Anterhaltungsblatt des Vorwärts
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Die Fanfare.
Dienstag, den 25. September.
( Nachdrud verboten.)
Roman von Frit Mauthner.
Achim trat ein, lehnte mit der erhobenen Rechten die herzliche Begrüßung des Jugendfreundes ab und sagte, als der Diener die Thür kaum geschlossen hatte, wie eine eingelernte Rede:
Meine Schwester ist beleidigt worden. Ihr Name ist in die Sache verwickelt, mein Herr. Ich muß für Johanna eintreten."
Achim hielt inne. Dann rief er erschüttert und mit gänzlich veränderter Stimme:
-
,, Mein armes Schwesterherz! Wer war es denn wert, ihr die Schuhriemen zu lösen! Verzeihung! Ich komme zu Ihnen, damit Sie mir erzählen, was Sie über den Fall wissen. Ich will einen Gegner haben, ich muß einen haben. Und wenn nur der Schatten von Unrecht auf Ihnen lastet, so müssen Sie heran. Sie wären mir fast der Liebste!".
Glühend schoß es in Richards Anlig auf. Das wäre das verrückteste Ende! Sich von ihrem Bruder totschießen zu lassen. Möglichst gelassen sagte er:
" Ich will Ihnen alles erzählen, was ich übrigens erst feit turzem weiß. Und wenn Sie für Ihr Fräulein Schwester nicht zufrieden sind, so stehe ich zu Diensten."
Ich danke Ihnen," sagte Achim beinahe herzlich.„ Seitdem ich in Berlin bin, find Sie der erste Mann, mit dem fich anständig verhandeln läßt, und ich war heute schon bei bielen Leuten. Darf ich mich sehen? Ich bin müde."
,, Aber ich bitte!" sagte Richard, dessen leidenschaftliche Aufregung sich gelegt hatte. Er flingelte. Wenn es nicht gegen Ihre Lebensgewohnheit verstößt, bei dem eventuellen Gegner von morgen
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wir zum Vorwand nehmen. Der Name meiner Schwester darf nicht noch einmal genannt werden."
"
Gewiß nicht. Ich bin zu allem bereit, was Sie zum Vorteil von Fräulein Johanna vorschlagen."
Ich weiß, Sie waren ihr immer treu ergeben. Meine arme Schwester!"
Achim wandte sich ab und stieß seinen Degen einigemal heftig gegen den Boden.
" Ich danke Ihnen für Ihr Entgegenkommeu," sagte er dann vertraulicher. Das einfachste scheint mir, wir benützen Ihren Vater als Ausrede; ich habe ihn gefordert, er hat sich schlecht benommen, Sie treten für ihn ein."
,, Ganz gut," erwiderte Richard ernst; aber man wird fragen, warum Sie einen alten Mann zum Zweikampf herausgefordert haben, und Ihre Schwester wird doch genannt werden. " Verdammt, Sie haben recht! Warten Sie nur, wir werden schon etwas finden!"
"
Wie gerieten Sie an meinen Vater?" fragte Richard
zögernd.
ch bin eben an alle geraten; sie sind nur der letzte, weil ich Ihnen keine böse Absicht zutraute. Seit zwölf Uhr suche ich ja einen Menschen, der sich mit mir schlagen will; aber sie haben alle mehr oder weniger gekniffen."
" Ich bitte, erzählen Sie mir, bet tem Sie waren. Es ist wichtig, daß man sich des Schweigens aller dieser Herren bersichert."
Sie werden schweigen, denn sie werden sich schämen!" rief Achim. Ich war zuerst bei Ihrem Herrn Vater, der ließ das will ich nur gestehen mich gar nicht ordentlich zu Worte kommen. Er erinnerte mich an die Zeit, wo ich und Sie im Garten mit einander gespielt, und sprach von seinen grauen Haaren; er drohte mit der Polizei und bat mich hierbei höflich, deutlicher zu reden. Sie begreifen, daß ich auf die Ehre verzichte. Uebrigens hatte ich so viel erfahren, daß die Zeichen M. P. unter dem nichtswürdigen Machwerk die Anfangsbuchstaben des Namens waren und Morik Pinkus bedeuteten. Ich bin nicht hoch..Ach, das ist patent von Ihnen!" rief Achim; ich habe mütig; ich war bereit, mich sogar Herrn Pinkus gegenüber seit gestern abend buchstäblich keinen Bissen zu mir ge- zu stellen und ich fuhr zu seiner Wohnung nach der Franknommen; erst die Reise und dann der Empfang bei Mama. furter Allee. Ich habe mir die künstlerische Umgebung eines Es widerspricht nicht meiner Ehre, daß Sie mich vom Hunger- Mitarbeiters der" Fanfare" etwas anders vorgestellt. In tode retten." drei kleinen Stuben standen dort die Betten für Herrn
., Es hätte allerdings Eile."
" Wenn Sie also bei mir heute ein Glas Wein trinken
wollen..."
..Sie müssen ja leben, damit Sie sich morgen schlagen Pinkus und seine Frau, für seine Eltern, für seine Kinder fönnen!" sagte Richard. Und ich will Ihnen gestehen, daß und die alte Dienstmagd, es es tam nicht auf jeden, auch ich seit heute früh nichts gegessen habe; ich habe einige glaube ich, ein ganzes Bett. Als Herr Pinkus meine aufgeregte Stunden hinter mir. Also, wenn es Ihnen recht Uniform sah, verlor er natürlich seine Fassung; es that mir ist, besprechen wir die Sache nach Tische."
Angenommen!" rief Achim.
Richard ließ die wenigen Gänge auf einmal auftragen und berbat sich jede Störung. Und eine kurze Zeit aßen nun die beiden Gegner tapfer, was der Wirt vorlegte; Achim besonders trant dazu manches Glas von Mettmanns Burgunder.
Endlich atmete der Lieutenant auf, trocknete den Mund und die schon sichtbaren Haare des Schnurrbarts und schob das Glas von sich weg. Sofort beendete auch Richard, der weniger genossen hatte, sein Mahl.
leid, aber ich mußte ihn beschimpfen, und als das nichts half, ihn sehr deutlich zu einem Duell einladen; er benahm sich jammervoll. Es roch nach Gänseschmalz. Jm Nebenzimmer, dessen Thür ich abgeschlossen hatte, schrie und weinte alles durcheinander; es war nichts zu erreichen, als daß er mir einige Namen und Adressen brachte, die ich brauchte. Ich wußte ja bis gestern noch gar nichts in meinem polnischen Nest. Ich hatte also mein Duell noch immer nicht. Ich fuhr zu dem Kunsthändler, der das Bild ausgestellt hatte, ich fand einen principiellen Gegner des Duells, der aus ethischer Ueberzeugung niemals eine Waffe gegen seinen Nebenmenschen erheben würde, nicht einmal den Namen dessen wollte er nennen, der das Bild gekauft hatte. Es wäre ein Geschäftsgeheimnis, Es handelt sich um ein Portrait meiner Schwester." Ich bin herzlich froh, daß Sie es besigen. Ich möchte Ihnen Welches ich besize," fiel Richard ein.
Sie fetten sich nebeneinander auf das Sofa und Richard bat, zur Sache übergehen zu dürfen.
Der Lieutenant sprang in die Höhe und warf die Cigarre in eine Ecke.
,, Sie? Sie? Sie haben diese Schändlichkeit bestellt? Sie sind ein..."
"
Halt!" rief Richard. Ich habe das Bild in bester Absicht erworben, um es
„ Einerlei! Sie befigen es! Sie haben es bezahlt! Sie haben es gesehen! Ich frage Sie, ob Sie mir für diese BeLeidigung meiner Schwester Genugthuung geben wollen?" In Dreiteufelsnamen ja!" schrie jetzt Richard. Achim griff nach seinem Helm und reckte sich martialisch. Dann befann er sich und sagte:
Wir müssen formlos handeln. Wir müssen, bevor wir die Zeugen verständigen, unter vier Augen bestimmen, was
-
beinahe dafür danken, wenn ich es Ihnen nicht übel nehmen müßte. Furchtbar komisch! Ich habe das Gefühl, daß meine Schwester bei Ihnen gut aufgehoben ist."
"
Seien Sie dessen versichert, Herr von Havenow; außer dem Maler und mir hat seit dem Eröffnungstage der Ausstellung kein Mensch das Bild erblickt!"
" Famos!" rief Achim immer munterer. Na, bei dem Maler war ich natürlich zuerst gewesen, er war aber in seinem Atelier nicht zu finden. Beim Kunsthändler erst erfuhr ich, in welchem Loch er sich versteckt hatte; ich eilte hin, traf ihn an und machte ihm den Vorschlag, den ich allen machte und der mich selber zu langweilen anfing. Herr Disselhof war sehr korrekt, sehr ernst, aber ich weiß nicht, mir ahnt, auch er wird sich drücken. Er sprach von einer Pilgerfahrt nach Rom, von einem Ehrenrat, der aus Künstlern und Offizieren