Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 154.
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Sonntag, den 9. August.
( Nachdruck verboten.)
Die Achenbacher.
Roman von Anton v. Perfa II.
Der junge Mann fügte sich ohne Widerspruch dem Befehl des Arztes. Es war ihm auch gar nicht mehr zum Streiten zu Mute. Mit einem Blick voll Weh auf Rest trat er zurück. Wenn's für immer wär'!" Der Gedanke ließ ihn bligartig erkennen, wie sein ganzes Herz an dem Mädel hing. „ Und Dein' Vater kannst sag'n, daß morgen die Anzeig' abgeht ans G'richt", konnte Urban sich nicht versagen, ihm hinzuwerfen.
1903
den Eisverband, rückte die Kissen und folgte sorgsam jeder Wendung der sich hin und her wälzenden Kranken.
Sein Rausch war längst verflogen, und das Gesicht schien gar nicht mehr so roh und aufgedunsen.
Er hatte eine lebhafte Neigung zu dem Kind seines Bruders seit dessen Geburt. Diefelbe bildete eine Art Dase in der Dürre seines verwilderten Herzens, und auch die Erwiderung fehlte nicht, so abschreckend das Wesen des Mannes auch sonst für das fein empfindende Mädchen sein mußte.
Obwohl das Verhältnis zu seinem Halbbruder Urban nichts weniger als ein gutes war, seine ganze Verbindung mit der Familie, als angenommenes Kind, von jeher eine lose, in dem einen Punkt, was die Feindschaft mit dem Nachbar anging, fühlte er sich als vollwichtiges Mitglied des Lehnerhofes. Der Doktor versuchte, ihn zu beschwichtigen. Die Sache Natur zu. Er erspähte jede Blöße des Feindes, jede Schwäche Der gehässige, hinterlistige Kampf sagte seiner ganzen ließe sich doch besser in Frieden regeln, es sei ja keine böse des Bruders, welche ihm Gelegenheit bot, die verderbliche Absicht vorgelegen. Auch die Bäuerin, eine hagere, bleiche Leidenschaft zu nähren. Frau, welche sich die ganze Zeit über passiv verhalten, wagte schüchtern diese Ansicht zu äußern.
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dem Flori zliab
' s Rest selb'r möcht's g'wiß net- schon net," setzte sie unbedachterweise hinzu. Ihre Bitte trug ihr nur einen zornigen Blick von seiten Urbans und ein höhnisches Lächeln von seiten des Lenz ein, der mit einer, seinem sonstigen rauhen Wesen auffallend widersprechenden Hingebung bereits wieder vor dem Bette der Strauten saß, jeden ihrer Atemzüge verfolgend.
„ Wenn er aber Abbitte leistet, der Achenbacher?" schlug der Arzt vor; in dessen gutherzigem, jovialem Angesicht der Aerger über die Gehässigkeit dieser Leute sich zeigte.
Thuat er net, der Achenbacher. Da kennen S' ihn schlecht," brummte der Urban.
„ Bist Du auch der Meinung?" wandte sich der Arzt an Flori. Ich lasse ihn nur darauf aufmerksam machen, daß die Verlegung eine immerhin ernsthafte ist und die Folge für ihn sehr unangenehm sein kann, wenn die Sache vors Gericht tommt."
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" I werd' mein möglichstes dazua thuan, Herr Doktor," erwiderte Flori.„ Aber Lehner, nimm's von mir an, d' Abbitt," wandte er sich an den Bauer in versöhnlichem Tone, der ihm jetzt in der Kehle steckte. J leift' Dir s' gern, Schuld bin doch i, i allein eigentli, an dem Unglück."
Der Lehner maß ihn mit seinem Blick von unten bis oben.„ Da hätt i was davon. An ganzer Achenbacher muaß abbitt'n, net a halb'r, wia Du einer bist und wirst. Nacha tann's sein, fann's sein, sag' i."
Diese Worte trafen Flori im Innersten, weil er die Wahrheit derselben zu fühlen glaubte.
" werd' schon no a ganz'r, i schwör Dir's, und dann, Lehner" er erhob drohend die Faust, nimm Di in acht!" Er eilte rasch zur Thür hinaus.
Das Lachen des Urban klang unwahr, in den Augen des Burschen flammte etwas auf, was ihn seinen Hohn fast bereuen ließ. Am End' wär's gar net so ohne g'wesen, wenn er sich versöhnlicher gezeigt und so den Achenbacher gewisser maßen verpflichtet hätt! Wer weiß, für was' s guat g'wes'n wär? Jezt kommt er ganz g'wiß net, und er muaß d' Anzeig mach'n, wenn's net drüben heiß'n soll, er traut si do net. Das kam davon, daß ihm der Bua noch verhaßter war als der Alte, der Sohn der Burgl. Er wußte selbst nicht, warum. Der Doktor befahl Eisumschläge auf den Kopf, ein Nachtwachen, und fuhr ab, nochmals zur Versöhnung ratend.
Urban befand sich in der übelsten Laune, lange Zeit ging er unruhig im Zimmer auf und ab, ohne auf seine Frau zu achten, die ihn um Ruhe bat. Dann wühlte er in einem Wandschrank umher und brachte ein kleines gelbes Büchel hervor, das bayrische Gesetzbuch. Darin vertiefte er sich beim Schein der Lampe .
Die Lehnerin schlich mit dem lautlosen Schritt einer Krantenwärterin umher. Ihr blasses Gesicht trug derart den Stempel schwächlicher Sorge, seelischer Verkümmerung, daß dies jüngste Ereignis keine neue Spur mehr erkennen ließ.
So war es hauptsächlich das frühere Verhältnis Urbans
zur Achenbacherin, das er immer wieder aufstocherte, auf das er immer wieder hinwies, mit Andeutungen, die Urban stets meisteramt war sein Werk. Urban selbst war, bet seinen mit Entrüstung zurückwies. Auch die Kandidatur zum Bürgerschlechten wirtschaftlichen Verhältnissen, gar nicht so darum zu thun, andrerseits war er zwar von äußerst heftiger, aber nicht aggressiver Natur und bedurfte förmlich der ständigen Hezerei
des Bruders, um in der Feindschaft zu dem Nachbarn nicht den stolzen Achenbacher gerichtet, der ihm seine Verachtung zu erkalten. Lenz' Haß war mehr persönlicher Natur, gegen bei jeder Gelegenheit rücksichtslos zu fühlen gab.
Der Neid stärkte ihn und vor allem die eigne Einsicht seiner Verkommenheit und Willensschwäche gegenüber dem thatfräftigen, allgemein geachteten Mann.
Grunde genommen ihm nicht unsympathisch. Er trat ihm nie Flori kam erst in zweiter Linie, ja, der Junge war im zu nahe und betrachtete nach Art junger Leute seinen Leichtfinn, seine Führung, seine Räusche und Ausschreitungen mehr im humoristischen Sinne. Nur in einem Punkte gab er Lenz Gelegenheit, seinen Haß auch auf ihn auszudehnen, das war die Freundschaft mit Rest und die offenkundige Erwiderung, welche dieselbe fand.
in ihr den Familienhaß zu entzünden, schlugen fehl, dem Lenz war eifersüchtig auf Rest. Seine Bemühungen, auch Stinde fehlte jedes Verständnis dafür.
Die Verlegung des Mädchens versette ihn in die höchste Wut. Daß Flori der Thäter sein sollte, war ihm sofort zweifelhaft. Der Name, welcher in dem Fieberdelirium der Stranken immer wieder auftauchte, hatte eine ganz ande, ihm verhaßte Bedeutung. Als er den wahren Thäter erfuhr, da jubelte er im ersten Augenblick innerlich vor Vergnügen, nun kam der Tag der Nache, nun konnte er Urban an den Achenbacher hegen!
Die Versöhnungsversuche des Arztes, der Vorschlag der Abbitte drohten ihm sein Opfer zu entreißen. Da that ihm Flori in seiner Hitze den Gefallen, alles zu vereiteln. Wie er jetzt eben die Stube verlassen, wird er kaum dem Vater zureden, abzubitten. Und während er mit der innigen Sorgfalt eines Liebenden die Stranfe pflegte, seine heisere Stimme dämpfte, auf den Zehenspitzen einherschlich, mit der Hand die Temperatur des Fiebers prüfte, umgaufelten ihn verführerische, gar füße Bilder der Rache, welchen der heiße Wunsch übertriebene Farben lieh. Er sah den Achenbacher von einem Gendarmen abgeführt, in der öffentlichen Verhandlung auf der Anklagebant, in der Gefängniszelle bei schmaler Kost...
Urban hatte genug herausgelesen aus dem gelben Büchel. Das langat!" sagte er, dasselbe auf die Seite schleudernd. Dann hauchte er auf die Eisblumen des Fensters und guckte lange hinaus. Bald wär's doch bess'r, wenn er fäm'," dachte er sich. Wenn er amal drüb'r schlaft, bringt er's gar net mehr 3'sammt." Doch es war schon eine Stunde vergangen seit Floris Abgang.
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Lenz ließ sich die Nachtwache bei der Kranken nicht Lenz teilte sich mit ihr in die Sorge um die Krante, ja nehmen, obwohl ihm Urban in derber Weise riet, seinen er war unbedingt der Praktischere. Während sie ratlos umher- Rausch auszuschlafen und der Mutter das Geschäft zu überstand, bald das, bald das angriff, legte er mit leichter Hand lassen.