Medizinisches. se. Eine neue Behandlung der Kurzsichtig- keit. Auf dem letztenKongreh der Gelehrten Gesellschaften Frank- -reichs" hat der Augenarzt Dr. Leprince auf Grund einer vieljährigen Erfahrung über die Behandlung der Kurzsichtigkeit gesprochen. Er ist von dem Standpunkt ausgegangen, daß es für eine so verwickelte Erscheinung nicht ein einziges Heilmittel geben könne, sondern daß der Grad und die Art der Kurzsichtigkeit berücksichtigt werden müsse. Er unterscheidet zwischen schwacher, mittlerer und starker Kurzsichtigkeit, oder, wie die Wissenschaft sich ausdrückt, Myopie . Die schwache fturzsichtigkeit nennt er nach ihrem leider gewöhnlichen Ursprung Schulmyopie, weil sie sich sehr häufig bei Schülern findet. Gegen sie müsien vor allem vorbeugende Maßregeln ergriffen werden, um eine weitere Entwicklung des Leidens zu verhindern und es, wenn möglich, noch zu heilen. Für die wichtigsten Mittel hält Leprince in dieser Hinsicht die Massage des Augapfels und der Gegend der Augenbrauen und meint, daß man in drei Vierteln aller Fälle auf diesem Wege die Notwendigkeit des Gebrauchs von Augengläsern verhindern könne. In der zweiten Klasse der Kurzsichtigkeit, die weitaus die meisten Fälle in sich schließt, ist die Anwendung von Gläsern angezeigt. Ist die Myopie noch nicht so weit vorgeschritten, so kann auch hier die Massage noch eine Besserung herbeiführen, indem sie den Stoffwechsel innerhalb des Auges, mit andren Worten seine Ernährung durch den Säftezufluß, anregt. Daß die Aus- wähl der Gläser mit großer Sorgfalt für jede einzelne Person ge- schehen mutz, ist selbstverständlich, kann aber nicht oft genug wieder- holt werden. Durch eine passende Behandlung kann ein Kurz- sichtiger dieser Klasse dazu gebracht werden, daß er zehn oder zwölf Stunden ohne Beschwerden zu arbeiten vermag. Besonders merkwürdig ist nun erst die Art, wie Dr. Leprince die starke Kurzsichtigkeit behandelt. Zunächst schreibt er den Ge- brauch von Gläsern vor, dann aber versucht er die weitere Zunahme der Myopie von Grund aus zu verhindern, und zwar durch Ein- spritzungen unter die Bindehaut des Auges. Als Jmpfflüssigkeit wendet er eine Salzlösung an, die unter dem Namen des physiologi- sehen Serums bekannt ist und auch zu andren Zwecken schon vielfach von den Aerzten benutzt wird. Die Flüssigkeit dringt unmittelbar durch die Lymphwege in den Säftekreislauf des Auges ein und bringt so das Heilmittel bis an die Stelle selbst, die durch eine Blutung oder andre Störungen erkrankt ist. Dadurch wird die Wirkung eine viel stärkere als bei der Anwendung von äußerlichen Mitteln oder Augenbädern. Mehr oder weniger starke Trübungen des Glas- körpers sowie die ungemein lästige Beeinträchtigung des Gesichts- selbes durch die Erscheinung von faden-, netz- oder spinnenartigcn Gebilden werden durch diese Behandlung geheilt. Bei besonders verwickelten Erkrankungen wendet Dr. Leprince noch andre Arzneien neben der Salzlösung an. Das Verfahren selbst ist für den Patienten keineswegs unangenehm, wenn das Auge vorher durch Kokain un- beweglich oder unempfindlich gemacht ist. Nach jeder Einspritzung ist nur eine Schonung von zwei oder drei Stunden erforderlich, ehe der Kranke wieder seiner Arbeit nachgehen kann. Eine merkliche Besserung tritt gewöhnlich nach der vierten oder fünften Ein- spritzung ein. Tie Gesichtsschärfe steigert sich langsam, freilich niemals bis zur Güte eines ganz gesunden Auges. Vor allem aber verschwinden die quälenden Nebenerscheinungen, und ein weiterer Fortschritt der Kurzsichtigkeit wird sicher verhindert. Besonderes Gewicht legt der Arzt auf die Beeinflussung des bei starker Kurz- sichtigkeit stets erkrankten Glaskörpers, der durch die Einspritzungen eine erhöhte Leistungsfähigkeit zurückerhält. Endlich ist auch die Tragweite des Verfahrens für die Vermeidung noch schwererer Augen- krankheiten Hervorzuheben, namentlich der Netzhautablösung, eines bis jetzt leider noch fast unheilbaren Leidens. Geologisches. cg. Geologisches von Helgoland . Die großen Bodenbewegungen, welche die Grenzen zwischen Festland und Meer seit ältester Zeit verschoben haben, sind auch in jüngeren Erdperioden noch nachzuweisen. Namentlich sind an den Küsten der Ostsee und Nordsee mehrere Anzeichen beobachtet worden, die auf eine Ver- änderung des Meeresniveaus nach der Eiszeit hindeuten. Jetzt neuerdings hat auch W. Wolfs in seinen geologischen Beobachtungen auf Helgoland (Monatsberichte der Deutschen geologischen Ge- fellschaft", ISOZ, Nr. 7) auf Beweise für solche Niveauschwankungen aufmerksam gemacht. Die Insel Helgoland besteht aus einem hohen, steilen Felsenblock und einer niederen Düne, die beide nur der über die Meeresoberfläche hervorragende Teil einer großen unterseeischen Landmasse sind. Di: b-tztere besteht aus Gestein, das in alter Zeit bis zur Kreideperiode herauf abgelagert worden ist. Dieser unter- seeische Landrücken ist im Bereiche der heutigen Insel in seinem ganzen Umfange leicht festzustellen, während an seinen äußeren Grenzen die Meerestiefe jäh zunimmt. Ursprünglich hat nun offenbar der ganze Landrücken einmal die Höhe besessen, die heute nur noch die steile Hauptinsel besitzt. Allein die Wellen der Nordsee haben an dem oberen Teil der Landmasse, soweit er über der Wasser- obcrfläch» liegt, unaufhörlich genagt, und sie haben ihn soweit ab- getragen, daß nur noch ein Stück davon, eben die heutige Hauptinsel, übrig geblieben ist. Nach der Abrasion, die noch heute erfolgt, und die im Jahrhundert einen Landschwund von 3 5 Metern Breite bedeutet, läßt sich berechnen, wieviel Zeit die Nordsee gebraucht hat, um die ganze Landmasse bis zu ihrer heutigen Forat abzutragen. Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner , Berlin. Druck und Verlag: Man gelangt da auf eine Zeit von 10 000 15 000 Jahren. Diese Zahl ist sehr interessant, man ersieht aus ihr, daß die Nordsee erst seit verhältnismäßig junger Zeit Helgoland umspült. Man kann allerdings daraus zunächst noch nicht mit Sicherheit schließen, daß sich Helgoland nebst seiner Umgebung um jene Zeit so weit gesenkt habe, daß die Fluten der benachbarten Nordsee über das Land herein- brachen und es umspülten. Es wäre auch möglich, daß zu jener Zeit das Binneneis geschmolzen und dadurch das Niveau der Nordsee soweit gehoben worden sei, daß diese nun bis Helgoland vordrang. In diesem Falle hätte also keine Boden' chwankung stattgefunden. Allein für diese, für ein Hinabsinken der Erdscholle, auf der Helgo- land steht, sprechen doch zwei verschiedene Erscheinungen. Einmal hat man auf der Doggerbank Reste vom Renntier und Mammut ge- funden. Es mutz also damals auf Helgoland eine Periode gegeben haben, wo dieses Festland war, nachdem das Binneneis ver» schwunden war, und ehe die Fluten der Nordsee hereinbrachen. Sodann aber spricht ein weiterer Umstand für die Niveausenkung Helgolands . Es sind nämlich fünf Meter unter der Meeresoberfläche im Nordhafen und bei den Klippen nördlich der Düne nacheiszeitliche Pfanzen- und Tierreste gefunden worden, die in süßem'Wasser ab- gelagert worden sind. Eine solche Süßwasserablagerung konnte natürlich nur erfolgen, wenn zwischen der Vereisung und der Ueber- flutung durch die Nordsee eine Festlandszeit lag. Wir müssen des- halb annehmen, daß Helgoland nach der Eiszeit noch eine Zeitlang zum Festlande gehörte, daß aber dann der Boden sich senkte und das Land, zu dem Helgoland gehörte, vom Meere überflutet wurde. Helgoland ragte aber damals als bedeutend größere Insel aus dem Meere hervor, die Wellen nagten indes unaufhörlich an der Küste, so daß der obere Teil der Insel bis auf den heuttgen Rest zerstört wurde. Humoristisches. Der arme Magen. Arzt(zum Patienten):Von dieser Medizin dürfen Sie aber nichts verschütten, sonst ruinieren Sie's Nachtkast'l!"- Deutlich. Fremder(der nach Besichttgung des Schlosses dem Kastellan ein sehr kleines Trinkgeld gegeben hat):Sagen Sie guter Freund, spukt's denn hier auch manchmal?" K a st e l l a n(grob):Unter einer Mark nicht l' Viel verlangt. Grapholog:Was unsereins nicht alles wissen soll. Gestern schickt mir eine Mutter, die den Zu» künstigen ihrer Tochter zum Essen einladen will, dessen Schriftzüge, mit der Bitte, aus ihnen herauszubringen, was seine Leibspeise ist l"(Meggendorfer Blätter.") Notizen. Historische Lieder(Bylinen) aus Sibirien hat die Abteilung für russische Sprache und Litteratur der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg eben in ihrenNachrichten" heraus- gegeben. Diese Lieder sind schon in den sechziger Jahren von dem verstorbenen sibirischen Ethnographen S. I. Guljajew gesammelt worden und haben für Forscher und Liebhaber der epischen Volks- altertümer ein hoheö Interesse.(Globus ".) Das Leipziger Schauspielhaus wird anfangs der Saison Josef Stolbas dreiakttges LustspielDieSeebad- Nixe" erstmalig aufführen. Die in Mailand preisgekrönte einastige OperetteDie Ziegenhirtin" von Dupont wird im Herbst dieses Jahres an der Wiener H o f o p e r zur Aufführung gelangen. t. Glasierte Butter. Es ist auch in Deutschland längst bekannt, daß sich die Butter mit Anwendung von Hucker glasieren, d. h. mit einem glasähnlichen Ueberzug versehen läßt. Das Ver- fahren scheint jetzt Bedeutung zu erhalten, da es neuerdings in Eng- land in größerem Maßstabe für die in Formen verkaufte Butter Anwendung findet. DieDroguisten-Zeitung" macht daher auf den Nutzen dieser Nenerung aufmerksam, der darin besteht, daß sich die so behandelte Butter längere Zeit hält. Sie wird zuerst sehr sorg- fältig geknetet und gewaschen, dann in Pfunde abgewogen, gesonnt und in einen kühlen Raum gebracht. Die Glasierung erfolgt nun in der Weise, daß die Oberfläche der Butter mit einer heißen Zucker- lösung bepinselt wird. Der Pinsel muß sehr weich sein und rasch über die Butter geführt werden. Unter der Wirkung der heißen Lösung schmilzt eine dünne Schicht der Butter an der Oberfläche und verbindet sich mit der Zuckerlösung zu einem eisähnlichen glänzenden Lack, der die Ware gegen verschlechternde Einflüsse von außen her vollkommen schützt. c. Per Dampf. Einen Rekord im Romanschreiben stellt die englische Schriftstellerin Mrs. L. T. Meade auf. wenigstens in der Schnelligkeit. Wenn sie im Zuge ist, diktiert sie. wie eine englische Zeitschrist verrät, ihren zwei oder drei Sekretärinnen 6000 Worte täglich. Glücklicherweise". In einer vom ftanzösischen Kolonialministerium veröffentlichten Note über die Zustände in den französischen Besitzungen Jndochinas findet sich folgender Satz: Die Bewohner Cambodgas sehen es als die schwerste Beleidigung an, die man ihnen zuzufügen vermag, wenn man ihnen den Kopf abschneidet; die andren Völker Jndochinas teilenglücklicherwerse nicht dieses Vorurteil."______ Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagsanstaltPaul Singer LcCo..Berlin L1V.