Hlnterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 32. Freitac;. den 14� Februar. 1902 cNawdruck verboren.) 321 Fonrtt Govdjejeiv. Romnn von Maxi m E o rki. Deutsch von Klara Brauner Wassa hüllte Swcmzews Hals in einen Shawl ein. Er stand unzufrieden, mit gerunzelter Stirne und launisch aufgeworfenen Lippen vor ihr, und seine Waden zuckten. Foma ekelte es, sie anzublicken, und er ging auf das andre Floß. Es wunderte ihn, daß alle diese Menschen sich so ge- berdeten, als hätten sie das Lied gar nicht gehört. Es lebte in seiner Brust und rief darin den unruhigen Wunsch hervor, etwas zu thun, von etwas zu sprechen. Doch er hatte nie- wand, mit dem er sprechen konnte. Die Sonne war schon untergegangen, und die Ferne hüllte sich in blauen Nebel. Foma blickte hin und wandte sich um. Er hatte keine Lust, mit diesen Menschen in die Stadt zu fahren, er wollte auch nicht mit ihnen da bleiben. Sie gingen noch immer mit ungleichen Schritten auf dem Floß hin und her, lvankteu dabei und murmelten Zusammenhang- lose Worte. Die Frauen waren nüchterner als die Männer, nur die Rothaarige konnte sich lange nicht von der Bank erheben und erklärte, als es ihr endlich gelang: Nun bin ich aber betrunken." Foma setzte sich auf einen Baumstumpf, nahm die Hacke auf, mit welcher der Bauer das Holz für den Scheiterhaufen zerkleinert hatte, und begann damit zu spielen, indem er sie in die Höhe warf und auffing. Ach Gott , wie abgeschmackt das istl" ertönte Swanzews launischer Ausruf. Foma fühlte, daß er ihn haßte ihn und alle außer Sascha, die ein unbestimmtes Gefühl der Belvuuderung und der Angst, sie könnte etwas Unerwartetes und Furchtbares thun, in ihm hervorrief. Rindvieh l" schrie Swanzew quietschend auf, und Foma sah, daß er den Bauer vor die Brust stieß, worauf dieser demütig die Mütze zog und beiseite ging. Dummkopf!" schrie Swanzew, indem er hinter ihm her schritt und mit der Hand ausholte. Foma sprang auf und sagte laut und drohend: Du! Rühr ihn nicht an!" Wa aS?" und Swanzew wandte sich zu ihm um. Stjepan, komm her!" rief Foma. Du Bauer!" warf Swanzew geringschätzig hin. indem er Foma anblickte. Foma hob die Schultern und machte einen Schritt auf ihn zu... Und Plötzlich leuchtete in seinem Kopf ein Gedanke hell auf. Er lächelte schadenfroh und fragte Stjepan leise: Ist der Ringivirbel an drei Stellen befestigt?" Wie sollte es sonst sein?" Schneide die Stricke durch!" Aber was dann?" Schweige! Schneide l" Aber..." Schneide nur! Still, daß man's nicht merkt I" Der Bauer nahm die Hacke in die Hand, ging langsam zu der Stelle, Ivo der eine Ringwirbel fest mit» dem zweiten verbunden war, schlug ein paarmal mit der Hacke zu und kam zu Foma zurück. Ich bin nicht verantwortlich, Euer Gnaden," sagte er. Habe keine Angst." Sie schwimmen schon," flüsterte der Bauer ängstlich und bekreuzte sich eilig. Foma schaute leise lächelnd hin mit einem unheimlichen Gefühl, das ihn scharf und brennend mit einer seltsamen, angenehmen und süßen Furcht am Herzen kitzelte. Die Menschen auf dem Floß gingen immer noch hin und her, sie bewegten sich langsam, stießen einander, während sie den Damen beim Anziehen halfen, lachten und unterhielten sich. Das Floß drehte sich unterdessen leise und zögernd auf dem Waficr um. Wenn es sie auf die Schiffe zu treibt," flüsterte der Bauer,geraten sie gegen die Spitzen und werden kurz und klein geschlagen." Schweig l" Sie werden ertrinken." Dann schickst Du ihnen ein Boot hin und holst sie." So ist's recht? Danke. Was sonst? Es sind ja doch Menschen. Man muß das verantworten können." Der Bauer stürzte zufrieden und freudig lächelnd in Sprüngen über die Flöße ans Ufer. Und Foma stand über dem Wasser und hätte leidenschaftlich gern etwas hinüber- gerufen, doch er hielt an sich, da er wünschte, das Floß sollte weiterschwimmen, damit diese betrunkenen Menschen nicht auf die anstoßenden Ringwirbel herüberspringcn könnten. Er hatte ein angenehmes Gefühl, als er sah, daß das Floß sich leise auf den: Wasser wiegte und sich mit jeder Sekunde weiter entfernte. Zugleich mit den Menschen auf dem Floß schien auch aus seiner Brust all das Schwere und Dunkle fortzuschwimmen, das sie während dieser Zeit erfüllt hatte. Er atmete ruhig die frische Luft ein und mit ihr etwas Gesundes, das seinen Kopf ernüchterte. Ganz am Rande des fortschwimmenden Floßes stand Sascha und wandte Foma den Rücken zu; er blickte auf ihre schöne Gestalt und erinnerte sich unwillkürlich an Medinskaja. Diese war nur kleiner. Die Erinnerung an sie traf ihn wie ein Stich, und er rief mit lauter, spöttischer Stimme: He, ihr! Lebt wohl.. ha ha ha I" Die dunkeln menschlichen Gestalten bewegten sich plötzlich alle zusammen auf ihn zu und blieben in der Mitte des Floßes in einem Haufen stehen. Doch zwischen ihnen und Foma glänzte schon kalt ein Wasserstreifen, der fast eine Saschenj breit war. Das Schweigen dauerte einige Sekunden. Und plötzlich flog ein Wirbelwind von quietschenden, von tierischer Angst erfüllten, widerlich kläglichen Tönen zu Foma herüber, am höchsten und widerwärtigsten schrillte SwanzewJ dünner Schrei: Hilfe!" Jemand, wahrscheinlich der solide Herr mit dem Backen» bart, brüllte mit Baßstimme : Man ertränkt... man ertränkt hier Menschen." Seid Ihr denn Menschen!" schrie Foma boshaft auf; er war durch die Schreie gereizt, die ihn gleichsam bissen. In wahnsinniger Angst rannten die Menschen auf dem Floß herum; es wankte unter ihren Füßen, schwamm infolge- defien noch schneller, und man hörte, wie das empörte Wasser plätscherte und aufklatschte. Die Schreie zerrissen die Luft, die Menschen sprangen hemm, fuchtelten mit den Armen, und nur Saschas schlanke Gestalt stand unbeweglich und ruhig am Rande des Floßes. Grüßt die Krebse!" schrie Foma. Es wurde ihm immer leichter und fröhlicher zu Mute, in dem Maße, als das Floß sich entfernte. Foma Jgnatjewitsch!" rief Uchtischtschew mit unsicherer, aber nüchterner Stimme,warten Sie, das ist eine gefährliche Sache! Ich werde mich beschweren." Wenn Du ertrinkst? Beschwere Dich nur!" antwortete Foma lustig. Du bist ein Mörder!" rief Swanzew schluchzend auS. Doch jetzt ertönte das laute Plätschern des Wassers, als schreie es vor Angst oder Erstaunen auf. Foma fuhr zusammen und erstarrte. Dann hörte man das betäubende, wilde Heulen der Frauen, die schreckerfüllten Rufe der Männer, und alle Gestalten auf dem Floß- blieben regungslos stehen. Auch Foma fühlte sich versteinert, als er auf das Wasser blickte. Auf dem Wasser schwamm etwas Schwarzes, von Schaum umwogt, ans ihn zu. Mehr instinktiv als bewußt warf sich Foma mit der Brust auf die Balken des Floßes und streckte die Arme vor, während sein Kopf auf das Wasser hcrabhing. Ein paar unglaublich lange Sekunden vergingen. Kalte, nasse Hände umfaßten seinen Hals, und dunkle Augen leuchteten vor ihm ans. Dann begriff er es war Sascha. Die stumpfe Angst, die ihn plötzlich ergriffen hatte, der- schwand und wurde von wilder Freude abgelöst. Er faßte Sascha um die Taille, zog sie aus dem Wasser, preßte sie an die Brust und blickte ihr erstaunt in die Augen. ohne zu wissen, was er zu ihr sagen wollte. Sie lächelte ihn freundlich an. Mir ist kalt," sagte Sascha leise und begann am ganzen Körper zu zittern. Fonra lächelte glücklich beim Klange ihrer Stimme, hob sie empor und stürzte fast laufend von den Flößen ans Ufer. Sie war naß und kalt wie ein Fisch, doch