Anterhaltungsblatt des Vorwärts

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Nr. 52.

Jakob der Lehte.

Sonntag, den 14. März.

1897.

( Nachdruck verboten.) auf, so daß der Jakob einmal sagte: Da heißt es, das Alten­moos wäre eine unfruchtbare Gegend, und wachsen doch auf dem Steinhaufen allerhand Sachen."

Eine Waldbauerugeschichte aus unseren Tagen. Von Peter Rosegger .

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Als es uun start zu herbsten begann beim Jakob und zu wintern beim Bechöl- Nah, daß sie die Sonne aufsuchten wann und wo es ging, saßen die beiden Männer gerne auf dem Auf Euer Wohl, Jakob!" sprach der Verwalter und warmen Steinbaufen und schauten in die Gegend hinaus. Es hob sein Glas. Trinket, alter Freund. Schaut, Ihr habt war alles anders geworden. Den stattlichen Reuthofer von Mißtrauen gegen uns, und das ist nicht recht. Wir handeln ehemals hätte man kaum mehr erkannt. Haar und Bart uns nach den Verhältnissen der Zeit und haben nichts gegen den gepflegt, granend, die Wangen eingefallen und fast: lehmfahl, Bauernstand. Er wird auch nicht untergehen, aber er wird die Nase noch schärfer geschnitten, die sonst so schönen klaren sich verändern. Und solchen Naturen, wie der Euren, Jakob, Augen trüb und müde und manchmal grell aufzuckend, als thut das Verändern weh, ich begreife es. Aber Ihr sollt wolle sich der Mannesmuth in ihm nicht so ohne weiteres Euch nicht beklagen dürfen, daß Euch der Verwalter Ebner begraben laffen. Der Nag hatte immer noch sein rühriges, schlimm mitgespielt hätte. Auch ich habe eine Heimath gehabt seelenfrohes Wesen, er war ein weißhaariges Kind geworden. und weiß, was das heißt, und werde sie nie vergessen. Ich Ja, das Haar hatte sich endlich doch gebleicht zu Ehren feines habe Euren Willen, auf dem Gute Eurer Bäter fest zu 74. Lebensjahres. Und manchmal, wenn er sah, wie alles um bleiben, sehr geachtet. Jetzt ist's anders. Ich habe gehört, ihn so still und schwermüthig war, wollte auch er es werden. daß Eure Tochter ausgewandert ist, Euer Sohn ist auf dem Das nächste bunte Steinchen, das er fand, brachte ihn wieder Felde geblieben. Gebt mir Eure Hand, Jakob, seid überzeugt in helle Freude. von meiner herzlichen Theilnahme. Aber man muß mit den Thatsachen rechnen und ich sage es Euch, Neuthofer, es ist nicht möglich, Euch allein in Altenmoos zu behaupten. Seid flug, Freund!"

Der Jakob schwieg eine Weile und dann entgeguete er: Wenn ich jetzt nein sage und wieder nein, so wird's heißen: Trotz und nichts als Trok. Aber beim lieben Herrgott im Himmel: Ich kann nicht fort von Altenmnos, ich bin augewachsen. Den reichen vornehmen Herren, was kann ihnen liegen an diesem steinigen Bauerngut! Sie sollen mich in Ruh laffen, mir ist alles dran. Wenn ich einmal gestorben bin und mein Kind meldet sich nicht drum, nachher meinetwegen mag mit dem Neuthof geschehen was will."

Seltsam zitterte die Stimme, als er die letzten Worte Sprach.

Wenn das Herz der beiden Alten munter war und sie sich was Gutes anthun wollten, so redeten sie miteinander von alten Zeiten, da es noch lebendig und luftig gewesen in Altenmoos. Gegen dreihundert Menschen sind dagewesen," sagte der Jakob, gute Arbeitsleute, dazumal, tüchtige Soldaten. Ein fester, fernfrischer Schlag".

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Prächtige Leut'!" fügte der Natz bei.

" Und jezt nur etliche Krüppel und Hascherln und Wicht­linge und ein paar alte Männer, die auf dem Steinhaufen sizen" sagte der Jakob.

Was ist gesungen worden und gejauchzt, daß es nur so hat angeschlagen drüben im Nockwald!" erinnerte sich der Nah. Heiteres Gespiel mit Zither und Hackbrett haben sie getrieben an Sonn- und Feiertagen. Im Sommer die Kugel, bahnen, im Herbst, wenn die Frucht ist unter Dach gewesen, die Schnalzpeitschen, ein Knittern und Knattern überall! Nach­her im Winter das Eisschießen, daß die Stöcke nur so haben ' flungen!" Heute todtenstill," sagte der Jakob.

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" Jch wiederhole noch einmal," sagte der Verwalter, daß mich Eure Anhänglichkeit rührt, man wird eine solche Treue sobald nicht wieder finden. Es war nur ein Rath, daß Ihr für die alten Tage in eine andere Gegend ziehen solltet, etwa zu Eurer Tochter. Ihr könnt ja auch auf dem Reut­hofe bleiben, so lange Jhr lebt, es wird Euch an nichts Wie viel waren ihrer Häuser zu Altenmoos?" mangeln. Wir werden erkenntlich sein. Der Kampelherr Dreiundzwanzig, in meiner Jugendzeit," antwortete der bietet Euch für den Reuthofgrund, wie er heute liegt und Jakob, und stattliche! Zwölf Großbauern. Hat jeder einen Steht-" feinen Wagen gehabt und ein Roß, oder zwei, ist flott ins " Ich will nichts hören!" unterbrach ihn der Jakob Kirchdorf gefahren, im Winter mit dem Schlitten. Hat's und wehrte mit beiden Händen ab, mein Haus verkaufe ich geheißen: Aufgeschaut, die Altenmooser Bauern kommen! nicht. Ich bin gekommen, um meinen Wildschaden anzu- Wein her und Braten her, Geigen und Pfeifen auf, die Alten­geben und dafür entschädigt zu werden. Sonst will ich nichts." mooser Bauern fommen!"

Der Verwalter stand auf und hatte eine veränderte Heute," schmunzelte der Naß, heute schleifen wir mit Stimme, als er nun sprach: Man wird den Schaden von der Gicht und Gall um, trinken Wasser und essen Krautrüben. Sachverständigen abschäßen lassen, und die Entschädigung wird Und wenn der Wind durch die Wandklumsen pfeift, das ist Euch auf Amitswegen zukommen." Damit ging er in das unsere Tanzmusik." Nebenzimmer.

Die Leute dazumal, die haben zusammengehalten. Hat Der Jakob machte sich wieder auf den Weg nach Alten- einem was gefehlt, so haben ihm die anderen geholfen. Zu moos, den er tausendmal schon gegangen war, den seine Vor- grund' gegangen ist keiner." fahren in ihren jungen und in ihren alten Tagen, in Glück" Ja, so ift's gewesen," sagte der Nah und ergriff Jakob's und Noth, unzählige Male gegangen waren. So ging auch Hand. So ging auch Hand. Wir halten auch zusammen." heute den steinigen Weg in die uralte geliebte Bergheimath Jakob Steinreuter Jakob der Letzte.

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Die Schatten wachsen.

Hinter den Eschen des Reuthofes lag ein großer Stein­haufen. Es waren jene Steine, welche die Vorfahren des Jakob aus den Feld- und Weidegründen gegraben und hier zusammengetragen hatten. Das Erdreich schien zeitweilig zur Freude des Jakob steinlos, aber alljährlich von neuem, so oft der Pflug über den Acker ging, riß er Steine hervor und so oft die Sense über die Wiese glitt und die Sichel durch die Halme, flang der Stahl in den Steinen. Die Bauern sagen, es wüchsen die Steine in der Erde wie Kartoffeln, und es wäre beinahe so. Immer wieder mußten sie diese unliebsame Frucht sammeln und auf den Steinhausen tragen, der denn auch von Jahr zu Jahr größer wurde.

" Heute," fuhr der Jakob fort, bente traut einer dem anderen nicht, bei uns Ausnahm'. Und so leut'schen! Ich glaube, wenn's zum Sterben ist, so sucht sich jeder dazu den ödweiligsten Winkel auf, daß ihn feiner dabei sieht. Bei den wilden Thieren geht's auch so zu."

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Ich sage das und bleibe dabei," rief der Nah, es fehlen die Kinder. Nichts wächst mehr nach. Wir werden bald aus­gestorben sein."

" Ich weiß nicht," bemerkte der Jakob, ist es Einbildung oder ist es wirklich so: Mich deucht, zu Altenmoos scheint die Sonne nicht mehr so hell, wie vor Zeiten."

Sie scheint nicht mehr so hell," bestätigte der Nat. " Es mag auch an unseren alten Augen liegen, Nay." Es mag auch anderswo liegen, Jafob. Schau, so lange ich noch in den Donnergräben dringewesen bin, ist's mir oft aufgefallen, daß in den Waldschluchten mehr Nebel ist, als auf Auf dem Steinhaufen sammelte sich allmälig Erdreich den Matten und als heraußen zu Altenmoos. Jetzt ist zu und darauf wucherte rother Holler, Heiderich, Himbeer- Altenmoos auch schier überall Wald." gesträuche und Gedistel, auch ein paar Fichtenbäumchen standen ,, Wald auf Wiesen, Wald auf Feldern," sagte der Jakob.