Hervor­rufen werde. Povulaire" sagt im Titel und in.den Unter­titeln:Hitler bat«ne imhölvöhnlich heftige Rede gehalten:' Er hab die Tschechoslowakei -find ihren Prä­sidenten angegriffen. Ein hartnäckiger Kampf der Sudetendeutschen mit Unterstützung de- Reiches ist gegen die. Tschechoslowakei zu erwarten. Der Reichs­kanzler bat die Bedeutung der Befestigungen, die jetzt beendet wurden und die militärische Macht Deutschland - betont. Leon Blum schreibt in einem Artikel u. a.: Die augenblickliche Krise ist abgewendet worden. Reichskanzler Hitler wird jetzt bestrebt sein, auf einen inneren Zerfall der Tschechoslowakei hinzuarbeiten. Die Gefahr ändert jeden Tag ihr Antlitz, Für die Zukunft beruht die Gefahr darin, daß die demokratischen Länder alle mit der gleichen Aufmerksamkeit den sich in Prag entwickelnden Kampf verfolgen werden. Es wird notwendig sein, national

in einem Zustand ängstlicher Erwartung während der ganzen Zeit der Prager Verhandlungen zu hal­ten. Das Blatt sagt:Eine Welt, welche den ernsten Appell, des Präsidenten Benes an sein Volk, der kein unfreundliches.Wort gegen die Minderheiten enthielt, mit den erregten Ausbrüchen des Feldmar­schalls' Goering und des Herrn Hitler vergleicht, wird sich ein Urteil darüber bilden, auf welcher Seite die Gefahr einer Kollifwn liegt." Das Beharren auf den acht Karlsbader Forderungen, welche die Zerreißung des tschechischen Staates bedeuten und deren Erfüllung die Tür für einen künftigen An­griff öffnen würde, habe die anderen Rafionen ge­zwungen. ihren Stmchpunkt zu überprüfen und den Entschluß zu faffen. eine deutsche Beherrschung Ost­ europas nicht zu dulden. Wenn' Herr Hitler noch immer Zweifel an Frankreichs und Englands Hal­tung gehabt hoben sollte, so hätten ihn die gestrigen Sitzungen der französischen und britischen Regierun­gen veranlassen sollen.die Zweifel aufzugeben. Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph " berichtet, daß die Hitler-Rede in London den allgemeinen Eindruck erweckt habe, daß die gegen­wärtige Spannung unbegrenzt andauern wird. Der Nürnberger Korrespondent berichtet, daß Hitler seine endgültigen Entschlüsse in Berchtesgaden faffen wolle, wohin er sich nach dem Parteitag begeben habe.

und politisch die Minderheiten in de» deutschen Kan­tonen in der Tschechoslowakei gegen die Unterdrückung der Sudetendeutschen Partei zu sichern. ES wird not­wendig sein, die Souveränität des tschechofiowakischen Staates zu schützen. Die Friedensfront der Völker hat ihr Veto gegen die deutschen Absichten in Mittel­ europa ausgesprochen: Dieses Veto muß in breite­stem Maße appliziert werden, es darf nicht nur Gewalttaten Verbindern, sondern es muß auch ver­hindert werden, daß die Tschechoslowakei ^»«» Vasal­len werde. DieHumanitb" spricht von ernsten Drohungen Deutschlands und bemerkt, daß die Rede Hitlers das Bestreben zum Ausdruck gebracht habe, in der Tsche­ choslowakei Unruhen hervorzurufen, die dann ein Vorwand zum Angriff sein würden. Vereinigte Staaten r Alle freien Völker für die ÖSR Washington:(Reuter.) Washingtoner kompe­tente Kreise find der Meinung, daß die Rede Hitlers . trotz ihres agreffivrn und«grellen Tones wenigstens eine. Art dex Beruhigung-gebracht hat. und daß das' wirkliche Maß der Drohungen, die in ihr enthalten waren, im umgekehrten Verhältnis zu dem rauhen Ton der Stimme de- Reichskanzlers stand. Die Rede wurde an vielen hohen Stellen in Washingtyn in fehlerloser Klarheit verstanden.Das Bellen war erregend, das Beißen wurde aber wenigstens ver­schoben." So etwa lautet das hiesige Gesamturterl, obwohl- zugegeben wird, daß Europa nur eine Atem­pause nach den Befürchtungen gewonnen hat, die es in den letzten Wochen beherrschten. New Uork Times" schreiben in ihrem Kom­mentar zu der' gestrigen h»ede Hitlers: Hitler hat nicht den Krieg erklärt, aber niemand von denen, die diese harte und explosive Rede angehört habe», war überzeugt davon, daß Hitlet Frieden will. Zu dem Versprechen Hitlers , daß er die Sudetendeutschen

PariS8 Die Tschechoslowakei muß geschützt werden

unterstützen werde, schreiben dieNew Aork Times": Derartige Forderungen und heftige sowie unver­nünftige Drohungen haben die Sympathie aller freien.Völker, für die Tschechoslowakei geeint..Flew- York Harald Tribüne" führt in einemImmer noch in Waffen" betitelten Artikel aus, daß Hitler weder den Krieg twch den Frieden erklärt hat. Er hat kein Bestreben gezeigt, auch nur einen einzigen beruhi­genden und versöhnlichen Satz in bezug auf das brennende Problem des tschechofiowakischen Staates vorzubringen.

Italien r

Kisker kein Kommentar Rom.Giornale d'Jtalia" brachte in einer Extra-Ausgabe einen kurzen Au-zug aus der Rede Hitlers unter dem über die ganze Seite gehenden Titel.Hitler fordert ein Plebiszit für 3% Mil' Iioncn Sudetendeutsche". Allerdings wird im Text auch vom Selbftbestimmungsrecht gesprochen. Auch die.Tribuna" erschien in einer Sonderausgabe mit dem.über die ganze Seite reichenden Titel.Wenn die Sudetendeutschen keine Hilfe von anderer Seite erhalten, so werden sie sie bald von uns erhalten"., Im allgemeinen wird die Rede Hitlers als sehr stark und als ernste Mahnung daran gehalten, daß Deutschland zu allem bereit sei. Hitler besteht ent­schieden und kompromißlos auf den Forderungen der Sudetendeutschen nach dem Selbfwestimmungsrccht, doch läßt er sich, wie das Blatt meint, die Tür zu weiteren Verhandlungen zwischen der Prager Rt' gierung und der Sudetendeutschen Parrei noch off«. Große Überraschung haben seine Worte gegen de» Präsidenten Dr. Benes hervorgerufen.

Rumänien r Gefahr für alle Nachbarn Bukarest . Die rumänische Preffe kommentiert die Hitler-Rede in dem Sinne, daß für die Zukunft viele Gefahren drohend Dem..Universul" zufolge läßt die Kundgebung de- Reichskanzlers keinen Zweifel dar­über. daß Deutschland entschlossen ist. seine Ziele m der Tschechofiowakei, in Mittel« und in Osteuropa mit allen Mitteln zu verwirklichen. Die Kundgeburi» Hitlers müffe alle Nachbarn Deutschlands beunruhi­gen. denn sie zeigt klar, daß Deutschland eventuell einen Angriff unternehmen werde. Die Stunde der Entscheidung habe geschlagen. DerTimpul " veröffentlicht einen Artikel des ehemaligen Unterstaatssekretär Gafencu. Nur die Solidarität' Englands und Frankreichs könne das Söbte.Uxbel.hinanhtüten,^Romania " ist der Mei­nung: daß durch die Rede Hitlers die Lage stdr Heitel, wenn nicht ernst geworden ist. Obwohl für de» Augenblick eine Entspannung eingetreten ist. halte die Beunruhigung bezüglich der nächsten Zukunft an.

Ungarn : Der 21. Mai kränkte Hitler Budapest . Ungarische politische Kreise befaßini sich Montag ausschließlich mit der Nürnberger Rede des Reichskanzlers. Der allgemeine Eindruck ist der, daß in der Rede de- Reichskanzlers«me große Bit­terkeit festzustellen war, die sich seiner nach- d«n 21, SJlai bemächtigte. Es hat einen tiefen Eindruck hervorgerufen, daß Hitler in seiner Rede energisch

9 Die MM Sudfhd Roman von Noelle Roger Atif dem Französischen übersetzt von Irma Rippe!

Abzureisen?" rief Herr von Miramar ent­setzt.»Und meine Arbeit?" Forschend sah er Hubert an; Und als er sich vergewissert hatte, daß es kein Scherz-war, und sich so plötzlich vor eine unangenehme Möglichkeit gestellt sah, verlegte er sich aufs Handeln: Was fällt dir ein, abreisen zu wollen? ».. Hast du Angst?... Angst wovor?..." Ich weiß nicht", murmelte Hubert,es ist alle- so sondeckar." Und wohin sistlen wir?" fuhr der alte Mann fort.^Vielleicht nach Paris , jetzt, wo wir es uns hier so gemütlich eingerichtet haben? DaS ist nicht so einfach! Und übrigens wird das Meer wieder fallen... Also..." Er verstummte vor Huberts verzerrtem Ge­sicht., »Sprich doch, Hubert.., was hast du denn?* «-«Ich weiß nicht", wiederholte er, unfähig, diese drückende, wachsende Angst zu erklären. Mit einem verzweifelten Blick streifte Herr von Miramar die Bücherstöße, die verstreuten Papiere, die Manuskripte und Notizen. ES eilt ja nicht so sehr, wir haben ja morgen noch Zeit, einen Entschluß zu faffen..." Morgen", entgegnete Hubert und er war nahe daran, die Worte zu wiederholen, die sein Gehirn ohne Unterlaß seit Stunden zermar­terten: Säumet nicht einen Tag!" Uber er fürchtete sich vor Fragen und viele

leicht auch vor Neckereien. Vielleicht wollte er auch die Seinen nicht erschrecken. Gut... also morgen..." Dann verließ er schweigend das Zimmer. Herr von Miramar neigte sich über seine Schriften, schüttelte den Kopf und seufzte: Es wir- immer sonderbarer feit dem Krieg!" Dann kehrte er zu seinem unterbrochenen Satz zurück und schrieb: Zu Beginn der jüngeren Steinzeit kon­statierten wir das plötzliche und totale Ver­schwinden... Er hielt inne, um sich in den Rhythmus der Periode wieder einzuleben, welche das störende Eindringen seines Sohnes mit sei­nen verrückten Ideen unterbrochen hatte. ,,... plötzliche und totale Verschwinden eines mannigfaltig gestalteten Menschenwerkes." Und für Herrn von Miramar war die Ge­genwart wieder versunken. Eva und Max saßen im Salon beim heim­lichen Licht der verhüllten Lampen Und hatten ihre Unruhe«^geschüttelt. Wir werden später stolz sein, daß wir Zeu­gen dieses Wunders gewesen sind", erklärte Max. Man wird versuchen, es nach allen Regeln der Wiffenschaft zu erklären. Alle Zeitschriften wer­den voll davon sein." Ja, aber morgen werden die Gärten unter Wasser sein", sagte Avonne. Fein", scherzte Max,da wird man eben im Garten baden. Seebade zu Hauset DaS Meer im Heim! Herrliche Reklame für Donportl" -Kinder, da wir gerade alle beisammen sind,! möchte ich gerne über ernste Angelegenheiten spre­chen", sagte Frau von Miramar und setzte sich an einen mit Papieren bedeckten Schreibtisch. Schau, schau, Schwiegermama legt sich auch Nottzen an, wie Schwiegerpapa"» lachte Max. Ich kümmere mich um die Vorbereitungen zu eurer Hochzeit", versetzte Frau von Miramar. «»Bedenkt doch, wir haben heut« den zweiten

' August. Bis zu eurer Hochzeit sind- nur noch sechs Wochen; und Max bleibt nicht lange hier." Leider", seufzte Max,die heilige Pflicht!" In ihrer bedächtigen, ein wenig feierlichen Art fuhr Frau von Miramar fort: Wir beabsichtigen einige Diners und ein« Wendgesellschaft zu geben. Es ist Zeit, daß man wieder zu den Vorkriegssitttn zurückkehrt. Ich stelle die Liste meiner Gäste zusammen. Habt ihr euren schon? Wir werden sie dann vergleichen." Sie sprach mit dem Ernst eines Feldherrn, der einen Schlachtenplan entwirft. Und als ihr Gatte an der Türe erschien und um'eine Lampe bat, fordette sie ihn auf, ihr zu helfen. Frantzöis, komm doch einen Moment herein; das ist auch für dich sehr wichtig! Schau, so habe ich mirs gedacht... Erstes Diner..." Und sie schrieb Namen, nannte Titel, ent­wickelte kunstvolle Kombinationen und handhabte meisterhaft ihre gesellschaftlichen Beziehungen, mit einem Ziel im Auge, das sie nicht eingestand, das ihr Gatte aber kannte und mit ergebenen Lächeln billigte. Er wußte wohl, daß es nicht ge­nügte, wollte man auch offiziell anerkannt sein, wertvolle Werke geschaffen zu haben, man mußte auch noch das Seine dazu tun... und ihm ge­bührte ein Sitz in der Akademie, das war sicher. Es ist aber Sitte, sich um diesen Sitz zu bemühen. Seinen Freunden gegenüber äußerte er» die Sanktionierung durch die Akademie würde seinem Werke höhere Bedeutung verleihen. Er gab zu, daß so mancher große Geist sich dieser Körperschaft fcrngehalten hatte... Nichtsdestoweniger... Ist eS denn wirklich so erfreulich, Mitglied der Akademie zu sein?" murmelte Hubert mit seinem gewohnten SarkasMuS. Er saß unweit vcm Fenster und wandte den Blick nicht von der See, die jetzt, in der sinkenden Dämmerung, da die Lichtreflexe auf den Wellen nach und nach er­loschen, aschgrau wurde. Das Abendessen wurde aufgetragen. Frau Andelot ließ sich-entschuldigen, sie habe Kopf­

schmerzen und sei zu Bett gegangen. Man bega" sich zu Tisch. Die jungen Leute besprachen gut ge­launt die Hochzeitstoiletten, Max entpuppte sm als Modekenner und seine Braut belachte fröhM seine Einfälle. Ich möchte, daß Mama in heller Toilette aufttitt", sagt« Uvonne,du siehst so jung aus- Mama!"

Herr von Miramar stellt« mit Genugtuung fest, daß niemand vom Abreisen sprach, und ver­langte eine-Flasche Champagner, um endlich, er sagte, wieder ins Gleichgewicht zu kommen- Schließlich sei es doch eine ganz eigenartige Naturerscheinung.., eine ganz vorübergehende-> das stehe ganz außer Zweifel... aber eine st seltene... vielleicht sogar einzigdastehend«.-- die zu beobachten sie den Vorzug hätten..

Eva und Max neigten sich zueinander, mit ihren Gläsern anzustoßen. Durch das plätscher ihrer Reden drang irgendeine Gemüts bewegung. Eva blickte mit zärtlicher Scheu»ui ihn, der bald ihr Gefährte fürs Leben werden sollte. Die Umstände und ihr gesellschaftli^ Milieu hatten sie einander nahe gebracht. Als M ihre gleichen Neigungen, die Unkompliziertb" ihrer Charaktere erkannten, war in ihnen so etwa wie eine gegenseitige Dankbarkett erwacht. Jetzt aber stieg ein unbekanntes Gefühl ihnen auf..tg Hubert, der immer noch am Fenster st-lia verkündete: DaS Meer scheint stillzustehen i"

Paulchen war enttäuscht. Ich wollte gerade Vorschlägen, daß wir d" Nacht im Hotel verbringen, denn morgen hnttw wir vom Waffer eingeschloffen sein können", sag. Frau von Miramar.Aber da eS aufgehört V" zu steigen..." Der Kaffee wurde im Salon gereicht.

.(Fortsetzung folgt.)