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das er in jedes Kleinste Bröckchen seiner technischen Machtleistungen| tragen sie vor. Solche, die sich durch besondere Begabung aus­hineinlegt, und mit dem er seinen so überzeugend angebrachten zeichnen, veranstalten Wettgefänge, in denen sie einander in Versen Atzenten entgegenstürmt; die Wucht, mit der er den Flügel zum fragen und antworten, während das Bolt mit großem Interesse zu­Dröhnen bringt, die aber sammt ihrem Muskelmechanismus anderen hört. Einer der berühmtesten Volksdichter war Pietro Fullono, oder nicht eben zum Vorbild dienen möge; furz, seine anstaunenswerthe wie er im Dialekt heißt, Petru Fuddemi, im 16. Jahrhundert, dessen individuelle Künstlerschaft hatte auch diesmal wieder einen Erfolg, Gestalt fast sagenhaft geworden ist. Er war ein Steinhauer, der für den die Zweizahl der Zugaben nur ein äußerlicher Maßstab von Ort zu Ort reiste, um andere Sänger zum Wettgefang heraus­sein konnte. zufordern.

Im Theater des Westens begannen am 18. d. M. eine Reihe von Neu- Einstudirungen volksthümlicherer Opern mit dem " Freischütz "; wir hörten die Wiederholung am 20. d. M. Junerhalb des dort leblichen ist viel Gutes geleistet worden. Allein dringend fei vor einem Weiterhaften auf dieser Bahn gewarnt. Wer weiß, wie lang es dauern wird, bis Herr Kapellmeister Ruthardt den Umsturzbestrebungen des Chores nicht mehr Stand halten kann, bis eine so vorzügliche Sängerin wie Frau Burrian Jelinet im Detoniren bei einem halben, die Brautjungfern bei einem ganzen Ton angelangt sein werden, u. dgl. m.? Und noch einmal die Text­bücher! Diese Wische des Verlags Rud. Bechtold u. Comp. oder eines völlig unbezeichneten Verlags und Druckers( wie neulich bei Martha") bedeuten schon mehr als nur eine llebervortheilung" des Publikums. Reklam's Opernbücher find weit besser und billiger.

Völkerkunde.

SZ.

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Aus der Pflanzenwelt.

Die

petrum nigrum) stellte Professor Ascherson in der November- Sigung Einen neuen Bürger der Mark, die Rausch beere( Em­des Botanischen Vereins für die Provinz Brandenburg " vor. Boff. 3tg." berichtet über den Vortrag folgendes: Ueber das Vor­kommen dieser Moorpflanze in der Mark Brandenburg lag bisher mur eine einzige Angabe vor: Bekmann, der 1717 in Frankfurt a. O. starb, giebt in seiner Beschreibung der Mark an, daß die Pflanze in der Gegend von Salzwedel vorkomme. Man hat aber die Rausch­beere weder dort noch anderswo in der Mark wieder beobachtet; nur ein Standort nahe der Westgrenze, ein zweiter nahe der Ost, und ein dritter nahe der Nordostgrenze sind bekannt. Jezt ist die Pflanze nun von dem Oberlehrer Wenzke in Guben in dem Tauer'schen Forst zwischen Guben und Peiz aufgefunden worden. Ob die Stauschbeere hier ein Relitt" aus älterer Zeit darstellt, oder ob sie ihr Vorkommen an diesem Standort der Umstand, daß ihre Beeren von Vögeln, z. B. Krähen, gefressen Verbreitung durch Vögel verdankt, bleibt unentschieden. Auf den werden( daher auch der Name Krähenbeere"), hat Focke die That fache zurückgeführt, daß die Rauschbeere besonders reichlich bei Hünen­gräbern vorkommt. Die neugierigen Krähen suchen diese vor­springenden Punkte mit Vorliebe auf und setzen mit ihrem Koth dort die Samen der gefressenen Rauschbeeren ab. Weniger wahrscheinlich ist die Annahme Buchenau's, der das Vorkommen der Rauschbeere an den Hünengräbern auf die Leichenschmäuse der Erbauer zurück führt, wenngleich die Rauschbeere in alter Zeit, ebenso wie in nordischen Ländern noch heute, als Genußmittel eine Rolle gespielt haben dürfte.­

Humoristisches.

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Beim Dorfbader. Herr: Was machen Sie denn mit der Feile am Rasirmesser?" Dorfbader: Die Schneid' feil i zurecht!" -Abgeblikt. Fräulein Röschen, ich würde Sie auf Händen durchs Leben tragen!"

Danke sehr, ich habe gehen gelernt!"

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Höhere Koch kunst. Er( furz verheirathet): Mein Gott, Elise, was hat denn die Suppe heute für einen abscheulichen Geschmac? Du scheinst schlechtes Salz hineingethan zu haben!" Sie( entrüftet): Schlechtes Salz? Wo dentst Du hin! Echtes Karlsbadersalz!" ( Meggend. Hunt. Bl.")

ck. Ueber die fizilianischen Volkslieder ver­öffentlicht Heinrich Schneegans im November- Heft von Wester­mann's Monatsheften" eine fesselnde Studie. Unerschöpflich ist der Reichthum der Sizilianer an Liedern. Ein italienischer Forscher, Prof. d'Ancona , ist der Ansicht, daß Sizilien die Heimath der italienischen Volkspoesie überhaupt ist. Am meisten kommen natür­lich in betracht die Liebeslieder, die canzuni, die die jungen Burschen des Abends unter Guitarren- oder Violinenbegleitung unter den Fenstern ihrer Mädchen fingen. Sie bestehen gewöhnlich aus acht elffilbigen Versen, die in abwechselnde Reime oder auch mir Afsonanzen ausgehen. Nach dem vierten Verse wird meist eine Bause gemacht. Der leidenschaftliche Charakter des Sizilianers spiegelt sich in diesen Liedern wieder. Um seiner glühenden Liebe im Ausdruck zu genügen, fommt er zu ungeheuerlichen Uebertreibungen. Die Geliebte feiert er in seinem Liede als die wichtigste Person der Welt, ihr Name ist überall bekannt, drei Adler sind bei der Geburt ausgeflogen, um der ganzen Welt das Ereigniß zu verkünden: Schöner als sie ist keine unter der Sonne, schöner ist sie als ihre eigene Schönheit". Daneben finden sich aber auch Lieder, die in ihrer Einfachheit und Naivität außerordentlich reizvoll find. So theilt Pitré, der beste Kenner Siziliens , ein Lied mit, dessen Wortlaut der folgende ist: Erinnerst Du Dich noch der Zeit, wo wir zufammen tanzten, an den Abend, wo wir zusammen spielten; in die Augen schauten wir uns beide, wir wurden roth im Angesicht und lachten dam, und tanzend, tanzend feufzten wir; wir ergriffen einander bei der Hand und drückten sie. Dentst Du auch daran, wie wir zusammen aßen, auf dem Tischtuch, das wir ausbreiteten?" Auch der Sizilianer möchte sich des Vögleins als Liebesboten bedienen; er wünscht sich, das Halsband der Geliebten zu sein, ja sogar, daß sie frank wäre, damit er ohne Aufsehen immer bei ihr sein dürfte. Geht es ihm aber schlecht in der Liebe, so geräth er in Raserei. Er ist äußerst mißtrauisch und eifersüchtig; fortwährend ist in den Liedern von den Qualen der Eifersucht die Nede. Er flagt, er droht, er flucht, und er beginnt schnell zu hassen, wo er eben noch geliebt. Seine Serenaden hören freilich noch nicht auf, aber er sucht die Geliebte durch ironische Sticheleien zu verlegen. Als Du weiß warst und roth, da füßte ich Dich, und Du warst zart und füß; jetzt bist Du schwarz wie Pech und bitterer als Aloe!" Dem Rivalen droht er-Aus Innsbruck wird der" Frankfurter Zeitung " unterm mit der Kugel und dem Messer. Das Mädchen bleibt dem Manne, 15. November gemeldet: Wir haben hier jetzt Herbsttage der ihr untreu wird, aber auch nichts schuldig. Ich speie auf Dich, von seltener Pracht. An den sommigen Hängen im Norden ich will nichts von Dir wissen, ich verabschene Dich. Verslucht sei die der Stadt blühen in Menge allerlei Frühlingsblumen, wie Zeit, in der ich Dich liebte!. Indessen weiß der Sizilianer auch Küchenschelle. Primel 2c. Reife und blühende Erdbeeren. andere Empfindungen als die der Liebe in Liedern auszudrücken. selbst in Höhen von über 1000 Metern, sind keine Seltenheit. Er hat einen scharfen Blick für die Schwächen seines lieben In der Fahrordnung der 20 Kilometer langen Nächsten und macht sich mit Vorliebe über ihn lustig. Er dichtet Bukowinaer Lokalbahn von Wama nach Nussisch- Moldawizza Satiren gegen die Frau, die sich jünger machen will findet sich folgende Bemerkung: Die Züge verfehren von als fie ist, und gegen den ungerechten Richter, er Fall zu Fall; über den jeweiligen Verkehr wird in den Stationen bespöttelt den Dummen Bauern". Stets ernst bleibt Wama, Waira und Nussisch- Moldawizza Auskunft ertheilt." In Bethlenfalva( Ungarn ) wurde ein Zimmermeister von seinem 23 jährigen Sohne mit der Art erschlagen und beraubt.­-Im Fürstenthum 2iechtenstein sind die Knaben bis zum siebzehnten, die Mädchen bis zum sechzehnten Lebensjahre schulpflichtig.

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Vermischtes vom Tage.

In Seitendorf( Schlesien ) legten zwei fünfjährige Knaben an eine Scheune Feuer an. Beide Knaben sind dabei verbrannt.

-In Sosnowice überfiel ein entlassener polnischer Ar= beiter den Direktor von den Huldschinski'schen Walzwerken und verlegte ihn durch Knittelhiebe lebensgefährlich am Kopf. - Bei starkem Nebel überfuhr der Zittauer Personenzug bei Reibersdorf einen Bierwagen. Ein Insasse wurde getödtet, zwei sawer verletzt.

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er dagegen auf dem Gebiete der Politit. Hier hat er nie ironische Sticheleien, sondern nur den Ton leidenschaftlichen Zorns gegen Gebräuche, die ihm nicht gefallen. Ein übermächtiger Unabhängig teits- und Freiheitsdrang beseelt ihn. Besonders in den Gesängen der Gefangenen tritt dieser hervor. Diese Gedichte sind ganz kurz: ein Vers von fünf Silben leitet sie ein, in dem irgend eine Blume angerufen wird die Gedichte werden daher auch Blumen" ge­In den Kellerräumen eines großen Restaurants in nannt dann folgen zwei Verse zu elf Silben. Diese Lieder sind Paris ereignete sich am Sonntag Nachmittag eine heftige Eg ergreifend einfach. Der Gefangene steht am Gitterfenster und denkt plosion. Das ganze Gebäude wurde erschüttert, das Glasdach, an seine Geliebte, seine Mutter, oder er preßt seine Verzweiflung in welches einen Theil des Restaurants überdeckt, völlig zertrümmert wenige Worte. Für alle möglichen Gelegenheiten haben die Sizilianer und Gläser, Spiegel und Geschirr zerbrochen. Ein Theil des Fuß­besondere Lieder; für die Todtenfeier wie für den Karneval, bodens wurde in die Höhe gehoben und mehrere Zwischenwände für das Kind in der Wiege wie für das Spiel. Sehr populär sind umgerissen. Eine Person wurde getödtet, acht vers die contrasti, Gesänge in Dialogform, die sich manchmal wie fleine wundet. Die Explosion ist wahrscheinlich durch Ausströmen von Komödien ausnehmen. Meist handelt es sich auch darin um Liebende. Gas hervorgerufen. Der Mann sucht das Mädchen zu überreden und es gelingt ihm Kragen und Manschetten aus Aluminium sind regelmäßig. Die längsten Gedichte wissen die Leute auswendig und in Riga in den Handel gekommneit.- Berantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin . Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin .