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Die Bauern hörten mit gespannten Blicken in lautloser| Vertriebenen wieder aufzunehmen, bewenden lassen. Auf­Stille zu, und war aus ihren Mienen nicht zu entnehmen, geschoben war ja nicht aufgehoben. Das war ihm freilich welchen Eindruck die Rede auf sie machte. Sie blieben auch nicht in den Sinn gekommen, daß ihm ein gleiches wie dem stumm, nachdem Herr Florian von der Bank gestiegen war. Pfarrer geschehen könnte.

Als nun der Bürgermeister sie aufforderte, sich zu äußern, Als Kaspar aus seiner Grübelei, in der er neben dem wenn sie etwas zu bemerken hätten, da richteten sich wie auf Dorfmeister herging, einen Blick auf das Schloß richtete, das Verabredung alle Augen auf Jörg Buchwalder, welcher der sonst ein so schmuckes Wahrzeichen der Landschaft gewesen älteste von ihnen war. Dieser räusperte sich, strich sich langsam war, sah er nur noch rauchgeschwärzte Ruinen den Wald rückwärts über das graue Haar und sagte, seine etwas ge- überragen. Die Marodebrüder von der Tauber hatten nach ihrer beugte Gestalt aufrichtend: Ehrsame, günstige, liebe Herren! Entfernung aus Rothenburg mit Feuer und Schwert an das Schloß Es ist halt so, daß uns der Bund mit unseren fränkischen von Endsee gepocht und es verwüstet wie später Giebelstadt . Brüdern recht anstehet. Und wir getrösten uns, daß sie und Dem Schultheiß Wernizer hatten sie freien Abzug nach Rothen­unsere eigenen Brüder und Söhne die Wehr, zu der sie um burg gewährt, wo er schon vorher dem Pfarrer Bockel durch unser aller großen Noth willen gegriffen haben, nit eher aus seine Vermittelung die gerade erledigte Kaplanstelle an der der Hand legen werden, als bis alles zwischen uns und den Marienkapelle auf dem Kapellenplak verschafft hatte. Der Herren ist geschlichtet und geordnet nach der Gerechtigkeit." ehrwürdige Herr hatte dort nichts weiter zu thun, als täglich Dazu nickten die anderen ernst und bedächtig und Georg von eine Frühmesse vor den 12 bis 14 Pilgrimen und armen Bermeter entließ sie mit dem Gebot, am anderen Morgen Leuten zu lesen, welche in dem mit der Kapelle verbundenen 500 bis 600 Mann in Harnisch und Wehr zu Gattenhofen an Seelhaus drei Tage lang frei Obdach, Holz, Salz und Licht der Straße nach Würzburg zu stellen, um die Geschütze der erhielten. Apollonia war zu ihrem Kinde nach Reichardtsrode Stadt zu geleiten. gezogen.

Ungeschickt vorsichtig auftretend, wie sie in den Saal ge­tommen waren, entfernten sie sich. Sebastian Raab und der lange Lienhart folgten ihnen, um ihren Bekannten die Hand zu drücken. Vor dem Rathhause trafen sie mit Buchwalder und Wendel Haim zusammen, auf den Kaspar Etschlich ge­wartet hatte. Hans Krezer kam dazu und lud sie alle zu einem Trunk in seinen Rothen Hahnen ein. Die beiden Bauern entschuldigten sich, sie müßten ohne Verzug nach Hause, um die Geleitsmannschaft für die Geschüße zu be stimmen. Kaspar, dem der lange Lienhart fast den Arm aus dem Gelenk schüttelte, horchte hoch auf. Er wollte Haim nach Ohrenbach begleiten und lehnte den Trunk deshalb ebenfalls ab. Nix da," widersprach der lange Lienhart. Solch Un­fräutlein wie Du muß rechtschaffen begossen werden, damit es einen ordentlichen Wachsthum kriegt."

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Kaspar maß ihn mit blinzelnden Augen von Kopf bis Fuß und versette trocken: Man merkt's an Dir, daß es hilft."

,, Gott erhalte Dir Dein verhauenes Maul, Brüderlein," lachte der riesige Kriegsgeselle und faßte Kaspar unter den Arm, um ihn mit sich zu ziehen. Der Tuchscheerer aber sträubte sich. Der andere ließ ihn fahren, indem er mit einem schlauen Gesicht rief:" Ist das ein Kerl! Es brennt und er will nit löschen. Nu, dann grüß' dem Simon seine Leut' von ihm; seine Haut ist halt noch so heil, wie er sie von Haus mitgebracht hat. Und dem Maidelin sag', daß uns diesmal der Rosenberg nit auswischen soll. Wir haben ihn fest auf dem Marienberg ."

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Aber Ihr habet den Marienberg nit," spottete Kaspar und entfernte sich mit Wendel Haim, wandte sich jedoch noch einmal um und rief:" Ich seh' Dich noch ehender, als Du abreitest."

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Als Kaspar mit Wendel Haim in Ohrenbach anfam, hatte er sich zu einem festen Entschluß durchgegrübelt. Es sollte dieses sein letzter Martergang sein. Er bestellte dem alten Neuffer, der mit Nachbarn auf der Bank unter der Linde saß, nur flüchtig den ihm durch den langen Lienhart aufgetragenen Gruß Simon's und ging nach dem Gehöft, es Wendel Haim überlassend, das Bündniß mit dem Fränkischen Heere und was damit zusammenhing, ausführlich zu berichten. Der kleine Martin und sein Schwesterlein, die auf dem Dorfplate spielten, famen mit lachenden Gesichtern zu Kaspar herangehüpft. Er tätschelte sie, nahm das Mädel auf den Arm, das Büblein an Sie Hand und trat mit ihnen scherzend auf dem Hofe in die große Stube. Na, grüß Gott , da bin ich halt wieder einmal," rief er heiter den beiden Schwägerinnen zu und gab jeder eine Hand, nachdem er die kleine Ursel auf die Füßchen gestellt hatte. Er merkte es beiden an, daß er sie aus stillem Nachhängen ihrer Gedanken, dem sie sich in der Ruhe des Sonntag Nachmittags überlassen, aufgestört hatte. Worüber Käthe gesonnen hatte, verrieth ihm hr noch wehmüthig ver­schleierter Blick. Sie hatte ja auch nur die Sonntagsruhe, um an etwas anderes als die Wirthschaft, um an Hans Lautner denken zu können.

Es ist gescheidt, daß Du gekommen bist; was schaffst?" äußerte die auf der Ofenbank sigende Bäuerin in ihrem etwas singenden Ton. Ihr Gesicht war noch schmäler und forgenvoller geworden als es früher gewesen war.

,, Gutes!" antwortete Kaspar mit einer zu starken Fröhlich­feit. Der Simon läßt grüßen, und hat er bisher nit ein­mal einen Riz weggefriegt."

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Die Nachricht belebte beide. Gott sei Lob und Dank," rief Frau Ursel aus voller Brust, zog die Kinder zu sich heran und sagte ihnen, daß der Vater sie grüßen lasse. Kommt er denn bald heim und bringt mir was mit?" fragte der Knabe.

Käthe lud ihren Vetter ein, sich zu ihr auf die Fenster­bank zu sehen und zu erzählen. Er berichtete denn auch, wie er dem langen Lienhart in Rothenburg begegnet sei und was diesen dort hingeführt hätte. ( Fortsetzung folgt.)

Bon japanischer Malevet.*)

Ja, das Fener brannte immer noch in seinem Herzen. Allein wohl that es ihm nicht. So oft er auch Sonntags nach Ohrenbach gewandert war, so hatte er doch bisher aus dem Verhalten seiner hübschen Base kein Wahrzeichen zu er spähen vermocht, daß sie ihm anders als schwesterlich zu gethan sei. Sie hatte ihn gern, wie auch der Oheim, die Bäuerin und ihre Kinder über seine Besuche sich freuten. Er war ja immer so lustig um seine unerwiderte Liebe zu verbergen. Nachgerade begann er sich wie unsinnig vorzukommen, daß er immer wieder nach Ohrenbach lief, wo Die niedrige Lebenshaltung des japanischen Voltes macht das seiner nichts als Schmerzen warteten. Er wollte ein Ende europäische Haus in Japan unmöglich. Ueberdies ist das japanische machen, zumal Käthe weder seines, noch überhaupt eines Wohnungsgebäude bedingt durch das häufige Auftreten heftiger Erd­Schußes mehr bedurfte, weshalb auch ihr Brudes Andreas auf beben. Mit dem Hause aber ist die japanische Kunst gegeben. Das feine Pfarre zurückgekehrt war und nur noch dann und wann Haus ist die Mutter der japanischen Kunst, der Malerei. zu einer Predigt nach Ohrenbach kam. Im äußersten Nothfalle Stockwerken aus leichtem Rahmwerk ohne Fundament und mit Das japanische Haus ist ein niedriges Gebäude von ein bis zwei wäre ihr Konz Hart schneller zur Hand gewesen als er. Denn Konz Hart war nach Abzug der Rothenburger Mannen schwerem Dach, das von hölzernen, auf unbehauenen Steinen ruhenden Pfosten gestützt wird. Die Hauptträger desselben sind in Ohrenbach zurückgeblieben und Käthe hatte ihn in starke, sorgfältig an einander gefügte Balfen. Das Dach liegt stumpf­Dienst genommen. Mit seiner und Friedel's Arbeit ging die wintelig auf, greift in der Regel weit über, ist bei Wohnhäusern Landwirthschaft unter ihrer festen und umsichtigen Leitung so einfach und flach, bei Tempeln und alten Burgen gegen den Rand ruhig weiter, als ob ihr Bruder Simon nicht abwesend ge- meist wie bei chinesischen Pagoden nach oben geschweift, in den wesen wäre. Sie hatte überhaupt schon längst nichts mehr Dörfern noch meist mit Stroh, in den Städten mit Schindeln oder für ihre Sicherheit zu befürchten. Der Schultheiß von Endsee Ziegeln bedeckt. Das Hauptbaumaterial liefern verschiedene Kiefern hatte bei dem allgemeinen Aufstand Bedenken getragen, die in Abständen von etwa zwei Metern errichteten Reihe von Pfosten, und Tannen, für bessere Häuser die Kryptomerien. Parallel zu der Verlegenheiten des Rathes zu vermehren, indem er auf denen das Dach ruht, läuft innen eine zweite Reihe. Der Ab­nach Käthe greifen ließ. Aus demselben Grunde hatte stand zwischen beiden ist für die Veranda bestimmt. er es auch in der Angelegenheit des Pfarrers Bockel bei einem wirkungslosen Mandat an die Gemeinde, den

*) Aus der Wiener Wochenschrift, Die Zeit".