Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 245.
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Else.
Freitag, den 15. Dezember.
( Nachdruck verboten.)
Von Alexander 2. Kielland. Aus dem Norwegischen von Leo Bloch . Das Fräulein zwang sich zu schweigen. Aber da keiner etwas antworten zu wollen schien, sagte die kleine Frau Polizeimeister: Entschuldigen Sie! ich bin ja noch gar so fremd; aber wohnt das erwähnte junge Mädchen innerhalb der Grenzen der St. Peter- Gemeinde?"
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meisterin erfundigte sich sehr eifrig nach dem Abstand zwischen Fräulein Falbes Alter und dem des jungen Mädchens- eine Scharfsinnigkeit, welche der Kaplan nicht unterlassen konnte in seinem stillen Sinn anzuerkennen.
Aber erst als Doftor Bengen dazu kamer war der Hausarzt, bekam man ordentlich Bescheid über den ganzen
Standal.
Als er hörte, wovon die Nede war, steckte er seine rote Nase in die Luft und begann in einem Strom von Worten die Arche von oberst bis zu unterst herunterzureißen. Es wäre eine Schmach für die ganze Stadt. Lenepuppe ſei elle eine Hehlerin, die einen Taugenichts von Musikant hielte, um die Polizei zum besten zu haben. Fräulein Falbe und der Bruder wären ungefähr vom gleichen Sauerteig, aber als er zu Madam Späckbom und Floh kam, redete er sich in solch eine Raserei, daß seine Frau wie sie pflegte- zu ihm hingehen, ihn streicheln und behutsam aus der Thür schieben mußte.
Diese scharfsinnige Frage machte einen so guten Eindruck auf den Kaplan, daß er beschloß, ihr den Sekretärposten zu geben. Inzwischen wurde es schnell ins reine gebracht, daß Sie Arche wirklich in den Grenzen der St. Peter- Gemeinde lag, und es entstand wieder eine kleine, peinliche Pause, denn alle wollten gern gegen Fräulein Falbe sein, aber keiner wußte, welche Einwendungen man machen sollte.
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Da sagte der Kaplan:„ Entschuldigen Sie, Fräulein Falbe! aber da Sie die Bestrebungen dieses Vereins fennen, wissen Sie auch, welche Menschen aus der Gesellschaft wir zu retten beabsichtigen. Gestatten Sie mir deshalb eine Frage: ist das von Ihnen empfohlene Mädchen ein gefallenes Weib?"
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Nach dieser Unterbrechung fonnte man die Verhandlungen nicht wieder in Gang bringen. Frau Fanny Garman hatte ihre Handschuhe zugeknöpft, und man hatte die Pferde von Sandsgaard schon lange vor dem Fenster gesehen. Frau Fanny hatte den Mund nicht aufgethan außer zum Gähnen. Ab und zu schnitt sie aus lauger Weile eine Grimasse nach Konsul With hin, der sie erwiderte, wenn er durfte.
Der Kaplan wollte eigentlich mit einem kleinen Gebet schließen. Aber das machte sich nicht so. Es brauste und fnitterte so wunderlich in den feidenen Röcken der Damen, als sie nun begannen sich zu erheben, so daß er nicht dazu tam anzufangen. 696
,, Das weiß ich nicht," antwortete Fräulein Falbe schnell und wurde rot; aber rasch fügte sie ruhig hinzu: sie ist erst siebzehn Jahre, und gerade darum hoffte ich, daß sie gerettet werden könnte; denn nach der Umgebung, in der sie aufwächst, scheint es mir fast eine Notwendigkeit, daß sie fallen und finken muß wie wir es so oft bei Mädchen in ihrer Dieser Verein war übrigens etwas verschieden von den Stelling sehen." zahlreichen Missions- und Wohlthätigkeits- Gesellschaften, in denen das Religiöse so stark hervorzutreten pflegte. Die meisten der hier anwesenden Damen nahmen im allgemeinen an so etwas nicht teil; und es war gerade die Absicht des Raplans gewesen, in seinem Verein die allerfeinsten Damen zu sammeln, welche sich sonst bloß darauf beschränkten, einen Geldbeitrag zu geben.
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Ja, Fräulein!- darauf muß ich antworten, daß ich fürs erste nicht ihre moderne Ansicht von Notwendigkeit teile. Ich für mein Teil glaube, und ich bin selbst, wenn die neue Weisheit der Zeit über mich lachen mag ich bin glücklich, zu glauben, daß selbst da, wo Menschenaugen den ficheren, notwendigen Weg zum Verderben sehen, selbst da Platz ist für Gottes liebevollen Ratschluß. Und was nun die Sache selbst angeht," fügte der Kaplan hinzu und sah sich in der Versammlung um, so muß ich hiermit wiederholen, was ich schon vorher die Ehre hatte, in diesem Streis zu entwickeln, daß- gleichwie wir es für unsere Pflicht gehalten haben, unsere Wirksamkeit auf eine bestimmte Gemeinde zu beschränken, wir auch daran festhalten müssen, daß unsere Rettungsarbeiten eine ganz bestimmte Klasse von Mitmenschen umfassen. Das haben wir auch in dem Namen, den wir gewählt haben, ausdrücken wollen: Verein für gefallene Weiber also nur für die Unglücklichen, welche wir gefallene Weiber nennen der St. Peter- Gemeinde."
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Diese Rede wurde mit gedämpftem, aber eifrigem Beifall von allen Damen am Tische aufgenommen, und man hörte mehrere:„ natürlich"„ das ist klar" so muß es selbstverständlich sein." Einen Augenblick sah es aus, als ob Fräulein Falbe eine heftige Antwort geben wollte sie war oftmals so unberechenbar. Aber sie hielt an sich und ließ es mit einer trockenen Entschuldigung bewenden; daun hätte sie sich geirrt", wie sie sich ausdrückte.
Darauf verließ sie die Versammlung. ,, So ist es immer mit Fräulein Falbe", brach Frau With aus, als die Thür geschlossen war; immer folgt ihr etwas Unbehagliches".
" Sie ist so merkwürdig hart", sagte Frau Benzen. " Ich fürchte, es fehlt ihr am rechten Geist", sagte der Kaplan init mildem Ernst.
Damit war es jedoch keineswegs seine Meinung, seinen Verein aristokratischer und erklusiver zu machen als die andern Vereine der Stadt. Aber er war der Ansicht, daß die Pfarrer von heut zu Tage sich viel zu sehr an den Mittelstand wendeten und es unterließen, auf die einzuwirken, velche zu oberst in der Gesellschaft standen und sich im Besit der höchsten Bildung glaubten.
mo Das war die Ansicht, die er aufrecht erhalten wollte.
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Aber die Stadt verstand ihn leider nicht. Nud gleichwie immer unter den unzähligen Vereinen für irgend welche Mission und unter dem zahllosen Gewimmel von Bazarfomitees zu jedem erdenklichen Zweck schon Konkurrenz und starke Rivalität herrschte, so vereinten sich alle, um mit schiefen Augen auf diesen neuen Konkurrenten zu sehen- den feinen, hochbornehmen Verein für gefallene Weiber der St. PeterGemeinde mit Konful With als Vorsitzenden!
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III.
2018
Madam Späckbom hatte auch in der Umgebung der Stadt Praxis, und sie war sehr stolz, wenn ein Wagen oder sogar eine Gig vor ihrer Thür hielt.
Else durfte sie ab und zu, wenn Plak war, begleiten; und diese Fahrten waren im Grunde alles, was Floh vom Landleben sah; sonst kam sie nie weiter als in die engen, winkligen Gassen der Stadt; höchstens stahl sie sich ein Boot und ruderte ein Stückchen über das Wasser.
Aber an einem schönen Tage gegen Ende August sollte sie Madam auf das Land begleiten; es war ein Bote von ., Soviel ich weiß", warf die Frau Polizeimeisterin mit Sonful Withs Ziegelei gekommen, wo die Frau des Ziegelihrer unschuldigen Stimme ein, ist Fräulein Falbe nicht Mitmeisters zu Madams alten Patienten gehörte. glied irgend eines wohlthätigen Stiftes der Stadt."
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Nein! wir hatten sie anfangs in dem Pflegeftift für Kleine Kinder," antwortete Frau Benzen; aber sie war so unverträglich und herrschsüchtig, und schließlich kam die Geschichte mit der Quacksalberin."
Die Geschichte wurde nun erzählt. Sie paßte um so besser zu der Situation, da sie sich just um dieselbe Else drehte, welche Fräulein Falbe empfohlen hatte. Die Frau Polizei
Die ganze Archhe war anläßlich dieser Begebenheit in Bewegung, und alle Kinder aus der Nachbarschaft zmstanden andächtig die Gig, um Madam Späckbom aufsteigen zu sehen. Christian Falbe stand oben und nickte; die Bande hatte sich an dem kleinen Dachfenster gesammelt, von wo aus sie den Wagen abfahren sehen konnten, und riefen und nickten Floh zu. Sie drehte sich strahlend vor Glückseligkeit um und lachte, daß es in der engen Straße wiederhallte.