Anterhaltungsblatt des Vorwärts

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do

Donnerstag, den 22. Dezember.

1898

Es glitt wie ein Lichtschein über Frau Hellvik's Gesicht, ( Nachdruck verboten.) der ihm etwas von seiner einstigen Schönheit zurückgab, und es lag ein Klang von Jubel in der Stimme, als sie ant­

Die Badereile der Familie Hellvik.wortete: Von Alfred af Hedenstjerna.

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Die Oberstin wurde leichenblaß und wäre beinahe in Ohnmacht gefallen. Als sie aber nach einigen Augenblicken ihre Fassung wiedergewonnen hatte, stieß sie ihren Gast heftig von sich und rief durch die zusammengebissenen Zähne:

Sind Sie ganz verrückt, Frau? Was wollen Sie damit sagen? Wer giebt Ihnen das Recht...? Mit einem Wort: Was wollen Sie?

Niemals!"

Und dann wagen Sie zu mir zu kommen und so zu reden! Was haben Sie denn gestern im Park erlauscht? ch liebte den, dem ich nun folge, lange, lange, bevor ich in die Fesseln geschmiedet wurde, die ich verabscheue. Ich brach nicht mein Wort. Aber mein Vater bettelte und flehte und befahl mir, den Kauf anzuerkennen, den er mit dem Manne abschloß, der mich begehrte; und ich wußte, daß diese Kaufsumme der einzige Weg war, meinen Ich will gar nichts! Aber Gott will, daß Sie nicht Vater vor dem Gefängniß zu bewahren, meiner Mutter mit dem Ingenieur Smith heute Abend um fünf Uhr abreisen und meinen Geschwistern die Schande und Schmach sollen, denn Sie sind einmal mit Oberst Gustav Bärenfeldt des Namens von Betrügern zu ersparen, sie vor verheirathet. Sehen Sie, kommen Sie nun her und weinen Noth und Hunger zu erretten. Und er, der mich kaufte, der Sie sich an meiner Brust aus, liebes Kind! Sie sind nicht alte Mann von einer ganz anderen Generation, als ich, die erste! Spielen wir keine Komödie vor einander, denn ich wußte was ich für ihn empfand, wußte, daß ich von allen weiß alles; ich hörte es gestern im Park, und ich schäme mich Einzelheiten und Bedingungen des Kaufes volle Kenntniß zu Tode, daß ich lauschte. Aber ich glaube, Gott wollte es, hatte, wußte, daß ich ihn haßte, und doch wollte er! auf daß Sie eine warnende Stimme zu hören bekämen, Ich kostete nicht so sehr viel, Frau Hellvit. Es war sowie auch die des Gewissens, ehe es unwiderruflich zu feine Millionenfache. Vierzigtausend Kronen war der Preis, spät ist!" und er besaß eine halbe Million. Wie viel mehr wirft man nicht für eine Maitresse fort! Man sagt, ich sei schön gewesen, sehr schön sogar, schöner, als die meisten Frauen, und er hat alles an mir besessen, was verkäuflich ist, sechs lange, furcht­bare Jahre, und er... er hat sein Besigthum nicht vernach lässigt... aber Gott sei Lob, wir haben keine Kinder! Glauben Sie nicht auch beinahe, wir könnten quitt sein? Glauben Sie nicht auch beinahe, ich kann nun gehen, ohne daß er ein Recht hat, sich bei dem Handel betrogen zu fühlen?

Die Oberstin begann zu weinen und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen. Frau Hellvik ging leise zu dem Sessel him, auf dem sie matt niedergesunken war, strich weich über ihr Haar hin und Klopfte sanft die feinen, weißen Hände, die das schöne, verzerrte Gesicht verbargen. Plöglich verstummte das Schluchzen, die Oberstin drückte energisch ein paar Mal das Taschentuch gegen ihre Augen, sprang auf und fah ihre Be sucherin mit flammenden Blicken an:

,, Sie sind ein seltsames Wesen, Frau Hellvik! Ich hätte Grund genug, Ihnen Vorwürfe zu machen über die Art, in der Sie sich in den Besitz meines Geheimnisses gesetzt haben, Ihnen meine Verachtung ins Gesicht zu schleudern, Ihnen und sagte: die Thüre zu weisen und

"

Frau Hellvik erhob sich mit vor Merger flammenden Wangen. Die Oberstin legte sanft ihre Hand auf ihren Arm ,, Nicht so! Scheiden Sie nicht so von mir, Liebste! Ich Ach, was würde das helfen, Liebste! Hier drinnen habe ohnehin genug zu tragen! Sie sind ein herzensgutes -sie legte ihre Hand auf die Brust der Oberstin giebt und findlich frommes Frauchen, das ihr Leben glatt, schön es eine Stimme, die deutlicher und lauter spricht, als die und klar geebnet gefunden hat. Ich bin in allem Ihr Gegen­meinige, nun, nachdem ich Sie gezwungen habe, darauf sat; ich sollte Sie beneiden und Ihnen zürnen, und doch fühle zu hören." ich mich so merkwürdig zu Ihnen hingezogen. Verachten Sie mich wirklich so tief, daß Sie nicht Ihre Lippen auf meine Stirn drücken wollen?"

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Die Oberstin sank auf das Sopha nieder. Mama Hellvik ebenfalls. Und dann umarmten sie einander, und Frau Hellvik weinte ein Weilchen.

Wieder fuhr die Oberstin auf, sah Frau Hellvik fest in die Augen und sagte ruhig:

Mein Entschluß ist in jedem Falle unerschütterlich. Die Stimme, von der Sie reden, hat auch nicht geschwiegen, bevor Sie famen. Sie hat laut, lange und furchtbar ge­sprochen, aber sie hat mich nicht überzeugt, und Sie haben selbst anerkannt, daß sie stärker ist als Schwüre.

,, Sie phantasiren, Sie befinden sich in überreiztem Zustand und wissen nicht, was Sie thun. Ich glaube, es ist meine Pflicht, wenn es kein anderes Mittel giebt, Ihren furchtbaren Plan mit Gewalt zu durchkreuzen, an Ihren Mann zu tele­graphiren, daß er Sie daran hindern soll. Sie werden mir noch einmal dafür danken!"

Die Oberstin fuhr auf, und ihre Augen sprühten Blize: ,, Wie wenig Sie mich kennen! Dann, dann würden erst recht alle Bedenken, alle Scheu schwinden. Dann würde ich stolz und offen meine Liebe bekennen vor aller Welt und der Verdammung und Verachtung lachen, die auf mein Haupt herabfiele; und dann würde ich in jeden Fall zu ihm hin­gehen, dem Geliebten, dem Einzigen, und er würde ge­duldig meiner warten."

Frau Hellvik neigte den Kopf und schwieg. Ihr stieg eine Ahnung auf, daß hier ein weit schwereres Stück Arbeit vor­lag, als wenn sie häusliche Zwiste bei den Inftleuten auf Hultuna schlichtete.

Die Oberstin erhob sich, faßte sie bei beiden Achseln und sah ihr gerade in die Augen hinein:

" Sie liebe, kleine herzensgute Frau, Sie lieben Ihren Mann; haben Sie jemals einen anderen geliebt, als den, der Ihnen seinen Namen gegeben hat? Sagen Sie mir die Wahrheit, Frauchen!"

Bei diesen Worten schmolz Frau Hellvik's Herz, und sie warf sich weinend der Oberstin in die Arme und schluchzte:

Kind, Sie zerreißen mir das Herz! Liebste Freundin, hilft es denn nichts, wenn ich Sie bitte, es zu unter­laffen?"

,, Nein. Sofern ich und er heute Abend noch leben, fahren wir hinaus, Seite an Seite, und suchen einen Platz für unsere Liebe und für unser Glück! Aber ich danke Ihnen, daß Sie kamen! Diese Unterredung, die wir hier hatten, hat schon früher so und so oft zwischen mir und meinen Vorurtheilen stattgefunden. Aber ich habe noch nie meinen Weg so klar vor mir gesehen, wie in diesem Augenblick, da ich laut und deutlich meine Sache vor einem Gegner aus Fleisch und Blut vertheidigt habe! Dafür danke ich Ihnen!"

Frau Hellvik erbebte von Kopf bis zu Fuße, umfaßte ihre stattliche Freundin und stellte sich auf Behspitzen, um sie zu füffen.

Möge Gott Sie so milde strafen, wie es seinem gnädigen Baterherzen möglich ist!" flüsterte sie.

Und dann rissen sie sich los, und Frau Hellvik stieg die Treppe hinab. Aber sie war erst bis zur Hälfte gekommen, da kehrte sie um und öffnete noch einmal die Thüre. Drinnen lag die Oberstin schluchzend auf der Chaiselongue.

Sie war doch nicht so ruhig und fest, wie sie sich den Anschein gegeben hatte.

Frau Hellvik fniete neben ihr nieder, umschlang ihren Hals mit ihrem dicken Arm und sagte:

Kindchen, haben Sie auch warme Unterkleider für de schreckliche Nordsee? Sonst könnte meine Anna... Ach so, jaja, verzeihen Sie, ich meinte nur... Und dann wollte ich Ihnen gern ein Rezept gegen Seekrankheit schicken, das ich einmal aus dem Familien Journal" ausgeschnitten. Es ist von einem