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Brautleute.
( Nachdrud verboten.)
Bon Wladimir Rirjakow.
Was sehe ich, Sonja? Du liest Zeitung? Seit ivann interessierst Du Dich denn für Politik? Hahaha!" " Du lachst? Na, warte nur! Du wirst später, wenn Du selbst Braut sein wirst, auch noch Zeitungen lesen."
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Weshalb soll denn eine Braut durchaus Zeitung lesen?" " Weshalb? Na, verstehst Du, man muß sich doch mit seinem Bräutigam über irgend etwas unterhalten, nicht wahr? Mein Gregor kommt jeden Tag zu uns, siht ganze Abende hier. Wir haben den einen Tag hiervon gesprochen, den andren Tag davon, schließlich aber ging uns der Stoff doch aus absolut kein Gesprächsthema mehr! Sißen und sich den ganzen Abend Loß anstarren, geht aber auch nicht. Na, und da bin ich auf die Idee gekommen, mir aus der Zeitung Stoff zu suchen. Jeden Morgen studiere ich fünf Zeitungen durch. Zuerst hatte ich's mit langen gelehrten Abhandlungen versucht, aber davon wurde mir ganz wirr im Kopf. Jezt lese ich also Zeitungen. Die sind doch immerhin leichter. Gott , wenn bloß erst die Hochzeit wäre! Dann könnte man doch wenigstens mal schweigen, wenn mar nichts zu reden weiß!"
" Ich finde, meine Braut wird von Tag zu Tag anspruchsvoller!" Schon? Siehst Du? Was habe ich Dir gesagt! Aber Du schwurst mir ja hoch und teuer, Du seist zum Rajendwerden in sie berliebt, fie liebe Dich ebenso leidenschaftlich, kurz, Ihr würdet unfinnig glücklich mit einander werden.
Das behaupte ich auch heute noch. Ich bin verliebt wie früher. Betveis: Ich habe noch in der letzten Zeit zehn Pfund an Körpergewicht verloren und mache beim Kartenspiel ganz unverzeihliche Fehler. Und auch sie liebt mich noch ebenso leidenschaftlich wie sonst. Nein, ich rede jetzt von ihren Ansprüchen. Sie verlangt, ich soll für sie meinen genauen Lebenslauf ausarbeiten und darin keines meiner fleinen und großen Abenteuer und Techtelmechtel vergessen. Ich bin tein Belletrist, verstehe mich nicht auf schöngeistige Schreibereien. Ich bin eben nur Beamter. Na, und außerdem gestehe selbst! die Wahrheit kann ich doch auf keinen Fall schreiben! Es giebt im Leben eines jungen Mannes mitunter Episoden, welche..."
„ Ach, lüg' doch irgend etwas zusammen!"
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" Ja, auch zum Lügen gehört Phantasie. Wenn sie mich nur etivas weniger leidenschaftlich lieben möchte! Andre Bräute verstehen es brillant, foldy figliche Fragen zu vermeiden. Außerdem wünscht fie, ich soll jeden Abend ein Tagebuch führen und es ihr jeden Morgen " Weißt Du was? Schneide Dir gehörig in den Zeigefinger der rechten Hand dann brauchst Du nicht zu schreiben." " Ja, das ist auch so' ne Sache: wenn der Finger später schlimm wird."
durch einen Dienstmann zuschicken!"
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„ Na, dann geh zu irgend einem Arzt und bitte ihn, er möchte Dir nach allen Regeln der Kunst einen Schnitt in den Finger machen. Wahrhaftig, das wird Dir kein Arzt abschlagen, wenn Du ihm erflärst, um was es sich handelt."
"
haben?"
Weißt Du, Nikolai, was für eine Idee Papa und Mama " Das weiß ich natürlich nicht, meen Engel. Ach, lass' mich doch noch einmal mein Lieblingsstellchen am Halse tüssen!"
,, Aber, Nikolai fiz' doch endlich still! Es handelt sich um eine sehr ernste wichtige Sache. Papa und Mama wollten anfänglich selbst mit Dir sprechen, meinten dann aber, daß sich so etwas doch nicht für fie schicke, und beauftragten mich. Siz' doch still, um Gottes willen! Wie kann man bloß immer so...! Einfach unmöglich, ein ernstes Wort mit Dir zu reden! Na, hörst Du jetzt oder nicht?"
" Ich höre, ich höre. Diese Frisur fleidet Dich großartig, Vera." " Wirklich? Na, dann küsse mich schnell und höre. Papa und Mama lassen Dir vorschlagen, Du möchtest mich entführen." Entführen? Wie meinst Du das?"
"
"
Na
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wie man eben ein Mädchen entführt. Du kommst mit einer Equipage mich abholen, ich schleiche mich über die Hintertreppe hinunter, wir fahren in die Kirche und lassen uns trauen. Siehst Du, das kommt meinen Eltern viel billiger zu stehen, als wenn sie eine richtige Hochzeit machen. Man braucht keine Gäste einzuladen, braucht sich kein teures Kleid machen zu lassen. Na, und so drei Tage nach der Trauung fommen wir zu Bapa und Mama, gewissermaßen um Verzeihung bitten... Dir ist es doch ganz gleich, wie Du mich Heiratest, nicht wahr? Und das Geld, welches wir so sparen, können wir später sehr gut brauchen."
" Sich' bloß mal, Werutschka, was Dein Bräutigam Arkadi Petrowitsch mir da für einen sonderbaren Brief schreibt! Bittet, ihm auf die Mitgift einen Vorschuß von 500 Rubel zu geben. Schreibt übrigens sehr bescheiden und sozusagen herzlich... Er habe als Bräutigam große Ausgaben... Er habe sich z. B. einen neuen Frackanzug machen lassen, ein halbes Dubend Oberhemden, einige Strawatten taufen müssen... Dazu täglich, wenn auch nur ein Pfund, Konfekt oder irgend ein andres Geschenk für Dich Ich weiß nicht: soll ich ihm das Geld geben oder nicht? Gebe ich ihm es nicht, fühlt er sich natürlich beleidigt und tritt am Ende noch von der
ganzen Geschichte zurüd; gebe ich, nimmt er das Geld und vers schwindet vielleicht auf Nimmerwiedersehen."
Natürlich geben, Papa... Was ist da lange zu überlegen? Wir können nur Vorteil davon haben, denn Arkadi Petrowitsch ist ein Ehrenmann, und wenn er das Geld nimmt, so heiratet er mich auch ganz gewiß. Zur Sicherheit fannst Du Dir ja aber auch auf alle Fälle einen Schuldschein geben lassen. Er hat übrigens recht: wo soll er das Geld hernehmen, um mich jeden Tag mit Konfekt zu füttern? Dent' bloß, wenn er anstatt zu Dir, zu irgend einem Wucherer gelaufen wäre, dem er für das Geld hohe Zinsen zahlen müßte! Weißt Du was, Papa? Gieb ihm statt 500 lieber gleich 1000 Rubel. Er wird mich dann ganz gewiß heiraten und mich später noch mehr achten und lieben."
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"
"
Ach, diese Schriftsteller! Was die gerne Vorschuß nehmen!"...
*
Wie? Ihr füßt Euch, wenn Ihr allein seid?"
Natürlich! Gott , bist Du aber naiv, Olga! Dafür sind wir doch Braut und Bräutigam. Das ist schon mal so gang und gäbe unter Brautleuten. Anfänglich war es mir ja etwas peinlich. Auch das ungewohnte„ Du" wollte mir gar nicht recht über die Lippen immerhin ist er doch sozusagen ein fremder Mensch. Na, jetzt habe ich mich schon lange daran gewöhnt. An solche Sachen gewöhnt man sich sehr schnell... so schnell, daß man später gar nicht mehr davon lassen kann. Es ist nur unangenehm, daß wir eine so kleine Wohnung der ganzen Wohnung. haben: wenn wir uns in einem Zimmer füssen, hört man's gleich in Mama geht deshalb schon immer spazieren, wenn sie merkt, daß wir zärtlich werden wollen. Aber das ist mir recht unangenehm, denn sie ist eine alte Frau, und es macht ihr viel Mühe, die fünf Treppen hinunter- und wieder heraufzuklettern...
Kleines feuilleton.
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k. Der Untergang von Philä. Die Zerstörung der„ Perle Aegyptens", der Tempelinsel Philä, scheint unaufhaltsam und schnell bor sich zu gehen, seitdem am 10. Dezember 1902 der große Damm von Affuan vollendet worden ist. Aegypten erwartet von diesem großen Werk moderner Ingenieurkunst eine jährliche Zunahme seiner Einkünfte um 52 Millionen Mart, und eine Vermehrung seines jetzigen Ackerlandes um ein Drittel; aber die Kehrseite der Medaille ist, daß Shellall und el- Monhata standen, jetzt ein See ist, und daß nur noch Tausende aus ihrem Heim vertrieben wurden, daß dort, wo die Dörfer störenden Flut hervorragt. Die fleine Infel vor etwa 500 Meter ein Teil der höheren Gebäude auf der Insel Philä aus der zerLänge und 160 Meter Breite ragte mit ihren Tempelbauten anmutig aus dem Hlaren Waffer heraus und bot einen eigenartig schönen Anblick. Das Zerstörungswert, das nur. das durch den Nildamm gestaute Wasser ausführt, schildert der Engländer Robinson, der die Insel mehrfach besucht hat, im„ Century Magazine" eingehend. Von den verschiedener Gebäuden, die Philä schmückten, bleibt heute nur ein Teil des Säulenganges, der oberste Teil des Kiosks und ein Teil in einem kleinen Boot, in dem er den Säulengang entlang und in den des Jsistempels über Wasser. Der Reisende nähert sich den Ruinen einst heiligen Räumen umherrudern kann. Von den Säulen des Säulenganges bleiben nur die Kapitäle über Wasser. Auf diesen steht man schön gemeißelt und mit zarten Farben geschmückt Tiberius , der den Göttern Gaben opfert, oder Nero, der Jfis zwei Augen darbringt. Etwas weiter rechts ist das Dach des Kiosks sichtbar, das auf den zum Teil unter Wasser gesezten, köstlichen Säulen ruht. Daneben erheben zwei ungewöhnlich große Palmbäume ihre Wipfel über der leberschwemmung. Da der Jsistempel auf einer Bodenerhebung liegt, bleibt ein beträchtlicher Teil über dem Wasser. Man kann noch auf dem Pflaster der Säulenhalle gehen, obgleich das Wasser fast ebenso hoch steht; schon wenn das Wasser durch den sanften Wind gefräufelt wird, sprißt es auf die Steine. In dieser Halle stehen acht Säulen, die man für die interessantesten hält, die von den Aegyptern der späteren Zeiten erhalten sind. Ihre Blumenkapitale sowie die Wände und die Decke der Halle selbst sind mit Farben geschmückt, deren Glanz seit fast 3000 Jahren den Elementen widersteht. Nicht so gut erhalten sind einige fleine angrenzende Zimmer. Schon steigt das Waffer an den Wänden empor oder bahnt sich einen Weg durch den Fußboden. Es ist ein merkwürdiger Gegensatz von Licht und Schatten: draußen die purpurnen Felsen und der gelbe, von Licht überflutete Büstensand, der sich jenseits der grünen Flußgrenze erstreckt, drinnen Dunkelheit und das verhängnisvolle Schäumen des schwarzen Wassers. Bom Tempeldach erhält man einen umfassenden Ueberblick über den Fortgang der Zerstörung. Dert, wo ein fleiner nackter Nubierknabe schwimmi, lag der Hathortempel, und eine Unterbrechung in der Strömung bezeichnet Hadrians Thorweg. Sieht man in den Fluß hinab, so bemerkt man dunkle Formen, die Kapitäle von Säulen, die Andeutung eines Daches, den Wipfel einer Dattelpalme: eine Totenstadt. Schon fängt der weiche Stein an zu bröckeln, das Wasser dringt durch die eine und andre Spalte; Stunde um Stunde kriecht der Fluß die Säulen weiter hinauf. Die Insel ist dem Untergang geweiht. In wenigen Jahren, vielleicht Monaten, ja vielleicht bei der nächsten Flutzeit, wird sie gänzlich zerstört werden.
c. Ein Vogeldoktor. Die Thätigkeit eines Vogeldoktors schildert sehr hübsch ein Artikel in der Zeitschrift Girls Realm".. Der Doktor ist eine unternehmende englische Dame, die die originelle Idee hatte,