Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Ter. 120.

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Dienstag, den 24. Juni.

( Nachdruck verboten.)

Der Manksmann.

Roman von Hall Caine . Autorisierte Uebersetzung. Man kam jetzt herauf, um Räthe anzukleiden. Sie stolperte beim Aufstehen gegen die Möbel und brach in ein mattes Gelächter aus. Als sie ihr das neue Kleid angelegt hatten, traten alle etwas von ihr zurück und jauchzten vor Entzücken darüber. Sie ergriff den kleinen zerbrochenen Hand­spiegel, um sich selbst zu besehen. Ihre großen glänzenden Augen hatten einen schmerzlichen Ausdruck.

Die Glocke der Kirche stimmte ihr Hochzeitsgeläute an. Sie mußte scharf hinhorchen, um es zu hören. Alle Töne flangen von so weit her, alles schien ihr in endloser Ferne zu liegen. All ihr Denken und Fühlen war wie in graue Dämmerung gehüllt.

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gehörte, noch ehe sie die Augen erhoben hat. Philipp war da. Er wollte ihr beim Aussteigen behilflich sein. aid m

,, Muß ich denn aussteigen?" fragte sie hilflos. Cäsar sagte etwas, das die Leute wieder zum Lachen brachte, sie lächelte matt und ergriff Philipps Hand. Sie hielt sie einen Augenblick fest, als erwarte sie, daß er ihr etwas sagen würde, er aber nahm nur den Hut ab. Sein Geficht war weiß wie Marmor. Er wird noch sprechen," dachte sie.

Ueber den Thorweg zum Kirchhof erhob sich ein Bogen. von Blumen und Immergrün, auf dem in bunten Buchstaben die Inschrift prangte: Gott segne das glückliche Paar." Der abschüssige Weg, der wie in eine Thalschlucht hinabführte, war mit Nelfen und kleinen Fuchsienzweigen bestreut. Unten aber stand die alte epheuumrankte Kirche wie ein grüner moos­bedeckter Felsen im Meere.

Auf ihres Vaters Arm gelehnt, trat sie in die Vorhalle ein. Die Kirche war gedrängt voll. Als sie unten an der Endlich kam man zu melden, daß die Kutsche bereit Galerie vorüberging, entstand oben ein Stimmgewirr wie stünde und alles nur noch auf die Braut harrte. Sie wieder Vogelgezwitscher. Die Mädchen der Sonntagsschule waren holte die Botschaft maschinenmäßig, nickte langsam mit dem dort, sahen herunter und sprachen eifrig miteinander. Dann Stopfe und folgte ihnen hinab. Als sie fast unien war, be- hörte plötzlich das Husten und Räuspern auf; eine andächtige trachtete sie die Gesichter aller Anwesenden, als suche sie je- Stimmung gewann Raum; einen Augenblick schien die ganze mand unter ihnen. Da hörte sie ihren Vater sagen: Versammlung den Atem anzuhalten. Dann hörte man wieder " Mr. Christian wird uns in der Kirche erwarten." Bustiem einzelne Ausrufe, und das Husten und Räuspern begann Sie lächelte matt und erwiderte die herzliche Beaufs neues Wie blaß!"" Das arme Ding ist nicht start grüßung der Leute mit undeutlicher Stimme. Es entstand genug." Jedermann bedauerte sie wegen ihres leidenden ein teilnehmendes Flüstern beim Anblick ihres blassen Aussehens. Gesichts. Bleich, aber vornehm," sagte jemand. Da griff Ranch ein und zog ihr den Brautschleier über das Gesicht.

In der nächsten Minute war sie aus dem Hause getreten und stand hinten ant Wagen. Der Kutscher mit seiner weißen Rosette hielt die geöffnete Thür auf der einen Seite, und ihr Vater stügte ihren Arm auf der andern. 357/08

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Muß ich denn gehen?" fragte sie in hilflosem Ton. Nun, ich dächte doch!" sagte Cäsar. Soll der Mann denn allein gehen und sich selbst heiraten, wie?" Es entstand ein Gelächter unter den Umstehenden; sie lachte mit und stieg ein. Die Mutter folgte ihr in laut knitternder, alter Seide, dann kam Nancy Joe, von Lavendel und Haaröl duftend. Zuletzt stieg noch ihr Vater ein, dem der große, warmherzige Pete folgte.

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1 Stellen Sie sich hierher!" sagte jemand mit sanfter

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Stimme zu ihr.

" Muß ich?" fragte sie ganz laut.

Auf einmal ward sie gewahr, daß sie ganz allein vor dem Altar stand und ihr gegenüber der Geistliche, der alte Pfarrer Quiggin mit dem roten Gesicht, im weißen Chor­hemd. Jemand kam und stellte sich neben sie. Es war Pete. Sie sah ihn nicht an, aber sie fühlte sich durch seine be­ruhigende Nähe wieder erleichtert. Nach einem Weilchen sah sie sich um. Philipp stand einen Schritt hinter Pete. Er blickte zu Boden.

Nun fing der Gottesdienst an. Der Pfarrer murmelte etwas mit gedämpfter Stimme, sie aber hörte nicht zu. Sie ertappte sich, wie sie den über der Kanzel angebrachten mankischen Bibelspruch zu buchstabieren versuchte:" Bannet T'eshyn Ta Cheet ayns Ennyn y Chearn!"( Gefegnet ist, der da kommt im Namen des Herrn.)

Freudenschüsse aus sechs Flinten wurden dicht an den Rutschenfenstern abgefeuert. Die Pferde bäumten sich, Nancy schrie und Grannie fuhr erschrocken zusammen, Käthe verzog aber keine Miene. Die Leute umdrängten den Wagen und Plötzlich gewannen die Worte, die der Pfarrer sprach, schrien wie auf einem Jahrmarkt alle durch einander zum eine Bedeutung für sie und machten sie erbeben. Kutschenfenster hinein: Glück mit Dir, alter Junge! Glück und Heil! Glück und Heil!" Pete antwortete mit einer Donnerstimme, als gelte es, die Decke des Wagens in die Luft zu sprengen, und warf Händevoll Geld unter die Leute, sobald sich die Pferde in Bewegung fetten.

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Der Apostel Paulus hat befohlen, den Ehestand heilig zu halten und denselben nicht unbedachtsam, lüstern oder leichtsinnig einzugehen-"

Sie schien zu wissen, daß Philipps Augen auf ihr ruhten. Sie fühlte es, als sein Blick ihr Haupt traf, und der Schleier über ihrem Gesicht fing an zu zittern.

Der Pfarrer aber fuhr fort:

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Sie fuhren langsam die Straße hinab. Der Klang einer Klarinette tam ihnen entgegen; zugleich vernahm man den festen, gleichmäßigen Schritt der Leute, die sich im Marsch- Darum so jemand ein Hindernis wüßte, warum diese tempo bewegten und zu beiden Seiten das Stampfen und Personen nicht sollten ehelich zusammenkommen, der möge es Gewirre einer untergeordneten Volksmenge. Der Morgen jezt anzeigen, sich aber späterhin alles Einspruchs enthalten." war warm und schön. Hier und da glänzte auf den Hecken Sie wendete sich halb um. Ihre Augen fielen auf der letzte Goldschimmer des wilden Senfs und der erste des Philipp. Sein Gesicht war farblos und verzerrt, seine Stirne herbstlichen Stechginsters. Die Fahrt ging an mehreren leichenblaß. Sie war überzeugt, daß sich etwas ereignen Häusern vorüber, denen der legte Sturm das Dach weg- würde. Es war jetzt Zeit für das Wunder. Ihr schien, als gerissen hatte, und ein oder zweimal famen sie an einem ob die ganze Versammlung zu ahnen begänne, welches Band umgeworfenen Baumstamm vorbei, der mit seinen dünnen, zwischen ihm und ihr bestehe. Es kümmerte sie nicht, weil bergilbten Blättern auf dem welten Grase lag. er es ja bald offen erklären würde. Er wollte es eben jett thun, denn er hatte sich aufgerichtet er war im Begriff, zu sprechen.

Auf Käthe machten diese Bilder und Klänge nur einen unbestimmten Eindruck. Es war ihr alles wie ein Traum, - ein wacher Traum in einer Schattenwelt. Sie wußte je­doch, wo sie war und wohin sie ging. Noch immer glimmite eine leise Hoffnung in ihr. Sie erwartete noch immer eine Art Wunder. Philipp würde in der Kirche sein. Es mußte etwas Uebernatürliches geschehen.

Sie fuhren jetzt scharf vor, das Glas der Wagenfenster flirrte, das Geplauder, das im Wagen nicht gestockt hatte, hörte auf.

" Da sind wir," rief Cäsar; draußen erhoben sich Stimmen und die im Wagen Sigenden stiegen aus. Sie sah eine Hand, die sich ihr entgegenstreckte, und wußte, wem sie

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Nein, das Wunder kam nicht. Philipps Augen senften sich vor den ihren. Er blickte zu Boden. Er bohrte nur den einen Fuß in den roten Fries, der den Boden bedeckte. Sie fühlte sich so müde, so müde und ach, so eiskalt.

Der Pfarrer hatte inzwischen weiter gelesen. Als sie ihm wieder zuhörte, sagte er gerade:

wie ihr antworten werdet am Tage des Gerichts, da alle Geheimnisse enres Herzens offenbar werden sollen, daß, wenn einer von euch ein Hindernis weiß, um dessent­willen ihr nicht dem Geseze nach ehelich verbunden werden könnt, ihr es jetzt bekennet."