Sechstes Kapitel.
Schlitten und sprachen freundschaftlich und lebhaft von den Geschäften. Es war im März; unter den Schlittenkufen flatschte das Wasser auf, der Schnee war schon mit einer erfüllt in die Stadt. In ihm loderte der leidenschaftliche Schmutzschicht bedeckt, und die Sonne strahlte luftig und warm am klaren Himmel.
,, Wenn wir da sind, gehst Du gleich zu Deiner Dame?" fragte Majakin unerivartet, indem er die geschäftliche Unterredung unterbrach.
" Ja, ich geh' hin," antwortete Foma kurz und unzufrieden.
"
Hnt. Sag' einmal, bringst Du ihr oft Geschenke?" fragte Majatin einfach und mit einer gewissen Herzlichkeit. ,, Was für Geschenke? Wozu?" fragte Foma erstaunt. „ Du schenkst ihr nichts? So was... Lebt sie also nur so, aus Liebe mit Dir?" 900 Foma flammte vor Zorn und Scham auf, wandte sich schnell zu dem Alten um und sagte vorwurfsvoll:
,, Ach! Sie sind ja ein alter Mann, und es ist eine Schande, anzuhören, was Sie sprechen! So etwas zu fagen!.. Wird sie sich denn. zu so was herbeilassen?!"
Majakin schmatte mit den Lippen und sagte mit singender, eintöniger Stimme:
„ Was Du für ein Klotz bist! Was für ein Narr!" Und auf einmal wurde er ärgerlich und spuckte aus:
"
Foma kam von sehnsüchtigem und rachedürftigem Zorn Wunsch, Medinskaja zu beleidigen, sie zu verhöhnen. Mit fest auf einander gepreßten Zähnen und tief in die Taschen gesteckten Händen ging er im Laufe einiger Stunden in den leeren Zimmern seines Hauses auf und ab, zog die Brauen finster zusammen und preßte die Brust heraus. Er stampfte gleichmäßig und schwer mit den Füßen auf den Fußboden, als schmiede er seinen Zorn.
„ Die Niederträchtige hat sich als Engel verkleidet!" Palageja erstand wie lebendig in seinem Gedächtnis, und er flüsterte schadenfroh und bitter:
„ Die ist eine Gefallene und ist doch besser... Sie hat nicht geheuchelt... Die hat gleich die Seele und den Körper geschenkt.. und diese hat wohl ein solches Herz wie ihre Brust ist weiß und hart."
-
Manchmal sprach die Hoffnung mit schüchterner Stimme dazwischen:
,, Vielleicht ist das alles über sie erlogen..."
Er erinnerte sich aber an die leidenschaftliche Gewißheit und die Kraft der Worte des Paten, und der Gedanke verschwand wieder. Er preßte die Zähne noch fester aufeinander und drängte die Brust noch mehr vor. Böse Gedanken drangen wie Holzsplitter in sein Herz ein, und er verspürte einen stechenden Schnierz im Herzen.il thi
Indem Majakin Medinstaja mit Schmuk bewarf, hatte er sie für Foma erreichbar gemacht, und dieser begriff das bald. died indsat
Pfui über Dich! Jedes Vieh hat aus dem Topf getrunken, es ist nur die Neige geblieben, und der Dummkopf hat sich aus dem schmutzigen Topf einen Gott gemacht... Teufell geh einfach zu ihr hin und sag ihr:" Ich will Ihr Geliebter sein... ich bin ein junger Mensch, rechnen Sie 19 of nicht zu viel dafür.""
"
Fortsegung folgt.)
philes of chin of rogal and nic
( Nachdruck verboten.)
Bate!" sagte Foma düster drohend." Ich kann das nicht mit anhören... Wenn das jemand anders wäre.." Romane mit Inseraten. ,, Wer außer mir wird Dich denn warnen?" Meine Herren!" schrie Majakin auf und schlug die Hände zusammen. " Sie hat Dich also den ganzen Winter an der Nase herum geführt? Ist das aber eine Nase! Ach, so ein Luder!" ni Der Alte war empört; in seiner Stimme klang Aerger, Zorn und selbst Thränen. Foma hatte ihn noch nie so gesehen und schwieg unwillkürlich, indem er ihn anblickte. Sie wird Dich verderben! Ach, mein Gott! Ach, diese babylonische Sünderin!"
"
Majakins Augen blinzelten schnell, die Lippen bebten, und er begann mit groben, chnischen Worten, leidenschaftlich, zornig quietschend von Medinskaja zu sprechen.
Foma fühlte, daß der Alte die Wahrheit sprach. Er atmete schwer und empfand Trockenheit und einen bitteren Geschmack im Munde.
Laß gut sein, Vater..." bat er leise und gequält und wandte sich von Majakin ab..
"
"
Gewerbeleben un eine„ Specialität" reicher. Es handelt sich diesmal Seit Anfang November ist das unendlich verzweigte Berliner natürlich um eine buchhändlerische Spekulation, die, ganz davon abgesehen, daß sie zur Kolportage auf den Hauptverkehrsstiaßen und Pläzen der Reichshauptstadt ihre aufdringliche Zuflucht nimmt, zur Zeit wohl alle Rekords deutscher, besonders gewisser Berliner Buch- und Zeitungsoverleger weit übertrumpft, fa als Unifum, wenn nicht gar als Monstrosität bezeichnet werden darf. Das Unternehmen nennt sich Kaufmanns moderne Zehnpfennig Bibliothet. Der Verlag bringt allmonatlich einen kompleten Roman in der Stärfe zehn, elf eventuell mehr Bogen" zum Preise von nur zehn Reichspfennigen für das broschierte Exemplar heraus.. Die" garantierte“ Auflage jedes Bandes beträgt 50 000 Exemplare. Diese Ziffer wird stimmen. Ich erinnere nur daran, daß auch in der Reclam - Bibliothek einmalige Auflagen von mindestens 6000 bis zu 40 000 Exemplaren feit je gebräuchlich find. Mit Zuhilfenahme rationellster Straßenfolportage dürfte es nach meinen gelegentlichen Beobachtungen in der Friedrich straße ziemlich leicht fallen, die wenn auch riesige Auflage innerhalb kürzester Frist alt den Mann Das zu bringen. schließe ich auch daraus, daß die fliegenden" Verkäufer nur immer wenige Tage beim Monatsbeginn in den Abendstunden geschäftig zu sein pflegen. Dann wird der kolossal anschwellende Strom der Baffanten auf einer verhältnismäßig furzen Wegstrecke, etwa Behrenstraße bis Babuhof Friedrichstraße und Weidendammer Brücke von einer Anzahl Kolporteuren mit üßen Flötentönen oder schnarrenden Baß- und schmetternden Trompetenstimmen eingeladen, die Erwerbung eines Erem plars des allerneuesten Berliner Sittenromans vor eenen Froschen doch ja nicht zu verpassen. In der Bezeichnung Sittenroman" liegt zunächst das mystische Geheimnis des Erfolges es läßt sich so vielerlei vermuten. Wenn man aber in das Buch hineinsieht, wird die Täuschung bald klar. rief Bis jetzt liegen mir die drei ersten Bände bor . Es sind Lydia" von Max Schönau, Gift" vom verstorbenen Mag Ring und Der Spion" von Theo von Gersegg". einem offenbar pseudonymen Autor. Auf reichshauptstädtischem Boden spielt nur der erste Roman". Ist auch der Ringsche Kriminalroman noch als der bessere allen dreien
Ach, Du mußt bald heiraten!" rief der Alte erregt aus. ,, Um Chrifti willen, sprecht nicht!" sagte Foma tonlos. Majatin blickte seinem Tauftind ins Gesicht und schwieg. Fomas Gesicht erschien länger und bleicher, in den halb geöffneten Lippen und dem sehnsüchtigen Blick war viel schweres, bitteres Erstaunen.. Rechts und links von der Straße lagen Felder, die mit den Fezen der Winterbekleidung bedeckt waren. Auf den schwarzen, vom Schnee entblößten Stellen sprangen geschäftige Saatträhen. Unter den Kufen spritte das Wasser auf, und schmutziger Schnee flog unter den Füßen der Pferde hervor.
"
Wie dumm der Mensch in seiner Jugend ist!" Majakin leise aus. Foma blickte ihn nicht an. Vor ihm steht ein Baumstumpf, und er sieht eine Tierschnauze... er erschreckt so sich selbst... ach ja!"
"
Sprecht ohne Umwege," sagte Foma düster.
"
31
"
"
von
an
Was ist da zu sagen? Es ist klar: Mädchen sind Rahm , zusehen, so hat er, obwohl in sprachlicher und technischer BeFrauen sind Milch; die Frauen sind nah, und die Mädchen ziehung nicht so roh, mit den beiden andern doch dieselben Merkfind weit... geh also zu Sofja, wenn Du nicht anders male gemein. Fast alle Helden" und Heldinnen" der drei fannst, und sag ihr gerade heraus. es steht so und so da Bücher find Schwindler, Schurken, Mörder und Selbstmörder aller mit Närrchen! wenn sie eine Sünderin ist, fannst Du Art und Gattung. Vitriol, Gift, Revolver, Erfäufen 2c. bilden die fie ja leichter erreichen... Warum machst Du also ein dankbarsten Requisite für jene, die entweder andre oder sich selbst böses Gesicht? Warum schmollst Du?" minumzubringen trachten furz, es geht gruselig her. Die Sprache ,, Sie verstehen das nicht," sagte Foma leise. Was verstehe ich nicht? Ich verstehe alles!"
"
Das Herz... der Mensch hat ein Herz..." und der
Jüngling seufzte.
Majakin kniff die Augen zu und sagte: Er hat also keinen Verstand."
dient nicht dazu, Gedanken zu verbergen, sondern abgeleierte Reporters stil- Phrasen zu dreschen und das unselige Andenken Claurens heraufzubeschwören.
Man sollte meinen, das wäre des Schönen" für einen Reichsnickel genug. Der lukrative Geschäftsfinn des Verlegers schlug aber jeder billigen Dentweise ein Schnippchen. Ahnungslos schneidet Ting inandumder Käufer Bogen um Bogen des Buches auf und liest. Plöglich,
13