Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 53.
11]
1701 inst
findina
Das Blut.
1001
Mittwoch, den 15. März.
1899
( Nachdruck verboten.) ein armes Mädel und hab' nichts wie meine Ehre, wenn mir die Großmutter auch eine Aussteuer versprochen hat. Aber was ist das für Dich?"
deveRoman von J. J. David.
" Jesus Maria!" feufzte die Geängstigte, ich hab' Dich lieber, als mir gut ist."
Er sprach plötzlich slavisch, in der Muttersprache der Der Sommer kam, schwül und fast unbarmherzig. Gebräu Marie:" Bin ich vielleicht kein armer Bursch? Ich war nach Gebräu mißrieth; das Eis in den Kellern des Brauhauses lüderlich; aber siehst nicht, seitdem ich Dich kenne, daß ich ging vorzeitig zur Neige, und Rupert war übellaunig und sorgen- mich um gar keine mehr bekümmere? Wie könnt' ich sonst voll. Der Graswuchs gedieh nicht; die Kühe litten, und Frau jede Nacht dastehen und betteln bei Dir, daß ich mich schäme Salome sah mißvergnügt in die Welt. Unter Beiden hatte vor mir selber? Aber Du hast mich gar nicht gern und sollst Gabriele zu leiden. Fast allwöchentlich zog ein Wetter auf Ruhe haben vor mir." und verstörte Gabrielen und rührte das Tiefste in ihr auf. Sie hatte wiederum schlaflose Nächte, Tage, die endlos und traurig waren. Das, was vor ihr stand, kam nicht, kündigte ,, Und ich kann Dir noch eines sagen," fuhr Franz noch sich nicht einmal an. Und dennoch klangen die alten, locken- dringerder fort, ich werd' mich nicht immer so schinden den Stimmen gewaltiger denn je, rissen an ihr und wollten müssen und plagen für den Bissen Brot, den mir der Geiz sie nicht lassen. Ungeduld fraß an ihr mit dem Langen des tragen, der Johann, nicht einmal gönnt, wo ich doch so viel Lichtes; Laute äfften sie, bis sie zur Nacht nicht mehr gelernt hab'. Er ist kränker, als Eins weiß. Wer dann den wußte, was wirklichkeit, was Spiel ihres fiebernden Blutes Rüttemannhof kriegt, das weißt, und wie sich's als Rüttemann fei. Dazu wisperten allnächtig neben ihrem Fenster Marie lebt und anschafft, sollst nachher wissen." Menschenstimmen. Eine bedünfte sie vertraut und der Marie zugehörig; die Andere war ihr fremd, aber in ihrem Zonfall lag etwas Dreistes und eindringlich Forderndes. Eine Aber Goft muß vorgeh'n," entgegnete der Versucher. Neugierde nach dem, was dort verhandelt werde, war wohl Laß mir Zeit. Ich möcht vorher noch zur heiligen in ihr; aber, am Ende fie wußt' es halb und halb, und Mutter Gottes nach Bistrik am Hoftein. Du kommst mit, die lasse Müdigkeit, die so häufig ihre Glieder lähmte, wehrte und dort verloben wir uns vor ihr, wenn's auch sonst ihr das Aufstehen. Und wer konnte ihr sagen, ob sie nicht niemand weiß." wieder einmal genarrt war? Wie oft hatte sie sich gerufen geglaubt, sich erhoben, um dann nichts zu finden, als die schweigende Nacht, um mit schmerzenden Augen und Du wirst's halt auch; willft mir denn gar kein Opfer brennender Stirn wieder ihr Lager zu suchen. Aber ein bringen? Aber ein bringen? Die Reichste tönnt' ich haben im Landt, und starfer Neid auf die Flüsternden raunte in ihr: um sie warb Du weist mich ab, statt zuzugreifen mit beiden Händen!" niemand, und sie war doch schöner, unendlich schöner als die Sch thu's ja nicht. Ich wär' so froh, Franz 1" !" Marie. Denn diese hatte allerdings eine gefällige Gestalt, So sperr' die Thür auf." wie sie denn in dieser Beziehung mit Gabrielen eine entfernte Aehnlichkeit hatte, und ihr Gesicht war hübsch, sah man's schräg; aber sie war viel zu voll von Wangen , als daß fie, von vorne betrachtet, auch nur leidlich gewesen wäre. Und ihr viel gerühmtes Haar? Gabriele mußte lächeln und ließ die dunkelbraunen, welligen, feuchten Strähne durch die Finger gleiten. Das war schön!
sch kann nicht mehr warten und bin lutherisch."
" Ja, und wie willst mich dann heirathen?"
"
"
"
Ich kann nicht, das Haus ist verriegelt."
tunt
So tomm' morgen zu Nacht in den hinteren Garten. Willst?" Gabriele hörte sie schwer feufzen:" Ich komme."
,, Und wann? So um elf Uhr?"
" So um elf Uhr."
„ Gewiß? Auf Deine Ehre?"
,, Auf meine Ehre."
schlagen. Nur aus dem Nebenraume klang noch das Klirren sich schließender Fenster in das Rauschen des Baches. Dann feierte der Hof, und Gabriele troch in ihr Bett und fühlte geraume Weile hernach, wie ihr die Wangen plötzlich er glühten. Was war ihr nur durch den Kopf gegangen? Was war der Gedanke, den sie sich selber zu verhehlen, den sie die ganze Nacht und den ganzen folgenden Tag fruchtlos zu bannen suchte? Ihre ganze Willenstraft bot sie dazu auf; aber die war gering, und ein schweres Wetter, das in der Luft lag und das Alles ahnend und bangend vorempfand, drückte auf sie.
Sie wußte im Uebrigen auch keinen im Orte, den sie So. Gieb mir die Hand und einen Ruß darauf." gemocht hätte. Herrn Glogar's dachte sie nicht einen Augen- Wiederum schwieg die Nacht. Wiederum schwieg die Nacht. Der Franz war berblick mehr, da er nicht mehr ihr Lehrer war, so wenig fie schivunden, als hätte die Finsterniß ihren Mantel um ihn gevielleicht seine Werbung ausgeschlagen hätte; der Freiheit, die sie ihr brachte, wegen. Dazu aber machte er feine Miene; noch war ihm Gabriele zu sehr Kind und er überhaupt der Mensch nicht, der irgend einen, gar einen so wichtigen Schritt ohne reifliches Erwägen und Befinnen gethan hätte. Bücher trug er immer noch zu; sie aber las nicht mehr darin. Das, was sie zu wissen begehrte, stand auf ihren Blättern ja doch gewiß nicht. Defter dachte sie des Franz; man nannte seinen Namen manchmal im Hause. Daß es immer nur zum Ueblen geschah, das schadete ihm bei ihr just nicht. Aber gelegen war ihr auch am Franz nichts, an niemanden- und dennoch: sich begehren, um sich werben, sich bitten lassen, wie es gerade jezt, während sie so dachte, neben ihr geschah, das mußte ein Süßes, ein Berauschendes sein. Was wollte der Flüsternde nur? Sie erhob sich; eines ihrer Fenster, das nächst der Küche, stand offen, und eine lüsterne Neubegierde zwvang fie, zu horchen.
Das Gewitter zog näher und näher, aber es wollte nicht losbrechen. Es machte den Tag grau, daß es früher als sonst dunkelte. Die Dämmerung überraschte Gabrielen im Grübeln; da schrak sie auf, zündete die Lampen, wie es ihres Amtes war, an und suchte in einer fremden Lebendigkeit Ablenkung für das, was dunkel und gewaltig in ihr quoll, Die Nacht war sehr still und dunkel. Desto besser Flucht vor sich selbst. Aber ihre Glieder schmerzten sie ein war sie geborgen, wenn ihr nachtgewöhntes Auge dennoch jedes; im Hause war ein Lärmen, denn man rüstete sich für den jüngeren Nüttemann erkannte; desto minder konnte ihr ein neues Gebräu. Jm Hofe befahl Ruppert, und vorm Rollen auch nur der leiseste Lispellaut entgehen. Der Mann hatte der Fässer, vorm klirren der Windenketten that ihr der Kopf die Gitterstäbe mit beiden Händen erfaßt und hielt sich so weh. Aus den Ställen herüber klang das dumpfe Klagen halb schwebend über dem Boden. Vielleicht darum bebte einer tragenden Kuh; sie vernahm's nicht, wie man alle etwas ganz Bewegliches in seiner Stimme, das Gabrielen Mägde hinüberschickte; war viel zu verstört, um auch nur durchfröftelte. Ich bitte Dich, Marie, set flug. Gieb nach!" die Erregung der Zante zu bemerken, um nur eine Frage hörte sie ihn raunen. nach ihrem Grunde zu wagen. In ihr Zimmer ging fie zur bestimmten Zeit, aber sie entkleidete sich nicht. In stumpfer Erwartung harrte Gabriele Wagner der elften Glode; sie wollte wissen, was sich im drübern Garten begab, endlich einmal, wenn auch nur ferne Zeugin dessen sein, wovon sie so viel gehört, was neben dem Zirkus allein noch bedeutsam war für sie; Klarheit über das, wovon sie Ahnungen nur zu viele hatte.
Ich kann nicht, Franz, ich kann's nicht!" fam es zurüd. Und hast mir's doch versprochen und haft geschworen, Du kannst nicht leben ohne mich. Weißt noch?" Jch fann's aber nicht. Ich fürcht' mich zu sehr." Und wovor denn? Weißt denn nicht, wie gern ich Dich
"
habe?"
Ja aber wie viele Haft Du's zugleich? Und ich bin