Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 23.

23]

Mittwoch, den 1. Februar.

( Nachdrud verboten.)

Der Baumeister.

Roman von Felix Holländer .

Reßler weďte Steinert aus seinen Grübeleien. Worüber denken Sie jetzt nach?" fragte er ihn. " Ich weiß nicht," antwortete er niedergeschlagen, wie es weitergehen soll. Alle meine letzten Versuche, Geld aufzu­treiben, sind gescheitert. Wie ich am nächsten Samstag die Erdarbeiter ablöhnen soll, kann ich nicht sagen. Und ebenso, woher wir die Steine für den Bau friegen... Sind wir genötigt, die Arbeit einzustellen, so macht das nach außen hin den übelsten Eindruck, und die Möglichkeit, Kredit zu erlangen, wird immer geringer."

Reßler verlor bei dieser Jeremiade nicht einen Augenblick seine Fassung.

Sie werden schon Geld auftreiben," entgegnete er ganz ruhig. Darüber mache ich mir nicht die geringste Sorge. Und die Steine werden wir einfach pumpen. Das kann doch jetzt keine Schwierigkeiten machen, wo der Bau in Angriff ge­nommen ist, und alle Welt sieht, daß es Ernst wird."

Es macht viel größere Schwierigkeiten, als Sie ahnen, Herr Baumeister . Steine sind ein Artikel, der nur gegen Stassa geliefert wird. Alles, glaube ich, kriegen wir geborgt, wenn erst einmal der Bau emporsteigt die Steine aber Steinert, schenken Sie sich den Schluß. Sie werden's machen ich bin überzeugt davon."

-

Steinert lächelte melancholisch. Keplers naiver Glaube an ihn als Pumpgenie fing an, ihm Kopfschmerzen zu bereiten. Der Baumeister fümmerte sich um die Geldangelegenheiten überhaupt nicht. Ich baue und Sie schaffen das Geld herbei so ist es doch zwischen uns abgemacht," war seine ewige Antwort auf alle Einwände Steinerts.

Gewiß! Gewiß!" erwiderte er zaghaft, ich bestreite ja auch nicht, daß das zwischen uns vereinbart ist, aber was soll man tun, wenn die Geldgeber, die vom Theater nichts verstehen, zu der Sache kein Vertrauen haben mit einem Worte für uns umzugänglich sind?"

Sie müssen so lange suchen, bis Sie den rechten Mann

finden!"

-

Steinert firierte Reßler.

Machen Sie sich über mich lustig?"

" Ich spreche im vollsten Ernit!"

1905

,, So greifen Sie mit beiden Händen zu!... Zaudern Sie nicht lange!... Zeit verloren, heißt in diesem Falle alles verloren!"

" 1

Der Mann verlangt Wucherzinsen!"

,, Geben Sie sie ihm!"

Er macht es noch von einer anderen Bedingung ab

hängig!" So reden Sie doch endlich zu Ende! Man wird ja ganz nervös bei diesen ewigen Andeutungen! Wie heißt die Stanaille?"

Der Mann heißt Frenzel, in Firma Frenzel und

Maschke!"

,, Und um was für eine Forderung handelt es sich?" ,, Er verlangt, daß Sie ihm ein Haus abkaufen!" Ich?" Keßler lachte laut auf. Der Mensch ist

verrückt!"

-

Sie irren..., das ist ein verteufelt schlauer Einfall. Von dem Gelde, das er Ihnen leiht, zahlen Sie dreißigtausend Mark als Anzahlung. Das Haus steht in einer verlorenen Gegend, und der Kaufpreis steht in feinem Verhältnis zu dem Werte des Objekts!"

Art

Sed fun siste

,, Mit anderen Worten ist das Halsabschneiderei!" Selbstverständlich!... Glauben Sie denn, daß diese von Menschen mir nichts, dir nichts zu Gelde kommen? Alles hat im Leben seinen Grund!"

"

Sie sehen keine Möglichkeit, auf eine andere Weise Geld zu beschaffen?"

Momentan nicht!"

Gut, so kaufen Sie in Gottes Namen für mich das Haus!"

Einen Vorteil bringt ja die Geschichte entschieden," nahm Steinert nach einer längeren Pause das Wort wieder auf. Sie verlieren zwar unzweifelhaft bei dem Geschäft eine Masse Geld... Sie müssen, jedes Quartal ungeheure Zinsen zahlen

aber andererseits bin ich dafür in der Lage, von Ihnen als Hauseigentümer zu reden und Sie als einen fapital­fräftigen Mann hinzustellen." Sejler ging auf diese Auseinandersetzung nicht ein. ,, Vor allen Dingen werden Steine gekauft, damit wir endlich beginnen können."

Von dem Gelde aber nicht. Das brauchen wir un­bedingt für die Arbeitslöhne und laufenden Ausgaben. Und jezt kommen Sie..., wir müssen uns einen Wagen nehmen, wenn wir das Rendezvous rechtzeitig innehalten wollen." Was für ein Rendezvous denn..., ich weiß ja von nichts."

Nun, dann erkläre ich Ihnen, daß ich mir die Sohlen Ich habe zu Herrn Frenzel gesagt, daß wir uns zwischen abgelaufen und mir den Mund wundgeredet habe und alles zwölf und eins in seinem Bureau einfinden werden; und jetzt ohne Erfolg daß ich jeden Tag mindestens ein Dußend ist es bereits halb eins." mind shal Briefe schreibe, in denen ich um Konferenzen bitte. Die aller- Demnach haben Sie bereits alles abgemacht?" wenigsten reagieren überhaupt und wenn sich einer dazu - herabläßt, so antwortet er gewöhnlich, daß er momentan mit anderen Geschäften zu sehr engagiert ist."

packen!?"

Das sind ja nette Aussichten! Da können wir also ein " Das habe ich nicht gesagt! Und das mag Gott ver­hiiten!"

,, Lassen Sie den lieben Gott beiseite!" entgegnete Kepler unwirsch. Erst schildern Sie einem die Dinge so rosig als möglich, und jetzt auf einmal türmt sich Schwierigkeit auf Schwierigkeit, so daß Sie nicht aus noch ein wissen. Ich muß einen freien Kopf haben, wenn ich bauen soll! Ich kann mir nicht jeden Tag über diese verdammten Geldangelegenheiten den Schädel- Darum habe ich mich ja gerade mit Ihnen, Verehrtester, verbunden!"

Gewiß kann ich Geld auftreiben-- aber fragen Sie nur nicht nach den Bedingungen! Man möchte sich doch nicht bewuchern lassen!"

" Sicherlich nicht!" erwiderte Keßler. Aber wenn einem das Messer an der Kehle sitzt, darf man nicht lange fackeln. Die Hauptsache ist: der Bau darf unter keinen Umständen unter­brochen werden. Nehmen Sie das Geld, woher Sie es kriegen! Wieviel können Sie friegen?"

"

,, Es sind hunderttausend Mark, die mir angeboten sind es ist aber nicht ausgeschlossen, daß es vielleicht schon morgen zweihunderttausend sind!"

-

Reineswegs ich habe im Gegenteil erklärt, daß es mir sehr zweifelhaft erscheint, ob. Sie auf diese Vorschläge ein. gehen würden. Ich bitte Sie auch, äußerst zurückhaltend zu fein. Denn merkt dieser Halunke, daß wir auf ihn angewiesen sind, so schnürt er die Strawatte noch fester."

"

Das muß ja ein liebliches Exemplar sein!"

,, Einer der gefährlichsten Kunden auf Gottes Erde !" Hören Sie mal, Herr Steinert, mich dürftet nicht nach der Bekanntschaft. Machen Sie das Geschäft mit dem Manne allein! Sie wissen ja auch besser, wie man diese Sorte nehmen muß!"

Wenn ich allein komme, sehe ich keinen Groschen. Der Mann besteht darauf, mit Ihnen persönlich zu unterhandeln." Reßler seufzte tief auf. Sein Gesicht zog sich in Falten. Sie stiegen in einen Tarameter und sprachen während der Fahrt kein Wort...

Achtzehntes Rapitel.

Die Firma Frenzel und Maschke handelte mit Getreide und hatte ihr Comptoir am Salzufer.

Getreidefirma?" sagte Keßler und sah mit einem sonder baren Blick Steinert an. Seine Miene drückte Uebelkeit aus. Steinert zuckte nur schweigend mit den Achseln.

Ich möchte am liebsten jetzt noch umkehren," meinte Steinert knöpfte sich den Rock zu.

Keßler.