Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 230.

6)

Mittwoch, den 26. November.

( Nachdrud verboten.)

frau Pilatus.

Von Oscar Madsen.

Autorisierte Uebersetzung von Ida Ander 3.

Der allgemeinen Sicherheit wegen- Winther lächelte un willkürlich bei dem Gedanken befand er sich nun selbst inner halb dieser düsteren Gefängnismauern, und immer sah er sich mit einer Gemütsruhe um, über die er eigentlich selbst er staunt war, mit der erhabenen Ruhe eines Beobachters.

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Danke," erwiderte Winther, der gerade den letzten Schluck Schiffbier aus dem großen Blechkrug trank, der seinen vor­schriftsmäßigen Platz dort über der Wasserkuse hatte.

" Ja, jetzt nehme ich alles hinaus," sagte der Gefangenen. wärter. Und vielleicht ist es das Beste, ich helfe Ihnen gleich das Bett herunterbringen. Das kommt Ihnen eigentlich 31, ebenso wie das Bettenmachen und Aufklappen am Morgen, aber ich thue Ihnen gern einen Dienst. Das Reinhalten der 3elle sollen Sie auch selbst besorgen. Aber wenn Sie pro Tag zehn Pfennig opfern wollen, so können wir wohl schon einen andern Gefangenen dazu bekommen."

Winther dankte seinem braven Schließer und fragte: ,, Wann soll ich morgen früh aufstehen?"

"

Er war hoch, dieser große Mittelbau. Eine Wendeltreppe, breit und verhältnismäßig bequem, lief von Absatz zu Absah Ja eigentlich um 6 Uhr. Aber bleiben Sie nur liegen, in die Höhe, die Etagen markierend, die der Mittelbau nicht bis ich gegen neun Uhr zu Ihnen komme. Dann werde ich Ihr fannte. Breite in der Luft schwebende Brücken liefen an den Frühstück mitbringen. Ihre Kleider müssen Sie da auf die Wänden entlang, in der Höhe des ersten und zweiten Stock- Banf legen. Ich komme bald und hole sie. Sie sollen nachts werks. Und auf diese Brücken mündeten die Thüren der draußen sein." Arrestzellen.

Seine eigne Zelle, Nr. 29, stellte sich als im ersten Stock gelegen heraus.

Schwanenmoos steckte den Schlüssel ins Schloß und stieß die Thüre auf.

Der Bankbeamte Winther trat in sein Gefängnis, dessen Inneres er mit einem blitzschnellen Blick musterte.

Winther kleidete sich aus und streckte sich auf der harten Matraße in dem eisernen Bettgestell unter Decken, die nach altem Schweiß rochen, zwischen Laken, die allerdings rein aber so grob und rauh waren, daß sich seine verwöhnte Haut an ihnen wund rieb.

Da wurde die Lampe an der Decke angezündet, während Schwanenmoos hereinkam, seine Sachen, Stück für Stüd, bis auf das Hemd, abholte und ihm höflich gute Nacht sagte, Winther war in seiner Zelle allein.

IX.

Er war allein, er war in Ruhe, seinen eignen Gedanken überlassen und erst jetzt sammelten sich diese Gedanken­und es ging ihm sogar nur nach und nach auf, welche un­erhörte Schmach ihn betroffen hatte.

Hohe, kahle, getünchte Wände, ein hohes eisernes Bett­gestell, an der einen Seitenwand aufgestellt, an der entgegen­gesetzten Seite des Zimmers in der Mauer eingelassen eine Holzplatte, einen Tisch vorstellend, vor dieser eine niedrige ungestrichene Bank aus Tannenholz, ohne Lehne, eine gute viertel Elle breit und dreiviertel Ellen lang. In der einen Ecke der Zelle eine Stufe unter einem Wasserhahn, hoch oben in der Außenmauer ein vergittertes Fenster, durch welches ein Stückchen blauen Himmels und der vergoldete Bis jetzt hatten all die neuen und wechselnden Eindrücke Hahn auf dem neuen Rathausturm hineinlugten, einander so schnell gejagt, daß ihm keine Zeit zu sonderlichen ein kleines Regal mit ein paar Büchern Winther Reflerionen blieb. Von Erstaunen zu Erstaunen war er ge­sah sofort nach und konstatierte: das neue Testament, ein gangen. Von dem brutalen Verhör zu der unglaublichen Fest­Gesangbuch mit altmodischem Druck und eine Predigtnahme, von dem Schrank" durch die Korridore des Rathauses sammlung von Jacob Paulli, ein Gefängnisreglement mit zu der Wachtstube des Amtsgebäudes, vom Sturzbad zur Zelle bielen Paragraphen, ein Holzlöffel, ein Holzmesser, eine das waren ja in großen Zügen die Stadien, die er von der Holzgabel, auf die Tisch "-Platte gelegt sonst nichts Freiheit bis zum Untersuchungsgefängnis durchmessen hatte. Nennenswertes. Nun saß er, nein, lag er da. Und er hatte reichlich Zeit, sich zu bedenken aber erst jetzt.

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Schwanenmoos stand schweigend neben ihm, während er sich umsah. " Ja, gemütlich ist es hier gerade nicht", bemerkte der Schließer. Na, aber es ist wohl nur für ein oder zwei Tage. Jetzt werde ich augenblicklich Ihr Essen bringen. Wünschen Sie sonst noch etwas, so brauchen Sie nur auf den Knopf dort zu drücken. Dann läutet die elektrische Glocke. Das ist beinahe wie im Café Nicht wahr?"

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Und nun schwand die ganze unwillkürliche Nerven­anspannung, die ihn bisher aufrecht erhalten hatte. wie eine Stahlfeder brach in seinem Innern. Und plötzlich fühlte er sich in falten Schweiß gebadet.

Was werden die Leute sagen und denken? Was steht morgen in den Blättern? Meine Stellung bei der Bank natürlich sofort verloren, so unschuldig ich auch an dem bin, dessen man mich anklagt.

Ja, beinahe," sagte Winther. Schwanenmoos verschwand. Die schwere Thür fick hinter Und dann meine Frau! Wie geht es ihr in dieser schreck­ihm zu, und das Knirschen des Schlüssels im Schloß verlichen Stunde? Der Beamte hatte doch wohl sein Versprechen kündete Winther, daß er nun im Ernst und gründlich ein gehalten und sie schonend von dem Geschehenen in Kenntnis gesperrt sei. Bei derselben Gelegenheit bemerkte er das kleine gesetzt. ., Auge" in der Thür Judasauge wird es genannt- Wie stand es jetzt? trichterförmig, die breite Deffnung nach der Zelle, die schmale nach dem Korridor gerichtet. Auch über die Bestimmung dieses Guckloches brauchte er keinen Augenblick im Zweifel zu sein....

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Dann bekam er sein Essen geschmiertes grobes Kommisbrot mit einfachem Belag, aber für den hungrigen und müden Mann eine himmlische Mahlzeit, die er mit gierigem Appetit verschlang.

Wenn er ab und zu von der Mahlzeit aufblickte, bildete er sich ein, ein Späherauge vor der Thürluke zu erblicken. Und seine Einbildung war gar nicht so thöricht. Draußen Stand Schwanenmoos auf höheren Befehl und sollte fon­trollieren, ob der Verhaftete wirklich essen konnte, oder ob er ganz zusammenfiele, sobald er allein war.

Schwanenmoos mußte gestehen: selten hatte er einen Ver­hafteten mit einer so vertrauenerivedenden Gier an sein Futter gehen sehen.

Ein Weilchen darauf kam der Schließer wieder in die Belle.

Guten Appetit," sagte er höflich.

Drohte Assessor Krog nicht einmal

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so ganz vorüber­gehend auch sie auf das Gericht zu schleppen, um Klarheit darüber zu erhalten, welche intime Bekanntschaft zwischen ihm und dem Verdächtigen, Möller, bestand?

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Na, das wäre wohl einer der angenehmsten Späße des Assessors gewesen angenehm! Ja Profit die reine Barbarerei wäre es in der jetzigen Verfassung seiner Frau -schwanger, im fiebenten Monat, wie sie es war; ein Um­stand, den Winther dem rasenden Assessor gegenüber nicht ver­hohlen hatte.

Unmensch.

Nein, so weit würde er nicht gehen. Krog war sicher kein Aber andre Sorgen ängstigten den gefangenen Mann nicht weniger. Frauennervosität, Frauenhysterie wer fennt all die Namen dieser unheimlichen Phänomene- besonders bei einer schwangeren Frau.

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Tapfer genug war sie am Vormittag gewesen, seine kleine tüchtige Gattin, als er ihr Adieu sagte, ehe er sich mit der Zeugenaufforderung in der Tasche in die Löwenhöhle begab.