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Mein Gott !" erwiderte Saccard, ich hätte gern meinen Daigremont dabei ist, dann thie ich auch mit! Rechnen Sie Bruder beiseite gelassen. Aber Daigremont verlangt, daß auf mich." ich mich mit ihm aussöhne. Vielleicht hat er recht... Des- Und nun wollte der Besucher ihm wenigstens einige Anshalb glaube ich, daß Sie mit dem gewaltigen Mann einfach funft über die Art des Geschäfts geben, an dem er sich beüber unsre Sache reden und sich bemühen sollen, wenn nicht teiligen sollte; der Marquis schloß ihm aber den Mund mit seine Hilfe, doch wenigstens zu erlangen, daß er nicht gegen der liebenswürdigen Unbefangenheit eines großen Herrn, der uns sei." zu solchen Kleinigkeiten jich nicht herabläßt und in die Ehrlichfeit andrer ein natürliches Vertrauen setzt:
Suret jaß mit halbgeschlossenen Augen da und konnte immer noch nicht zum Entschluß kommen.
Kurz! Wenn Sie nur ein liebenswürdiges Wort mit bringen fönnen, mir ein liebenswürdiges Wort, verstehen Sie? Daigremont wird sich damit zufrieden geben und heute abend machen wir unter uns dreien die Sache fertig."
Run, ich will's versuchen," erklärte rasch der Abgeordnete, wobei er eine bäuerische Biederfeit heuchelte; aber ich thue es nur hretwegen, denn er ist nicht leicht zu behandeln, nein, nein, besonders wenn die Linke ihn reizt... Auf Wiedersehen um fünf Uhr!"
„ Um fünf Uhr."
Saccard blieb fast noch eine Stunde sitzen, sehr beun ruhigt über die umlaufenden Kampfesgerüchte. Er hörte, wie einer der großen Redner der Opposition ankündigte, er wolle das Wort ergreifen. Bei dieser Nachricht kam ihn einen Augenblick die Lust an, Suret wieder aufzusuchen und zu fragen, ob es nicht rätlich wäre, die Unterredung mit Rougon auf den folgenden Tag zu verschieben. Dann als Fatalist, der an den Zufall glaubt, fürchtete er wieder alles zu gefährden, wenn er an dem bereits Ausgemachten änderte. Bielleicht würde sein Bruder im Gedränge das ersehnte Wort leichter hinwerfen. Um den Dingen ihren Lauf zu lassen, brach Saccard auf und bestieg wieder seinen Wagen. Schon fuhr er über die Concordienbrüde, als ihm der von Daigremont ausgesprochene Wunsch wieder einfiel.
,, Kutscher, nach der Rue de Babylone!"
In der Rue de Babylone wohnte nämlich der Marquis de Bohain . Er hatte das frühere Nebengebäude eines großen Herrschaftshauses inne, einen Pavillon, welcher früher das Stallpersonal beherbergt hatte und welcher zu einem sehr behaglichen neumodischen Haus umgebaut worden war. Einrichtung war prunkvoll mit einem vornehm zierlichen Anstrich.
Die
Die Frau des Hauses sah man niemals; fie war leidend, wie der Marquis sagte, und durch ihre Gebrechlichkeit an's Zinmmer gefesselt. Das Haus und die Möbel gehörten aber ihr; er wohnte als Chambregarnist bei ihr und besaß als Eigentum nur seine Kleider in einem Stoffer, den er auf einer Droschte hätte mitnehmen können; seitdem er vom Spiel lebte, bestand Vermögensabsonderung. Zweimal bereits hatte er bei Eintritt eines Krachs sich rundweg geweigert, seine Differenzen zu zahlen, und der Massepfleger hatte nach Kenntnisnahme von den Verhältnissen es für überflüssig gehalten, ihm auch nur einen Zahlungsbefehl zu schiden. Man jagte einfach: „ Schwamun drüber!" Der Herr Marquis strich ein, so viel er gewann. Sobald er aber verlor, zahlte er nicht. Man wußte es und fchicte sich darein. Er hatte ja einen erlaudyten Namen und war ein vortrefflicher Schmuck für Berwaltungsräte; darum rissen sich die neugegründeten Gesellschaften im ihn, wenn sie nach vergoldeten Aushängeschildern suchten, so daß der Marquis immer Arbeit hatte.
An der Börse hatte er seinen eignen Stuhl auf der Seite nach der Rue Notre- Dames- des- Victoires, wo die reichen Spekulanten figen, welche sich scheinbar um die kleinen Tages gerüchte wenig fümmern. Man achtete ihn, man fragte ihn vielfach um Rat. Oft hatte er den Markt beeinflußt. Kurz, er war eine Persönlichkeit.
Saccard, der ihn wohl kannte, ließ sich trotzdem durch die stolze Höflichkeit einschüchtern, mit welcher dieser stattliche sechzigjährige Greis ihn empfing; der auffallend kleine Kopf ruhte auf einem riesengroßen Körper, das blasse Gesicht war von einer brauen Perücke umrahmt, die ganze Persönlichkeit äußerst stattlich.
„ Herr Marquis, ich komme als wirklicher Bittsteller Er nannte den Grund seines Besuches, ohne zunächst auf Einzelheiten einzugehen. Uebrigens fiel ihm der Marquis gleich anfangs in die Rede:
Nein, nein! Meine ganze Zeit ist besetzt; ich habe im Augenblick zehn Anträge, die ich abweisen muß."
Dann, als Saccard lächelnd hinzufügte: Daigremont schickt mich; er hat an Sie gedacht," da rief der Marquis gleich aus:
So? Daigremont ist dabei?
Schon gut! Wenn
,, Bitte, fein Wort mehr.. Ich will nichts wissen. Sie brauchen meinen Namen, ich leihe Ihnen denselben und freue mich jehr; damit abgemacht... Sagen Sie Daigremont nur, er möge die Sache anordnen, wie es ihm beliebt."
Als Saccard in heiterer Stimmung wieder einstieg, dachte er innerlich lachend:„ Er wird uns viel Geld kosten, aber er ist wirklich sehr nett!" Dann rief er laut:
,, Kutscher, nach der Rue des Jeûneurs!"
Dort hatte das Haus Sédille seine Lager- und Geschäftsräume, welche in einem Hinterhause ein großes Erdgeschop einnahmen. Nach fünfundzwanzigjähriger Arbeit hatte Sedille, der aus Lyon hierher gezogen mr, aber feine Spinnereien behalten hatte, endlich seine Seidengroßhandlung zu einer der bekanntesten und gediegenſten in Baris emporgebracht, als infolge eines Zufalls die Spielleidenschaft bei ihm sich Bahn brach und mit der vernichtenden Heftigkeit einer Feuersbrunst um sich griff.
Zwei große Gewinne, die Schlag auf Schlag erfolgteit, hatten ihn bethört. Wozu fünfundzwanzig Jahre seines Lebens fich plagen, um eine armielige Million zu verdienen, wenn man sie durch eine einfache Börsenoperation binnen einer Stunde in die Tasche steden kann? Bon da ab hatte er allmählich das Interesse an seinem Geschäft verloren, welches durch eigne Straft weiter ging, und lebte nur noch in der Hoffnung auf einen fieggekrönten Börsencoup. Dann war das Mißgeschid gekommen; es verschlang beharrlich den ganzen Gewinn feines Geschäfts. Bei einem derartigen Fieber ist das Schlimmste, daß man den Geschmack an redlichem Gewinn und schließlich auch selbst das genaue Bewußtsein des Geldwertes verliert. Und der Krach war unausbleiblich, wenn die Fabrik in Lyon zweimalhunderttausend Franken eintrug und das Spiel dreimalhunderttausend wegraffte.. ( Fortjehung folgt.)
Kleines feuilleton.
dr. Björtnersleute. Dicht neben dem schmiedeeisernen Thor, ichräg von der hohen, eleganten Villa, stand as fleine alte Haus. Espaßte eigentlich nicht recht dazu. Die Billa hatte Balfons und as fleine Haus war eine rumplige Dorftathe noch aus der Zeit her, Erfer, weite luftige Zimmer und helle, glänzende Spiegelscheiben. wo es hier nur Dorffathen gab; elend und flapperig in allen Fugen. Damals, int Frühling, als der reiche Berliner Rentier das Grundstück kaufte und die Villa bauen ließ, sollte das alte Haus abgeriffen werden; es war aber schließlich doch stehen geblieben. Die Wirtin hatte gefunden, es sei noch zu brauchen, man könnte den Pförtner d'rin wohnen lassen.
Zu solch einer eleganten Billa gehört natürlich ein Bförtner, der den Garten besorgt und auf das Grundstück aufpaßt im Winter, aufmacht, wenn es flingelt, das Gas anzündet, die Treppen reinigt, wenn die Herrschaft" in Berlin wohnt und ihr im Sommer zur Hand" geht. Eigentlich war das Souterrain für ihn bestimmt, die Wirtin fand jedoch, es sei so schön hoch und hell und luftig; man tönnte die Räume besser gebrauchen, zu Borratskammern oder Plätt und Rollstuben oder zu sonst etwas.
wettert wie es war, hätte es in die vornehme Umgebung nicht gepakt. So blieb für die Pförtnersleute das alte Haus. Grau und ver Der Wirt ließ aber wilden Wein herumpflanzen. Der überrankte es ganz und gar; nun sah es ordentlich idyllisch aus.
Jeder, der vorüberging, bewunderte das reizende Häuschen. Konnten diese Pförtnersleute froh sein, daß fie solch ein Hänschen hatten!
Das fanden alle. Das fand auch die Herrschaft". Und sie bißchen Arbeit und Mühe die freie Wohnung in dem Häuschen befand weiter, daß es reichlich genug wäre, wenn der Pförtner für sein fäme, er brauchte dann keinen andren Lohn.
Es gehörte ja auch noch ein Stück Garten dazu, wo er sich Bohnen und so was" ziehen konnte, und wenn seine Frau bei der " Herrschaft" half, fiel auch noch etwas für sie ab. Invalide. Er hatte den 70er Strieg mitgemacht und fein Blut für's Der Pförtner war ein Mann von etwa fünfzig Jahren, ein Baterland" vergossen. Viel Lohn war ihm nicht dafür geworden, nur ein zerschoffener Arm, der nicht mehr recht etwas taugte, weil er steif und ungelent geblieben war. Aber eben darum hatte die Herre