Hlnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 171. Mittwoch, den 3. September. 1900 lNachdruck verboten.» S1Z Der MolnksmAnn. Nomon von Hall C a i n e. Autorisierte Uebersetzung. In Tynwald bot sich ein wahrhast reizender Anblick dar. Die Slindcr von St. John saßen in vier Reihen rings um den Berg. Knaben und Mädchen abwechselnd in getrennten Reihen. und von diesem durch die tausendjährige Erinnerung an ihre Vorväter geheiligten Platz aus sangen sie die Nationalhymne, als Philipp auf der Straße vorbeifuhr. Ter unglückliche Mann lag zurückgelehnt auf seinem Sitz. Thränen standen ihm in den Augen, es schnürte ihm den Hals zusammen.O, wie herrlich hätte es sein können!" Unter Harry Delanys Baum erwarteten ihn eine Anzahl Fischer mit einem Brief. Er war von ihren Kameraden in Kinsale . Sie konnten an diesem Tage zwar nicht zu Hause sein, ihre Herzen aber waren da. Jedes Boot wollte die Flagge ani Hauptmast aufziehen und um zwölf Uhr mittags würden alle Fischer in irischen Gewässern in ein Hurrageschrei ausbrechen, und wenn die Iren ftagen sollten, was es be- deute, so wollten sie antworten und sagen:Es gilt dem Freunde der Fischer, dem Gouverneur Philipp Christian." Der Unglückliche kämpfte nun nicht länger. Er hatte die Todesangst überwunden. Eine Art heiligen Wahnsinns war über ihn gekommen. Er warf die Welt und den Fürsten dieser Welt weit hinter sich. Jem-y-Lord drehte sich auf dem Kutscherbock um: Excellenz, sehen Sie doch! Hören Sie nur I" Die Fahnen von Castletown wurden auf dem Adler- türme des Schlosses sichtbar. Ein vielstimmiges Gemurmel erhob sich, das schließlich in einen ungeheuren Jubelruf ausklang. ..Jetzt, Jungen I Dreimal drei l Hip, hip, Hurra I" Am Eingänge zur Stadt war ein grüner Triumphbogen errichtet. Er trug die mankische Inschrift:Dooiney Vannin, Ihat myr hoilloo!"(Mann von Man, ein Erfolg, wie Du ihn verdient hast!") Der Wagen fuhr jetzt nicht mehr so schnell Fahren Sic rascher," rief Philipp. Die Straßen sind zu überfüllt, Euer Exccllenz," sagte Jcin-Y-Lord. Flaggen wehten aus allen Fenstern, von jedem Dach, von jedem Laternenpfahl. Das Volk lief jubelnd neben dem Wagen her. Das Hurrageschrei wuchs zu einem betäubenden Getöse. Philipp konnte nichts erwidern.Sie wird es hören," dachte er und senkte das Haupt. Er stellte sich Käte in ihrer Zelle vor, wie der Lärm seiner Vewillkommnung zu ihr durch die Mauern drang.» Sie fuhren auf der Straße am Hafen entlang. Plötzlich hielt der Wagen. Die Leute spannten die Pferde aus.Nein, nein!" rief Philipp. Er versuchte auszusteigen, doch schon ging der Wagen weiter.Es ist meine letzte Strafe," dachte er und sank wieder zurück. Das Jubeln und das Jauchzen ging weiter, den Onai entlang, es hörte sich an wie ein prasselndes, tosendes Feuer. Ein Rcgiinent Soldaten hielt den Weg von der Zug- brücke bis zum Fallgitter besetzt. Beim Vorüberfahren des Wagens präsentierten sie das Gewehr als königlichen Ehren- grüß. Gleichzeitig stimmte die Regimentsmusik im Innern der Burg die Nationalhymne an. Der Bürgermeister der Stadt öffnete den Kutschenschlag und überreichte eine Adresse. Sie bewillkommnete den neuen Gouverneur in dem alten Schlosse, wo seine Vorgänger in ihr Amt eingesetzt worden waren. Auch war darin der Umstand, daß einer ihrer eignen Laudsleute würdig befunden worden sei, die Krone zu vertreten, benützt worden, um neue Ver- sicherungen der Ergebenheit auszusprechen. Zwei Jahrhunderte lang, seit den Tagen des den Bewohnern Mans unter dem Namen Jlliam Dhone(der braune William) so wohl be- kannten großen Vorfahren des ueuernannten Gouverneurs war kein Manksmann auf der Insel so hoch geehrt worden wie dieser. Philipp antwortete mit wenigen Worten, der Beifalls- stürm brach von neuem los, die Musik spielte wieder und sie betraten das Schloß durch den langen Korridor, der zum Ratssaal führte. In einem Vorzimmer warteten die Beamten. Es waren lauter schon ältere Herrn, die lange und ehrenvolle Dienste geleistet hatten, doch zeigten sie keine Eifersucht. Der Kanzlei- dircktor empfing seinen früheren Schüler mit einem Zuruf, in dem sich sowohl persönlicher Stolz als Hochachtung, Neigung und Unterwürfigkeit aussprach. Der Kronanwalt begrüßte ihn im Namen des Gerichts, als das Haupt der gesetzgebenden wie der richterlichen Gewalt, indem er zugleich seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß ein Mitglied ihres eignen Berufs zu dem höchsten Amte auf der Insel Man erhoben worden sei. Dabei wies er noch auf seine Abstammung von einem geschichtlich bedeutenden mankischen Geschlecht hin, sowie auf seine kurze, doch ausgezeichnete Laufbahn als Richter, in der er sich durch Weisheit und Beredsamkeit glänzend hervorgcthan. Zum Schluß wünschte er ihm noch ein langes Leben und Kraft zur Erfüllung alles dessen, was seine junge und fleckenlose Manneswürde so herrlich verheiße. Herr Kronanwalt," sagte Philipp.Ich darf Ihre Glückwünsche nicht annehmen, so sehr es mein Herz auch be- friedigen würde, könnte ich es thun. Es würde mir nur noch ein Kummer mehr sein, wenn Sie die edle Wärme Ihrer Be- grüßung, vielleicht schon bald zu bereuen hätten." Man tauschte verwunderte Blicke, doch konnten die weisen Räte sich den Eindruck nicht recht verständlich machen; sie ver- mochten die Antwort nur in dem Sinne auszulegen, der ihren augenblicklichen Gefühlen entsprach.Es ist herrlich," flüsterten sie,wenn ein junger Mann von wirklicher Begabung natürliche Bescheidenheit zeigt." Entschuldigen Sie mich, meine Herren," sagte Philipp, ich muß noch einen Augenblick aus mein Zimmer gehen." Der Kanzleidirektor folgte ihm und sagte: Ach, was für ein stolzer Mann würde heute der arme Tom Christian sein stolzer, als wenn die Ehre ihm selbst zu teil geworden wäre zehntausendmal stolzer." Schonen Sie mich, haben Sie Mitleid und lassen Sie mich allein," sagte Philipp. Es war nicht meine Absicht, Ihnen wehe zu thun, Christian," sagte der alte Freund. Philipp legte ihm die Hand gerührt auf die Schulter. Die Augen des starken Mannes wurden feucht und er ging zurück zu seinen Kollegen. Ein verworrenes Gemurmel drang von der andern Seite in das Zimmer hinein. Es war das Gemach, welches dem Deemster eingeräumt wurde, wenn er Gericht in dem Rats- saale hielt. Durch eine der beiden Thüren gelangte man auf die Richterbank. Wie gewöhnlich stand ein Konstabler Wache an dieser Thüre. Der Mann löste ihm die Kette seines Helms, den er ihn abnahm. Sein Haar war ganz ergraut. Ist der Gerichtshof zahlreich besucht?" ftagte Philipp. Der Konstabler sah durch das Schlüsselloch.Ja, Euer Excellenz." Halten Sie die Gänge frei." Ja. Euer Excellenz." Ist der Sekretär des Gerichtshofs zugegen?" Ja. Euer Excellenz." Und der Gefängniswärter?" Unten, Euer Exccllenz." Sagen Sie beiden, daß sie gebraucht tverden." Der Konstabler drehte den Schlüssel der Thüre um und verließ das Zimmer. Jem-y-Lord stürzte von Schweiß bedeckt und keuchend herein. Der Exgouverneur kommt über den Rasenplatz, Herr. Er wird sogleich hier sein." Meine Perrücke und den Talar, Jemmy," sagte Philipp. Die Decmsterperrücke, Excellenz." »Ja.' Es wird das letzte Mal sein, daß Sie sie tragen." Jawohl, das letzte Mal." Draußen hörte man das Klirren von Stahl, dem ein Trommelwirbel folgte. Er ist da," sagte Jem-y-Lord. Philipp horchte. Das rasselnde Geräusch drang durch dse