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ist nur ein scheinbares. Innerlich betrachtet der Pastor den Bruder Auch der zweite Roman Die stumme Mühle"*) von nach wie vor als seinen Feind. Und zwar aus plausiblen Gründen. Otto von Leitgeb darf in gewisser Hinsicht auf jenes Ist jener doch sein Rivale. Beide lieben Marianne, die Apothekers- Prädikat Anspruch erheben. Freilich nur bedingungsweise, wie mich tochter. Sie wird des Pastors Weib. Sie gab ihm den Vorzug, bedünken will. Sein Charakter ist eben ein völlig verschiedener. weil sie ihn himmelhoch" über den Lieutenant stellt, obwohl dieser In ihm überwiegt ein zu üppig wucherndes lyrisches Element die ihr Lebensretter gewesen. Grollend verläßt der Verschmähte das eigentliche Handlung. Wenig geht da vor, fast zu wenig. Vier Haus, nachdem er dem Pfarrer einen Schlag ins Gesicht versetzt Menschen sind es, um die sich alles dreht: ein junges Ehepaar in hat. Diese Schmach wird und muß einmal gerochen werden der stummen" Wassermühle und ein Geschwisterpaar, als be­wenn auch nach Jahren. Man hat bei der Wesensart des Geist- freundete Gutsnachbarn. Jene beiden passen nicht zusammen. Der lichen dies Gefühl. Man ahnt, daß einst etwas Furchtbares geschehen Müller ist ein unternehmender Geschäftsmann, die Frau von allzu werde. Vorerst ist das junge Paar glücklich, wie nur zwei Menschen feiner, fast ätherischer Artung, mit dem Keim eines frühen Todes es sein können, die sich in wahrer Liebe verbanden. Das winterlich im Herzen. Bu ihr fühlt sich der Gutsnachbar, ebenfalls eine zart­verschneite Pfarrhaus ist ihre Welt. Aber nicht lange. Der Pfarrer befaitete Natur, ein Dichter, magnetisch hingezogen. Kurz vor ihrem müßte fein Klinghammer sein. Voll Priesterzornes waren ja seine Ende gesteht er ihr seine schwärmerische Liebe. Mit diesem stillen Vorfahren immer gewesen. Wie sollte da der Sohn und Entel aus Glücke beschließt die Frau, die einer südländischen Blume ver­dieser Art geschlagen sein? Er beginnt mit seinem Glücke zu hadern; gleichbar, ihr Dasein, und der Liebende geht einem der er erkennt, daß er fein Geistlicher, sondern ein Zweifler, ein Stunft geweihten, arbeitsfreudigen Leben entgegen, nachdem Ungläubiger sei. Auch war er zu lange einsam, um auf die Dauer auch seine praktisch veranlagte Schwester dem verwitweten die Gemeinschaft mit einem andren Wesen zu ertragen. Ehrlich Müller die Hand zum Ehebündnis gereicht hat. Der Dichter macht handelte er gegen die Frau nie. Immer verschloß er sein Herz vor an ihnen wahr, daß nur gleichartige Charaktere für einander be­ihr. Eine Lüge gebiert die andre. Der Mut zur Aufrichtigkeit ist stimmt seien ein Sab, der thatsächlich doch nicht allzu häufig be­ihm versagt. Es kommt zu Verstimmungen zwischen den beiden. Sie wiesen werden dürfte. In diese stillen Handlungen spielt dann noch verstehen sich lang nicht mehr. Er will mit sich allein bleiben. ein Mädchen von ungewisser Herkunft hinein. Südliches Zigeuner Aber sie ist doch auch als Pastorsfrau ein Weib, das auf blut. Sie hat ein Kind von dem Gutsbesitzer, ist eines Tages ver­seine Natur nicht verzichten fann ohne fich zu schollen und taucht einige Jahre später, nachdem sie in München wandeln. Und diese Wandlung kommt. Sie vollzieht sich Modellsteherin gewesen und sich nun als Brandmalerin ehrlich um so schneidender, seit Frizz plöglich wieder wie aus dem ernährt, wieder auf. Doch nur, um ihr Kind zu holen, da ein Boden gewachsen" vor dem Geiste des Pfarrers aufgetaucht war. Münchener Bilderrahmenschnitzer sie heiratet. Das alles aber ist Gerade zu rechter Zeit beginnt jener fein frevles Spiel, als sich die kaum mehr als schattenhaft angedeutet. Es liegt ein leichter Rosenketten zwischen den beiden Ehegatten zu lösen begannen. Er Schleier über allen Gestalten. Wohl wachsen sie organisch aus der bestürmt die noch in Treue gefestigte Frau mit seiner Leidenschaft. Fabel hervor; aber alles ist weich, träumerisch gebildet. Die Von ihrem Gatten schließlich auch durch physischen Widerwillen fern- Charakteristik geschieht zumeist auf dem indirekten Wege der gehalten, ergiebt sie sich nach harten Seelenkämpfen dem unwiderstehlichen Schilderung. Alles ist eingebettet in die Natur, im Wechsel der Egoisten, wenn auch ihre Reinheit gewahrt bleibt. Mit dem Pastor, Jahreszeiten und in ihrer geheimnisvollen Beziehung zum so erklärt sie diesem, vermag sie nicht länger zusammen zu leben Menschenherzen. Chrismen von schwärmerischer Empfindung, Natur­und er läßt sie ziehen. Aber da steigt das Nachegefühl stimmungen über Naturstimmungen geben Zeugnis von einem schönen in seiner Brust auf. Bevor die Beiden das Pfarrdorf verlassen, Dichtertalent, das sich aber noch nicht zu konsequenter plastischer stürmt er noch zum verhaßten Bruder hinaus. Rede soll der stehen Bildnerkraft durchgerungen hat. Der Roman erinnert in mancherlei auf Ehr und Gewissen, ob er sich noch nie an der Frau vergangen. stillen Feinheiten an Frenßens Jörn Uhl". Seine Sprache nicht Wenn nicht, mögen sie ziehen. Andernfalls soll der Verführer ihm frei von einigen Austriacismen ist nicht ohne Eindringlichkeit. vor die Mündung des Revolvers, den er mitnimmt. Unterwegs Sein Streben nach künstlerischer Tiefe wirkt erfreulich. treffen sich die Brüder. Ein schwüler Abend. Gewitter zieht herauf. Gewitterschwere alpt auf des Pastors Sinnen. Es kommt zu einem erregten Wortwechsel. Fritz höhnt den Bruder. Der reißt den Revolver hervor, wirft ihn dann aber doch hinter sich und stürzt sich auf den Rivalen. So mächtig ist der Angriff, daß Friz, gegen die Banklehne geschleudert, das Genick bricht. So brach also das Verhängnis herein. Der Pfarrer ein Brudermörder. Hier vollzieht der Dichter die tragische Verkettung, groß, packend durch alle Phasen der Sühne. Die Schuld des Mordes macht den Mann, statt ihn zu zermalmen, zum Zeloten, zum Heuchler, zum frömmelnden Prediger, zum Fanatiker des Wohlthuns. Monate find ins Land gegangen. Der Ermordete, dessen Körper der Pastor damals in den nahen Fluß geworfen, ward später wo ans Ufer getrieben; er wird als Selbstmörder begraben. Gras wuchs über der That. Klinghammer ist längst als beliebter Geistlicher im Wupperthal thätig. Die Schuld aber nagt an seinem Gewissen fort und fort. Doch auch die Frau, die ihn verlassen, macht große Wand­lungen durch. Und als sie seelisch genesen ist, da geht sie wieder zu Klinghammer. Denn noch ein andres bereitet sich vor: ihre Mutterschaft. Nun, da Marianne sich durchgerungen hat, will sie des schuldbeladenen Mannes Retterin sein. In den bangen Stunden der Mutterwehen und des Gebärens ein Kapitel, das mit erschütternder Kraft geschildert ist schmelzen die Siegel von beider Herzen. Klinghammer kämpft sich, nun, ermutigt und erhoben vom neuen Glücke, durch zur Selbstbefreiung, indem er sich frei willig der Juſtiz überantwortet, um die Schuld, für die er innerlich furchtbar gebüßt, auch äußerlich zu fühnen. So ist er zum Frieden gekommen und, zu höherem Menschentum gereift, werden die beiden, wenn er nach fünf Jahren das Gefängnis verlassen hat, ruhig und des wahrsten Glückes voll, ihre Lebensbahn weiterziehen. Was den Roman so wertvoll macht, das liegt gerade darin, daß es dem Dichter gelang, seinem eher abstoßenden als liebenswerten Helden das erlösende Mitleiden und die innigste Anteilnahme an dessen furchtbarem Schicksal zu sichern. Es vollzieht sich hier also die tiefste Tragit, die im Grunde Erlösung bedeutet. Aber nicht bloß dies allein. Unter den zahlreichen Nebengestalten, die das Klinghammersche Ehepaar umgeben, ist besonders eine noch: Pastor Erbslöh, ein Mann von rührender Schlichtheit und er hebender Kraft des Duldens, ein Geistlicher, den ob seiner freien Bekennerseele die Muder unter den Amtsbrüdern im Verein mit der Behörde ins Grab bringen.

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Die Komposition des Ganzen ist straff, die Handlung durchlebt von innerlicher Dramatik und aufsteigender Kraft und Größe; alle Personen verraten die sichere Hand des in die menschliche Psyche tief hinabgrabenden Zeichners. Die Sprache ist knapp, flar und von jener Art eines Bildners, der sich seiner Mittel wohl bewußt zeigt. Kein Saz eine Phrase. Kein malendes Wort zu wenig, zu viel. Mit einem Wort: der Roman ist ein reifes, abgeklärtes Kunstwert. Er wird und muß seinen Weg machen, denn er verdient es, wie taum ein andrer zuvor.-

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Ernst Kreowati.

Kleines feuilleton.

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Er

zu thun.

Liszt in Weimar . Unter dem Titel Begegnungen" ver­öffentlicht Hermann Rollet allerlei Anekdotisches aus seinem Leben. Mit Liszt kam der Verfasser in Weimar zusammen. erzählt unter anderm folgende Geschichte: Ein mit Liszt be= freundeter Pole, der ein paar Jahre in Weimar zugebracht hatte, zog von da fort und gab am Tage vorher ein Abschiedsessen. Auch ich war mit dem Manne gut bekannt und nahm, sowie zwei Pro­fessoren aus Jenader längst gestorbene, auch als Improvisator renommierte D. 2. B. Wolff und der tüchtige Pathologe Siebert- an der ziemlich zahlreich besetzten Tafel teil. Gleich vom Anfang an ging der mit Champagner gefüllte polnische Stiefel, den man alles in heiterster Stimmung. Gegen Ende des mannigfach be= austrinken mußte, herum, und es währte nicht lange, so befant sich lebten Mahles waren alle mehr oder weniger bereits bedenklich taumlig geworden. Liszt hatte seinen Rock ausgezogen und das Halstuch abgenommen und war in lustigster Laune. Auf einmal fällt ihm ein, daß der neben ihm sitzende Professor Siebert ihm versprochen, ihn gelegentlich zu ausfultieren, und er forderte diesen da gerade so gute Gelegenheit dazu sei auf, es jetzt Dabei riß er sein Hemd an der Brust auseinander. Siebert, der auch schon recht vom Gotte voll war, nickte lachend, nahm ein Papier aus der Seitentasche seines Roces, formte ein Stethoskop daraus und setzte dasselbe wankend an Liszts entblößte, ihm hingehaltene Brust. Diesen Augenblick wollte nun Professor Wolff, der noch bei der Tochter der Fürstin W. eine englische Lesestunde abzuhalten hatte, benüßen, um ungesehen von Liszt vorher nicht fortgehen lassen wollte sich wegzuschleichen. war ihm auch gelungen, über die Stiege hinabzukommen, als Liszt plötzlich den Abgang Wolffs bemerkte. Er sprang fleidet, wie er war rasch auf und lief dem forteilenden Wolff, um ihn zurückzuhalten, nach. Liszt gelangte bis zum Hausthor, ohne ihn noch einzuholen. Er stürzte in seiner weinseligen Auf­geregtheit hinaus, lief zur Ecke der nächsten Straße, konnte aber von Wolff, der einen andren Weg gegangen war, nichts mehr sehen. Er rannte in Hemdärmeln, mit offener Brust und mit fliegenden Haaren nun die halbe Straße hinab, bemerkte aber da auf seinem absonderlichen Ausfluge jetzt ein hübsches Mädchen, das strickend an einem Hausthor stand. Liszt hält vor ihr an, sagt ihr einige flammende Schönheiten und will sie umfassen und füssen. Das Mädchen erschrickt, läuft durch die Einfahrt in den Hof des Hauses; Liszt ihr nach. Sie erreicht die Kellerthür und flieht in den Keller. Liszt verfolgt sie bis hinab. Am Brunnen im Hofe schöpfte ein Knecht eben Wasser in einem Kübel. Der Knecht, das

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*) Egon Fleischel u. Co., Berlin. ( 5 W.)

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der ihn schon kurz

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halb ent­