= 794

Außer dem Haupt war auch noch der Zeigefinger der fiebzehnjähriges Mädchen ihren Schleier, öffnet die rofigen Lippen rechten Hand eigenartig wegen seiner ungewöhnlichen Länge und fäuselt lensch ein honigfitßes Geflüfter nichts andres crlansche und Starrheit. Vom Gesicht sah man so gut wie nichts vor ich als das Wort des Schreckens. Ich sehe, schmecke, taste, höre, lauter Haar, wie denn der ganze Mensch einen schon mehr affenartigen Haarwuchs sein eigen nannte. Auf dem auf fallend fleinen Zwiebelnäschen hockte eine große, goldene Brille, hinter der die großen glänzenden braunen Augen immer interessiert, neugierig und enthusiasmiert hervorsahen. Nur in der Schule verlor sich dieser Ausdruck. Da lag etwas Unruhiges und Gespanntes in ihnen. Ob nämlich niemand einen schlechten Wit über ihr mache, worauf er leider bei den Bengels immer gefaßt sein mußte.

Unter solchen Wigen litt er sehr, denn er war stolz auf seinen festen, behaarten Körper und sein Lockenhaupt. Außer für das Wahre, Gute, Schöne trat er noch voll und ganz ein für das: Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei. Ein guter Schivinimer, Turner und Bergsteiger.

Geradezu wunderbar, wie Sie hier igen," rief er sofort. Da draußen der Sturm, hier drinnen still wie in einer Sternenhellen Sommermondesnacht. Geradezu eine Idylle! Was ich sage!

Während der Amtsrichter Blan sein sterotypes: Guten Abend vorbrachte, langsam zum Tisch ging und sich langfam, steif, rechtwinklig auf seinen Platz in dem ledernen, schwarzen Sofa niederließ, hüpfte der Schuldirektor erst noch eine Weile in seinen hellleinenen O- Hosen durch das Zimmer.

Der Kellner Jean fam, und. brachte für den Herrn Amtsrichter Blau einen Krug Münchener Bier und für den Herrn Schuldirektor einen Schoppen. Rotwein mit Selter wasser.

Dies Gemisch stand auch vor Otto und Rot. Es hatte seinen tiefen Sinn. Es beruhte auf einem sehr guten Wib, wenn man es erst wußte.

Als vor kurzem die Prozeßverhandlungen über den Klub der Harmlosen in Berlin auch hier eifrig diskutiert worden, hatte der Chemiter Weber, der Klubivigbold, vorgeschlagen, sofort zu Anfang jeder Sigung am Abend zur Erinnerung an die Harmlosen erst Rotwein mit Selter zu trinken, was ja bekanntlich das Leib getränk der Harmlosen gewesen. Der Vorschlag wurde mit Jubel angenommen, und Jean lächelte jeden Abend ganz verschmitt, wenn er vor jeden der Herren dies Gemisch hinstellte, ohne erst lange zu fragen.

Nur Herr Blau lich sich nicht von seinem Bier ab­bringen, von dem er jeden Abend in anderthalb Stunden seines Hierseins drei Krüge vertilgte, was jeden Abend sechzig Pfennige und fünf Pfennige Trinkgeld für Jean aus machte. Die fünfundsechzig Pfennige steckten immer parat in seiner Westentasche. Der Geburtstag des Landesherrn bildete die einzige Ausnahme im Trinkleben von Blau. Da trant er Jahr für Jahr erst eine Flasche Mosel und dann eine Flasche Seft. ( Fortsetzung folgt.)

Sonntagsplandevei.

ricche unablässig das Entsetzliche, wenn ich wache; ich träume von ihm die ganze Nacht, indem ich von einem Schwitz bad des Grauens in das andre falle, und wenn ich ein Glas Bier bestellen will, schreit willenlos der hypnotisch gebannte Sprechapparat: Steffner, wir treffen uns bei der Sodafontaine!" Wir treffen uns bei- der Sodafontaine wir treffen uns bei der Sodafontaine wir treffen ims bei der Sodafontaine![ Gnade!

-

-

-

ein ich protestiere gegen diefe Zumutung ich weiß nicht einmal, Ich will mich nie und nirgends treffen, es fällt mir gar nicht vollen Befig der Ehrenrechte einen Anspruch darauf, gegen die zwangs was eine Sodafontaine ist. Ich habe als ein Staatsbürger im weise Vorführung zur Sodafontaine geschützt zu werden. Ich appelliere an den Schutzmann, den Censor, den Staats­anvalt ich will nicht zur Sodafontaine, ich will nicht, ich will nicht. Lieber Tegel oder meinetwegen Sibirien , wenn es fein muß, nur nicht diefe furchtbare Sodafontaine. Gnade, Hilfe! Ist denn kein Erbarmen mehr in dieser Menschheit? mir vertrauensvoll meine Frau, fie habe nichts anzuziehen und lädt Höllisches Gelächter. Vergebens wehre ich mich. Eben versichert mich mit liebreizendem Lächeln ein: Schatz, wir treffen uns bei der Sodafontaine!

-

Ich muß Stadthagen fragen, ob das kein Scheidungsgrund ist. Aber, haha!, ich ahne, er wird mir antworten: Wir treffen uns bei der Sodafontaine... Nun gut, ich will ein Mann sein, ich werde kommen, ich werde die Sodafontaine sehen und dann sterben.. Ich schreibe Verse, die zum Kot sind, ich muß mich an der Sodafontaine treffen, man sollte meinen, das jei schon genug der Qual für einen schwachen Sterblichen. Aber noch ein weiterer Schicksalschlag hat mich mit grausamer Wucht getroffen.

-

Man muß nämlich wissen: Ich bin der glückliche Besizer eines Biergartens, das heißt eines Gartens, der sich ziert, ein Garten zu sein. Diefer Garten besteht nun in seinen Hauptbestandteilen aus. einem eisernen Gitter und Sonne, sofern es nicht regnet. Ich habe ich kann es nicht leugnen Kinder, die einen des weiteren Natürlich haben sie also die Sang fürs Landschaftliche haben. aus Gitter und Somme bestehende Ziergartenfläche mit großem Fleiß ins Gebirgartige umzuwandeln sich bemüht. Das war gar teine leichte Arbeit; denn der Ziergarten war eine geradezu fanatische Ebene, ein wundervolles Modell für die derzeitige Frauenmode vegetarischer, will sagen: fleischloser Kleidung. Aber sie haben es doch fertig gebracht. Sie haben die wüste benc in eine schöne Gegend voll romantischer Schluchten und ragender Bergluppen umgezaubert, so daß der erwähnte Ziergarten in der näheren Nachbarschaft den Namen Teltow Becstow Storfower Schweiz erhalten hat.

V

eine solche Verschönerung seines Eigentums mit einer zehnprozentigen Man hätte annehmen sollen, daß der Besizer des Grundstücks Mietssteigerung beantworten würde. Nichts von alledeni. Der Mann opferte ganz im Gegenteil dreißig Pfemige und ließ mich durch einen eigenhändigen Einschreibebrief aus dem von der Sodafontaine üppig getränkten Schlaf wecken. Joe, Joe was hast Du für Kinder! In diesem Einschreibebrief mußtest Du lefen, daß diese Rangen den Ziergarten verwüstet, daß sie den Rasen zertreten und die Sträucher geknickt, in den Wegen große Löcher gewühlt und das Erdreich auf den Rasen geschüttet hätten, ja sie sollen sogar einmal jemand du alter Ochse" geschimpft haben.

Jch lehre zerknirscht zur Profa des Lebens zurück! Ich hatte Es ist immer erfreulich, wenn man sein Wissen bereichert; so mir so viele redliche Mühe gegeben, recht schlechte Verse zu ver- war ich auch dem Verfasser des eingeschriebenen Briefs aufrichtig fassen, indem ich mir als anfpornendes Symbol kommunaler Dicht dankbar, daß er mein Wissen über den Ziergarten vermehrte; denn funft teils das Spandauer Straßenpflaster teils einen über Weichen ich nahm jegt, mit dem durch das Schreiben geschulten Ange wahr, stürmenden Großen- Berliner- Knallwagen vor das geistige Auge schleppte was ich bisher nicht gesehen hatte, daß der Ziergarten in der und jetzt schilt man mich von allen Seiten, wie ein Individuum That auch Rasen und Sträucher andeutungsweise berge. Andrer­fich erdreisten könne, so schlechte Verse zu machen. Man hat mir seits aber verdroß es mich lebhaft, daß ich gehalten sein sollte, die höhnischerweise drei alte, zahnlose Leierfästen ins Haus geschickt, Arbeit meiner Kinder zu zerstören und binnen 14 Tagen" den Zier­und ein guter Freund sandte an die Redaktion ein Eremplar garten wiederherzustellen". Sollte ich zur Unterdrückung meiner des Unterhaltungsblatts mit dem energischen handschriftlichen eignen Kinder beitragen, die Wirkungen ihres romantischen Schön­Randvermerk: Diese Verse sind zum K; als Parteigenosse, heitsjinns zerstören, die Früchte ihres Fleißes der Wiederherstellung. Mitglied des Wahlvereins und Mensch an der Wende zweier Jahr ins Platte schomungslos opfern? In diesem Augenblick des Nach­hunderte wage ich nicht, das Wort auszuschreiben, es ist zu demütigend sinnens erwachte in mir ein neuer Lebensplan, eine große Aufgabe, für mich. der ich mich hinfort weihen werde: Ich will die Stadtkinder, diese Unterdrücktesten der Unterdrückten, organisieren, sie zum Kampfe gegen ihre Feinde führen und ihnen das heilige Menschenrecht der ingezogenheit erstreiten.

Eigentlich sollte ich ja mun stolz sein, daß mir meine Absicht so wohl gelungen sei.. Aber das lebel ist: man glaubt mir nicht die Absicht. Vergebens versichere ich, wie ich Verse zu solcher Glätte zu polieren vermöchte, daß beim Lesen jeglicher ausgleiten und zum mindesten sich einen Knöchelbruch zuziehen würde. Man lacht spöttisch und besteht auf der Ansicht, niemand werde mit Fleiß schlecht reimen, wenn es ihm sein gottbegnadeter Grips gestattete, einem Lauff oder einent sonstigen Offizier der Poefic nachzueifern. Armer Joc Du hast Deinen mühsam erschriebenen Ruf leichtfertig geopfert: Deine Verse sind zum Ko

Ueberhaupt es war eine Woche, der Trübsal und der Ent­täuschiig. Manchmal war es geradezu zum Verzweifeln. Ich fürchte beinahe, ich leide an Verfolgungswahn. Gehe ich auf die Straße, so grinst mir von allen Wänden das scheußlich fletschende Gespenst entgegen. Lese ich eine Zeitung, so hebt derselbe Dämon des Blödsinns sein verzerrtes Mumiengesicht empor. Lüftet ein

-

Wenn ein Baby fünf Stockwerke abwärts auf einen Porzellan­schutthaufen stürzt und, statt zerschmettert zu sein, lächelnd sich cr= hebt, geistig und körperlich wunderbar gekräftigt, so sprechen die Zeitungsschreiber von dem Engel des Kinds". Es giebt aber auch einen Teufel des Kinds und das ist der Hauswirt, das ist der Unmensch, der für kinderlose Familien und ruhige Mieter inferiert, der die Pfänder der Liebe am liebsten ins Pfandhaus ausliefern möchte, der das Ausleben der jungen Lebewesen als einen einzigen schweren Verstoß gegen die Hausordnung betrachtet und an finder reiche Leute seine" Wohnungen nicht einmal um Wucherzinsen ver­mietet, das sind die Drachen der Ziergärten und die Henker der kindlichen Unverschämtheit, leben zu wollen.

In der guten alten Zeit soll es einmal einen Hauswirt gegeben